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Archive für 11.12.2008
Männer mit höherer Stimme sind bessere Väter
11.12.2008 von zaro.
Anthropologin sucht Zusammenhang zwischen sozialen Zuschreibungen und Tonhöhe
Cambridge/Frankfurt - Die Tonhöhe hat Einfluss auf die Auffassung, die Menschen vom anderen Geschlecht haben. Das behauptet die Anthropologin Coren Apicella von der Havard-Universität http://www.fas.harvard.edu/~anthro, die in einer Feldforschung den Stamm der Hadza im Norden Tanzanias beobachtet hat. Dieses Jäger- und Sammlervolk sei bisher kaum in Kontakt mit medial vermittelten Rollenbildern gekommen und sollte daher Rückschlüsse auf die ursprüngliche psychologische Prägung des Menschen erlauben, so Apicella. Sie ließ Männer und Frauen der Hadza den Shwahili-Gruß “Hujambo” durch eine am Computer jeweils höher und tiefer modifizierte Stimme des anderen Geschlechts hören. Die Befragten mussten dann angeben, welche Stimme sie als Heiratspartner bevorzugen würden.
Männer fühlten sich umso mehr zu Frauenstimmen angezogen, je höher ihre Tonlage war, und bezeichneten tiefe Stimmen als “gute Sammlerinnen”. Bei den Frauenvorlieben zeigten sich weniger klare Unterschiede, jedoch bevorzugten stillende Mütter die hohen Männerstimmen. Apicalla deutet das als Auswirkung ihrer größeren Abhängigkeit von den Männern, da die Stillperiode für Hadza-Frauen das Ende ihrer Sammlertätigkeit bedeutet. “Vielleicht ist eine hohe Männerstimme daher ein Signal für ein mehr fürsorgliches Verhalten”, so die Studienautorin.
“Die Stimmtonhöhe spielt in der Bewertung des anderen Geschlechts keine Rolle”, dementiert die Phonetikerin Vivien Zuta vom Frankfurt Institute for Advanced Studies http://fias.uni-frankfurt.de im Gespräch mit zaronews. Zwar entnehme man der Stimme viele Informationen über den momentanen emotionalen Zustand des Gesprächspartners, Rückschlüsse auf Charaktereigenschaften seien jedoch nicht möglich. “Die Stimme ist wie auch die Sprechweise sehr punktuell und vergänglich, sie erlaubt daher keine Pauschalurteile. Selbst der oft vermutete Zusammenhang zwischen Körpergröße, Testosteron und Stimmhöhe hat sich in Untersuchungen als falsch herausgestellt”, so die Sprechforscherin. Sie erforscht derzeit in Deutschland, inwiefern die Stimme die Attraktivität einer Person beeinflusst.
Zuta warnt zugleich davor, Rückschlüsse über die Auswirkung der Stimme zwischen verschiedenen Kulturen zu ziehen. “Stimmverwendung und Intonation ist kultur- und sprachabhängig. In südeuropäischen Ländern ist die Grundfrequenz generell höher als im Norden.” Unterschiedliche Wirkungen der Stimme könne man bei interkulturellen Sprechkonflikten beobachten. “Selbst bei den verschiedenen Dialekten eines Landes kann man Unterschiede feststellen, wenn etwa manche Bayern und Norddeutsche den jeweils anderen Tonfall nicht mögen”, so die Phonetikerin abschließend. (Ende)
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