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Archive für Dezember 2007

Fettleibigkeit bedeutet ein großes Risiko für Schwangere

Fettsucht immer häufiger als Todesursache für Frauen

London - Fettleibigkeit ist in Großbritannien die am schnellsten wachsende Todesursache bei Frauen, die während der Schwangerschaft oder nach der Geburt sterben. Mehr als die Hälfte der 295 Frauen, die während 2003 und 2005 starben, war übergewichtig oder fettleibig. Die Anzahl der Todesfälle ist laut Experten bei insgesamt zwei Millionen Schwangerschaften gering, der Trend ist jedoch Besorgnis erregend. Der Confidential Enquiries into Maternal Deaths (CEMACH) Report http://www.cemach.org.uk fordert daher mehr Unterstützung und Rat für die betroffenen Frauen.
Gwyneth Lewis, die Direktorin von CEMACH erklärte, diese Zahlen zeigten, dass das Gebären von Kindern in Großbritannien sehr sicher sei. Immer mehr Hinweise deuteten jedoch auf einen Zusammenhang zwischen einer Gefährdung und Fettleibigkeit hin. Die Zahlen der Studie zeigten, dass einige Kilo mehr während der Schwangerschaft nur ein geringes Risiko bedeuteten. Fettleibigkeit bedeute jedoch ein entscheidendes Problem. 15 Prozent der Mütter, die starben, waren krankhaft oder stark krankhaft fettleibig. Laut Lewis sind fettleibige Schwangere und ihre Kinder vermutlich einem vier bis fünf Mal höheren Risiko ausgesetzt als eine normalgewichtige Frau. Die Expertin ist besorgt, dass viele Frauen sich dieses Risikos nicht bewusst sind.

Allgemein hat Großbritannien laut BBC mit sieben pro 100.000 Schwangerschaften eine der niedrigsten Raten von Todesfällen bei Müttern weltweit. In Amerika liegt der Wert bei 14, in Frankreich bei 18. Die Anzahl der Todesfälle in Großbritannien fällt nicht mehr weiter. Die Tendenz in Richtung Fettleibigkeit nimmt dauernd zu. Experten raten Frauen abzunehmen, bevor sie versuchen schwanger zu werden. Zu starkes Übergewicht erhöht nicht nur das Risiko medizinischer Komplikationen es kann auch Symptome verschleiern und zu logistischen Problemen führen. Ein Beispiel dafür ist eine Schwangere, die gefährdet war einen Krampfanfall zu bekommen. Die Diagnose wurde verzögert, weil die Manschette des Blutdruckmessgerätes nicht um ihren Arm passte.

Krankenhäuser wie das Queen Elizabeth Hospital in Gateshead beobachten, dass rund ein Drittel der Schwangeren fettleibig ist. In einem durchschnittlichen Jahr werden mehrere Frauen behandelt, deren BMI höher als 50 ist. Im Zuge dieser Entwicklung wurde ein Operationstisch angeschafft, der für ein Gewicht von maximal 254 Kilo geeignet ist. Michaela Monschein

Salmonellen im Kampf gegen Darmkrebs

Forscher wollen Mikroorganismen zur Krebstherapie nutzen

Braunschweig - Ein Braunschweiger Forscherteam ist einer neuen Krebstherapie auf die Spur gekommen: In einem von der Deutschen Krebshilfe http://www.krebshilfe.de mit 155.000 Euro geförderten Forschungsprojekt untersucht Siegfried Weiß vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung http://www.helmholtz-hzi.de, wie die Bakterienart Salmonella typhimurium gegen bösartige Tumore im Darm eingesetzt werden kann. Seit langem ist bereits bekannt, dass Mikroorganismen Tumore gezielt besiedeln und zerstören können. Doch erst in den vergangenen zehn Jahren wird die Bakterien-vermittelte Krebstherapie systematisch erforscht.
“Manche Bakterien siedeln sich nach Verabreichung ins Blut gezielt im Krebsgewebe an, wodurch dieses zerstört wird”, so Weiß. Ein Grund für die Anreichung dieser Mikroorganismen im Tumor ist vermutlich, dass sie sauerstoffarme Verhältnisse für ihr Wachstum benötigen. Und dieses Milieu ist in einem Tumor leichter zu finden als in gesundem Gewebe. “Die Erreger zerstören die Krebszellen zum einen bereits dadurch, indem sie sich im Tumor vermehren. Zum anderen vermuten wir, dass die Einzeller eine starke Immunreaktion auslösen, so dass die körpereigene Abwehr auch gegen den Tumor vorgeht”, erklärt der Wissenschaftler. Ungeklärt ist allerdings weiterhin, wie die Bakterien den Weg zum Krebsgeschwür finden und auf welche Weise sie den Tumor tatsächlich bekämpfen.

Im Rahmen des geförderten Forschungsprojekts will der Braunschweiger Wissenschaftler jetzt die Mechanismen auf Zellebene genauer aufklären. Sein Ziel ist es, das Einwandern und die Verbreitung der Bakterien im Tumor zu verbessern und damit auch das therapeutische Potenzial der Einzeller zu erhöhen. Dazu untersucht die Arbeitsgruppe um Weiß zunächst modellhaft, wie sich der Durchfall-Erreger Salmonella typhimurium in Mäusen mit Darmkrebs verhält und den Tumor zerstört. “Wir wollen eine Bakterien-vermittelte Krebstherapie entwickeln, die in Zukunft auch bei anderen Krebsarten als wirksame Ergänzung zu herkömmlichen Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt werden kann”, so der Forscher.

Zum Einsatz beim Menschen würden aber abgeschwächte Erreger angewendet werden, die für den Organismus ungefährlich sind. Wie die Mikroorganismen am besten dahin getrimmt werden können, um keine unerwünschten Nebenwirkungen hervorzurufen, müssen die Wissenschaftler allerdings erst herausfinden.

Gentests sollen strenger überprüft werden

Fachliche Beratung für Konsumenten gefordert

London - Britische Regierungsberater fordern strengere Kontrollen bei Gentests, die direkt an die Konsumenten verkauft werden. Die Human Genetics Commission http://www.hgc.gov.uk hat eingefordert, dass alle derartigen Tests einer unabhängigen Prüfung unterzogen werden, bevor sie auf den Markt kommen. Tests mit entscheidenden Auswirkungen auf die Gesundheit sollten nicht direkt bei den Konsumenten beworben und sollten zusätzlich durch einen Arzt begleitet werden. Experten argumentieren, dass die Wissenschaft noch nicht so ausgereift sei, dass der Vorhersagewert mancher Test wirklich bewertet werden kann.
Seit 2003 bieten immer mehr Unternehmen Gentests an. Dazu gehören auch Tests für bestimmte Krebsarten, wie zum Beispiel Prostatakrebs oder auch für Osteoporose und Risikofaktoren für Herzerkrankungen. Dazu kommen laut der Kommission auch immer mehr Lifestyle-Tests, die in Kombination mit Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten angepriesen werden. Unter den derzeitigen EU-Bestimmungen sind diese Tests derzeit mit einem geringen Risiko bewertet. Das bedeutet, sie müssen nicht von unabhängigen Experten geprüft werden, bevor sie auf den Markt kommen. Die HGC fordert strengere Kontrollen und dass die Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency http://www.mhra.gov.uk dafür verantwortlich sein soll, dass diese Standards auch eingehalten werden.

Der Human Genetics Commission geht es laut eigenen Angaben nicht darum, Tests zu verbieten. Ein Unternehmen sollte die Behörden jedoch davon überzeugen müssen, dass der Test geeignet ist und dass alle Beteiligten über die entsprechende Ausbildung und das erforderliche Wissen verfügen, um eine qualifizierte Beratung zu garantieren. Zusätzlich sollte mit der Office of Fair Trading and Advertising Standards Authority http://www.oft.gov.uk eine weitere Organisation in die Entscheidungen eingebunden werden. Der HCG-Vorsitzende Sir John Sulston betonte, dass es keine Zweifel darüber gebe, dass viele Tests ohne ärztliche Beratung unnötig Alarm auslösen oder Menschen in falscher Sicherheit wiegen können. In Großbritannien bieten laut BBC derzeit drei Unternehmen Gentests an. In den Vereinigten Staaten gibt es die größte Anzahl an Unternehmen. Viele verkaufen ihre Produkte auch übers Internet. Michaela Monschein

Schlafmangel kostet Deutschland 10 Milliarden Euro im Jahr

Neues Buch zeigt einfache Wege zum besseren und gesünderen Schlaf
München - Die Schäden durch Schlafmangel und übermüdete Menschen in Autos und an Maschinen, werden in Deutschland auf etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Etwa 20 % aller Unfälle auf den Straßen werden auf Müdigkeit und Sekundenschlaf zurückgeführt. Sozialpädagoge und Lebensraumconsultant Johannes Trüstedt weiß um die Probleme von Schlafmangel. “Wenig Schlaf wirkt auf das gesamte Nervensystem, er verändert die Wahrnehmung, stört die Sinne und schwächt das Immunsystem. Inzwischen weiß man um die schlimmen Folgen von chronisch gestörtem Schlaf.” In seinem neuen Handbuch “Zeige mir, wie du schläfst…” und in einem GRATIS e Book auf der Homepage http://www.truestedt.com, erklärt der Fachmann die Zusammenhänge zwischen gewählter Schlafstatt, negativen Umwelteinflüssen, problematischen sozialen Beziehungen und die Verbindung zu erholsamem Schlaf. Trüstedt: “Schlafstörungen müssen nicht sein. Seit vielen Jahren mache ich ganzheitliche Schlafplatz Untersuchungen, in der Hauptsache bei Menschen mit extremen Schlafstörungen. Auf Grund dieser Erfahrungen, entstand das Konzept zu diesem Buch.” Das Buch ist ab sofort im normalen und Internet Buchhandel und unter http://www.truestedt.com erhältlich.

Schlafstörungen müssen nicht sein, so die sehr verkürzte Aussage des Buches. Das gewusst wie, ist jedoch von entscheidender Bedeutung. Das Bett, die Umwelteinflüsse, die sozialen Beziehungen, die eigene Geschichte und die innere Haltung das alles spielt eine Rolle in unserem Leben, Nacht für Nacht. Sind diese Komponenten zueinander stimmig, dann erholen wir uns im Schlaf, ist jedoch nur einer dieser Aspekte nicht im Gleichgewicht, leiden auch die anderen; und im Zusammenspiel aller, zeigen sich die negativen Auswirkungen als erstes am Schlafplatz. Trüstedts Fazit: “Jeder Schlafplatz hat eine bestimmte Bedeutung der Schläfer sucht sich gleichsam seinen Schlafplatz selbst aus passend zur jeweiligen Lebenssituation.” Für Trüstedt ist die Wohnung und speziell das Schlafzimmer die Wiederspiegelung der eigenen Lebenssituation egal ob positiv oder negativ.

Der Lebensraumconsultant kennt sehr genau die Auswirkungen von dauerhaftem Schlafdefizit. Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Magen Darm Erkrankungen bis hin zu psychischen Krankheiten, wie zum Beispiel Depressionen. Jedoch, und das ist dem Autor besonders wichtig, soll dieses Buch keine Ansammlung von (Patent )Rezepten gegen Schlafstörungen darstellen. Das kann es nach Auffassung von Trüstedt gar nicht geben, auch wenn dies von Seiten der Leidenden oft erwartet wird. Das Buch versucht die Komplexität von Schlaf und Schlafstörung deutlich zu machen und Wege aufzuzeigen, wie in solch komplexen Zusammenhängen Lösungen gefunden werden können. Ein systemischer Ansatz ist unumgänglich, wenn es um das komplexe Thema Schlaf geht. Dennoch bietet der Autor Interessierten einen Auszug aus dem Buch zum gratis Download auf seiner Homepage an. “Ich gebe in diesem e Book einen ersten Überblick und nenne auch die für mich wichtigsten Faktoren für einen gesunden Schlaf so der Autor. Das e Book kann gratis unter http://www.truestedt.com herunter geladen werden, um kleine Tricks und Kniffe zu erfahren um dem Teufelskreis Schlaflosigkeit zu entgehen.

Weitere Informationen unter:

Ansprechpartner:
Johannes Trüstedt
http://www.truestedt.com

Prostatakrebs: Fettleibigkeit kann Testergebnisse verfälschen

PSA-Werte werden durch das Gewicht beeinflusst

Durham - Ärzte müssen das Gewicht eines Patienten berücksichtigen, wenn sie die Testergebnisse bei Prostatakrebs auswerten. Wissenschaftler des Duke Prostate Center http://www.dukehealth.org haben nachgewiesen, dass Fettleibigkeit die Ergebnisse verfälschen kann. Fettleibige Männer verfügen über mehr Blut. Aus diesem Grund kann die Konzentration der Antigene geringer sein, die als Marker für eine Erkrankung eingesetzt werden. Für die im Journal of the American Medical Association http://jama.ama-assn.org veröffentlichte Studie wurden die Daten von 14.000 Patienten ausgewertet.
Dieser Forschungsansatz könnte erklären, warum stark übergewichtige Männer anscheinend an aggressiveren Krebsformen erkranken. Die Tumore dürften im Anfangsstadium einfach nicht festgestellt werden. Der PSA-Test für das prostataspezifische Antigen gilt als notorisch unzuverlässig. Rund ein Drittel der Männer mit erhöhten PSA-Werten werden nicht an Krebs erkranken. Trotzdem müssen sie umfangreiche Tests über sich ergehen lassen. Andererseits erkennt der Test laut Studie immer wieder eine Krebserkrankung nicht.

Der Urologe Stephen Freedland erklärte, dass diese Forschungsergebnisse tatsächlich eine Begründung dafür liefern, warum fettleibige Männer dazu neigen niedrigere PSA-Werte zu haben als normalgewichtige. “Wird das Körpergewicht nicht berücksichtigt, übersehen wir vielleicht viele Krebserkrankungen.” Bei den dicksten Patienten lagen die PSA-Werte 21 Prozent unter jenen von normalgewichtigen. Allein in Großbritannien ist der Prostatakrebs für 13 Prozent der tödlichen Krebserkrankungen verantwortlich. Nach dem Lungenkrebs handelt es sich um die am häufigsten letale Krebserkrankung. Michaela Monschein

Genetisches Wettrüsten von Wirt und Parasit wissenschaftlich bewiesen

Red-Queen-Theorie zum Verständnis für Ausbreitung von Infektionskrankheiten

Basel - Einem europäischen Forscherteam der Universitäten Basel http://www.unibas.ch und Leuven ist es erstmals gelungen, das Wettrüsten zwischen Wirt und Parasiten empirisch nachzuweisen. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Wasserflöhe und Bakterien in den Sedimenten eines Teiches ein klares Muster einer Evolution zweier so genannter Antagonisten zeigen. Die Erkenntnis ist auch für die Humanmedizin von großer Bedeutung, da jährlich Mio. von Menschen an den Folgen von Infektionen sterben. Grund dafür ist in vielen Fällen das unterschätzte Potenzial der Krankheitserreger, die sich genetisch an neue Situationen anpassen.

Unter der Red-Queen-Theorie versteht man die Hypothese zur Evolution, die das aus evolutionsbiologischer Sichtweise ständige “Wettrüsten” konkurrierender Organismen erklären soll. Die Theorie besagt, dass Genvarianten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Kampf gegen Pathogene hilfreich sind, zu einem späteren Zeitpunkt diesen Vorteil verlieren, weil sich die Parasiten an ihre Wirte anpassen. Obwohl diese Theorie bereits seit 30 Jahren diskutiert wird, konnte sie bisher immer nur durch indirekte Beobachtungen untermauert werden. Nun ist den Forscher allerdings der Durchbruch gelungen.

Das Team um Dieter Ebert vom Zoologischen Institut der Universität Basel konnte zusammen mit Wissenschaftlern aus Belgien und Frankreich die Dynamik der Koevolution aufzeigen. Sie machten sich dabei zunutze, dass sowohl die Wasserfloh-Wirte - es handelt sich um kleine Krebse - wie auch ihre Pathogene (sporenbildende Bakterien) so genannte Dauerstadien bilden. Diese Dauerstadien können auch nach mehr als 30 Jahren aus den Sedimenten von Seen und Teichen isoliert und wieder zum Leben erweckt werden. Die daraus resultierenden Zeitserien erlaubten es zu zeigen, dass das Bakterium sich ständig an ihre sich ebenfalls weiterentwickelnde Wirtspopulation anpasst. Die Bakterien entwickeln dabei höhere Infektionsraten, die Wirte werden immer wieder resistent.

Die experimentelle Unterstützung der Red-Queen-Hypothese ist ein wichtiger Schritt im Verständnis, wie und wie schnell sich Infektionskrankheiten und ihre Wirte in natürlichen Systemen aneinander anpassen. Die Theorie kann zur Klärung vieler bekannter Phänomene beitragen, wie zum Beispiel der genetischen Diversität von Resistenzgenen und dem Evolutions-Nutzen der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung. Wolfgang Weitlaner

Fischerei greift ins Erbgut ein

Selektive Jagd auf Fische als Evolutionsfaktor

Berlin - Ein internationales Wissenschaftsteam hat entdeckt, dass die selektive Fischerei ein Evolutionsfaktor bei stark befischten Fischarten ist. Dieser Evolutionsfaktor ist stärker und wirkt schneller als bisher gedacht, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin Science. Dadurch drohen der Fischereiwirtschaft erhebliche Schäden, wenn zum Beispiel Fische, die die Fischerei überleben, genetisch bedingt früher geschlechtsreif werden und als Folge der früher in die Fortpflanzung investierten Energie insgesamt kleiner bleiben.

Die Konsequenzen der Fischerei-induzierten Evolution könnten auch aus biologischer Sicht relevant sein, weil sich durch die Veränderung der Körpergröße beispielsweise Nahrungsnetzbeziehungen und andere ökologische Prozesse ändern könnten, schreiben die Forscher. “Wir brauchen einen evolutionsbiologischen Ansatz für das Fischerei-Management”, so Studien-Koautor Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) http://www.adaptfish.igb-berlin.de, gegenüber pressetext. Dies könne man etwa durch die Entwicklung weniger selektiver Fanggeräte, die Errichtung mariner Schutzzonen oder andere Fischschonbestimmungen möglich machen. “Das Wichtigste dabei ist allerdings, dass man vorher wissenschaftlich evaluiert, was man tut”, erklärt der Forscher. “Die wesentliche Frage ist nicht, ob Fischereidruck die Evolution der Arten beeinflusst, sondern wie schnell.” Man müsse nämlich auch damit rechnen, dass solche Fischerei-induzierte genetische Veränderungen womöglich unumkehrbar sind.

“Die Art und Weise, wie heute befischt wird, ist vergleichbar mit einer Zucht durch Auslese. Allerdings mit unbeabsichtigten Züchtungsergebnissen”, erklärt Arlinghaus. Die kommerzielle Fischerei sei für viele Spezies weltweit die Todesursache Nummer eins geworden. “Teilweise übersteigt die Sterblichkeitsrate durch Fang die natürliche Sterblichkeit um das Vierfache. Die Folge davon ist, dass Fische schneller geschlechtsreif werden, mehr Energie in die Reproduktion investieren, im Mittel kleiner bleiben und physiologische und verhaltensbasierte Änderungen zeigen.” Durch die Evolution steige auch der Anteil der “scheuen”, sich eher dem Fischfang entziehenden Fische, mit ungeahnten Konsequenzen für die natürliche Reproduktion und das Anglerglück.

“Es ist nicht vollständig geklärt, ob diese Anpassungen genetisch bedingt oder alleine ein Ausdruck der Veränderung von Nahrungs- und anderen Umweltbedingungen sind. Die Fischerei-induzierte Evolution gilt aber in vielen Fällen als die plausibelste Erklärung der beobachteten Veränderungen”, erklärt der Wissenschaftler. Das bedeute, dass es sich nicht nur um ein interessantes wissenschaftliches Phänomen handle, sondern um eine ernstzunehmende Bedrohung für die Fischbestände und die Fischereiwirtschaft.

Die Wissenschaftler sehen die einzige Lösung darin, das Management der globalen Fischbestände nach einem evolutionsbiologischen Ansatz aufzubauen. “Das würde zunächst einmal helfen, besonders empfindliche Bestände zu identifizieren”, erklärt Arlinghaus. Es sei klar, dass die globalen Fischbestände am Limit sind. Ein Drittel der Bestände gelte als kritisch. “Die Überkapitalisierung der Fischerei hat daran Mitschuld. Besonders kritisch sind die Bestände der Raubfische wie Tun und Dorsch.” Jene Arten, die geringe Reproduktionsraten und späte Geschlechtsreife haben, wären besonders betroffen.

Es sei wichtig festzustellen, welche Veränderungen der Fischereidruck genau hervorrufe und welchen Einfluss sie auf den Wert der Fischbestände für die Fischereiwirtschaft und auch die hobbymäßige Angelfischerei haben. “Mittels populationsdynamischer Modelle könnte man dann Szenarien berechnen, mit welchen Managementinstrumenten der Fischerei-induzierten Evolution Einhalt geboten werden könnte”, erklärt der Forscher. Das wiederum könne dazu beitragen, die Fischbestände so zu verwalten, dass sie langfristig mit hohem Ertrag für den Menschen genutzt werden können.

“Derzeit sei es so, dass gerade jene Individuen, die die natürlichen Gefahren schadlos überstanden haben und als Folge groß und fruchtbar geworden sind, am Haken oder im Fischernetz landen”, erklärt Arlinghaus. Das habe schwer prognostizierbare Konsequenzen für die langfristige Entwicklung und den Erhalt natürlicher Fischbestände. “Momentan heißt es in vielen befischten Beständen nicht ‘die von Natur aus Fittesten leben länger’, sondern ,die Fittesten sterben eher”, meint der Forscher abschließend. ZARO