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Archive für Mai 2009

Krebsmedikament wirkt gegen Multiple Sklerose

Einnahme verringert Rückfallwahrscheinlichkeit um mehr als die Hälfte

London - Die Verabreichung eines verbeiteten Medikaments gegen Krebs kann das Risiko von MS-Patienten, einen Rückfall oder eine Verschlechterung zu erleiden, deutlich reduzieren. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der Queen Mary University of London http://www.qmul.ac.uk gekommen. Einige Gaben von Cladribin über das Jahr verteilt, verringerte die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalles um mehr als die Hälfte. Dabei traten laut einer Studie mit 1.300 Patienten nur wenige Nebenwirkungen auf. Der britische MS-Experte Gavin Giovannoni erklärte, dass dieses Medikament die Behandlung von Multipler Sklerose revolutionieren könnte. Der Hersteller Merck Serono http://www.merckserono.ch hofft, noch in diesem Jahr um eine Lizenzvergabe ansuchen zu können. Cladribin ist bereits für die Behandlung von Leukämie zugelassen.

Giovannoni präsentierte seine Einschätzung des Potenzials von Cladribin bei einer Tagung der American Academy of Neurology http://www.aan.com in Seattle. Die britische Regulierungsbehörde, das National Institute for Health and Clinical Excellence http://www.nice.org.uk überlegt, das Medikament in die nächsten Zulassungsverfahren einzubeziehen. Die Wirkung des Medikaments beruht auf der Unterdrückung des Immunsystems. Damit wird das Risiko einer weiteren Schädigung des Nervensystems verringert. Patienten, die das Medikament einnahmen, erlitten um 30 Prozent weniger wahrscheinlich eine Verschlechterung ihrer krankheitsbedingten Beeinträchtigungen.

An der aktuellen Studie nahmen mehr als 1.300 MS-Patienten teil, die fast zwei Jahre lang begleitet und mittels MRI-Scans überwacht wurden. Sie erhielten entweder zwei oder vier Behandlungszyklen mit Cladribin oder einem Blindpräparat pro Jahr. Jeder Zyklus besteht aus einer Tablette täglich für die Dauer von vier oder fünf Tagen. Damit wird eine Behandlung an nur acht bis maximal 20 Tagen pro Jahr notwendig. Wird das Medikament zugelassen, wird es die erste Behandlungsform gegen MS sein, die keine regelmäßigen Injektionen erfordert. Schätzungen gehen laut BBC davon aus, dass allein in Großbritannien derzeit 85.000 Menschen an Multipler Sklerose leiden. Jährlich kommen 2.500 neue Erkrankungen dazu. (Ende)

Der Lebenskraft-Laden

Klima-Maßnahmen verfehlen Entwicklungsländer

Politologin: Klimaprotokoll braucht Augenmerk auf Gerechtigkeit

Oxford - Große Schwellenländer profitieren vom Kyoto-Klimaprotokoll zur Reduktion des Treibhausgase, während die ärmsten Länder das Nachsehen haben. Zu diesem Schluss kommen die Politologen Chuks Okereke und Heike Schröder von der Universität Oxford http://www.ox.ac.uk in der Fachzeitschrift Climate and Development. Sie analysieren den Zusammenhang zwischen Maßnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Gerechtigkeit für die Entwicklungsländer. Dabei bezeichnen sie den “Clean Development Mechanism” als ineffektiv. Diese Initiative des Klimaprotokolls ermöglicht es bisher den Industrienationen, zur Erreichung ihrer CO2-Vorgaben in Projekte zur Emissionsreduktion in Entwicklungsstaaten zu investieren. Der Aspekt einer “klimagerechten Entwicklung” solle in das Kyoto-Nachfolgeprotokoll aufgenommen werden, so die Forderung der Wissenschaftler. Denn würden arme Ländern mehr Unterstützung für ihre Anpassung an den Klimawandel sowie für die kohlenstoffarme Entwicklung erhalten, gäbe das auch Investoren mehr Sicherheit.

“Klimagerechtigkeit bedeutet, dass alle wirtschaftlichen Sektoren und geografischen Gebiete gleichermaßen von Maßnahmen profitieren”, erklärt Heike Schröder im ZAROnews-Interview. Das derzeit gültige Kyoto-Protokoll berücksichtige diesen Aspekt des Gleichgewichts nicht. “Derzeit profitieren nur große Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien, andererseits werden bestimmte Sektoren wie die Wasserkraft oder Energieeffizienz-Technologien bevorzugt. Kleinere Projekte wie etwa der Ausbau des öffentlichen Transportsystems werden hingegen vernachlässigt. Das selbe Schicksal betrifft kleinere Ländern, unter ihnen die ärmsten Nationen wie Tschad, Nigeria und Sudan”, so Schröder. Grund für die ausbleibende Unterstützung für Kleinstrukturen sei der geringere zu erwartende Profit.

Um Klimagerechtigkeit bei der Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember in einem Kyoto-Nachfolgeprotokoll zu verankern, seien laut Schröder neben Richtlinien spezielle Kaufanreize notwendig, die auch kleinere Projekte durchführbar und attraktiv machen. “Ein Weg in diese Richtung wäre, die übliche zwei-Prozent-Besteuerung erst ab einem bestimmten Projektsumfang anzusetzen.” Für Kopenhagen erfordere das ein aktiveres Auftreten der Schwellenländer. “Sie sollten sich ihrer Rolle mehr bewusst sein, ihren Anteil einfordern und mit entsprechender Rhetorik auftreten”, fordert Schröder. Dass die Schwellenländer dabei von anderen, wirtschaftlichen Interessen und Verpflichtungen gebremst werden könnten, sei allerdings denkbar, vermutet die Politikwissenschaftlerin. Den Industrieländern käme bei der Konferenz die Rolle zu, langfristig zu denken und sich ihrer Verantwortung wie auch der Realität bewusst zu sein. “Alle Prognosen deuten darauf hin, dass ihr Anteil an der Weltbevölkerung und Weltwirtschaft in Zukunft abnimmt.”

Im Gegensatz zu bisherigen Initiativen, könne die Errichtung eines Fonds zur klimagerechten Entwicklung garantieren, dass auch die ärmsten und verletzlichsten Länder erreicht werden und keine Gefährdung durch politische Unruhen und Missbrauch besteht, so Schröder. Bis Klimagerechtigkeit jedoch den Eingang in die internationale Diskussion gefunden habe, sei jedoch noch ein langer Weg zurückzulegen, denn der Begriff sei auf dieser Ebene bisher kaum Thema. “Er wird vor allem von Nichtregierungsorganisationen verwendet, kaum jedoch in zwischenstaatlichen Verhandlungen.”

Welche soziale Herausforderungen durch die globalen Umweltveränderungen entstehen, diskutieren diese Woche über 1.000 internationale Wissenschaftler und Entscheidungsträger in Bonn beim Treffen des Internationalen Programmes zur sozialen Dimension globaler Umweltveränderungen http://www.openmeeting2009.org. (Ende)

CO2-Emmissionen reduzieren geht so