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Archive für 10.2.2010

Nur ein flexibles Gehirn bringt hohe Leistung

Fähigkeit zur Anpassung bestimmt die Fitness eines Seniorengehirns

Berlin - Das Gehirn alter Menschen ist besonders dann noch zu Spitzenleistungen fähig, wenn es sich flexibel auf den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben einstellen kann. Das berichtet ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung http://www.mpib-berlin.mpg.de in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences. “Gedächtnis im Alter wird mit gutem Grund meist im Hinblick auf Demenz untersucht. Doch auch gesunde Senioren unterscheiden sich erheblich, was die Gehirnleistung betrifft”, berichtet Studienautorin Irene Nagel im pressetext-Interview.

Auch ohne Demenz schwindet die Gehirnleistung im Alter, indem etwa die Nervenzellen und ihre Synapsen, jedoch auch zahlreiche Botenstoffe wie etwa Dopamin abnehmen. Diese Prozesse, die zueinander in komplexer Wechselwirkung stehen, verlaufen von Mensch zu Mensch verschieden. “Solche Rückgänge können durch den Lebenswandel beeinflusst sein, aber auch durch Krankheiten oder genetische Voraussetzungen. Das führt dazu, dass wir uns im Alter in der Gehirnleistung immer mehr voneinander unterscheiden”, so Nagel.

Unterschiede wachsen im Alter

Die Berliner Forscher wollten nun herausfinden, wie sich diese Unterschiede in der Aktivität des Gehirns zeigen. Dazu stellten sie sowohl jungen Erwachsenen als auch Senioren die Aufgabe, sich räumliche Muster unterschiedlicher Komplexität einzuprägen und über kurze Zeit zu merken. Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) zeigte, welche Gehirnregionen dabei aktiviert wurden und wie ein veränderter Schwierigkeitsgrad der Aufgaben diese Aktivität beeinträchtigte. Aufgrund der Richtigkeit der Antworten schlossen die Forscher auf die kognitive Leistung der Versuchspersonen.

Bei allen Untersuchten zeigte sich, dass gute Leistung dann auftritt, wenn die Aktivierung des Gehirns an die Aufgabenschwierigkeit angepasst wird, wohingegen gleiche oder abfallende Aktivierung bei steigender Schwierigkeit zu schlechter Leistung führte. Die Altersgruppen unterschieden sich insofern, als die Seniorengehirne mit schwacher Leistung bei schwierigen Aufgaben viel deutlicher an Aktivität verloren. Das sei kein Hinweis auf Resignation, betont die Studienleiterin. “Auch die älteren Probanden waren sehr motiviert bei der Teilnahme, zudem lag die Genauigkeit ihrer Antworten eindeutig über der Ratewahrscheinlichkeit.”

Superhirn kann man trainieren

“Unterschiede in der Leistung lassen sich durch Unterschiede in der Anpassung vorhersagen”, so Nagel. Bei den Senioren mit durchgehend richtigen Antworten steigerte sich die Gehirnaktivitierung hingegen fast genauso wie bei den jungen Erwachsenen mit zunehmender Schwierigkeit der Aufgabe. “Die Unterschiede bei alten Menschen zeigen, dass auch im hohen Alter eine hohe Gehirnleistung möglich ist.” Es lohne sich daher, genauer zu erforschen, welche Faktoren den Alterungsprozess auf positive Weise beeinflussen und nach welchen Mechanismen er folgt.

Was man am besten tun sollte, um “kognitiv erfolgreich” zu altern, wird in der Wissenschaft aktuell untersucht. Nagel bezeichnet drei Faktoren als wesentlich. “Am wichtigsten ist die gesunde Lebensführung, wozu regelmäßiges Ausdauertraining sowie ein geistig waches, engagiertes Leben mit möglichst vielen sozialen Interaktionen gehört. Zweitens gehört das kognitive Training dazu, wobei aus wissenschaftlicher Sicht Erfolgschancen am größten sind, wenn dieses über lange Zeit erfolgt und die Aufgabenschwierigkeit individuell angepasst ist.”

Grenzen der Beeinflussung

Einen dritten Faktor könnten auch Medikamente darstellen, deren Wirkung jedoch noch wenig erforscht ist. “Man sollte jedoch nicht außer Acht lassen, dass auch Gene und Krankheiten eine Rolle spielen. Der Alterungsprozess ist daher nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussbar”, so die Forscherin.

Abstract der Studie unter http://www.pnas.org/content/106/52/22552.abstract (Ende)

Heidelbeeren gegen Darmentzündungen

Schwedische Forscher: Positive Wirkung mit Probiotika noch stärker

Lund - Dass Heidelbeeren zahlreiche Antioxidantien und Vitamine enthalten, ist bekannt. Nun hat eine Forschungsarbeit von Wissenschaftlern der Universität Lund http://www.lu.se gezeigt, dass die Beeren auch Darmentzündungen lindern und davor schützen können. Der Entzündungsschutz wird sogar noch größer, wenn die Beeren gemeinsam mit probiotischen Lebensmitteln verzehrt werden.

Die Studie sollte erforschen, ob verschiedene Typen von probiotischen Keimen - insbesondere Lactobazillen und Bifidobakterien - vorbeugend gegen Colitis und Dickdarmkrebs wirken können. In der Vergangenheit standen diese Substanzen immer wieder unter Beschuss, da der Nachweis der Wirksamkeit nicht eindeutig bewiesen werden konnte.

Gesunder Darm in gesundem Körper

“Seit einigen Jahren haben zahlreiche Studien deutlich gezeigt, dass die Gesundheit eines Menschen wesentlich von der Gesundheit im Darm abhängig ist”, so Ernährungsforscherin Camilla Bränning, die gemeinsam mit Asa Hakansson http://www.appliednutrition.lth.se an dem Projekt gearbeitet hat. Verschiedene Versuche machten deutlich, dass der größte protektive Nutzen dann gegeben war, wenn die Heidelbeeren gemeinsam mit probiotischen Nahrungsmitteln gegessen wurden.

Heidelbeeren sind reich an Polyphenolen, die einen antimikrobiellen und antioxidativen Effekt haben. “Die Probiotika haben erwiesenermaßen einen positiven Effekt auf die Leber - ein Organ, das oft durch Darmentzündungen negativ beeinträchtigt wird”, so Hakansson. Die Kombination von Beeren und Probiotika verringerte die Zahl der an der Entzündung beteiligten Bakterien im Darm. Die Zahl der gesundheitsfördernden Lactobazillen nahm hingegen deutlich zu.

Erhöhte Butter- und Propansäure-Werte

Wenn die Beeren mit den Probiotika gemeinsam gegessen wurden, konnten man im Blut höhere Werte von Butter- und Propansäure feststellen. Diese beiden Säuren, die bei der Aufspaltung von Ballaststoffen entstehen, wirken positiv beim Aufbau einer effektiven Immunabwehr. “Was uns erstaunt hat, war die Tatsache, dass die großen Mengen an Buttersäure nicht nur von den Darmzellen aufgenommen wurden, sondern auch ins Blut gelangt sind”, so Brännig.

Ein weiterer Grund für den extrem positiven Effekt liegt auch darin, dass die Heidelbeer-Faserstoffe nicht im Dickdarm abgebaut werden. Das bedeutet, dass die entzündungshemmenden Substanzen nicht in Kontakt mit der Darmschleimhaut kommen, sondern in den Fasern eingelagert bleiben und mit dem Kot ausgeschieden werden, erklärt Bränning. (Ende)

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