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Archive für 4.1.2010

Gift in Plastik macht Buben femininer

Weichmacher erneut unter Beschuß - Industrie weist Gefährlichkeit zurück

Rochester/Innsbruck - Chemische Substanzen in Plastik verändern das Gehirn von männlichen Säuglingen und macht sie weiblicher. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern der University of Rochester http://www.rochester.edu im International Journal of Andrology. Konkret geht es um die Phthalate, die als Weichmacher in zahlreichen Kunststoffen verwendet werden. Seit einigen Jahren sind diese Substanzen in Kinderspielzeug in der EU verboten.

Phthalate sind gesundheitlich problematische Verbindungen, da sie im Verdacht stehen, wie Hormone - manche wie Östrogen - zu wirken. Das Team um Shanna Swan hat Urinproben von werdenden Müttern ab dem vierten Monat auf Phthalate untersucht. Die Mütter brachten 74 Buben und 71 Mädchen zur Welt. Das Forscherteam begleitete die Kinder bis ins Alter von vier bis sieben Jahren und interessierten sich für die bevorzugten Spielsachen der Kleinen.

DEHP und DBP verändert Spielverhalten

Die zwei Phthalate DEHP und DBP können das Verhalten der Kinder offensichtlich stören. Buben, die schon im Mutterleib erhöhten Werten der beiden Substanzen ausgesetzt waren, zeigten weniger Interesse an Autos, Flugzeugen, Spielzeugwaffen oder Kampfspielen.

Obwohl die Phthalate in Spielzeugen verboten sind, gibt es immer noch eine Vielzahl von Produkten, in denen sie verwendet werden. Dazu gehören etwa Kunststoffmöbel und Verpackungsmaterialien. Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass PVC-Duschvorhänge und Vinylböden möglicherweise solche Substanzen abgeben.

Forschungsergebnisse irritierend

“Das große Problem bei den Kunststoffen ist, dass sich die gefährlichen Substanzen aus den biologisch inaktiven Trägersubstanzen lösen”, so der Umweltmediziner Klaus Rhomberg im ZAROnews-Interview. “Dazu reicht bereits der Kontakt mit Flüssigkeiten. Dann geht die Substanz in Lösung und kann so in den menschlichen Organismus gelangen”, erklärt der Umweltmediziner.

Elizabeth Salter-Green, Direktorin der Chemie-Kampagne CHEM-Trust http://www.chemtrust.org.uk findet die Forschungsergebnisse beunruhigend. “Es ist schon seit Jahren bekannt, dass die Phthalate, denen wir ausgesetzt sind, Gesundheitsstörungen verursachen. Klar ist nur nicht, wie weit diese gehen”, so die Expertin.

Hormonaktive Substanzen immer noch unzureichend erforscht

Rhomberg sieht die Diskussion um die hormonaktiven Substanzen wie etwa Pestizide und Weichmacher als dringend notwendig an. “Bereits 1996 wurde bei einem Kongress des österreichischen Umweltbundesamts bei über 150 Substanzen festgestellt, dass es höchste Zeit sei, grundlegende Forschung zu betreiben und noch mehr Daten und Fakten zusammenzutragen”, so der Mediziner. Geschehen sei das bisher nicht.

Weltweit gibt es in den vergangenen Jahren immer mehr Untersuchungen und Studien darüber, wie gefährlich solche Substanzen sind und welche Schäden sie verursachen können. Vertreter der Plastikindustrie leugnen die Gefährlichkeit der Substanzen. Tim Edgar vom European Council for Plasticisers and Intermediates http://www.ecpi.org meinte gegenüber BBC-Online, dass weitere wissenschaftliche Expertisen die Studie nochmals genau evaluieren sollten, bevor man ein abschließendes Urteil darüber abgeben könne. (Ende)
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Zuviel Elternkontrolle ist kontraproduktiv

Jugendliche verlieren ab bestimmter Strenge Vernunftgefühl

Örebo - Fühlen sich pubertierende Jugendliche von ihren Eltern zu sehr kontrolliert, erkennen sie deren gute Absichten nicht mehr. Das zeigen Forscher der schwedischen Universität Örebro http://www.oru.se in der Fachzeitschrift Child Development.

Sie legten US-amerikanischen Kinder im Alter von 13 und 17 Jahren einen Fragebogen vor, in dem sie ihre eigene Reaktion bei zahlreichen verschiedenen hypothetische Szenarien einschätzen mussten. Dabei stellte sich heraus, dass Kontrollmaßnahmen der Erziehung ab einer gewissen Grenze ihre beabsichtigte Wirkung verlieren.

Verhaltens- und Psychokontrolle

Es gibt zwei Typen der Elternkontrolle, behaupten zumindest die Forscher. Eine davon, die als “Verhaltenskontrolle” bezeichnet wurde, tritt ein wenn Eltern ihren Kindern Rückmeldung geben oder Grenzen und Regeln setzen, damit sich diese selbst kontrollieren lernen und dabei deren eigene Kompetenzen steigern.

Während die Jugendlichen diese Kontrolle grundsätzlich akzeptierten, war das bei der “psychologischen Kontrolle” nicht der Fall. Bei dieser Erziehungsform verhalten sich Eltern manipulativ und bezwecken damit Gefühle wie Schuld, Zurückweisung oder des fehlenden Geliebtseins.

Aufdringlichkeit verfehlt Wirkung

Hielt sich das Ausmaß der Kontrolle in Grenzen, so unterschieden die Jugendlichen zwischen diesen beiden Kontrolltypen und bewerteten die Verhaltensvariante positiver. Gab es zu viel Kontrolle, so fiel diese Unterscheidung völlig weg. Die Jugendlichen empfanden in diesem Fall die hypothetischen Eltern als aufdringlich und fühlten, dass sie als Individuen nur wenig zählten. “Handeln Eltern so, verfehlen sie ihre Ziele, denn sie bewirken damit eine Einstellung, die wenig positiven Einfluss durch Erziehung erlaubt”, so Studienleiterin Fumiko Kakihara. (Ende)

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