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Archive für 11.2.2010

Alle Menschen lachen vor Freude

Geräuschausdruck besonders bei negativen Grundemotionen universell

London - Alle Menschen verstehen einander, wenn sie Freude, Wut, Angst und Trauer ausdrücken. Das behaupten Neurobiologen vom Londoner University College http://www.ucl.ac.uk in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Science. In Großbritannien und bei den Himba, einem Naturvolk im Norden Namibias, stellten sie fest, dass Hörbeispiele dieser Emotionen auch dann richtig interpretiert werden, wenn diese aus fremden Kulturen stammen.

Die Forscher um Sophie Scott spielten den teilnehmenden Personen beider Kulturen eine kurze Geschichte in ihrer Sprache vor, die auf eine spezielle Emotion abzielten. Da ging es zum Beispiel um die Traurigkeit einer Person, deren naher Verwandter vor kurzem verstorben ist. Am Ende der Geschichte hörten die Probanden zwei Geräusche - etwa ein Lachen und ein Weinen - wobei die englischen Versuchspersonen die Gefühlsausdrücke der Himba hörten und umgekehrt. Schließlich sollten sie sagen, welches Geräusch am besten zur Geschichte passte.

Lachen ist der älteste Emotionsausdruck

Am besten erkannten beide Versuchsgruppen das Lachen wieder und gaben an, es sei Ausdruck von Freude und könne etwa auch entstehen, wenn man gekitzelt wird. “Wir vermuten, dass das Lachen überall mit dem Kitzeln zusammenhängen kann. Es spiegelt Freude am körperlichen Spiel wieder”, so die Autoren. Lachen habe somit tiefe evolutionäre Wurzeln, die vielleicht aus der spielerischen Kommunikation zwischen kleinen Kindern und ihren Müttern stammen. Ersichtlich sei dies auch bei anderen Tieren - etwa bei Primaten wie beim Schimpansen und bei bestimmten Säugetieren.

Doch nicht alle Töne wurden gleich gut erkannt. Während grundlegende negative Emotionen über Kulturen hinweg ähnliche Geräusche verursachen, scheint das bei den meisten positiven nicht der Fall zu sein. Das konnten die Forscher etwa bei den Reaktionen auf Vergnügen oder auf Stolz über Erreichtes beobachten, die nur innerhalb der eigenen Kultur wiedererkannt wurden. Dass diese Emotionen eher gruppen- oder regionsspezifisch sind, erklären die Forscher damit, dass positiver Gefühlsausdruck oft zwischen Mitglieder derselben Gruppe vereinbart werden könnte, um so Zugehörigkeit und sozialen Zusammenhalt zu signalisieren.

Download des Originalartikels unter http://www.pnas.org/content/early/2010/01/11/0908239106.full.pdf+html (Ende)

Familienprobleme können Kinder dick machen

Soziologe: “Leben im Überfluss braucht Instanz, die Selbstkontrolle lehrt”

Stuttgart - Starkes Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen geht nur auf den ersten Blick auf zu wenig Bewegung und falsche Ernährung zurück. Die gesellschaftliche Entwicklung trägt viel dazu bei, kommen Sozialwissenschaftlicher der Universität Stuttgart http://www.uni-stuttgart.de/soz/tu zum Schluss. In einer großen qualitativen Befragung versuchten sie, Ursachen des frühen Übergewichts zu erheben. Als einer der Schlüsselfaktor zeigte sich dabei die Situation des familiären Umfeldes.

“Nach dem überstandenen Krieg gab es praktisch kein Übergewicht. Das war keine Folge von mehr Beherrschtheit der Menschen, sondern des Mangels“, erklärt Studienautor Michael Zwick im Interview. In der heutigen Überflussgesellschaft sei energiereiche Nahrung immer verfügbar und die Technisierung des Alltags und der Freizeit erlaube ein Leben ohne große Kraftanstrengung. „Um diese Lebensbedingungen zu bewältigen, braucht man ein Maß Selbstdisziplin, also die Fähigkeit, kompetente Entscheidungen zum Wohle der eigenen Gesundheit zu treffen“, so Zwick.

Keiner will erziehen

Die Vermittlung dieser Kompetenzen ist eigentlich Aufgabe der Familie, die diese Funktion jedoch oft nur unzureichend erfüllen kann. „Die Familie schafft es nicht, da sie selbst immer mehr abbröckelt. In den Großstädten wird heute fast jede zweite Ehe geschieden und immer mehr Kinder wachsen mit nur einem Elternteil auf. Doch auch in vollständigen Familien sind die Eltern berufsbedingt häufig abwesend.“ Die gemeinsame Zeit von Eltern und Kindern schrumpfe unentwegt und somit auch die Chance der Eltern, die Entwicklung des Kindes anzuleiten und zu kontrollieren. „Kinder sind sich, wenn es um Ernährung und Freizeitgestaltung geht, oft selbst überlassen und sie erfahren nicht, wie man gesund lebt und entsprechende Regeln anwendet.“

Dieser Funktionsverlust stehe im Zusammenhang mit der Bildung der Eltern. „Weniger Gebildete erlauben den Kindern am ehesten uneingeschränkten Zugang zu Spielkonsole oder Fernsehen, während die Kinder hoch gebildeter Eltern erheblich geringeren Medienkonsum aufweisen und mehr auf gesundheitsverträgliche Einkäufe achten“, erklärt Zwick. Gefährdete Familien seien sich kaum der Problematik, zudem würden sie Kampagnen nicht erreichen. Als Alternative würde sich zwar die Schule anbieten, doch hätten Interviews mit Lehrern im Rahmen der Studie gezeigt, dass diese es ablehnen, neben dem Bildungs- auch den Erziehungsauftrag zu übernehmen.

Schlankwerden braucht Hilfe des Umfeldes

Mediziner resignieren immer wieder angesichts des Booms übergewichtiger Kinder - in Deutschland sind heute etwa vier Prozent dieser Altersgruppe fettleibig und weitere acht Prozent übergewichtig. In den Interviews mit wieder schlank gewordenen Jugendlichen zeigten sich allerdings bestimmte Erfolgschancen der Selbsthilfegruppen. „Betroffene können dabei wichtige Kompetenzen erlernen und sich gegenseitig motivieren, wenn es um gute Ernährung oder sportliche Aktivitäten geht.“ Was in aller Regel fehlt, ist die Ausrichtung spezieller Gruppen für Kinder und Jugendliche sowie die Kostenübernahme durch Krankenkassen.

Entscheidend für dauerhaftes Abnehmen sei die soziale Unterstützung durch Änderungen im Lebensstil in der Familie, das dieser hohes Problembewusstsein abfordere. „Kommt man nach einer erfolgreichen Hungerkur nach Hause und sitzt am Tisch Eltern gegenüber, die weiterhin Schweinshaxen essen und Bier trinken, ist der Jojo-Effekt vorprogrammiert“, so Zwick. Der Spielraum für neues Essverhalten sei allerdings gering, weil tief sitzende Gewohnheiten oft nur schwer korrigiert werden können. Die betroffenen Kinder sind zudem erheblichem sozialen Stress ausgesetzt. „Dicke Jugendliche erleben zumeist massiven Leidensdruck. Zum einen deshalb, weil sie wegen ihrer Ästhetik vergleichsweise geringe Chancen beim anderen Geschlecht haben, zum anderen, weil sie ständigen Spott erleben.“

Politik kann am meisten verändern

Als optimalen Weg für eine Besserung bezeichnet der Stuttgarter Soziologe Änderungen der Rahmenbedingungen. „Würde man die Steuerbegünstigung für Zucker, Öle und Fette aufheben, die Bewerbung besonders energiehaltiger Nahrung verbieten oder deren Ampel-Kennzeichnung durchsetzen, würde das vor allem die Produzenten zum Umdenken bewegen.“ Da der Staat Hausrecht in Schulen habe, sei es kein Problem, mehr auf gesündere Ernährung im Pausenverkauf zu achten. „Doch auch die Stadtplanung sollte sich darauf konzentrieren, die Wohngebiete auf Bewegung, Sport und Fitness einzurichten. Seit Jahrzehnten orientiert man sich vorwiegend an der Verkehrs- und Autofreundlichkeit“, so der Studienleiter. (Ende)

Hepatitis C: Erste Erfolge mit Leberzellen im Labor

Anordnung der Zellen erhöht ihre Lebensdauer entscheidend

Cambridge - Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) http://web.mit.edu, die nach neuen Möglichkeiten zur Behandlung des gefährlichen Leber-Virus suchten, haben neue Möglichkeiten gefunden, das Virus im Labor zu studieren. Erstmals gelang es, die Ausbreitung eines seltenen Stammes von Hepatitis C bei Leberzellen zu beobachten, die auf einer Laborschale am Leben erhalten wurden. Die Forscher schreiben in den Proceedings of the National Academy of Sciences, dass diese Erkenntnisse zu besseren Möglichkeiten für Medikamententests führen könnten.

Der britische Experte Roger Williams vom University College London kritisierte jedoch, dass das neue Verfahren auch bei stärker verbreiteten Hepatitis-Stämmen und nicht nur bei einem vergleichsweise seltenen einsetzbar sein müsse. Er forderte eine Wiederholung der Tests mit diesen Stämmen. Laut BBC sind weltweit Millionen von Menschen mit Hepatitis C infiziert. Meist handelt es sich um eine asymptomatische Infektion.

Ein kleiner Prozentsatz erkrankt oft erst nach vielen Jahren an Leberkrebs oder erleidet ein Leberversagen. Eine der Schwierigkeiten bei der Erforschung dieser Krankheit ist, dass Leberzellen im Labor nur schwer gezüchtet werden können. Nach einem kurzen Zeitraum auf einer Laborschale verändern sich die Zellen normalerweise oder differenzieren sich in Formen, die sich nicht länger gleich verhalten.

Winziges Muster lenkt Zellen

Den MIT-Wissenschaftlern gelang es, dieses Zeitfenster um mehrere Wochen zu verlängern, indem sie Schalen mit einem winzigen Muster auf dem Boden einsetzten. Dieses Muster lenkte die Zellen an die genau richtige Stelle und ermöglichte anderen Arten von Zellen, den Fibroblasten, sich mit den Leberzellen zusammenzuschließen. Dieser Schritt war entscheidend, da Fibroblasten dafür bekannt sind, das Wachstum von Leberzellen zu unterstützen.

Zeitfenster für Medikamententests

Die leitende Wissenschaftlerin Sangeeta Bhatia erklärte, dass die Zellen sehr rasch ihre Funktion verlieren, wenn man sie einfach unorganisiert auf einer Oberfläche anordnet. “Legt man jedoch fest, welche Zellen nebeneinander positioniert sind, kann die Lebenszeit der Zellen verlängert und ihre Funktion aufrechterhalten werden.” Zusätzlich gelang es dem Team, diese Zellen mit einem Stamm von Hepatitis-C-Viren zu infizieren. Damit eröffnet sich für mögliche Medikamententests ein Zeitfenster von zwei bis drei Wochen. (Ende)

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