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Archive für 16.6.2009
Treue Männer bringen keine Blumen
16.6.2009 von zaro.
Vögel mit lebenslangen Partnerschaften verzichten auf optische Reize
Radolfzell - Nahverwandte Tierarten mit ähnlicher Lebensweise können sich in Sachen Partnertreue erheblich unterscheiden. Das berichten Vogelkundler am Max-Planck-Institut für Ornithologie http://www.orn.mpg.de im Onlinemagazin BMC Biology. Inmitten der Staffelschwänze, einer fürs Fremdgehen berüchtigten Gattung von Singvögeln, entdeckten sie eine australischen Art, die Treue bis ans Lebensende pflegt. Ihre Männchen haben Anpassungen fürs Fremdgehen zurückgebildet, sonst gibt es kaum Unterschiede in Abstammung, Sozialsystem oder natürlicher Umgebung zu anderen Staffelschwänzen. Das sehen die Forscher als Beweis dafür, dass sich Paarungssysteme in der Evolution schnell ändern können.
Die Vogelkundler erforschten Purpurkopf-Staffelschwänze in einer Flussgegend in einem Naturschutzgebiet Nordwest-Australiens http://www.australianwildlife.org. “Staffelschwänze sind sehr langlebige Tiere. Wir beobachteten sie vier Jahre lang und am Ende lebte noch immer die Hälfte der Tiere, die wir zu Beginn angetroffen hatten”, berichtet der Forschungsleiter Sjouke Kingma im ZAROnews Interview. Die Purpurkopf-Vertreter waren ihren Weibchen über ihre gesamte Lebensdauer treu. Außereheliche Zeugungen konnten die Forscher daher nicht beobachten, und erst nach dem Tod eines Partners wurde dieser von einem neuen Tier ersetzt. Das prägt das Aussehen und Verhalten der Tiere, denn die bei anderen Staffelschwänzen üblichen Fremdgeh-Werkzeuge sind bei Purpurkopf-Männchen sehr bescheiden ausgeprägt: Die Reproduktionsorgane sind kleiner, sie bezirzen andere Weibchen kaum mit Blumen und entwickeln zur Brutzeit kein buntes Federkleid.
“Die Bandbreite an Treue ist bei den Vögeln sehr groß. Zugvögel pflegen nur sehr kurze Paarbeziehungen, während Meeresvögel wie Pinguine und Albatrosse auf Lebenszeit zusammen bleiben”, erklärt Kingma. Eine tatsächliche Erklärung für das Treueverhalten der Purpurkopf-Staffelschwänze habe man bisher nicht gefunden. “Bisher hat man stets vermutet, dass die Lebensumwelt der entscheidende Faktor für Treue oder Fremdgehen einer Art ist. Bei unseren Vögeln konnten wir das jedoch nicht beobachten, obwohl sie in einem Flussgebiet lebten, wo Reviere eng begrenzt sind und zahlreiche Möglichkeiten von Rivalität und wechselnden Partnerschaften bestehen.” Weder Abstammung noch Lebensraum oder Sozialsystem würden somit schlüssige Hinweise für die Entwicklung des Treueverhaltens geben. Die Vogelkundler vermuten, dass sich das Paarungsverhalten nur in einem einzigen Ereignis der Artbildung entscheidet. “Wir sind jedoch noch weit davon entfernt, außereheliche Verwandtschaften bei Tieren ausreichend zu verstehen”, so Kingma. (Ende)
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