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Archive für 17.3.2009

Soziales Verhalten kann Egoismus besiegen

Mobilität ist wesentliche Voraussetzung für Kooperation

Zürich - Soziales Verhalten kann den ausbeuterischen Egoismus des Einzelnen überwinden, vorausgesetzt es findet ein geeignetes Umfeld und hohe Mobilität. Das haben Soziologen der ETH Zürich http://www.soms.ethz.ch in spieltheoretischen Computerexperimenten festgestellt, als sie nach Mechanismen suchten, die Kooperation in einer Gesellschaft mehrheitsfähig machen. Die simulierten Menschen suchten stets den eigenen Vorteil, nach dem Vorbild des Gefangenendilemmas. Bei dieser Abwandlung der Spieltheorie scheuen Individuen vor der Zusammenarbeit zurück, obwohl ihnen dies auf längere Sicht Gewinn bringen würde. Doch auch unter diesen Bedingungen hat die Kooperation Chance, sich als dominantes Prinzip der Handlungen durchzusetzen. “Wer soziales Verhalten sicher stellen will, sollte auf die Förderung von kooperativem Verhalten setzen. Nicht immer ist Überwachung und Kontrolle nötig”, fasst Studienleiter Dirk Helbing im ZAROnews - Interview die Ergebnisse zusammen.

Als größte Hoffnungsträger für die Verbreitung sozialen Verhaltens hatten die Soziologen vor der Studie die Nachahmung erfolgreicher Nachbarn und die Mobilität vermutet. In alleiniger Anwendung führten die beiden Prinzipien in der Simulation jedoch zum Zusammenbruch des sozialen Verhaltens. Denn selbst kooperative Individuen, die man allein auf gegenseitiges Lernen programmierte, begannen im Lauf der Studie, sich gegenseitig auszutricksen. Auch die Idee der erfolgsorientierten Mobilität, bei der sich Menschen je nach Vorteil räumlich oder sozial bewegen, war in alleiniger Anwendung zum Scheitern verurteilt. Überrascht wurden die Soziologen jedoch, als sie beide Prinzipien miteinander kombinierten. Sobald die Individuen von Erfolgsstrategien ihrer Interaktionspartner lernten und gleichzeitig das soziale Umfeld frei wählen konnten, setzte sich die Kooperation als dominantes Muster durch.

Die bestimmende Form, in der sich das soziale Verhalten verbreitete, waren kleine Inseln in der Gesellschaft, deren Mitglieder untereinander kooperierten und auch ihr Umfeld zur Kooperation ermunterten. “Eine einzelne Person bleibt auf Dauer nicht kooperativ gegenüber anderen. Damit Kooperation erfolgreich ist, muss es genügend Interaktionspartner geben, die ebenfalls kooperativ sind”, erklärt Helbing. So entstandene Gemeinschaften, die etwa Freundeskreisen, Arbeitskollegien, Nachbarschaften oder Web-Communities vergleichbar seien, würden auf ihre Weise Kooperation schützen und verstärken. Auch die Krankenkassen rechnet Helbing zu diesen Zusammenschlüssen. “Auch diese Form der Solidargemeinschaft ist darauf angewiesen, dass ihre Mitglieder nicht bei jeder Gelegenheit zum Arzt gehen, sonst steigen am Ende die Kassenbeiträge.”

Damit soziales Verhalten in kooperativen Gemeinschaften entstehen und sich verbreiten kann, braucht es ausreichende räumliche und soziale Mobilität, betont Helbing. “Ein Extrembeispiel für große Mobilität ist einerseits die USA, wo man ‘vom Tellerwäscher zum Millionär’ werden kann. Dem gegenüber steht die Abgeschlossenheit der Ständegesellschaften, in denen die soziale Transparenz sehr beschränkt ist.” Mobilität erhöhe das Level der Kooperation und den damit verbundenen Erfolg enorm, so der Züricher Soziologe abschließend zu ZAROnews. (Ende)

Models, Fotografen, Visagisten

Konservative sind größte Porno-Konsumenten

US-Studie: Bewohner Utahs beste Online-Kunden auf Erwachsenen-Seiten

Washington/Wien - Einer US-weiten Studie zum Thema Pornokonsum zufolge sind die Konservativen die größten Nutzer von einschlägigen Seiten im Web. Die Studie von Benjamin Edelman http://www.benedelman.org von der Harvard Business School zeigt auch deutlich, dass der Konsum von Videos und Magazinen immer weiter abnimmt und der Trend eindeutig in Richtung Web geht. Die Studie wurde im Journal of Economic Perspectives veröffentlicht. Edelmann, der nebenberuflich als Konsulent bei Microsoft und AOL zur Aufspürung von Betrügereien beschäftigt ist, hatte für seine Untersuchung Kreditkartenabrechnungen zwischen 2006 und 2008 mit dazugehörigen Postleitzahlen zur Verfügung.

Das Studienergebnis sei nicht wirklich verwunderlich, meint die Psychologin Caroline Erb von der Online-Partneragentur Parship http://www.parship.at im ZARO-Gespräch. Das Internet bietet den Konsumenten die Möglichkeit sich in der Anonymität zu verstecken. Es sei also nicht mehr nötig selbst aktiv zu werden und Barrieren zu überwinden, um an einschlägige Videos oder Magazine zu kommen. “Alles wird frei Haus via Internet geliefert.” Bei Konservativen sei häufig eine Verleugnung der eigenen sexuellen Wünsche bemerkbar. Zu Hause werde heilige Familie gespielt, in der Freizeit würden die Wünsche und Sehnsüchte dann erfüllt. “Das ist das klassische Doppelleben”, so die Psychologin. Es gebe mehrere Beispiele ganz eigenartiger Biographien unter konservativen Politikern, die im Prinzip auf ein solches Doppelleben hinweisen.

In dem als sehr konservativ geltenden Bundesstaat Utah ist die Zahl der mit Kreditkarten zahlenden Konsumenten von Pornowebsites mit 5,47 auf 1.000 Breitbandnutzer US-weit am höchsten. Die wenigsten Internetuser auf einschlägigen Seiten finden sich mit 1,92 im Bundesstaat Montana. Im relativ starken Mittelfeld - auf Rang zehn bis 41 - liegen die Raten zwischen 2,94 und 2,34. Acht der Top-Ten-Pornonutzer fanden sich in Bundesstaaten, die bei der letzten Wahl überwiegend den konservativen Präsidentschaftskandidaten McCain gewählt hatten. Ausnahmen bildeten Hawaii und Florida. Sechs der zehn geringsten Nutzer-Communitys waren in Bundessstaaten, die Obama bevorzugten. Auffällig war auch, dass Bewohner in jenen 27 Staaten, die gegen die gleichgeschlechtliche Partnerschaft waren um elf Prozent mehr Porno-Konsumenten aufwiesen. Sehr interessant sei zudem auch die Korrelation von Einwohnern aus Bundesstaaten, deren Slogan “Ich habe konservative Werte über Familie und Heirat” lautet und dem Pornokonsum. Sie surfen 3,6 mal häufiger auf Sexseiten als jene, die diesen Slogan nicht unterschreiben.

“Eine gute Aufklärung zu Hause ist ein wesentlicher Punkt, um mit dem Thema Sexualität offen umgehen zu können und einen natürlichen Zugang dazu zu bekommen”, meint Erb. Die Psychologin warnt davor, dass gerade Pornoseiten falsche Ideale vermitteln.” Das Tabuisieren schaffe es nicht, das Thema einfach vom Tisch zu kehren. “Je liberaler der Umgang, desto offener wird die Diskussion”, so die Expertin. Dazu gehöre auch, den Jugendlichen zu vermitteln, dass das, was auf den einschlägigen Seiten vermittelt werde, nicht der Realität entspreche. (Ende

Sehzentrum auch bei geschlossenen Augen aktiv

Bildschirmschoner-Modus erlaubt dem Gehirn schnelle Reaktion

Tel Aviv - Unser Gehirn funktioniert wie ein Bildschirmschoner: Auch wenn die Sinnesorgane keine Reize aus der Umwelt aufnehmen, was etwa bei geschlossenen Augen der Fall ist, bleiben die für die Sinneswahrnehmung zuständigen Gehirnregionen aktiv. Das haben Neurobiologen am Weizmann Institute http://wis-wander.weizmann.ac.il gezeigt. Dargelegt wurde auch, wie sich das Gehirn trotz dieser Ruheaktivität vor Sinneswahrnehmungen schützt. Die Erkenntnisse könnten der Diagnose von Patienten zugute kommen, bei denen keine Reaktion auf Anweisungen des Arztes zu erwarten ist, wie etwa Komapatienten oder Kleinkinder. „Denn es wurde sichtbar, dass man auch bei Gehirnschaden eine Restaktivität der Sinnesareale im Großhirn messen kann“, erklärt Studienleiter Rafael Malach im Interview.

Dass die für einen bestimmten Sinn zuständige Gehirnregion auch bei fehlendem Stimulus aktiv ist, zeigten Experimente mit der funktionellen Magnetresonanz. „Überraschenderweise ähnelte sich die Neuronentätigkeit im aktiven und im ruhenden Zustand eines Sinnes sehr. Erst in der Geschwindigkeit und in der Amplitude dieser Impulse zeigten sich Unterschiede“, so Malach. Um diesen Unterschied festzustellen, werteten die Forscher Untersuchungsdaten von Epileptikern aus, bei denen invasive Mikrodrähte zum Einsatz gekommen waren. Diese Methode erlaubt die Untersuchung auch einzelner Gehirnregionen und erfasst auch wesentlich schnellere Ströme.

Die Gehirnströme in Ruheposition entsprachen dem Funktionsprinzip eines Bildschirmschoners. “Entgegen der früheren Annahme, dass erst der Reiz die Sinneswahrnehmung einschaltet, zeigte sich eine konstante Aktivität des Hirns, die von Stimuli verändert und geformt wird”, fasst Studien-Mitautor Yuval Nir die Ergebnisse zusammen. Warum das Gehirn in diesen Modus wechselt, ist noch ungeklärt. „Wir vermuten jedoch, dass die Neuronen ein gewisses Maß an Aktivität brauchen, damit die Nervenzellen vital bleiben und überleben. Möglich ist auch, dass die minimale Aktivität ein schnelleres Hochfahren des Gehirns erleichtert, sobald der entsprechende Reiz wieder auftaucht. Das ist so wie das Fluchtauto eines Banküberfall, bei dem der Motor eingeschaltet bleibt, um schneller starten zu können“, sagt Malach.

Der Fähigkeit des Gehirns, sich in den Ruhezustand zurückzuschalten, verdanken wir dem Umstand, dass wir nicht ständig Halluzinationen haben oder Stimmen hören, die es nicht gibt. Die deutlichsten Ruheschwingungen der Sinneszellen finden während des traumfreien Schlafes statt, zeigte die Untersuchung. „Bei entsprechender Stimulation oder im Traum werden gewisse Wahrnehmungszentren im Gehirn allerdings wieder in den aktiven Modus geschaltet“, so der israelische Neurobiologe. (Ende)

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