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Archive für 1.8.2009

Wal-Beobachtung bringt Milliarden-Gewinne

Touristische Aktivitäten finanziell attraktiver als Walfang

Madeira/Wien - Wal-Beobachtungstouren bringen höhere finanzielle Gewinne als die Jagd auf Meeressäuger. Insgesamt werden mit Whale-Watching 2,1 Mrd. Dollar jährlich umgesetzt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die beim Treffen der International Walfang Kommission (IWC) http://www.iwcoffice.org in Madeira präsentiert wurde. Jene Staaten, die Walfang betreiben, könnten neue Strategien entwickeln, um Geld mit den Meeressäugern zu verdienen, so der International Fund for Animal Welfare (IFAW) http://www.ifaw.org. Die Organisation hat die Untersuchung durchgeführt.

Für Island gebe es eine Koexistenz von Walfang und Whale-Watching, erklärte der Delegierte bei der Konferenz. Tatsächlich liegen im Hafen von Reykjavik dutzende Auflugschiffe vor Anker, die Wal-Beobachtungstouren anbieten. In den Spezialitäten-Restaurants wird weiterhin gegrilltes Steak von Minke-Walen angeboten. Erst kürzlich hatte Island angekündigt, den Walfang massiv auszudehnen und 150 Finnwale sowie bis zu 100 Minke-Wale jährlich zu jagen. Nicolas Entrup, Geschäftsführer der deutschen Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) http://www.wdcs-de.org hat gegenüber zaronews kritisiert, dass diese riesigen Mengen von Walfleisch niemand konsumieren kann. In Island werden nämlich ausschließlich Minke-Wale in Restaurants angeboten. Experten vermuten, dass das Finnwal-Fleisch für den Export bestimmt ist.

“Whale Watching ist definitiv der nachhaltigere Weg und wie wir berechnet haben, bringt das auch mehr als die Jagd auf die Tiere”, so Patrick Ramage, Direktor des IFAW-Walprogramms. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Wal-Beobachtungstouen verdoppelt. Am stärksten war der Zuwachs in Asien. 2008 hatten 13 Mio. Menschen in 119 Ländern an solchen Exkursionen teilgenommen. Das Argument, dass Wal-Beobachtung und Jagd Hand-in-Hand gehen, sehen viele als unwahr an. 2006 wurden Touristen in Norwegen Zeugen, wie ein Walfangschiff einen Wal vor ihren Augen tötete. Islands IWC-Kommissar Tomas Heidar meint dagegen, dass es solche Vorfälle in Island nicht gebe.

Auch in Entwicklungsländern wie etwa auf der kleinen Antilleninsel Dominica ist Whale-Watching ein sehr lukratives Touristengeschäft geworden. “Es gibt 22 verschiedene Meeressäuger, die man hier beobachten kann. Besonders interessant sind die Pottwale, die hier das ganze Jahr über anwesend sind”, erklärt Colin Piper, CEO der Dominica Tourism Authority http://www.dominica.dm, gegenüber ZARO. Man lege in Dominica sehr großen Wert darauf, die Tiere zu schützen und sie auch bei den Exkursionen so wenig wie möglich zu stören.

Beim 61. Jahrestreffen des IWC nehmen Regierungsvertreter von mehr als 80 Ländern teil. Wie schon in den vergangenen Jahren steht die Diskussion um das Moratorium zum Stopp des kommerziellen Walfangs auf dem Programm. Zusagen der drei Staaten Norwegen, Island und Japan sind ausständig. Japan betreibe immer noch Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft, werfen internationale Umweltgruppen dem asiatischen Land vor. (Ende)

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Folter schädigt Opfer über Generationen

Fachtagung zu Ursachen, Wahrnehmung und Folgen von Folter

Düsseldorf - Oft verdrängt, jedoch auch oft präsent ist in der Gesellschaft die Folter. Diese Tatsache untersucht das interdisziplinäre Forschungsprojekt “Wiederkehr der Folter”, das von der Volkswagenstiftung gefördert wird. Erste Ergebnisse der Forschung werden diese Woche auf der Fachtagung “Folter und Zukunft” an der Universität Düsseldorf http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de präsentiert.

“Folter ist in der Gesellschaft auch heute real”, betont der Düsseldorfer Kulturwissenschaftler Reinhold Görling im pressetext-Interview. “Mehrere hunderttausend Folteropfer leben in Deutschland, vor allem Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Afrika und Lateinamerika.” Man wisse, dass es viele Länder gibt, in denen gefoltert wird, zugleich wolle man es jedoch nicht sehen. “Folter lebt auch in der Fantasien und Fantasmen weiter, etwa in bestimmten Genres von Filmen, bei denen sie zum Standard gehört.” Die Dominanz der Bilder in den Medien habe dazu geführt, dass Folterbilder teilweise bewusst eingesetzt werden. “Bestes Beispiel dafür ist die Politik der USA. 2002 präsentierte die US-Navy eine Aufnahme aus dem Camp X-Ray auf Guantanamo, bei der ein Dutzend Häftlinge auf dem Boden knien. Das ist keinesfalls subversiv, sondern ein sehr gezielter Einsatz von Bildern als Druckmittel”, so der Kulturforscher.

Als Folter gilt allgemein, wenn einem Menschen bewusst körperlicher oder psychischer Schmerz zugefügt wird, um damit ein bestimmtes Ziel zu bezwecken. Dieses Ziel sei laut Görling jedoch nicht das Auspressen von Informationen, wie oft dargestellt wird. “Kaing Guek Eav, der vielfacher Folter angeklagte Rote Khmer in Kambodscha, hat etwa bekannt, dass die unter Folter erhaltenen Informationen allesamt unbrauchbar gewesen seien. Hauptziel der Folter ist vielmehr, Menschen zu traumatisieren und sie in ihrer Subjektivität zu vernichten.” Folter inszeniere die Unzuverlässigkeit sozialer Beziehungen. “Ohne Bindung und Zuverlässigkeit können wir nicht leben. Die Folter hebt dies auf, lässt alle Objekte und Personen zu potenziellen Mitteln der Folter werden und nimmt somit alle Sicherheiten.”

Es gibt zwei gegenläufige Trends, wie die Gesellschaft Folter wahrnimmt. “Einerseits gibt es ein steigendes Bewusstsein über die Folter, ihre Auswirkungen und über Formen der Therapie, das erste medizinische Standardwerk dazu ist noch keine zwanzig Jahre alt. Andererseits ist sie immer wieder und sogar in der Politik als ‘Präventiv’- oder ‘Rettungsfolter’ in Diskussion.” Dieselbe Gespaltenheit beobachtet Görling auch im Verhalten der Medien. “Medien sind wichtig, um zu informieren, um Kritik zu äußern und die Gefahr des Wegschauens zu reduzieren. Andererseits veranschaulichen sie unsere Angst und Hilflosigkeit im Umgang mit Folter und mit Ländern, die sie praktizieren.”

Betroffene sind von den Folgen der Folter ein Leben lang gezeichnet. “Unsere These ist, dass ihre traumatischen Erfahrungen nicht verschwinden, sondern über mehrere Generationen hinweg weiterwirken. Dadurch nimmt die Folter Möglichkeiten des Handelns”, erklärt Görling. An Menschen, die Konzentrations- und Vernichtungslagern überlebt haben, sei dies sichtbar, selbst wenn sie Folter nur indirekt erlebt hätten. Werde diese Erfahrung nicht ausreichend bearbeitet, würde sie wiederkehren und einen gesellschaftlichen Gewaltzirkel bilden. “Für Folteropfer ist es immens wichtig, dass die Täter vor Gericht gestellt werden, dass die Gesellschaft über deren Schuld weiß und Dinge beim Namen genannt werden. Erst dadurch können sie aus der Scham der Erfahrung heraustreten”, so der Düsseldorfer Kulturwissenschaftler.

Als Positivbeispiel für die Aufarbeitung von Folter nennt Görling Südafrika. Die unter Präsident Nelson Mandela eingesetzte Wahrheits- und Versöhnungskommission hatte es sich hier zur Aufgabe gemacht, politisch motivierte Verbrechen der Zeit der Apartheid zu untersuchen. “Täter saßen dabei ihren Opfern in öffentlichen Veranstaltungen gegenüber, was angesichts der zerstrittenen Bevölkerungsgruppen sehr aufreibend war. Dieses Zusammenfinden der Perspektiven ermöglichte jedoch erst Verständigung über Erfahrungen.” (Ende)

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