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Archive für 14.1.2010

Schönheitsbewusste: Täglich 515 Chemikalien im Gesicht

Additive in Kosmetika können zu Gesundheitsproblemen führen

London/Wien - Einer Untersuchung des Deodorantherstellers Bionsen http://www.bionsen.co.uk zufolge klatschen sich schönheitsbewusste Frauen tagtäglich bis zu 515 chemische Substanzen ins Gesicht. Kosmetika wie Lippenstiften, Lotions, Cremes und Lidschatten bestehen aus einer Vielzahl von chemischen Substanzen. Mädchen verwenden bereits bis zu 13 verschiedene Produkte, von denen jedes mindestens 20 verschiedene Bestandteile enthält.

Parfums sind mit bis zu 400 Stoffen mit Abstand Spitzenreiter. Selbst einige Markenparfums wie etwa Chanel 5 enthalten 250 Komponenten. Andere wie etwa Maybelline Dream Matte Mousse kommt mit 24 Substanzen aus. Beliebte Nagellacke kommen auf 31 Komponenten, der Verkaufshit Nivea Body Lotion auf insgesamt 32.

Gesetzlich vorgeschriebene Bewertung sorgt für Sicherheit

“Die Sicherheitsbewertung, die für jedes im europäischen Markt in Verkehr gebrachte kosmetische Mittel erstellt werden muss, sorgt dafür, dass die Bestandteile in dem konkreten Kosmetikum für die vorgesehene Anwendung sicher sind”, so Birgit Pelzmann von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) http://www.ages.at im Interview. “Viele Substanzen sind in der Kosmetikverordnung geregelt und wurden in Bezug auf ihre Sicherheit von einem wissenschaftlichen Expertengremium der EU-Kommission, dem SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety) geprüft und als sicher bewertet.

“Bei Änderungen von gesetzlichen Regelungen oder wenn Substanzen aufgrund von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen neu bewertet werden, muss die Sicherheitsbewertung des betroffenen kosmetischen Mittels aktualisiert werden”, so die Expertin. “Gesundheitsschädliche Kosmetika werden u.a. im EU-Schnellwarnsystem RAPEX veröffentlicht.” Dieses erlaube einen schnellen Informationsaustausch zwischen Mitgliedstaaten und Kommission über die Maßnahmen, die zur Vermeidung oder Einschränkung der Vermarktung oder Verwendung von Produkten, die eine ernste Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher darstellen, getroffen wurden.

“Wird von einem anderen Mitgliedsland eine Meldung gemacht, wird sofort überprüft, ob dieses kosmetische Mittel auch in Österreich am Markt ist und erforderliche Maßnahmen werden eingeleitet, um den Verbraucher zu schützen”, so Pelzmann.

Andere Forscher warnen vor Krebs, Hormonstörungen und Allergien

“Die Kosmetik der vergangenen Jahre hat sich dramatisch verändert und setzt nun auf eine Reihe von zusätzlichen speziellen Anwendungen”, meint Charlotte Smith von Bionsen. “Die neuen Wundermittelchen enthalten natürlich auch mehr Chemikalien.” Einige der Additive stehen bei Experten in Verdacht, dass sie krebserregend, hormonell-wirksam, allergieauslösend oder hautreizend sind.

“Ein Gutteil der Substanzen ist alt und kaum getestet”, kritisiert der Umweltmediziner Klaus Rhomberg im pressetext-Interview. “Wenn sie untersucht wurden, war das extrem flüchtig. Viele chemische Stoffe wurden zum Beispiel nicht auf ihre Hormonaktivität hin getestet.” Unter dem Strich sei das ganze ein Skandal, meint der Umweltmediziner. “Im Film Plastic-Planet von Werner Boote erzählt Vizepräsidentin der EU-Kommission Margot Wallström über die EU-Chemikalienverordnung REACH, dass während ihrer Amtszeit von Tausenden Stoffen nur elf untersucht wurden.”

Das lege nahe, dass es keine Bemühungen gebe, diese Substanzen tatsächlich zu erforschen. “Es ist auch kein Wunder, denn selbst REACH wurde so lange verhandelt, bis die chemische Industrie zugestimmt hat”, meint Rhomberg. (Ende)

Heilung von Husten in Sicht

Reizung der Lungennerven durch Rauch entschlüsselt

London - Menschen mit chronischem, schweren Husten können darauf hoffen, dass es für ihr Leiden bald eine Behandlung gibt. Englische Forscher berichten im American Journal of Respiratory and Critical Care von der Enteckung des Schlüsselmechanismus, mit dem Reizstoffe aus der Luft in der Lunge Husten auslösen. Sobald sie bei Meerschweinchen bestimmte Rezeptoren für Bestandteile des Zigarettenrauchs ausschalteten, lösten diese keinen Husten mehr aus.

Obwohl Husten der häufigste Grund für Arztbesuche ist, gibt es bisher kaum Behandlungsmöglichkeiten. Derzeit erhältliche Mittel haben laut jüngsten Erhebungen nur wenig Wirkung. “Für manche Menschen ist chronischer Husten ärgerlich und störend, anderen bereitet er jedoch Schmerzen, wodurch er die Lebensqualität wesentlich beeinflussen kann”, betont Studien-Mitautorin Maria Belvisi vom National Heart and Lung Institute am Imperial College London http://www.imperial.ac.uk/medicine.

Husten verschwindet bei Meerschweinchen

Die Forscher konnten nun zeigen, dass eine ganze Reihe von Reizstoffen Hustenreflexe auslösen, wozu das aus dem Zigarettenrauch stammende Umweltgift Acrolein und die Chemikalie Zimtaldehyd gehören. Diese Substanzen aktivierten bei Mäusen, Meerschweinchen und Menschen ein Rezeptorprotein namens TRPA1, das sich auf Sinnesnervenzellen in der Lunge befindet. Blockierte man bei Meerschweinchen den Rezeptor, verfehlte das Inhalieren von Acrolein seine Reizwirkung und sie husteten nicht mehr.

Wird dieser Mechanismus manipuliert, so könnte es laut Ansicht der Forscher eines Tages gelingen, auch beim Menschen den Hustreflex zu unterdrücken. “Wir glauben, den wesentlichen Mechanismus für den Hustenreiz entschlüsselt zu haben. Nun können wir weiterforschen, ob man übermäßiges Husten durch die Blockierung aufhalten kann, indem das auslösende Rezeptorprotein blockiert wird”, so Belvisi.

Abstract der Studie unter http://ajrccm.atsjournals.org/cgi/content/abstract/180/11/1042 (Ende)

USA: Fast 40 Prozent des Essens landet im Müll

Neue Messmethode zeichnet Bild der Verschwendung

Bethesda/Wien - Fast 40 Prozent der in den USA gekauften Nahrungsmittel landen im Müll. Einer Studie des National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases NIDDK in Bethesda, Maryland, zufolge, hat der Anteil von weggeworfenem Essen in den vergangenen Jahren noch weiter zugenommen.

Die Menge von weggeworfenen Nahrungsmitteln wurde bisher einerseits durch Interviews mit Konsumenten andererseits durch Inspektion des Abfalls ermittelt. Beide Systeme sind relativ ungenau. Studienautoren Kevin Hall und Carson Chow haben nun ein neues Modell zur Datenerhebung entwickelt.

Was nicht konsumiert wird, landet im Müll

Im Modell des “menschlichen Metabolismus” haben die Forscher das Durchschnittsgewicht der US-Amerikaner von 1974 bis 2003 analysiert und ermittelt, wie viel die Menschen in der Zeit gegessen haben. Dabei sind sie von der konservativen Prämisse ausgegangen, dass die Bürger während des gesamten Zeitraums nicht mehr Kalorien verbraucht haben.

Die Ergebnisse haben sie anschließend mit Zahlen der Nahrungsmittelmengen, die den US-Konsumenten zur Verfügung stehen, verglichen. Die Daten basieren auf Berichten der Regierung und der Welternährungsorganisation FAO. “Die Differenz zwischen den vorhandenen Kalorien und den tatsächlich konsumierten, entspricht der Nahrungsmittelmenge, die im Müll landet”, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin PLoS One. “Wir nennen das die fehlende Menge von Essen”, so der Mathematiker Chow.

2003 standen jedem US-Bürger täglich durchschnittlich 3.750 Kalorien zur Verfügung. Rund 2.300 wurden konsumiert und 1.450 weggeworfen. Das entspricht 39 Prozent der zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel, die im Müll landeten. Damit wurden die geschätzten 27 Prozent des US Department of Agriculture - die Datenerhebung erfolgte durch Interviews von Konsumenten und Herstellern - deutlich überschritten.

Konsumenten verursachen Löwenanteil

Der Löwenanteil bei der Abfallproduktion findet beim Endverbraucher statt. Einer Studie des Soziologen Jeffery Sobal im Tompkins County im Bundesstaat New York zufolge entfallen auf die Produktion und den Vertrieb je 20 Prozent, die restlichen 60 Prozent haben die Konsumenten zu verantworten. “Essen wegzuwerfen galt als kulturelle Sünde”, so Sobal. Das sei weiterhin so. Ein Grund für den gestiegenen Anteil von Nahrungsmitteln im Abfall, sehen Experten im niedrigen Preis für Lebensmittel.

“Mehr als sieben Mal könnte man alle Hungernden der Erde sättigen, würde man die Nahrungsmittel, die in Europa und in den USA weggeworfen werden, verteilen”, schreibt Buchautorund Lebensmittel-Analyst Tristram Stuart in seinem Buch “Waste: Uncovering the Food Scandal”, das im Sommer 2009 erschienen ist.

Wirtschaftssystem falsch gepolt

“Das Problem ist nicht die Achtlosigkeit der Konsumenten”, meint Buchautor und Globalisierungskritiker Klaus Werner-Lobo http://unsdiewelt.com gegenüber uns. Es sei erwünscht, dass Lebensmittel weggeworfen werden, denn das Wirtschaftssystem lege es darauf an, viel zu viel zu produzieren und kurze Ablaufdaten zu haben. “Jedes weggeworfene Joghurt-Paket bringt dem Hersteller Profit, denn es wurde verkauft.” Der Hersteller agiere nicht deswegen so, weil er böse sei, sondern weil das System des Kapitalismus so funktioniere. (Ende)

Frauen haben keine Lobby

Expertin kritisiert starke rechtliche Benachteiligungen der Frauen

Berlin - Wenn Frauen Opfer von Gewalttaten werden, bleibt ihnen mangels entsprechender Hilfen meist nichts anderes übrig als zu resignieren und mit ihrem Schicksal zu leben. Das betont Anneliese Langner, Gründerin der Stiftung DIMICARE http://www.dimicare.org, anlässlich des heutigen Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen. “Frauen und Kinder stehen rechtlich oft alleine da und brauchen dringend eine Interessensvertretung. Zudem sollten sie ermutigt werden, vorhandene Hilfen mehr in Anspruch zu nehmen”, so Langner im Interview.

Erleide eine Frau Gewalttaten - etwa bei Missbrauch durch den Partner - so habe sie kaum Möglichkeiten, schnell zu ihrem Recht zu kommen, so Langner. “Das rechtliche Prozedere ist derart kompliziert, dass die Faktenklärung meist Jahre dauert. Opfern fehlt meist die Kenntnis des Rechtssystems, und ohne finanzielle Schlagkraft können sie sich kaum einen guten Anwalt leisten.” Außer der schlechten juristischen Chance sei mit einer Anklage oft auch gesellschaftliche Ächtung verbunden. “Viele Frauen entwickeln große Angst vor der Verteidigung, stecken den Kopf in den Sand und sind so naiv zu glauben, sie könnten in einer devoten Rolle erfolgreich sein. Die Realität ist allerdings eine andere.”

Staat versagt in der Frauenpolitik

Hürden für das Einholen von Hilfe haben laut Langner besonders sozial benachteiligte Frauen, wobei deren Zahl aktuell stark ansteige. “Finanzielle Unabhängigkeit ist Frauen nur möglich, wenn sie lebenslang einen gut bezahlten Beruf ausüben. Bei alleinerziehenden und älteren Frauen schreitet jedoch die Verarmung voran. Vielen fällt es immer schwerer, in einer Großstadt die Miete einer Zweizimmerwohnung zu bezahlen, und immer mehr landen auf der Straße.” Parallel dazu würden in der momentan unberechenbaren wirtschaftlichen Lage auch Gewalt- und Missbrauchsfälle zunehmen.

Bisherige Maßnahmen des Gesetzgebers würden in der Situation kaum helfen. “Zwar werden Kinder- und Unterhaltsgeld immer wieder erhöht, doch entspricht das nicht den tatsächlichen Bedürfnissen. In Deutschland hat die jüngste Änderung des Unterhaltsrechts die prekäre Lage vieler Alleinerzieherinnen nur vorangetrieben.” Es sei insgesamt kaum verwunderlich, dass die Geburtenrate in Europa trotz entsprechender Appelle nicht ansteige. “Man kann sich Kinder nicht mehr leisten. Zudem läuft die Familienpolitik darauf hinaus, Kinder schon früh ganztägig wegzustecken und Müttern keine Zeit mehr zu geben, Mütter zu sein.”

Frauen-Lobby dringend benötigt

Besser könnte die Situation in den Augen der Stiftungs-Gründerin nur dann werden, wenn sich Frauen stärker vernetzen, um so ihre Interessen zu vertreten. “Frauen und auch Kinder haben bei uns keine Lobby, wie dies etwa in den USA bereits der Fall ist. Es scheint, als ob sich niemand für ihr Überleben interessiert, deshalb werden Gesetze über die Köpfe hinweg entschieden.”

Mit ihrer eigenen Stiftung hilft Langner besonders Müttern und ihren Familien im Raum Berlin und Hamburg dabei, sich aus menschenunwürdigen Lebensumständen zu befreien. Wichtige Instrumente bilden eine Telefonhotline für den Akuteinsatz sowie Ferienlager für Kinder. Als “Anti-Männer-Institution” will sich Langner nicht verstanden wissen. “Auch Frauen werden gewalttätig und sind Täter. Allerdings müssen sie als Opfer meist schwierigere Situationen durchstehen als Männer, da sie die Kinder weiterbringen und versorgen, besonders wenn sie Alleinerzieher sind.” (Ende)

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