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Archive für 16.11.2009

Globale Ressourcen 2009 mit 25. September verbraucht

Welterschöpfungstag ermittelt Öko-Defizit - Wirtschaftkrise bremst nur gering

Wien - Die Wirtschaftskrise 2009 hat nur ganze zwei Tage für die Natur gebracht, das zeigen Berechnungen des internationalen Global Footprint Network http://www.footprintnetwork.org. Der Welterschöpfungstag, der das ökologische Defizit ermittelt, fällt in diesem Jahr auf den 25. September. “An diesem Tag sind alle natürlichen Ressourcen verbraucht, die bei nachhaltiger Nutzung in diesem Jahr für die Menschheit zur Verfügung stehen würden”, so Wolfgang Pekny von der Plattform Footprint http://www.footprint.at im Interview.

“Drei Monate vor Jahresende ist die Erde damit im Minus: Biogene Rohstoffe sind theoretisch aufgebraucht und Umweltbelastungen wie Treibhausgas-Emissionen und Müllproduktionen können von der Natur nicht mehr bewältigt werden”, rechnet Pekny vor. “Dieses ökologische Defizit sollte alle Staats- und Wirtschaftsführer mehr alarmieren als die vorübergehende Finanzkrise. Schließlich können wir die Erde nicht in Konkurs schicken oder durch weitere Schulden bei den Ungeborenen auskaufen,” betont Pekny die Bedeutung dieses Termins. Was eine Insolvenz des gesamten Systems bedeuten würde, sei unvorstellbar.

“Die kommende ökologische Katastrophe wird nicht mehr ein Tankerunfall sein, sondern ein wesentlich größeres Ausmaß erreichen”, erklärt Pekny. Im Prinzip gehe es darum, den Anfang des Endes vom Bisherigen zu thematisieren. “Die Menschheit ist an ihre Grenzen gestoßen, da es keinen weiteren leeren Planeten mehr gibt. Dieser Status-quo ist erreicht, obwohl auf der Erde nur 25 Prozent am Buffet teilnehmen können, während die anderen an der Armutsgrenze leben”, so Pekny. Das bedeute, dass die Reichen den Planeten mit jenen teilen müssen, die nichts haben. “Das ist eine globale Verantwortung und die Lösung dafür obliegt nicht Politikern oder Staatsoberhäuptern, sondern jedem einzelnen Menschen”, kommt Pekny zum Schluss. Die einzige Lösung sei das Teilen der auf der Erde vorhandenen Ressourcen. “Mit Eingreiftruppen die Ressourcen zu sichern und Mauern zu bauen, ist keine Option.”

Um den drängenden Problemen entgegenzutreten, müsse ein globaler Entschuldungsplan in Kraft treten. Zur Durchsetzung eines individuellen und persönlichen Nachhaltigkeitsprogramms hat Pekny die so genannten “vier F” entwickelt. “Das bedeutet, weniger mit dem Flugzeug zu fliegen, weniger Fleisch zu essen, weniger mit dem Auto zu fahren und zu wohnen wie im Fass - damit ist das umsichtige Wohnen gemeint.” Die Herausforderung im 21. Jahrhundert liege darin, allen Menschen ein würdiges und glückliches Leben zu ermöglichen, so Pekny. Das bedeute, dass man die Ressourcen fair verteilen müsse. “Moderne Technologien haben zur Steigerung der Energieeffizienz geführt. Allerdings hat es im Endeffekt keine Einsparung des Nettoverbrauchs gegeben, weil die Dimensionierung der genutzten Geräte um ein vielfaches zugenommen haben”, erklärt der Experte. Es sei ein Irrglaube, dass jemand komme und die Probleme der Welt für die Menschheit löse. “Alle Volkswirtschaften, die auf Wachstum ausgerichtet sind, gehen in die falsche Richtung”, kommt Pekny zum Schluss.

Der kurzzeitige Bremseffekt durch die Wirtschaftskrise, der den Welterschöpfungstag in diesem Jahr um zwei Tage nach hinten verschoben hat, werde nicht von Dauer sein. “Weltweit wollen alle politischen Kräfte wieder zum Wirtschaftswachstum zurückkommen und mit ungezielten Konjunkturpaketen und anderen Maßnahmen wird der globale ökologische Fußabdruck mit dem Aufschwung wieder zunehmen”, so WWF-Naturschutzdirektor Andreas Wurzer. “Umgekehrt kann Rezession nicht die Antwort auf die globale Übernutzung sein”, meint Greenpeace-Klimasprecher Niklas Schinerl. “Politik, Wirtschaft und die Menschen müssen der ökologischen Überschuldung aktiv entgegensteuern. Das gemeinsame Ziel ist nicht Wachstum um jeden Preis, sondern die Kunst, ein gutes und menschenwürdiges Leben mit einem fairen Anteil an Ressourcen der Erde zu führen.”

“Der Verbrauch an natürlichen Rohstoffen ist in den vergangenen 30 Jahren von 30 Mrd. auf 60 Mrd. Tonnen in die Höhe geschnellt. Die Auswirkungen sind bereits deutlich sichtbar: Klimawandel, zerstörte Ökosysteme, schrumpfende Wasserreserven und Wälder, aussterbende Arten und die Auslöschung von fruchtbaren Böden” so Lisa Kernegger, Ressourcensprecherin der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.

Die Plattform “Footprint” wird von den Organisationen Agenda X, Bio-Austria, ESD, Fair Trade, GLOBAL 2000, Greenpeace, Klimabündnis, Ökosoziales Forum, SOL, SERI, Südwind Agentur, Vegane Gesellschaft und WWF getragen. (Ende)
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Mensch und Natur lassen Wüsten wachsen

Geologie, Regen und Stürme neben Wasserentnahme entscheidend

Marburg - Die ständige Ausbreitung der Wüstenflächen auf unserem Planeten geht in den meisten Fällen auf das Zusammenwirken natürlicher Bedingungen und menschlichen Einwirkens zurück. Diesen Umstand diskutieren internationale Wissenschaftler am “Dust & Sand Storm and Desertification Symposium” http://www.dss-symposium2009.info, das nächste Woche in Marburg stattfindet. Präsentiert werden dabei Forschungen zur Wüstenbildung in Zentralasien, aus der Mongolei und Indien. “Fast immer bedingen sowohl der Mensch als auch das Klima oder natürliche Gegebenheiten den Fortschritt der Wüstenbildung”, erklärt Tagungs-Organisator Christian Opp im Interview.

Eine der weltweit bedeutendsten Desertifikation geht derzeit in Zentralasien vor sich, und zwar rund um den vertrocknenden Aralsee sowie in vielen anderen kleineren Flüssen und Seen der Region. “Luftmassenbewegungen haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Regenbringende Zyklone dringen nicht mehr in die Region vor, wodurch Trockenperioden viel länger dauern”, so der Marburger Geograf. Die Geschwindigkeit dieser Vertrocknung sei jedoch ohne das menschliche Einwirken nicht denkbar, wobei besonders die übermäßige landwirtschaftliche Wasserentnahme aus den Zuflüssen ins Gewicht fällt.

Dass die Vertrocknung der zentralasiatischen Gewässer Wüstenbildung nach sich zieht, geht auch auf den hohen Salzgehalt des Bodens zurück. “Die Böden sind ehemalige marine Ablagerungen, die noch vom Thetysmeer aus dem Tertiär stammen. Regenwasser spült diese Stoffe frei und hinterlässt nach der Verdunstung Salz”, erklärt Opp. In den Seen Zentralasiens, der größten abflusslosen Region der Erde, steigt mit sinkendem Wasserspiegel der Salzgehalt. Vertrocknen Gewässer wie der Aralsee, hinterlassen sie einen freiliegenden Seeboden, dessen Staub mit Salzen sowie mit Schwermetallen und Agrarchemikalien verseucht ist. “Der Wind wirbelt diese Stoffe in die Höhe und lässt auch anderswo am Boden Salzkrusten entstehen, die weiteres Pflanzenwachstum verhindern und die Wüstenbildung einleiten”, so der Wüstenexperte.

Ähnlich sei das Problem der zur Wüste werdenden Randzonen der Sahara. “Auch hier führen Erderwärmung und weniger Regenfälle in Kombination mit der übermäßigen Wasserentnahme durch den Menschen zur Austrocknung ganzer Regionen”, so Opp. Ein ähnliches Schicksal wie das des Aralsees winkt auch dem Tschad-See in der Grenzregion zwischen Tschad, Kamerun, Niger und Nigeria, der seit 1960 rund 95 Prozent seiner ursprünglichen Wasserfläche eingebüßt hat. “Das Mittelmeer verhindert, dass sich die Sahara weiter in den Norden ausbreitet, wenngleich Sandverfrachtungen auch nach Südeuropa gelangen. Die größte weitere Ausbreitung der Sahara erfolgt daher im Süden.” In den vergangenen Jahrzehnten sei die Sahara ständig gewachsen.

Die Bedeutung von Wüsten reicht weit über ihre geografischen Grenzen hinaus. Das zeigt der Wüstenstaub der westlichen Sahara, der hochgewirbelt wird und mit dem atlantischen Windsystem bis weit in den Ozean, nach Südamerika und in die Karibik auf Reise geht. “In Jahren mit besonders viel Staubwirbel kommt es in der Karibik zum Korallensterben. Gleichzeitig senken Staubverfrachtungen das Hurrikan-Risiko in der Karibik, da die Staubpartikel die Sonne reflektieren, damit die Temperatur des Ozeans senken und den Wirbelstürmen weniger Energie liefern”, erklärt Opp.

Nur in Einzelfällen ist auch eine Rückführung von Wüste in Ackerland oder Vegetation zu beobachten. Das sei laut Opp am ehesten dort möglich, wo bestehende Wüstenoasen ausgeweitet werden. “Ein Abringen von Wüstenfläche gelingt nur dann, wenn man sehr sorgfältig und nachhaltig mit Bewässerung umgeht. Positive Beispiele sind etwa aus dem iranischen Teil Mesopotamiens bekannt. Wird eine Fläche landwirtschaftlich genutzt, kommt es auch auf ausreichende Entwässerung an, da sonst im Wasser mitgeführte Rückstände im Boden zurückbleiben und langfristig wieder zu dessen Versalzung führen.” Global gesehen seien die Wüsten derzeit jedoch im Zunehmen, so der Marburger Geograf. (Ende)
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Öffentliches Rauchverbot erfolgreicher als erwartet

Zahl der Herzanfälle in Europa und Nordamerika um ein Drittel gesenkt

San Francisco/Kansas City - Das Rauchverbot im öffentlichen Bereich hatte größere Auswirkungen auf die Prävention von Herzanfällen als je erwartet. Die Zahl der Herzanfälle wurde durch diese Maßnahmen in Europa und Nordamerika um bis zu ein Drittel gesenkt. Das geht aus Untersuchungen der University of California http://www.ucsf.edu und der University of Kansas School of Medicine http://www.kumc.edu/som hervor. Beide Wissenschaftlerteams waren ursprünglich von einer weitaus geringeren Reduzierung ausgegangen und auch das britische Gesundheitsministerium hatte vor kurzem in einer Verlautbarung nur zehn Prozent genannt. Allein in Großbritannien erleiden laut BBC jährlich rund 275.000 Menschen einen Herzinfarkt. 146.000 sterben in der Folge. Die beiden Studien wurden in Circulation und dem Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht.

Die aktuellen Berichte, die auf den Ergebnissen von zahlreichen verschiedenen Untersuchungen beruhen, legen nahe, dass das Rauchverbot seit 2007 die Anzahl der Herzanfälle jährlich um 26 Prozent verringert hat. Es zeigte sich, dass die Anzahl der Herzanfälle in Europa direkt nach der Einführung des Rauchverbotes zu sinken begann. Nach einem Jahr lag der Rückgang der Erkrankungen bei 17 Prozent. Danach sank er weiter und steht nach drei Jahren bei 36 Prozent. James Lightwood, Studienleiter bei den von der University of California durchgeführten Untersuchungen, räumte aber ein, dass es nicht gelingen werde, die Zahl der Herzanfälle auf null zu bringen. Kurz- und mittelfristig würde das Rauchverbot jedoch helfen, zahlreiche Herzanfälle zu verhindern.

Ellen Mason von der British Heart Foundation betonte, dass die Statistiken zeigten, wie kurz nach dem Rauchverbot die positiven Auswirkungen auf die Anzahl der Herzanfälle bereits feststellbar seien und wie gefährlich auch das Passivrauchen für das Herz sein könne. Aktuelle Zahlen zeigen, dass in Großbritannien allein durch die Unterstützung des National Health Service in den vergangenen zehn Jahren mindestens 70.000 Leben gerettet werden konnten. (Ende)
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