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Archive für August 2007

UNESCO-Biosphärenreservate: Nachhaltige Modellregionen im Weltrang

Erhalt von wertvollem Lebensraum als höchstes Ziel. Dessau - Insgesamt umfasst das Weltnetz der UNESCO-Biosphärenreservate 507 Gebiete in 102 Staaten. Sie sind international repräsentative Modellregionen, in denen nachhaltige Entwicklung verwirklicht wird. Damit werben die UNESCO-Biosphärenreservate für den Ausgleich der häufig konkurrierenden Interessen von Nutzung und Bewahrung, Umweltschutz und Wirtschaft für ein Zusammenleben von Mensch und Natur. Am 27. und 28. Juni findet in Dessau die 67. Hauptversammlung der Deutschen UNESCO-Kommission statt, bei der eine Resolution zu den UNESCO-Biosphärenreservaten http://www.unesco.de verabschiedet wird. Die Mitgliedsstaaten der UNESCO können Gebiete als Biosphärenreservate vorschlagen, die dem Schutz und dem Erhalt von Lebensräumen dienen. Der Schwerpunkt liegt dabei weniger auf “ursprünglichen” Biotoptypen als auf Kulturlandschaften, die während der menschlichen Nutzung geschaffen wurden. Die ausgezeichneten Gebiete müssen einerseits für bestimmte Landschaftstypen charakteristisch sein und andererseits modellhaft nachhaltige Entwicklung umsetzen. Die UNESCO-Biosphärenreservate sind repräsentativ für die bedeutendsten Ökosysteme der Erde. Sie sind Modellregionen für nachhaltige Entwicklung und werben für den Ausgleich der häufig konkurrierenden Interessen von Nutzung und Bewahrung für ein Zusammenleben von Mensch und Natur, umschreibt die UNESCO die Ziele der Biosphärenreservate.“Modellprojekte für nachhaltige Entwicklung umfassen alle Aspekte der Bewahrung des ökologischen Reichtums, der Förderung eines funktionsfähigen gesellschaftlichen Zusammenlebens und der wirtschaftlichen Nutzung durch die Bevölkerung”, lautet die Idee der UNESCO. Eine Besonderheit ist die Gliederung in Zonen unterschiedlicher Schutzintensität: die Kernzone unter strengem Naturschutz sowie die Pflegezone mit geringeren Einschränkungen und die Entwicklungszone, in der alle Nutzungsformen erlaubt sind. In Österreich sind etwa die Lobau, der Neusiedler See, das Große Walsertal und der Wienerwald solche Biosphärenreservate. Wie wichtig die Errichtung eines Biosphärenreservats ist, wird am Beispiel der Lagune von Fakarava in Französisch Polynesien deutlich: Nur eine nachhaltige Nutzung aller Ressourcen ermöglicht das Überleben der Menschen in diesem fragilen Ökosystem (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070505009 ).

Ein weiterer wesentlicher Punkt, der für die Schaffung eines solchen Biosphärenreservats spricht, ist die globale Zusammenarbeit im Weltnetz der 507 Reservate. Im Weltnetz tauschen die Biosphärenreservate Erfahrungen aus und schließen Partnerschaften. Ein weiteres Ziel ist die Stärkung des touristischen Profils mit Schwerpunkt auf sanftem und hochwertigem Tourismus sowie die Etablierung von Regionalvermarktungsstrukturen. Redakteur: Wolfgang Weitlaner

New York: Bürger sollen Leitungswasser trinken

Wassererzeuger fühlen sich unfair behandelt. New York - Die Verwaltung der Stadt New York versucht ihre Bürger davon zu überzeugen, mehr Leitungswasser zu trinken. Eine Werbekampagne rät davon ab, Mineralwasser in Plastikflaschen zu konsumieren, und lädt Restaurants ein, ihr Angebot umzustellen. Einige Lokale in Kalifornien haben bereits damit begonnen, ihren Gästen Leitungswasser anzubieten. New Yorker Gastronomen dürften ihrem Beispiel bald folgen. In Österreich wäre eine solche Kampagne schwer denkbar, erzählt Susanne Brandstetter aus dem Lebensministerium http://www.lebensministerium.at in unserem Gespräch: “Natürlich ist es gut Leitungswasser trinken, aber wir wollen den Menschen nicht vorschreiben, was sie zu tun haben.” 

Die New Yorker Kampagne solle den Bürgern Geld sparen helfen und Müll vermeiden, lautet das offizielle Argument. Vier von fünf Plastikflaschen landeten in der Natur. Auch die langen Vertriebswege seien ein Problem, denn viele Produkte würden um die halbe Welt transportiert. Die Bottled Water Association (IBWA) http://www.bottledwater.org protestiert gegen das Vorgehen der Stadtverwaltung. Es sei unfair, gerade die Wasserindustrie herauszugreifen, die Recycling und biologisch abbaubare Verpackungen unterstütze.

640,9 Mio. Liter Mineralwasser wurden 2006 in Österreich abgesetzt. Jeder Einwohner kam auf einen Verbrauch von 87,3 Litern. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Menge fast verdoppelt. Recycling sei natürlich von großer Bedeutung, eine ähnliche Problematik wie in New York gäbe es aber nicht. “Aus unseren Plastikflaschen entstehen wieder neue Flaschen”, so Hall. Redakteur: Georg Eckelsberger

Herbst und Winter 2006/07: Wärmste Jahreszeit seit 700 Jahren

Schweizer Forscher: Erdbeeren zu Weihnachten gab es zuletzt 1290. Bern - Der vergangene Herbst und Winter 2006/07 war der wärmste seit mehr als 700 Jahren. Zu diesem Schluss kommen die Forscher um Jürg Luterbacher vom Nationalen Forschungsschwerpunkt Klima am Geografischen Institut der Universität Bern http://www.geography.unibe.ch in einer Studie für das Wissenschaftsmagazin Geophysical Research Letters. Die Wissenschaftler hatten Aufzeichnungen der vergangenen 700 Jahre unter die Lupe genommen, um herauszufinden wie die Temperaturmittel in Europa auch zu Zeiten waren, in denen es keine instrumentellen Messungen gab.
“Die Temperaturdaten der vergangenen 250 Jahre sind relativ gut dokumentiert”, so Luterbacher im Interview. „Die Daten davor sind ungenauer.” Allerdings gebe es zahlreiche Witterungstagebücher und schriftliche Überlieferungen mit Wetter und Klimainformationen, die in Temperaturen umgerechnet werden können, wie die durchschnittlichen Temperaturen waren. Ein Ziel dabei war es herauszufinden wie extrem der letzte Herbst und Winter im Kontext der Vergangenheit waren. Die Wissenschaftler griffen bei ihren Untersuchungen unter anderem auf Aufzeichnungen von Kirchen oder Klöstern, aber auch Doktoren zurück, die immer wieder über Wetterereignisse berichteten. “Klima-Historiker können solche Informationen gut nutzen und daraus ableiten, welche Temperaturen zum Zeitpunkt geherrscht haben.” Darüber hinaus hat das Forscherteam auch Klimadaten anderer Kollegen zur Hand genommen und den Schluss gezogen, dass die Temperaturen im Herbst 2006 und Winter 2007 im Mittel die wärmsten seit mindestens 500 Jahren waren. “Die sequenzielle Kombination von zwei warmen Jahreszeiten ist ein noch selteneres Ereignis und das aller Wahrscheinlichkeit nach erste seit 1289/1290″, erklärt der Wissenschaftler.

“Aufzeichnungen berichten davon, dass es 1289/1290 keinen wirklichen Wintereinbruch gegeben hat”, so Luterbacher. “Nach Auswertungen des Klimahistorikers Christian Pfister gibt es Dokumente, wonach Menschen zu Weihachten Erdbeeren essen konnten, die Weinreben auch im Winter ausgetrieben haben und die Obstbäume in Wien im Januar in Blüte standen wie dies normalerweise im Mai der Fall ist.” Diese Saison sei wirklich extrem gewesen, erklärt der Forscher. Und sie könne durchaus mit der in West- und Zentraleuropa heute verglichen werden. Berichten zufolge war die Haselnussblüte in Deutschland 30 Tage vor dem 50jährigen Durchschnitt und in der Schweiz blühte die Rosskastanie 2006 zwei Mal in Folge.

Luterbacher gibt zu bedenken, dass die Untersuchungen einerseits durchschnittliche Temperaturwerte miteinander vergleicht, andererseits das gesamte Klima Europas von Nord-Norwegen bis zum Mittelmeer und von Island bis zum Ural mit einbezieht. “Das bedeutet, dass es natürliche Unschärfen und statistische Fehler gibt”, führt der Klimatologe aus. Der warme Herbst und Winter 2006/07 entstand durch die warme Luft, die vom Atlantik vor der Küste Nordafrikas nach Europa gezogen ist, unterstützt von häufigen Hochdrucklagen. Ob das nun ein einzigartiger extremer Event sei oder eine Folge der menschgemachten Klimaänderung, sei schwierig zu sagen und wird im Moment untersucht, erklärt der Forscher abschließend im Interview. Redakteur: Wolfgang Weitlaner

Meerwasser-Entsalzung: Keine Lösung des Trinkwasserproblems

Umweltorganisation kritisiert extremen Energieverbrauch. Melbourne - Die Entsalzung von Meerwasser ist nach einer Untersuchung der Umweltorganisation WWF http://wwf.org keine Lösungsvariante, der drohenden Wasserknappheit zu begegnen. Die Zerstörung von Küstenregionen und der große Energieaufwand sind zwei Hauptgründe, die gegen die Entsalzung sprechen. In Zukunft sollte mehr auf den Schutz der vorhandenen Ressourcen gelegt werden, meint der WWF.
Meerwasser-Entsalzung ist ein teures, energieintensives Unterfangen, das zu einer Zunahme von Treibhausgasen führt und zudem noch die Küsten zerstört”, meint Jamie Pittock, Direktor des globalen Trinkwasserprogramms beim WWF. Die Studie der Umweltorganisation kommt zu einem Zeitpunkt, als die australische Regierung die Errichtung eines der größten Meerwasserentsalzungsanlagen der Welt in Melbourne plant. “Möglicherweise wird in Zukunft die Meeresentsalzung eine gewichtige Rolle spielen, es gibt aber meist immer noch günstigere und umweltfreundlichere Methoden, um die Trinkwasserversorgung sicher zu stellen”, so Pittock. Man sollte viel mehr Gewicht darauf legen, existierende Ressourcen sinnvoll zu nutzen und ein Wassermanagement zu schaffen. Da Entsalzungsanlagen immer in Küstennähe errichtet werden, komme es zu einer Beeinträchtigung der Umwelt - vor allem in den ohnehin empfindlich gestörten Küstenregionen. Nach Angaben der Umweltorganisation sollten auch alternative Möglichkeiten wie etwa die Aufbereitung von Abwasser in Betracht gezogen werden.

In den trockenen Regionen des Nahen und Mittleren Ostens spielen Entsalzungsanlagen heute schon eine wesentliche Rolle in der Trinkwasserversorgung. Aber viele andere Staaten, wie etwa Spanien, China oder die USA, planen die Errichtung solcher Systeme, um den wachsenden Wasserverbrauch zu decken. “Die Wasserversorgung auf globaler Basis ist ein großes Problem”, so Richard Bowen von der Royal Academy of Engineering. Seiner Ansicht nach werde die Entsalzung eine wesentliche Rolle in der Zukunft spielen. Die Umweltproblematik der Meerwasserentsalzung sei allerdings auch den Errichtern bewusst. “Man erhält bei der Entsalzung einen gewünschten Strom von Süßwasser, aber auch eine Menge von Salz.” Wo und wie dieses Salz wieder in die Natur eingebracht werde, sei ein risikoreiches Unterfangen.

“Die Risiken sind in Wirklichkeit minimal”, erklärt der Verfahrenstechniker Guido Codemo vom österreichischen Unternehmen Aqua-Engineering http://www.aqua-eng.com im Interview.  Das Salzkonzentrat, das übrig bleibe, habe eine Konzentration von 6,5 bis sieben Prozent, sei aber bereits innerhalb weniger Meter im Meer messtechnisch nicht mehr nachweisbar. Seit fast 20 Jahren baut das Unternehmen im Nahen Osten und in Arabien Umkehr-Osmose-Meerwasserentsalzungsanlagen. “In besonders sensiblen Regionen können bei der Entsalzung auch noch Schwebstoffe ausgefiltert und deponiert werden”, erklärt Codemo. Die größten Anlagen, die derzeit in Betrieb sind, können 100.000 Kubikmeter Salzwasser pro Tag entsalzen. Das entspreche etwa dem Verbrauch von einer halben Mio. Personen. Das Verfahren benötige allerdings viel Strom - wie dieser hergestellt werde, sei fraglich, meint der Wissenschaftler abschließend im Gespräch.

Wie dramatisch sich die Nachfrage nach dem kühlen Nass gesteigert hat, beschrieb die Ökologin Karo Katzmann in ihrem “Bedrohte Zukunft: Schwarzbuch Wasser” (ZARO berichtete): “Seit 1950 hat sich der weltweite Wasserverbrauch verdreifacht. Zwar sind in den Alpenländern Österreich, Deutschland und der Schweiz bisher keine nennenswerten Einschränkungen der Wasserversorgung aufgetreten, allerdings steht auch in diesen Ländern die Ressource nicht ohne Einschränkungen zur Verfügung”, so Katzmann. Der unverantwortliche Umgang mit Wasser führe jedoch auch hier zu einer bedenklichen Situation. “Besonders dramatisch ist die Lage der Wasserversorgung jedoch bereits in Spanien”, erklärt Katzmann. Redakteur: Wolfgang Weitlaner

Früchte machen guten Treibstoff

Fruchtzucker könnte neben Plastikabfall auch zu Biosprit werden. Madison - Der Zucker von Äpfeln und Orangen könnte in Zukunft zur Herstellung von Biotreibstoffen für Autos genutzt werden, berichten Forscher der University of Wisconsin - Madison http://www.wisc.edu im Wissenschaftsmagazin Nature. Britische Wissenschaftler berichten indessen in einer Studie, dass auch Abfälle wie etwa Plastiktüten sich hervorragend als Rohstoffe zur Herstellung von Treibstoffen eignen, berichtet BBC-Online.

Kritiker haben in den vergangenen Wochen immer wieder angemerkt, Lebensmittel nicht zur Herstellung von Treibstoffen zu nutzen, weil dies die Kosten der Nahrungsmittel immens verteuern werde und zudem Bauern dazu dränge, statt Nahrungsmittel nur noch Rohstoffe für die Treibstoffe anzubauen. Innerhalb der EU und auch in den USA sind hingegen die Bestrebungen den Anteil von Biotreibstoffen deutlich zu heben, um damit den CO2-Ausstoß zu verringern, deutlich zu vernehmen. Ein weiteres Argument der Biotreibstoff-Befürworter ist die Verringerung der Abhängigkeit vom Rohöl.
James Dumesic und sein Team von der University of Wisconsin haben einen Treibstoff gefunden, der wesentlich bessere Eigenschaften aufweist als Ethanol. Die Substanz namens 2,5-Dimethylfuran (DMF) enthält um 40 Prozent mehr Energie als Ethanol, verdampft nicht so leicht wie sein Konkurrent und hat auch nicht die Eigenschaft Wasser aus der Umgebung aufzunehmen. Der Siedepunkt des Stoffes liegt um 20 Grad höher als der von Ethanol. Die Forscher haben gezeigt, dass zur Herstellung des Treibstoffes Fruchtzucker (Fruktose) verwendet werden kann. Daraus wird eine Substanz namens Hydroxymethylfurfural (HMF) hergestellt, aus der mit Hilfe von Katalysatoren schließlich der Treibstoff hergestellt wird. Allerdings kann man auch Stärke aus Biomasse - zum Beispiel aus Mais oder Zuckerrohr - mithilfe von Enzymen in Fruktose umwandeln und daraus DMF gewinnen. Unklar sei, berichtet BBC, welche Auswirkungen der neue Treibstoff auf die Umwelt habe.

Große Zukunftshoffnungen hegen die Forscher für Biomass-To-Liquid-Verfahren (BTL-Verfahren). Das ist der Sammelbegriff für alle diejenigen Verfahren, die aus Biomasse flüssige, synthetische Kraftstoffe erzeugen. Dabei wird üblicherweise die Biomasse mittels Pyrolyse - bei Hitze - in Synthesegas überführt. Dieses Synthesegas kann zu Alkanen verschiedener Länge umgebaut werden. Das bisher größte Hindernis der Treibstoffherstellung aus Biomasse sind die verhältnismäßig hohen Kosten. Redakteur: Wolfgang Weitlaner