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Archive für 10.8.2009
Wasserzugang soll Menschenrecht werden
10.8.2009 von zaro.
Erneut globale Forderung nach sauberem Wasser für alle
Washington DC/Wien - Der Zugang zu sauberen Trinkwasser soll ein Menschenrecht werden. Das fordern die Herausgeber des renommierten Wissenschaftsmagazins PloS Medicine http://www.plos.org im Editorial der jüngsten Ausgabe. Die Forscher widersprechen damit den großen Nationen USA, Kanada und Russland, die beim Weltwasserforum in Istanbul im März 2009 diese Forderung abgelehnt hatten.
Es gebe drei Gründe, warum der Zugang zu sauberem Wasser so wichtig sei, argumentieren die Wissenschaftler. Zum einen können damit die Erkrankungen, die durch den Genuss von verunreinigtem Trinkwasser verursacht werden - etwa Durchfallerkrankungen, die rund 1,8 Mio. Menschen jährlich das Leben kostet - deutlich zurückgedrängt werden. Hauptopfer sind dabei Kinder unter fünf Jahren. Zum anderen hat die Privatisierung der Wasserversorgung wie sie in Bolivien, in Ghana und in anderen Ländern geschehen ist, den Armen am wenigsten gebracht. Ihnen blieb der Zugang zu sauberen Wasser versperrt. “Hohe Rechnungen für Wasser, gesperrte Leitungen in Armenvierteln, verminderte Dienstleistungen, gebrochene Versprechen und Umweltverschmutzung sind auf die Privatisierung zurückzuführen”, so Maude Barlow, Senior Advisor für Trinkwasserfragen bei der UNO-Generalversammlung.
Der dritte Grund ist die immer stärkere Nachfrage nach dem kostbaren Gut Wasser. Durch den Klimawandel haben sich Niederschläge verändert, dazu kommt Umweltverschmutzung und Bevölkerungswachstum. Kein Land sei vor Trinkwasserproblemen gefeit, schreiben die Forscher. Die USA stehen vor dem größten Wassermangel in ihrer Geschichte und in Australien haben Trockenperioden dem Murray-Darling-Fluss-Basin, das bei der Nahrungsmittelproduktion eine wesentliche Rolle spielt, stark zugesetzt.
“Seit langem wird immer wieder die Frage nach einem ‘Menschenrecht auf Wasser’ laut, denn noch immer leben mehr als eine Mrd. Menschen ohne sichere Trinkwasserversorgung”, meint Karo Katzmann, Buchautorin des “Schwarzbuch Wasser” im ZARO Biotec -Interview. “Diese Tatsachen sind schon seit einigen Jahren bekannt und immer wieder Teil der Berichterstattung über Wasser. Getan hat sich bisher in der konkreten Umsetzung wenig.” Ein Meilenstein auf dem schwierigen Weg zum “Menschenrecht Wasser” war die Einigung auf einen “Allgemeinen Kommentar zum Menschenrecht auf Wasser” im Jahre 2002 unter der Ägide des “Ausschusses der Vereinten Nationen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte” (UNESCO). “Die Ablehnung beim diesjährigen Weltwasserforum war aus meiner Sicht vorhersehbar, da dem Weltwasserforum von Kritikern ohnehin immer wieder vorgeworfen wird, großteils wirtschaftliche Interessen zu vertreten - und da ist ein Menschenrecht auf Wasser eher hinderlich”, so Katzmann.
Nach wie vor gebe es auch in Europa (England, Frankreich) ein Tauziehen um die Privatisierung der Wasserversorgung, große Konzerne versuchen die Versorgungsleistungen, die bis dato in öffentlicher Hand waren, zu übernehmen. “Versprochen werden meist niedrigere Preise und eine flächendeckende Versorgung. Gehalten werden können diese Versprechen in vielen Fällen nicht. Meiner Meinung nach ist es grundsätzlich bedenklich, mit dem Lebensmittel Nummer eins Spekulationen zu treiben, denn viele der privaten Wasserversorger sind börsennotiert und demnach ihren Aktionären verpflichtet, Gewinne zu machen, während die öffentliche Hand nur kostendeckend arbeiten sollte”, argumentiert Katzmann. In manchen Fällen wie etwa in Chile habe sich die Privatisierung der Wasserversorgung jedoch auch als Segen für die Menschen erwiesen. “Da die Öffentlichkeit ihrem Versorgungsauftrag aus finanziellen Gründen nicht mehr nachkommen konnte, von den privaten Versorgungsfirmen jedoch Verträge mit den Regierungen gemacht wurden, konnte die Grundversorgung der armen Bevölkerungsschichten mit sauberem Wasser sicher gestellt werden.” (Ende)
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Asiens Solarfirmen stehlen Deutschen die Show
10.8.2009 von zaro.
Billig-Anbieter schnappen sich Kundschaft vor Boomphase
Berlin/Hamburg - Die aufstrebenden asiatischen Solarunternehmen haben den deutschen Markt entdeckt und erobern diesen mehr und mehr für sich. Deutsche Anbieter haben hingegen selbst auf ihrem Heimmarkt immer häufiger das Nachsehen und lassen von Jahr zu Jahr Marktanteile liegen. Nach Angaben des europäischen Photovoltaikverbands EPIA http://www.epia.org steht die Bundesrepublik angesichts einer explodierenden Nachfrage nach Solaranlagen vor einem enormen Branchenboom. Allerdings ist es etwa dem Spiegel zufolge der Vormarsch von Herstellern aus China, Taiwan und Japan, der den Sektor hierzulande in den kommenden fünf Jahren anschieben soll. Die deutschen Unternehmen hätten hingegen kaum etwas von den erwarteten Absatzsteigerungen.
„Die deutschen Anbieter versuchen sich dem Preiskampf mit asiatischen Herstellern am Absatzmarkt Deutschland durch Auslagerungen von Teilen ihrer Produktion etwa nach Asien zu stellen“, meint ein Branchenkenner im Gespräch mit ZARObiotec. So seien viele Unternehmen dazu übergegangen, selbst Komponenten ihrer Solaranlagen in Niedriglohnländern wie China zu ordern, um Produktionskosten zu sparen und Module hierzulande günstiger anbieten zu können. Der Freiburger Modulhersteller Solar-Fabrik hat beispielsweise einen Zellliefervertrag mit dem chinesischen Solarproduzenten Ja Solar bekannt gegeben. China Sunergy verkauft nach eigenen Angaben Solarzellen an den Dresdner Modulfabrikanten Solarwatt. Ob sich die deutschen Hersteller in dem Preiskampf mit Akteuren wie Yingli Green Energy, Trina Solar oder Suntech Power behaupten können, sei aber eine Frage der Marktpositionierung als qualitativ hochwertiger Player gegenüber Billiganbietern.
Neben Komponenten wie Solarzellen drängen asiatische Anbieter auch mit ganzen Modulen auf den deutschen Markt. „Ein Großteil der in China hergestellten Solarmodule wird in Europa verkauft. Die Qualität von Markenmodulen aus China ist mittlerweile mit der europäischen oder amerikanischen vergleichbar“, erläutert Bernd Schüßler, Sprecher des Solarstrom-Magazins Photon http://www.photon.de, gegenüber ZAROnews. Schließlich stamme ein Großteil der Produktionstechnik aus westlichen Ländern. Bei manchen deutschen Unternehmen weisen die Umsätze daher in die entsprechende Abwärtsrichtung. „Um aus einem Wafer ein Solarmodul zu fertigen, benötigt manch chinesischer Hersteller rund halb so viel Geld wie mancher aus Europa“, erklärt Schüßler.
Durch den Modulpreisverfall wird die Nachfrage der Verbraucher nach Solaranlagen angekurbelt. EPIA zufolge dürfte die Bundesrepublik die Solarleistung bis 2013 bei einer “moderaten” Entwicklung auf über 17.000 Megawatt ausbauen. Im Falle eines Extremszenarios sei sogar von mehr als 21.000 Megawatt auszugehen. In den kommenden fünf Jahren würde sich die bisher installierte Leistung verdreifachen, was neben den niedrigen Anlagenkosten im Wesentlichen auf die staatlich garantierten Renditen zurückzuführen sei. (Ende)
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Luigi Colani: “Ihr seid nicht mehr hungrig”
10.8.2009 von zaro.
Designpionier appelliert an die europäische Kreativindustrie
Wien - Der Designpionier Luigi Colani hat im Rahmen des “IncrediblEurope Summit”, der in Wien stattfand, an die Kreativen und Designer in der europäischen Industrie appelliert. Mit Europa ging Colani, der seit Jahren in China lebt, dabei hart ins Gericht, denn es sei zu reich und dadurch zu träge, zu viele “Bedenkenträger” würden Innovation hemmen. “In Europa werde noch immer nach der Philosophie von Konfuzius gearbeitet, der ist viel zu soft. In China hingegen wurde schon lange Platons Idee des ‘friendly dictatorship’ realisiert”, sagt Colani. “Ihr seid nicht mehr hungrig”, kritisiert der Designvisionär. China hingegen sei “hungrig, reich und optimistisch”.
Im Gespräch mit Robert Zach fordert Colani dazu auf, alles was man an der Universität gelernt hat, zu “zerschmettern und zu vergessen” und völlig neu zu beginnen. Die eigenen Fähigkeiten und Ambitionen zu entdecken und zu entwickeln und dafür zu kämpfen, sei der einzig Erfolg versprechende Weg. Das seien die wichtigsten Skills für junge europäische Designer, um künftig im Wettbewerb mit Asien bestehen zu können.
In seiner Rede zeichnete er ein präzises Bild des Umfelds der Produktion von Design und beschrieb die Unterschiede zwischen Europa und Asien in der Entwicklung und Umsetzung innovativer Designstrategien. Sein Vortrag wurde zum eindringlichen Appell an die versammelte Community der “Creative Industries”. Erklärtes Ziel der internationalen, hochkarätig besetzten Konferenz war es, “Strategien für Europa” zu diskutieren, um gegenüber dem sich rasant entwickelnden Asien nicht ins Hintertreffen zu geraten. Erste Statements betonten den wichtigen Beitrag und die ökonomische Bedeutung der Kreativwirtschaft als “Zukunftsindustrie” oder forderten, dass Städte ihre Identität wie London oder Barcelona über Design definieren müssten.
Als einer der bedeutendsten Pioniere des “Organic Design” produzierte Colani http://www.colani.de in seiner mehr als 50-jährigen Karriere mehr als 20.000 spektakuläre Entwürfe für die Automobil- und Flugzeugindustrie. 2007 wurde er am “Festival Automobile International” für sein Lebenswerk mit dem “Grand Prix de Paris” ausgezeichnet. Sein 1989 entworfener “Testa d’Oro” ist mit 351 Kilometer pro Stunde (km/h) Höchstgeschwindigkeit noch heute der schnellste Ferrari. Während seiner Keynote im Wiener Kursalon griff er zum Zeichenstift, um die Entwicklung des Entwurfs dieser Designikone vor den Augen des staunenden Publikums zu skizzieren. Als Aircraft Engineer war Colani unter anderem am Design der Tragflächen der Concorde beteiligt. Heute arbeitet er in Kooperation mit Air China an einem Flugzeug für 2.000 Passagiere.
Nach zehn Jahren in Japan und bald 15 Jahren in China ist er Professor an vier der wichtigsten Universitäten des Landes. Viele seiner Ideen, die in Europa kein Gehör fanden, werden hier realisiert - von einem Hightech-Chronometer für chinesische Astronauten über einen neuen, bis zu 700 km/h schnellen Hochgeschwindigkeitszug bis zu einer Wissenschaftsstadt für das dritte Jahrtausend in Peking. Mit Wien verbindet Luigi Colani nicht nur die gängigen Klischees wie Habsburger, Germknödel oder den Stephansdom. Die Stadt war für ihn immer schon ein “Fenster des Orients”, durch das viele Ideen und Erfindungen in den Westen getragen wurden, etwa eines Hermann Oberth, des bedeutendsten Pioniers der Raketentechnik und Lehrers von Wernher von Braun.
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