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Raubbau am Planeten Erde spitzt sich zu

WWF-Studie: EU-Lebensstil verschlingt 2,66 Mal zu viel Ressourcen

Raumstation ISS - Fehlende Nachhaltigkeit in Produktion und Konsum lassen unseren Planeten immer mehr erkranken: Anderthalb Jahre braucht die Erde derzeit, um die in einem Jahr vom Menschen genutzten Ressourcen wieder neu zu schaffen. Blickt man allein auf die Industrieländer, fällt der Vergleich jedoch noch weit schlechter aus: Würden alle so leben wie die EU, wären sogar 2,66 Erden pro Jahr nötig. Das geht aus dem “Living Planet Report” hervor, den die Umweltschutzorganisation WWF http://wwf.panda.org am heutigen Montag veröffentlicht hat.

Hauptschuldige: Öl, Kohle und Waldverlust

Der alle zwei Jahre erhobene Index stellt den ökologischen Fußabdruck der Länder mit den verfügbaren Ressourcen - der “Biokapazität” - gegenüber. Nachhaltiger Konsum würde nur das verbrauchen, was die Erde bieten kann, nämlich zwölf Mrd. Hektar (ha) pro Jahr oder 1,8 ha pro Mensch. Derzeit verbraucht die Menschheit jedoch 18 Mrd. globale Hektar oder 2,7 ha pro Person, also das 1,52-Fache. Österreich (5,29 ha), die Schweiz (5,01 ha) und Deutschland (4,57 ha) liegen noch deutlich über diesem Durchschnitt, während sich Länder mit mittlerem Einkommen mit 1,92 ha, bei niedrigem Einkommen sogar mit 1,14 ha Verbrauch begnügen.

Hauptverursacher dieses enormen Raubbaus sind mit einem Anteil von 55 Prozent die Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen wie Öl und Kohle. Dahinter rangiert mit 20 Prozent der Waldverlust durch Umwandlung von Wald in Weide- und Ackerland, der jährlich mit 130.000 Quadratkilometern - der gemeinsamen Fläche Österreichs und der Schweiz - voranschreitet. Gibt es künftig keinen strengeren Waldschutz, gehen bis 2050 weitere 2,3 Mio. Quadratkilometer Waldfläche verloren, rechnet der WWF vor. Doch auch die Überfischung wirkt sich empfindlich aus - heute fischt man fünfmal mehr als 1970.

Erde gerät unter Druck

Gemeinsam mit anderen Ursachen wie Umweltverschmutzung, Zerstören der Lebensräume oder Bioinvasoren hat der Klimawandel vor allem zum Artenverlust geführt: In den vergangenen 40 Jahren verschwanden 30 Prozent aller Arten des Planeten - in den Tropen 60 Prozent und an tropischen Flüssen sogar 75 Prozent - oder gingen zumindest empfindlich zurück. Die Spezies Mensch bekommt den Wandel unter anderem durch Wasserknappheit zu spüren: 500 Mio. leiden unter negativen Auswirkungen von Flussregulierungen, 900 Mio. fehlt sauberes Trinkwasser und 2,7 Mrd. haben keinen Zugang zu Sanitäranlagen.

Totale Umgestaltung nötig

Für die Zukunft liefert der WWF ein düsteres Bild: “Rechnete man 2006 noch damit, dass wir erst 2050 zwei Planeten brauchen werden, so dürfte dieser Zustand schon 2030 erreicht werden. 2050 sind drei Planeten nötig”, erklärt Franko Petri, Sprecher des WWF Österreich http://wwf.de , im Interview. Zwar entwickeln sich viele Industrienationen dank Umweltmaßnahmen positiv, doch trügt der Schein. “Dies geht nur darauf zurück, dass hier die Abholzung schon vor 1970 geschah und man sich heute Naturschutz leisten kann. Dazu kommt, dass der Konsumstil der Industrienationen vor allem Entwicklungsländer ausbeutet.”

Trotz dieser dramatischen Lage sei es zu schaffen, 2050 neun Mrd. Menschen mit Nahrung, Energie und Wasser zu versorgen, doch müssten dafür die Lebensweise und Wirtschaft komplett umgestellt werden. “Produktion und Konsum müssen als Ganzes gesehen werden. Wir brauchen eine Transformation, die Wachstum und Ressourcen entkoppelt - also in Richtung mehr Dienstleistung, nachhaltigerem Konsum und mehr erneuerbaren Energien”, sagt Petri. Fließen die natürlichen Ressourcen nicht in die Rechnungen des internationalen Finanzsystems ein, sei ein Jahrhundert der Umweltkatastrophen unvermeidbar. Ende

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Unbewusstes Wissen wirkt bewusst

Auch unbewusste Erfahrungen leiten unsere Entscheidungen

Bern - Unsere Entscheidungen werden auch von unbewussten Gedanken beeinflusst. Das haben der Berner Psychologe Thomas Reber und sein Team an der Universität Bern http://unibe.ch herausgefunden. Die unbewussten Abläufe laufen demnach ohne unser Wissen im Bewusstsein ab. Bisher wurden in der Psychologie bewusste und unbewusste Entscheidungen unterschiedlich eingeschätzt. “Eine neuere Theorie würde nicht mehr unterscheiden zwischen bewussten und unbewussten Gedächnissystemen”, sagt Reber gegenüber uns.

Hippokampus speichert Unbewusstes

Die Forscher des Centers for Learning, Memory and Cognition http://www.cclm.unibe.ch konnten zeigen, dass unbewusst erlebte Situationen auch unbewusst analysiert, miteinander verglichen und abgespeichert werden. Das unbewusst erworbene Wissen kann sogar in bewusst erlebten Situationen wieder hervorgeholt werden. Unbewusstes Wissen beeinflusst unser Entscheidungsverhalten ebenso wie bewusstes Wissen.

Das bewusste Gedächtnissystem, der Hippokampus, ermöglicht komplexes Lernen und Erinnern. Die Wissenschaftler machten ein Gedächtnis-Experiment mit Versuchspersonen. Den Probanden wurden verschiedene Situationen dargestellt: “Wir sehen unseren jungen Nachbarn in einem neuen Sportwagen vorbeirauschen. Später sehen wir einen uns unbekannten älteren Herrn am Steuer desselben Sportwagens sitzen”, lautet etwa eine Beschreibung innerhalb des Experiments.

Gängige Gedächtnistheorien erweiterbar

Die Versuchspersonen verbinden im Gedächtnis diese beiden Situationen - das passiert bewusst. Deswegen reagieren die Probanden nicht überrascht, wenn der “Nachbar” später neben dem älteren Herrn im Kino sitzt. In dieser Weise wirken bewusst erinnerte Situationen auf unser bewusstes Verhalten. Nun kann das Ganze auch unbewusst ablaufen - aber dennoch unser bewusstes Verhalten beeinflussen. Dafür zeigten die Experten den Versuchspersonen die Situation “Nachbar im neuen Sportwagen” und “Nachbar mit älterem Herren” nur unterschwellig.

Das Bild wird den Versuchspersonen nur in einigen Tausendstel einer Sekunde gezeigt. Dadurch konnten die Probanden die Situationen nur unbewusst erfassen. Die Situation “Nachbar mit älterem Herren im Kino” wurde hingegen normal lange gezeigt. Diese Situtation verlangte von den Versuchspersonen eine bewusste Entscheidung. Die Situation wurde bewusst und unbewusst gleich beurteilt. “Diese Ergebnisse erweitern gängige Gedächtnistheorien und relativieren die Bedeutung des Bewusstseins beim Lernen”, meint Reber. (Ende)

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Stammzellen-Schild schützt Krebspatienten

Chemotherapie greift Knochenmark nicht mehr an

Seattle - Ein Schild aus Stammzellen könnte den Körper vor den schädigenden Folgen einer Chemotherapie schützen. Darauf weisen erste Ergebnisse einer Studie des Fred Hutchinson Cancer Research Center http://fhcrc.org hin. Bei der Chemotherapie werden Medikamente eingesetzt, die die sich rasch teilenden Krebszellen abtöten sollen. Betroffen kann aber auch gesundes Gewebe und auch das Knochenmark sein. Für die in Science Translational Medicine http://stm.sciencemag.org veröffentlichte Studie wurden gentechnisch veränderte Stammzellen für den Schutz des Knochenmarks eingesetzt. Laut Susan Short von Cancer Research UK http://cancerresearchuk.org handelt es sich dabei um einen völlig neuen Behandlungsansatz.

Einsatz von körpereigenen Stammzellen

Der Körper bildet im Inneren der Knochen permanent neue Blutkörperchen. Das Knochenmark reagiert jedoch äußert empfindlich auf eine Chemotherapie. Diese Behandlung führt dazu, dass weniger weiße Blutkörperchen gebildet werden. Damit steigt das Risiko einer Infektion. Auch die Anzahl der roten Blutkörperchen verringert sich.

Die Folgen sind Kurzatmigkeit und Müdigkeit. Laut den Wissenschaftlern sind diese Nebenwirkungen ein großes Hindernis beim Einsatz der Chemotherapie. Häufig muss die Behandlung gestoppt, verzögert oder in einem geringeren Ausmaß durchgeführt werden. Die Experten haben versucht, dass Knochenmark von drei Patienten mit Glioblastomen zu schützen.

Laut Jennifer Adair, eine der Autorinnen der Studie zielt diese Therapie gleichzeitig auf die Tumorzellen und die Zellen des Knochenmarks ab. Das Knochenmark wird geschützt und die Tumorzellen sind der Chemotherapie ausgesetzt. Den Patienten wurde Knochenmark entnommen. Stammzellen, die Blutkörperchen produzieren, wurden isoliert. Mit Hilfe eines Virus wurden die Zellen mit einem Gen infiziert, das die Zellen gegen die Chemotherapie-Medikamente schützte. In einem nächsten Schritt wurden die Zellen den Patienten wieder eingesetzt.

Überlebenszeit verlängert sich deutlich

Der leitende Wissenschaftler Hans-Peter Kiem betont, dass die auf diese Weise behandelten Patienten besser mit der Chemotherapie zurechtkamen und unter keinen negativen Nebenwirkungen litten. Alle drei Patienten überlebten länger als die zwölf Monate, die bei dieser Art von Krebs durchschnittliche Überlebenszeit. Ein Patient lebte auch 34 Monate nach der Behandlung noch.

(Ende)

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Neue Pille ahmt Östrogen der Frau nach

Geringere Nebenwirkungen auf Leberstoffwechsel erwartet

Wien - Eine Antibabypille, die das für zahlreiche negative Nebenwirkungen verantwortlich gemachte synthetische Östrogen durch eine verträglichere Variante ersetzt, haben Gynäkologen am heutigen Donnerstag in Wien präsentiert. “Zu empfehlen ist das neue Präparat vor allem für Frauen, die bereits mehrere hormonelle Verhütungsmittel probiert haben und aufgrund der Nebenwirkungen nicht damit zufrieden sind”, berichtet der Gynäkologe Christian Matthai.

Günstiger für Stoffwechsel

Der Ovulationshemmer Nomegestrol (Handelsname “Zoely”) basiert auf einer Östrogenkomponente, die in der Molekülstruktur dem im Körper der Frau gebildeten 17 Beta-Estradiol entspricht. Kombiniert damit wird das selektive Gestagen Nomegestrolacetat, das die Halbwertszeit der Pille verlängert und dadurch die Sicherheit erhöht. “Die Bioverfügbarkeit von Estradiol beträgt bei oraler Anwendung nur zehn Prozent jener des Ethinylestradiols, das in der herkömmlichen Antibabypille verwendet wird”, erklärt die Sexualmedizinerin und Gynäkologin Doris Linsberger.

Die Kontraindikationen von Nomegestrol sind dieselben wie jene der herkömmlichen Pille -Thrombosen, Migräne, Diabetes oder ungeklärte Vaginalblutungen gehören etwa dazu. Die Gynäkologen hoffen aber, dass es durch das an den Körper eher angepasste Estradiol seltener zu Nebenwirkungen auf den Leberstoffwechsel kommt und eventuell die Thrombosegefahr gesenkt wird. Diesbezügliche klinische Langzeitdaten fehlen aber bislang noch, zudem können Akne, verminderte Libido, Depression oder Kopfschmerzen weiterhin auftreten.

Temperaturmessung wird präziser

Der Wunsch nach hormonfreien Verhütungsmethoden ist laut den Wiener Experten in den gynäkologischen Praxen weiterhin groß. Dank fortschreitender Technik gibt es jedoch auch bei den früher als “unsicher” bezeichneten Temperaturmethoden Erfolge zu vermelden, wie etwa “Cyclotest 2 plus” http://cyclotest.de , ein Minicomputer mit USB-Anbindung, der aus der Messung der Mundtemperatur im Voraus die unfruchtbare Zyklusphase anzeigt. Bei Nutzung als symptothermale Methode und korrekter Anwendung ist ein Sicherheitsgrad von bis zu 1 auf dem Pearl-Index erreichbar. In der fruchtbaren Phase sind allerdings andere Verhütungsformen oder Verzicht auf Sex nötig.

Einen neuen Ansatz mit ähnlicher Funktion, der sogar bei unregelmäßigen Zyklen, Schichtdienst, Krankheit oder in der Menopause genutzt werden kann, verspricht “OvulaSens” http://ovulasens.com , dessen Zulassung und Markteinführung in den kommenden Monaten bevorsteht. Ein Sensor-Plastikring in der Scheide misst dabei laufend die Körperinnentemperatur und errechnet daraus den Fruchtbarkeitsstatus.

Download der Fotos der Veranstaltung unter http://fotodienst.pressetext.com/album/2986 (Ende)

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Chromosomen: Männer sterben nicht aus

Für Fruchtbarkeit entscheidende Gene bleiben bestehen

London/Berlin - Ein Forscherteam vom Institut für Genetik, Evolution und Umwelt der University College London http://ucl.ac.uk/gee hat bewiesen, dass das für Fruchtbarkeit verantwortliche Gen bleibt. Jeder Mensch verfügt über 23 Chromosomenpaare, eines davon ist ein Geschlechtschromosom: XY für Männer, XX für Frauen. “Das Y-Chromosom hat sowieso weniger Gene und ist auch fragiler als das X-Chromosom”, sagt Steve Robertson vom Institut für Geschlechterforschung an der Universität Leeds http://bit.ly/KYHB1J gegenüber uns. Fazit: Das Y-Chromosom trägt weniger als 200 Gene, während das X weit über 1.100 Gene verfügt.

Analysen bei Hühnern

Die Forscher untersuchten unter der Leitung der Judith Mank das W-Chromosom weiblicher Hühner. Es ist ähnlich wie das Y-Chromosom männlicher Menschen über Jahrmillionen geschrumpft. Und es ist genauso auf ein Geschlecht beschränkt, wie das Y beim Mann eben nur einen männlichen Nachfahren erzeugt.

Das Gen für die Möglichkeit der Vermehrung der Art blieb dem W-Chromosom erhalten. Die Untersuchung des W-Chromosoms bei Hühnern lässt Rückschlüsse auf das Y-Chromosom zu: “Die Y-Chromosomen sind nicht das genetische Ödland als das sie häufig gesehen werden”, sagt Mank.

Menschliche Rasse gesichert

Die Menschheit kann aufatmen. Das männliche Y-Chromosom bleibt uns in seiner Fortpflanzungsfähigkeit erhalten. Trotz seiner Schwäche überleben zumindest die Gene, die etwa für die Bildung von Spermien wichtig sind.

Selbst wenn sich das Y-Chromosom komplett abbauen würde, würde sich ein neues Paar der Geschlechtschromosomen entwickeln. Zunächst ist der Fortbestand der menschlichen Rasse gesichert. Zumindest in den nächsten Jahrmillionen - wenn nichts dazwischen kommt, so die Forscher. (Ende)

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Erziehung und Freunde fördern Suchtprävention

Experten: Disziplin und Interesse der Eltern wesentlich

München/State College - Der Konsum von Zigaretten, Alkohol und illegalen Drogen beginnt meist bereits in der Jugendzeit. In diesem Lebensalter sowie in den Jahren davor muss Prävention ansetzen, um Sucht frühzeitig aus dem Weg zu gehen. Die Eltern eines Jugendlichen spielen hier eine wichtige Rolle, zeigen US-Forscher in aktuellen Studien, genauso jedoch auch die Freunde und deren Eltern. “Eltern verlieren im Lauf der Adoleszenz an Einfluss, während jener durch Peers zunimmt”, betont Patrick Durner, pädagogischer Leiter der “Stiftung SehnSucht” http://stiftung-sehnsucht.de , im Interview.

Vorbild der Eltern

Genauso wie die Sucht besitzt auch die Prävention drei Ebenen - das Suchtmittel, die Umwelt und die Person selbst. “Sind Drogen teuer, schlecht verfügbar oder nebenwirkungsreich, kann dies Jugendliche abhalten”, sagt Durner. Bei der Umwelt spielen gute Beziehungen zu Gleichaltrigen, Freizeitmöglichkeiten im Wohnumfeld oder die Lernumgebung in der Schule eine Rolle, doch auch schulisch und beruflich attraktive Perspektiven oder gesellschaftliche Ablehnung des Suchtmittels. “Besonders schützend ist zudem, wenn man eine unterstützende, verständnisvolle Familie hat und gute Hilfesysteme existieren”, so der Sozialpädagoge, dessen Stiftung suchtpräventiven Programme für Schulen bietet.

Doch wie sieht Erziehung aus, die Süchten vorbeugend entgegenwirkt? Durner mahnt, dass es vor allem um das Vorbild der Eltern geht. “Verharmlosen sie den eigenen übermäßigen Konsum und fordern gleichzeitig von den Kindern Abstinenz, kann dies ebenso suchtfördernd sein wie mangelnde Struktur sowie Desinteresse am Kind und dem, was es beschäftigt.” Problematisch ist reine Leistungsorientierung bei wenig Bestätigung, während Konsequenz, das Setzen von Grenzen, jedoch auch Wertschätzung und das schrittweise Zugeständnis von mehr Rechten und Freiheiten schützend wirken.

Stress und Frust bewältigen

Viele Weichen der dritten Ebene - der Person selbst - werden schon früh gestellt. Entscheidend ist hier etwa die Erfahrung, dass man mit eigenen Fähigkeiten etwas bewirken kann, Selbstbewusstsein und Selbstwert. Auch Risikokompetenz, konkrete Zukunftsperspektiven und die Anerkennung durch Gleichaltrige und erwachsene Bezugspersonen gehören dazu. “Es geht jedoch genauso um konstruktiven Umgang mit negativen Gefühlen wie Stress und Frust. Deshalb kommt es sehr darauf an, ob etwa der Vater nach einem stressigen Arbeitstag Alternativen zu Bier und Fernseher hat - oder ob eine Familie Gefühle bespricht und Schwierigkeiten konstruktiv löst.”

Auch Freundeseltern haben Einfluss

Freunde und deren Eltern haben bei Jugendlichen allerdings genauso viel Einfluss auf das Suchtverhalten wie die eigene Familie, zeigen Präventionsforscher der Pennsylvania State University http://psu.edu aktuell im “Journal of Studies on Alcohol and Drugs”: Selbst wenn die Eltern konsequent sind und auf Disziplin pochen, steigt das Suchtrisiko, wenn die Eltern der Freunde nicht wissen, wo diese sich gerade aufhalten, ergab eine Untersuchung bei 10.000 Teenagern. “Suchtprävention braucht deshalb ein ganzes Dorf”, schlussfolgert Studienleiter Michael J. Cleveland.

“Wenn der Vater eines Freundes bei Alkohol deutlich großzügiger ist und gleichzeitig besseren Bezug zu den Kids hat, wird ein Jugendlicher unter Umständen sein Konsummuster an diesem ausrichten”, betont Durner. Positiv wirken Eltern der Freunde somit nur dann, wenn sie selbst einen guten Bezug zu ihrem eigenen Kind und dessen Freunden pflegen. “Hat ein Jugendlicher vor einem Erwachsenen Respekt oder bewundert ihn, wird dieser zum Vorbild und kann sich auf das Konsummuster auswirken - positiv oder negativ.” (Ende)

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Kleiner Atomkrieg kostet eine Mrd. Hungertote

Abkühlung würde Knappheiten und steigende Preise auslösen

Luzern/Berlin - Selbst ein kleiner, lokal begrenzter Atomkrieg könnte über einer Mrd. Todesopfer fordern: So stark ist die zu erwartende Schädigung des globalen Klimas, der Ökosysteme und in Folge der landwirtschaftlichen Produktion. Das zeigt eine Studie der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) http://ippnw.org . Die vom Schweizer Außenamt finanzierte Forschung wurde am gestrigen Mittwoch beim Weltgipfel der Friedensnobelpreisträger in Chicago vorgestellt und erscheint im Fachblatt “Climate Change”.

Folgen für Klima und Mensch

Bereits ein lokal begrenzter Atomkrieg mit beschränktem Atomwaffenarsenal sorgt dafür, dass es infolge des hochgewirbelten Rauches und Staubes in der Stratosphäre weltweit kälter wird und auch die Niederschläge zurückgehen. “Nachdem die Klimaeffekte bereits bekannt waren, wollten wir nun die Auswirkungen auf den Menschen erheben”, erklärt Xanthe Hall, Atomwaffenexpertin bei IPPNW Deutschland http://ippnw.de , im Interview. Das Ergebnis: Zehn Jahre lang würde die Mais- und Reisproduktion um durchschnittlich zehn Prozent sinken, wobei die schlimmsten Auswirkungen mit bis zu 30 Prozent Ernterückgängen in den ersten fünf Jahren zu erwarten wären.

Die Folgen dieses Szenarios reichen jedoch noch weiter: Angesichts der steigenden Lebensmittelpreise würden hunderte Mio. Menschen jeglichen Zugang zu Nahrung verlieren, und auch bei aufrechten Agrarmärkten wären binnen zehn Jahren 215 Mio. Menschen unterernährt. Panik und Hamsterkäufe infolge der Ertragsminderung würden zu weiteren Verknappungen führen, die am meisten Leidtragenden wären jedoch die schon heute 925 Mio. chronisch Unterernährten: Eine zehnprozentige Reduktion ihrer heutigen Zufuhr von durchschnittlich 1.750 Kalorien bedeutet für sie Lebensgefahr.

Gefahr auch ohne nuklearen Winter

Die Analyse ist nicht aus der Luft gegriffen: Pakistan und Indien haben soeben innerhalb einer Woche zwei atomwaffenfähige Langstreckenraketen mit 5.000 Kilometer Reichweite getestet. Das Wettrüsten stellt die im Vorjahr neu aufgenommenen Friedensgespräche vor eine Probe. Zankapfel sind nach wie vor die Gebietsansprüche auf die Kaschmir-Region, die die Erzrivalen schon 2002 an den Rande eines Atomkriegs gebracht haben. “Die Studie ging vom Abwurf von 100 Atomwaffen der Größe der Hiroshima-Bombe aus. Diese Größenordnung wäre im Kaschmir-Konflikt, jedoch auch im Nahen Osten denkbar”, so Hall.

Deutlich wurde, dass es keinen von den großen Atommächten ausgelösten “Nuklearen Winter” benötigt, um die gesamte Menschheit zu schädigen. “Die Atomwaffenstaaten dürfen sich nicht mehr auf ihre Atomwaffen verlassen. Sie müssen so schnell wie möglich eine Nuklearwaffenkonvention aushandeln, die diese Waffen vollständig ächtet”, so die dringende Botschaft der Studienautoren. Darüber hinaus sei weitere Forschung nötig, um die Verluste in der Mais- und Reisproduktion zu bestätigen und die Folge der Ernteausfälle auf die Kalorieneinnahme und den Spurenelementen-Mangel genauer zu erforschen.

pdf-Download der Studie unter http://bit.ly/IbauXq (Ende)

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Rote Kleidung: Für Männer Einladung zum Sex

Farbe des T-Shirts genügt zur Betörung des starken Geschlechts

Lorient/Wiesbaden - Rote Kleidung macht Frauen nicht nur attraktiv, sondern signalisiert auch sexuelle Absichten. Experimente von Forschern der Université de Bretagne-Sud http://www.univ-ubs.fr zeigen, dass bereits die Farbe der Kleidung wesentliche sinnliche Botschaften verschlüsselt. “Männer glauben, dass rot gekleidete Frauen am schnellen Sex interessiert sind”, berichten die Wissenschaftler im “Journal of Social Psychology”.

Romantische Absicht

Konkret zeigte man 120 männlichen Studenten 30 Sekunden lang Portraits einer 20-jährigen Frau, deren T-Shirt jeweils anders eingefärbt war. Auf einer Skala galt es zu bewerten, wie attraktiv die Frau auf sie wirkte und ob sie sexuelle Absichten zu erkennen glaubten. Das Ergebnis: Als attraktivste Farbe zeigte sich Rot, gefolgt von Weiß, Blau und Grün. Bei der Sex-Frage führte Rot abermals, weit abgeschlagen lagen Blau, Grün und am Schluss Weiß.

Ursignal der Evolution

“Rot ist ein evolutionäres Ursignal, das sich nicht nur in der Balzfarbe vieler Affen, sondern auch im Lippenstift oder eben in der Kleidung wiederfindet”, betont der Wiesbadener Farbforscher Harald Braem http://www.farbcoaching.de im Presse-Interview. Jegliche Mode, die sich über dieses Grundsignal hinwegzusetzen versuche, sei im Vornhinein zum Scheitern verurteilt.

Die Rot-Forschung offenbarte schon bisher Kurioses über die Kommunikation zwischen den Geschlechtern: Männer rücken näher bei einer nahe sitzenden Frau, wenn sie Rot trägt, sind ihr gegenüber spendabler und nehmen sie öfter mit, wenn sie Auto stoppt. Frauen fahren hingegen eher weiter. Für Intelligenz, Liebenswürdigkeit oder Freundlichkeit ist Rot allerdings kontraproduktiv.

Zuviel Rot geht ins Auge

Doch Rot hat auch eine Kehrseite - gilt sie doch auch als stärkste Warn- und Verbotsfarbe. “Mit einer nur in Rot gekleideten Frau ist keine Kommunikation möglich. Das Date mit ihr wird nicht klappen, denn sie wirkt auf Männer wie eine rote Ampel”, betont Braem. Wirksamer sei die Tango-Variation mit Schwarz - oder das behutsame Signal der roten Rose. (Ende)

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Männer nähern sich Lebenserwartung von Frauen

Prognose: 2030 sterben beide Geschlechter im Schnitt mit 87 Jahren

London - Der Unterschied der Lebenserwartung zwischen Frauen und Männern wird geringer. Männer könnten diesen Unterschied laut einem Berater des Office for National Statistics http://ons.gov.uk aufgeholt haben. Laut Les Mayhew von der Cass Business School http://cass.city.ac.uk war der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern Anfang der 1970er-Jahre mit rund 5,7 Jahren am größten.

Sechs Jahre mehr

Die Lebenserwartung steigt allgemein an. Der größte Anstieg ist jedoch bei Männern zu beobachten. Ein Großteil dieser Veränderung wird darauf zurückgeführt, dass die Anzahl der Raucher zurückgeht. Mayhew analysierte in England und Wales Daten zur Lebenserwartung. Der Statistiker berechnete, wie groß die Lebenserwartung von 30-Jährigen ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Männer bei der Lebenserwartung jahrzehntelang im Rückstand lagen und jetzt näher an die Werte der Frauen heranrücken.

Bleibt dieser Trend bestehen, könnten beide Geschlechter 2030 eine durchschnittliche Lebenserwartung von 87 Jahren aufweisen. Laut dem Wissenschaftler hat sich die Lebenserwartung in den vergangenen 20 Jahren mit 30 Jahren um rund sechs Jahre erhöht. Steigt sie in den kommenden 20 Jahren genauso an, dann wird die Lebenserwartung von Männern und Frauen gleich werden, so seine Prognose.

Weniger Raucher

Ein Grund für die Entwicklung könnte sein, dass Männer heute gesünder leben. Deutlich weniger Männer rauchen. Nach den 20er-Jahren rauchten immer mehr Männer. Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung rauchten rund 80 Prozent der Männer. Dass inzwischen weniger Frauen rauchen, dürfte die allgemeine Lebenserwartung erhöhen. Ein anderer Faktor dürften sicherere Arbeitsplätze sein. Millionen Männer arbeiteten früher unter gefährlichen Bedingungen zum Beispiel im Kohleabbau. Hinzu kommt das bessere Gesundheitssystem.

Frauen begannen später zu rauchen als Männer. Lungenkrebs nimmt bei Frauen allerdings immer noch zu, bei Männern geht er bereits zurück. Ein Junge und ein Mädchen, die am gleichen Tag geboren sind, werden trotzdem noch nicht die gleiche Lebenserwartung haben. Die Studie konzentrierte sich auf Personen, die bereits 30 Jahre alt waren. Jungen sterben eher als Mädchen. Sie üben auch eher gefährliche Sportarten aus oder sind an tödlichen Unfällen beteiligt. Das bedeutet, dass die Lebenserwartung der Frauen noch weiter höher bleiben könnte.

Lebensführung relevant

David Leon von der London School of Hygiene and Tropical Medicine http://www.lshtm.ac.uk betont, dass in fast allen Ländern der Welt die Lebenserwartung der Frauen höher liegt. In einigen Ländern verringere sich der Abstand aber. Bei Ländern mit einer geringen Lebenserwartung wie denen südlich der Sahara, zeigte sich zwischen den Geschlechtern nur wenig Unterschied. Das ist auf das Vorkommen von Infektionskrankheiten zurückzuführen, die keinen Unterschied zwischen dem Geschlecht machen. In Europa ist der Lebenswandel entscheidend. (Ende)

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Insekten lösen künftiges Ernährungsproblem

Schonung von Ressourcen und mehr Unabhängigkeit von Tierhaltung

Bonn - Angesichts der Bevölkerungsexplosion könnte der Menschheit bald nichts anderes übrig bleiben, als auch auf das Eiweiß von Insekten als Nahrungsmittel zurückzugreifen. “Es ist nicht schlimm, sich von Insekten zu ernähren”, betont Mathias Becker vom Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn http://ipe.uni-bonn.de gegenüber der Presse.

Nahrhaftes Essen

Ressourcensparend wäre der Verzehr von den Krabblern allemal. Forscher weisen schon lange darauf hin, dass die Ernährung auf Insekten ausgeweitet werden sollte, würde man sich dadurch doch weniger abhängig machen von der Tierhaltung. Nach Schätzungen der Cornell University http://cornell.edu könnten 800 Mio. Menschen mit Getreide ernährt werden, das wir derzeit an unser Vieh verfüttern.

Ein weiteres Problem der aktuellen Ernährungsweise des Menschen: Etwa ein Drittel der Ackerfläche wird nur für den Anbau von Tierfutter genutzt. Zudem machen Forscher die Massentierhaltung auch für einen erheblichen Teil der Treibhausemissionen verantwortlich. Dazu kommt der Energieaufwand auf dem Weg des geschlachteten Viehs bis in den Supermarkt. 100 Gramm Rindfleisch enthalten etwa 29 Gramm Protein und 21 Gramm Fett. Eine Heuschrecke hingegen enthält bei 100 Gramm 20 Gramm Proteine und sechs Gramm Fett.

Käfer als Schnuller

Was in vielen Kulturen normal ist, lässt andere erschaudern. Becker hat etwa in Westafrika beobachtet, dass eine Mutter ihr Baby beruhigt hat, indem sie dem Kleinkind eine Käferlarve in den Mund gesteckt hat. Das Baby hat an der Käferlarve genuckelt wie an einem Schnuller. Becker hat Termiten und andere Insekten auch selbst probiert. “Ich finde, die schmecken nach dem Öl, in dem sie gebacken wurden”, berichtet er. Weder in Westafrika noch in Thailand sei dies ein Armenessen, sondern allgemein akzeptiert. (Ende)

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Selbstgespräche nützlich für Konzentration

Bessere Ergebnisse beim Wiederfinden und Auswendiglernen

Berlin - Menschen, die mit sich selbst sprechen, wirken zwar seltsam, können sich Sachverhalte jedoch besser merken. Psychologen der Universitäten Wisconsin-Madison http://wisc.edu und Pennsylvania http://www.upenn.edu haben belegt, dass das Reden mit sich selbst gut für das Wiederfinden von Dingen ist. Die Psychologen Gary Lupyan und Daniel Swingley führten dazu eine Reihe von Experimenten durch und beobachteten Menschen, die zu sich selbst murmeln, wenn sie versuchen etwas zu finden.

Auch innerer Dialog hilfreich

Ob man den Dialog laut oder nur innerlich führt, ist unerheblich. “Auch der innere Dialog kann uns unterstützen”, sagt Anja Vehrenkamp, Lehrtrainerin am Institut für angewandte Positive Psychologie in Berlin http://ifapp.de , gegenüber uns. “Wenn es um das Wiederfinden oder auch um das Auswendiglernen geht, macht es sehr viel Sinn, etwas auszusprechen”, so die Fachfrau. Bei Erwachsenen wirkt der Selbstdialog irrational, bei Kindern kann man sehr häufig beobachen, dass sie ihre eigenen Schritte für sich kommentieren.

Das Wiederholen und laute Aussprechen der Begriffe und Schritte hilft bei der Konzentration und beim Lernen, bestätigt Vehrenkamp. Daran können sich auch Erwachsene ein Beispiel nehmen. Die beiden Psychologen haben den Teilnehmern in ihrem ersten Experiment 20 Bilder von verschiedenen Objekten gezeigt. Daraufhin mussten die Probanden nach der Methode von Memory bestimmte Bilder wiederfinden. Menschen, die den Begriff vor sich hin murmelten, fanden das Bild schneller. (Ende)

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Umgang mit Tod macht lebenslustig

Bewusstsein über eigenes Ende fördert Menschlichkeit

Wien - Beschäftigung mit dem Tod deprimiert nicht, sondern macht glücklicher und sozialer. Zu diesem Schluss kommt Kenneth Vail von der University of Missouri http://missouri.edu . Mit seinem Team hat er Studien gesammelt, die bestätigen, dass sich die Auseinandersetzung mit dem Tod positiv auf das Leben auswirkt.

Tod bringt Toleranz und Pazifismus

Die Analyse der aktuellen Literatur zum Thema zeigt, dass sogar die unbewusste Beschäftigung mit der Endlichkeit förderlich für den Umgang mit den Problemen des Lebens sein kann. So ist ein Spaziergang über den Friedhof nicht etwa gruselig oder betrüblich, sondern fördert sogar die körperliche Gesundheit. Zudem sind Menschen, die sich mit dem Tod beschäftigen - ob bewusst oder unbewusst - sozialer zu Mitmenschen.

“Andere Feldversuche und Laborexperimente haben diese und ähnliche Befunde repliziert. Das Bewusstsein des Todes erhöht die Toleranz, die Mitmenschlichkeit, die Empathie und sogar den Pazifismus”, sagt Vail. Wenn sich Menschen an ihre Endlichkeit erinnern, entscheiden sie sich auch für eine gesündere Ernährung, rauchen weniger und treiben mehr Sport.

Mehr Bejahung des Lebens

Jörg Bauer, Sprecher von Aspetos http://aspetos.at , ein von Bestattern finanziertes soziales Netzwerk, kann die Ergebnisse aus eigener Erfahrung bestätigen. “Leute, die sich intensiv mit dem Thema befassen, sind lebensbejahender”, sagt Bauer gegenüber der Presse. Alltägliche Probleme verlören an Relevanz. “Würden 100 Prozent der Menschheit ihre Endlichkeit erfassen, gebe es Weltfrieden. Wenn sich die Menschen bewusst machen, dass das Leben endlich ist, wird niemand jemandem weh tun wollen.”

Nur laufe unser Wirtschaftssystem nicht auf der Basis von Mitmenschlichkeit. “Das Bewusstsein über das eigenen Ende wäre schlecht für die Wirtschaft in ihrer jetzigen Form. Aber diese Wirtschaft ist schlecht für den Menschen - was wir brauchen, ist eine gesunde Wirtschaft”, so das Credo Bauers. (Ende)

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Limettensaft mit Sonne desinfiziert Wasser

Aufbereitungszeit sinkt von sechs Stunden auf 30 Minuten

Baltimore/Zürich - PET-Flaschen werden in Gebieten ohne sauberem Trinkwasser oft zu Lebensrettern: Befüllt man sie mit Wasser und legt sie in die Sonne, macht deren UV-Licht einen Großteil der Keime unschädlich und somit das Wasser trinkbar. Dieser als “SODIS” (Solar Desinfection) http://sodis.ch bezeichnete Ansatz ist in vielen Ländern verbreitet. US-Forscher haben nun eine kleine, aber entscheidende Verbesserung entdeckt: Durch bloße Zugabe von Limettensaft wird die Desinfektionszeit deutlich reduziert - von etwa sechs Stunden auf 30 Minuten.

Schneller dank Spritzer

30 Milliliter Limettensaft sind für zwei Liter Wasser nötig - also eine Limette pro Plastikflasche, berichtet Kellogg Schwab von der Johns Hopkins School of Medicine http://hopkinsmedicine.org . Mit diesem Limo-Spritzer vor der Sonnenbestrahlung tötet man sowohl E. coli-Darmkeime als auch Bakteriophagen binnen einer halben Stunde ab, nur beim murinen Norovirus gelingt dies nicht. Diese Ergebnisse aus Labortests wurde im Fachblatt “American Journal of Tropical Medicine and Hygiene” wissenschaftlich publiziert.

Bisher gibt es mehrere Ansätze, um die sechsstündige Desinfektionszeit - bei Bewölkung erhöht sie sich auf zwei Tage - zu verkürzen. “Bisher durchliefen die Beigabe von Kupfer, Titandioxid und auch Limettensaft bereits Tests, haben sich aber noch nicht durchgesetzt. Einfachheit und Verfügbarkeit müssen oberstes Prinzip bleiben”, erklärt Fabian Suter, der beim “Erfinder” von SODIS, dem ETH-Wasserforschungsinstitut Eawag http://eawag.ch , für Schulprojekte zuständig ist, im Presse-Interview.

Endnutzer entscheidet

Forciert wird deshalb eher eine nicht-chemikalische Beschleunigung. “Etwa fünf Prozent schneller geht es, wenn man die Plastikflasche auf reflektierende Unterlagen wie etwa Wellblech legt”, betont Suter. Darüber hinaus testet die EAWAG derzeit den Einsatz von SODIS-Beuteln, die mit den Vorteilen einer größeren Oberfläche, besserer Durchlässigkeit für UV-Licht sowie günstigerer Transportmöglichkeiten etwa in Erdbebenregionen gegenüber der Plastikflasche punkten.

Vor Ort durchsetzen kann sich nur, was für den Endnutzer passt, weshalb die Einrichtungen, die das SODIS-Prinzip übernommen haben - die UNICEF, das Rote Kreuz, die WHO und zahlreiche Regierungen sind darunter - stets auch Alternativen anbieten und vorzeigen. Jede Methode hat Vor- und Nachteile, erklärt Suter. “SODIS ist günstig und liefert guten Geschmack, für die Aufbereitung größerer Mengen ist aber Chlor erforderlich. Keramik- und Membranfilter sind gut wirksam, aber vergleichsweise teurer. Sonst bleibt noch das Aufkochen.”

Abstract des Originalartikels unter: http://www.ajtmh.org/content/86/4/566.abstract (Ende)

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Autoabgase weit tödlicher als Verkehrsunfälle

Mediziner: Elektromobilität in Städten “extrem sinnvoll”

Cambridge/Basel - Mindestens doppelt so viele Menschen sterben jährlich aufgrund von Luftverschmutzung aus dem Verkehr wie durch Verkehrsunfälle. Das berichten US-Forscher vom Massachusetts Institute of Technology http://web.mit.edu in der Zeitschrift “Environmental Science and Technology”. Laut ihren Schätzungen sterben pro Jahr mindestens 5.000 Engländer rund zehn Jahre vor ihrer natürlichen Lebenserwartung in Folge von Abgasen aus Autos, 2.000 durch Flugzeugabgase. Die Zahl von 1.850 jährlichen Straßentoten im Inselreich liegt deutlich darunter.

Risiko steigt mit Partikeldichte

Bisherige Hochrechnungen aus der Schweiz, Österreich und Frankreich zeigen dieselben Ergebnisse, bestätigt der Sozial- und Präventivmediziner Nino Künzli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut http://swisstph.ch gegenüber pressetext. Verkehrsabgase betreffen nicht nur die Lunge, sondern führen auch zu systemischen Wirkungen und Entzündungsreaktionen in Gefäßen bis hin zur veränderten Blutzusammensetzung. Neueste Ergebnisse bringen ultrafeine Partikel sogar mit der Hirnentwicklung und Diabetes in Zusammenhang.

Ein weiteren Hinweis liefern Forscher der Harvard School of Medicine http://hms.harvard.edu in der Zeitschrift “Plos One”: Wer langfristig Verkehrsabgasen ausgesetzt ist, hat in späteren Lebensjahren ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krankheiten: Für jede zehn Mikrogramm Verschmutzungspartikel pro Kubikmeter Luft steigt das Risiko einer späteren Spitalsaufnahme wegen Diabetes um sechs Prozent, aufgrund von Lungenentzündung um vier Prozent, aufgrund von Herzleiden um drei Prozent, so die Studienautoren um Joel Schwartz.

Fortschritt durch Katalysator

Doch es gilt auch das Umgekehrte, wie Künzli gegenüber pressetext betont: In Ländern, die Katalysatoren und Feinstaubfilter verpflichtend eingeführt haben, stellten sich in der Folge auch gesundheitliche Fortschritte ein. So verlangsamt eine verbesserte Luftqualität etwa die Alterung der Lungenfunktion, wie auch in der irischen Hauptstadt Dublin ein Verbot für Kohleheizungen schlagartig die Mortalität sinken ließ. Da die meisten Folgeerkrankungen jedoch nicht akut sind, zeigen sich Verbesserungen der Luftqualität in der Regel erst längerfristig in der Gesundheit.

Trotz einzelnen Verbesserungen bleibt der Verkehr eine der wichtigsten Quellen für Luftverschmutzungen, besonders da die Ausstöße dort freigesetzt werden, wo die Menschen leben. Allein schon aus gesundheitlicher Perspektive sind deshalb Autos ohne Verbrennungsmotor in dicht besiedelten Stadtgebieten “extrem sinnvoll”, betont Künzli. (Ende)

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Sextourismus 2050: Roboter ersetzen Prostitutierte

Zukunftsvision soll Amsterdams Rotlicht-Image retten

Melbourne/Wien - In Rotlichtbezirken der Zukunft gibt es keine Prostituierte mehr: Roboter übernehmen die Dienste, auf die Sextouristen heiß sind. Das behauptet der Management-Professor Ian Yeoman und die Sexologin Michelle Mars von der neuseeländischen Victoria University http://vu.edu.au in der Zeitschrift “Futures”. Bis zu 10.000 Euro würde Kunden künftig der Maschinensex wert sein. Andere Sex-Experten sind allerdings skeptisch.

Sexbots liefern Komplettservice

Die beiden Fachleute skizzieren den imaginären Sexclub “Yub-yum” in Amsterdam des Jahres 2050. Spärlich bekleidete “Sexbots”-Androiden aller Hautfarben und Körperformen liefern den Kunden einen Komplettservice, der von Massage, Lap Dance bis hin zu Geschlechtsverkehr reicht. “Amsterdams Tourismus baut auf Sex und Drogen. Angesichts der Sorge der Stadt, eine Verbannung der Prostituierten könne dem Image abträglich sein, bieten Clubs vom Typ ‘Yub-yum’ die Lösung”, so die Forscher.

Gebaut sind die Sexroboter aus einer viren- und bakterienresistenten Faser, die Überträger von Geschlechtskrankheiten unschädlich machen. “Robotersex ist Safer Sex, frei von den Einschränkungen, Vorsichtsmaßnahmen und Unsicherheiten seines echten Pendants”, schreiben Yeoman und Mars. Zweifel am Erfolg des Konzepts meldet die Sexologin Gerti Senger http://gerti-senger.at . “Wozu fahren Sextouristen nach Amsterdam, wenn sie dasselbe Angebot auch zuhause haben?”, so die Wiener Expertin gegenüber der Presse.

“Sex ist mehr als Technik”

Die Vision eines Sexroboters bezeichnet Senger im technischen Zeitalter als “naheliegend”, zudem gibt es erste Ansätze wie etwa in der einfachsten Form von Vibratoren ja längst. Dennoch werde selbst die ausgeklügeltste Maschine nie ein voller Menschenersatz sein. “Mit einem Androiden erreicht man bestenfalls eine punktuelle, mechanische Befriedigung, nie aber ein Gesamtkunstwerk, zu dem auch Hautkontakt und die Behaglichkeit einer lebendigen Berührung gehören. Sexualität ist mehr als Technik.”

Differenziert sieht Senger auch die Ankündigung der neuseeländischen Kollegen, “Sexbots” würden Kunden von etwaigen Schuldgefühlen gegenüber ihrem Partner befreien, da ja kein Sex mit einer realen Person zustande kommt. “Ein Freier und eine Prostituierte gehen eine fragmentierte Beziehung ein, wenngleich diese auf Berührungsempfinden beruht. Zwar kann man sicher sein, dass mit einem Roboter keine Gefühle ausgetauscht werden. Die Faszination an der Apparatur lässt aber auf eine Struktur der Persönlichkeit schließen, die im täglichen Zusammenleben nicht unbedingt förderlich ist.”

Link zum Originalartikel unter http://bit.ly/w2xhdS (Ende)