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Archive für Oktober 2008

EU als Ausbeuter der Meere entlarvt

Fischereiflotten werfen jährlich 1,4 Mio. Tonnen Fische weg

Brüssel/Madrid - Mit jährlich 1,4 Mio. Tonnen Fisch-Beifängen, die ungenutzt und verendet wieder ins Meer zurückgeworfen werden, ist die kommerzielle Fischerei in der EU alles andere als nachhaltig. Die Umweltorganisation Oceana http://www.oceana.org kritisiert die Haltung der EU in diesen Belangen und argumentiert, dass 88 Prozent der europäischen Fischereizonen hoffnungslos überfischt sind. Erst vor wenigen Tagen hat der Guardian ein Video eines britischen Trawlers online gestellt, auf dem zu sehen ist, wie 80 Prozent der gefangenen Fische als unbrauchbarer Beifang über Bord geworfen werden.

Experten wie etwa Jose Rodriguez von Oceana erklären gegenüber pressetext, dass Fische, die in den großen Netzen landen, egal ob sie nun industriell verwendet werden können oder nicht, zum Zeitpunkt der Löschung bereits tot sind. “Das bedeutet, dass das Überbordwerfen keinerlei Nutzen darstellt”, so Rodriguez. Auch von der Welternährungsorganisation FAO wird die Beifang-Problematik als eines der größten Probleme der kommerziellen Fischerei gesehen. Norwegen hat es als einziges Land Europas geschafft, diese Beifang-Problematik einigermaßen zu lösen. “Seit 35 Jahren geht die norwegische Fischerei andere Wege”, so Rodriguez. Einerseits sei das Überbordwerfen von Beifängen verboten, andererseits sind Fischer dazu verpflichtet, in bestimmten Regionen, in denen die Beifangrate besonders hoch ist, nicht mehr zu fischen. Damit wird zunächst einmal das Risiko großer Beifangquoten minimiert.

“Zudem hat die norwegische Fischereibehörde ein sehr ausgeklügeltes und vor allem dynamisches System ins Leben gerufen, das immer wieder Regionen zu Schutzgebieten erklärt und andere dafür freigibt”, erklärt Rodriguez. In Norwegen liege die Beifangrate bei unter vier Prozent, in den EU-Gewässern bei 14,6 Prozent. “In Norwegen wird wirklich darauf geachtet nur jene Fische zu fangen, die auch tatsächlich gebraucht werden.” Besonders wichtig sei es auch darauf zu achten, dass nicht zu viele Jungtiere in den Netzen landen. Dies könne etwa durch Maschengrößen der Netze oder einem temporären Fangverbot gesteuert werden. Was die Umweltschützer in diesen Zusammenhang am meisten stört, ist, dass das norwegische Modell für die anderen EU-Staaten keineswegs als Vorbild gelte. “Bilaterale Abkommen erlauben etwa der EU-Flotte in norwegischen Gewässern zu fischen und umgekehrt”, so der Experte. Das sollte allerdings auch die Einhaltung gewisser Standards beinhalten und nicht dazu führen, dass britische Fangschiffe in norwegischen Gewässern fischen und den Beifang anschließend in der EU-Zone über Bord werfen. “Das legt nahe, dass hier Handlungsbedarf in Form einer besseren Zusammenarbeit besteht”, erklärt Rodriguez.

“Kleinere Fischkutter fangen in der Regel weniger Beifang als große Trawler”, meint Rodriguez. Die immensen Mengen an ungewollter Fischfracht ziehen die großen Schiffe an Bord. “Es ist sehr wohl zu kritisieren, dass weniger wertvolle Fische, die aber dennoch verkauft werden könnten, als wertlose Fracht über Bord gekippt werden, um wertvolleren Arten im Kühlraum der Schiffe Platz zu machen.” Dies sei eine unethische und abzulehnende Praxis, kritisiert der Oceana-Experte. (Ende)

Kraftwasser

Heilung von Diabetes rückt näher

Proteine lassen Zellen Insulin produzieren

Cambridge - Forscher der US-Universität Harvard http://www.harvard.edu könnten einen großen Schritt in Richtung Heilung von Diabetes gemacht haben. Im Mausversuch ist es ihnen gelungen, aus einfachen Pankreaszellen, die im Darm für die Zerlegung von Nahrung verantwortlich sind, Insulin produzierende Zellen zu züchten. Dazu injizierten sie den Mäusen einen Protein-Cocktail, der dazu führte, dass ein Trio von normalerweise schlafenden Genen in den Zellen erwachte und dort mit einer Umprogrammierung begann. “Das ist, als ob jemand ein Programm auf seinen Computer herunterlädt und plötzlich wird aus dem PC ein Mac”, erläutern die Wissenschaftler ihr Vorgehen.

Bereits nach drei Tagen begannen die so umgewandelten Zellen mit der Produktion kleiner Insulinmengen. Eine Woche später hatten sich bereits mehr als 20 Prozent in sogenannte Beta-Zellen umgewandelt. “Deren Insulinproduktion war mit der echter Beta-Zellen identisch”, erklärt Doug Melton, Studienleiter und stellvertretender Leiter des Harvard Stammzellen-Instituts. Die Forschungsergebnisse könnten seiner Meinung nach aber nicht nur ein großer Fortschritt in der Diabetesbehandlung sein, sondern auch zur Regeneration von Herzmuskelzellen bei Herzinfarktpatienten oder zur Erneuerung von anderen beschädigten Zellen eingesetzt werden. “Es sollte möglich sein, einen jeden Zelltyp, der im Körper fehlt, aus einer anderen Zelle herzustellen”, fährt Melton fort.

Das von den Forschern als “direct reprogramming” bezeichnete Verfahren, basiert auf dem Fakt, dass jede Zelle die komplette Bibliothek von Genen ihrer DNA beinhaltet. Die externe Zufuhr der Proteine führte in den Zellen durch einen noch unbekannten Prozess dazu, dass sich neue Zelltypen, Muskelfäden und Neuronen bildeten. Im Versuch stellten die Diabetes-Experten zudem fest, dass durch ihre Behandlungsmethode gewonnene Beta-Zellen nicht nur schneller, sondern auch stärker den Blutzuckerspiegel senkten als Beta-Zellen, die aus Stammzellen gewonnen waren. “Die Transformation scheint sicherer zu sein als Methoden, bei denen unreife Stammzellen eingesetzt werden und die dazu tendieren zu Tumoren auszuwachsen”, meint Konrad Hochedlinger, Wissenschaftler am Harvard Stammzellen-Institut.

Für die Motivation der Heilung von Diabetes ein Stück näher zu kommen, sorgte bei Melton ein ganz persönlicher Umstand: “Meine beiden Kinder Emma und Sam haben beide selber Diabetes Typ I und ich wache jeden Tag auf und frage mich, wie kann ich Beta-Zellen herstellen kann”, berichtet der Forscher im Gespräch mit der New York Times. Jedoch warnt der Harvard-Professor vor verfrühten Hoffnungen. Denn bisher befinde man sich noch im Tierversuch und es könne zwei bis fünf Jahre dauern, bis Testergebnisse für den Menschen vorliegen. “Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, wäre es ein tatsächlicher Durchbruch”, sagte ein deutscher Diabetes-Experte auf pressetext-Nachfrage. Denn damit würde man nicht nur der Heilung zahlreicher Krankheiten näher kommen, sondern könnte auch die umstrittene embryonale Stammzellenforschung zurückfahren. (Ende)

Sehr Gut