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Archive für 12.11.2009
Erwartung bestimmt die Zufriedenheit
12.11.2009 von zaro.
Konsumverzicht braucht gesellschaftliches Umdenken
Jena - Je stärker eine Gesellschaft auf Konsum orientiert ist, desto unzufriedener macht sie der Verzicht und desto schwieriger bekommen Maßnahmen des Umweltschutzes den nötigen Rückhalt. Zu diesem Schluss kommen Wirtschaftsforscher vom Max-Planck-Institut für Ökonomik http://www.econ.mpg.de in Jena. Sie untersuchten in Experimenten die Mechanismen, von denen die Zufriedenheit des Einzelnen oft abhängt. “Ob wir uns als glücklich empfinden oder nicht, hängt in hohem Maß davon ab, mit wem wir uns vergleichen”, so das Resümee der Studienleiterin Astrid Matthey im Gespräch mit pressetext.
Wie man es schafft, dass Individuen einer Gesellschaft trotz Rückgang von Konsummöglichkeiten nicht unzufriedener werden, stellt eine wichtige Frage für Umweltmaßnahmen dar. Denn viele wissenschaftliche wie auch politische Strategien zielen auf eine schonende, nachhaltige Nutzung der Ressourcen ab. “In Deutschland ist die Diskussion um den ökologischen Fußabdruck und eine Änderung des Konsumverhaltens zwar noch weniger fortgeschritten als etwa in Frankreich. Wir werden der Auseinandersetzung jedoch kaum entgehen, wenn Klimaziele erreicht werden sollen”, so Matthey.
Entscheidendes Maß für das Wohlbefinden ist oft die Vergleichsgröße. Matthey erhob in Laborexperimenten, auf welche Weise unterschiedlich hohe Gewinnmöglichkeiten in einer Lotterie die Zufriedenheit von Spielern bestimmen. Wer sich besonders hohe Gewinnsummen erwartete - was mit dem Fachterminus “Aspiration” bezeichnet wird - war bei deren Verfehlen besonders stark enttäuscht. “Menschen leiden an enttäuschten Träumen, da sie diesen noch eine ganze Weile anhängen, bevor sie sich neu orientieren können”, so die Forscherin. Um solchen Enttäuschungen aus dem Weg zu gehen, müsste man es schaffen, Ziele schon im Vornhinein anders auszurichten.
Um derartige Änderungen auf gesellschaftlicher Ebene zu erreichen, etwa im Bezug auf Konsummuster, muss man bei den Mechanismen ansetzen, die für die Bildung von Erwartungshaltungen entscheidend sind. “Zukunftshoffnungen beruhen oft auf vagen Informationen, deren Aktivierung den Menschen meistens gar nicht bewusst ist”, berichtet Matthey. In einem zweiten Experiment konnte sie zeigen, dass sich Menschen anders verhalten, wenn eher materielle Errungenschaften aktiviert werden - wie etwa die Vorstellung, dass Intelligenz zu Reichtum führt - als bei der Aktivierung sozialer Inhalte wie etwa der Annahme, dass Kinder ihren Eltern helfen. “In der Gesellschaft ist die wichtigste Richtschnur für die Aspiration die Frage, was als Erfolg gilt”, erklärt die Ökonomin.
Daraus lassen sich Schlussfolgerungen für den Alltag ableiten. “Je höher eine Gesellschaft den Konsum bewertet, desto mehr streben wir ihn an und desto schwerer fällt der Verzicht darauf”, so Matthey. Gesellschaftlich wäre es daher sinnvoll, zu überlegen, wie etwa sozialen Beziehungen oder weniger von Konsum abhängigen Aktivitäten mehr Wert gegeben werden könne. Das sei besonders zu Krisenzeiten aktuell, da diese für viele ohnehin wirtschaftliche Probleme mit sich bringen würden. “Außerdem würde das den Rückhalt für Maßnahmen zur nachhaltigen Ressourcennutzung stärken”, so die Jenaer Forscherin. (Ende)
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