Sie befinden sich aktuell in den ZARO news Blog-Archiven für den folgenden Tag 2.3.2010.
- Allgemein (837)
- Beziehung (171)
- Fachpublikation (264)
- Familie (205)
- Gesundheitstipps (102)
- Kunst+Kultur (33)
- Marketing (74)
- Medizin (387)
- Natur-Bio (320)
- Politik (110)
- PR (284)
- Pressebericht (506)
- Sonstiges (285)
- Spirituell (110)
- Wirtschaft (192)
- 9.9.2010: Deutsche Onlinesuche - Das könnte Sie interessieren!
- 8.9.2010: Welterschöpfungstag: Menschen leben auf Pump
- 8.9.2010: Männer im Wechsel: Unerkannt und unbehandelt
- 6.9.2010: Nordpolareis nimmt langsam aber sicher ab
- 5.9.2010: ZARO Biotec, eröffnet neuen Onlineshop Clixa.de mit energetischen Produkte und Nahrungsergänzungen
- 4.9.2010: Erfahrungen mit dem einzigartigen Wundheilmittel Theresienöl -
- 3.9.2010: Trauma-Folgen aus Kindheit werden weitervererbt
- 2.9.2010: Gentech-Pflanzen verseuchen Milch und Tiere
- 1.9.2010: Innovative Therapie gegen Multiple Sklerose
- 31.8.2010: MILO: Deutschlands bester Fotograf 2010, Siegerbild „Eisbach München“
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
- August 2007
- Juli 2007
- Juni 2007
- Mai 2007
- April 2007
- März 2007
- Februar 2007
- Januar 2007
- Dezember 2006
- November 2006
- Oktober 2006
Archive für 2.3.2010
Kaufsucht: “Schlimmer geahndet als Mord”
2.3.2010 von zaro.
Gier als Lebensmotiv bringt an den Rand der sozialen Ächtung
Hannover - An Kaufsucht leidende Menschen verstecken ihre Zwangsstörung, da sie sich schämen und die drastischen Folgen eines Bekenntnisses fürchten. Das berichtet Sieglinde Zimmer-Fiene, Leiterin der Selbsthilfegruppe für Kaufsucht in Hannover http://www.kaufsuchthilfe.de und selbst jahrelang Betroffene, im Presse-Interview. “In der Gesellschaft gibt es keinen Mittelstand mehr, wodurch Menschen entweder oben oder unten stehen. Das führt zum ständigen Vergleich nach dem Motto ‘Kleider machen Leute’. Doch die Wirtschaft sorgt dafür, dass man nie wirklich am letzten Stand sein kann.” Kaufsüchtige bilden die Spitze dieses Eisberges.
Zwang zu Modeschuh und gutem Rotwein
Obwohl Kaufsucht selten thematisiert wird, ist sie weit verbreitet. Einer aktuellen Erhebung zufolge ist eine Mio. Menschen in den deutschsprachigen Ländern kaufsüchtig und jeder Zwanzigste dürfte zumindest gefährdet sein. Die Zwangsstörung zeigt sich im suchtartigen Bedürfnis, Waren und Dienstleistungen einzukaufen. “Kaufsucht betrifft ohne Ausnahmen alle Gesellschaftsschichten, unabhängig vom Einkommen. Betroffene Frauen sprechen besonders auf modische Kleidung, Schuhe oder Wohnungsaccessoires an, Männer auf die neueste Technik oder guten Rotwein”, erklärt Zimmer-Fiene.
Bei Kaufsüchtigen wird Gier und Habenwollen zum zentralen Lebensmotiv. “Man ist etwa von einem im Fernsehen gesehenen Kleid fasziniert und empfindet, es haben zu müssen oder andernfalls zu sterben”, beschreibt die früher Betroffene. Zum kurzen Hochgefühl komme es dann beim Bezahlen des Artikels in der Boutique, wobei dessen Preis irrelevant sei. “Das Blut rauscht wie wild durch den Körper. Schon kurz darauf auf der Straße wird man sich der Sinnlosigkeit des Kaufs bewusst und Schuldgefühl schießt ein. Doch es ist einem unmöglich, umzudrehen und die Ware zurückzugeben.” Das oft sogar in mehrfacher Ausführung Gekaufte wird nur einmal gebraucht oder bleibt unausgepackt.
Sucht beginnt schleichend
Der Beginn des Zwangs ist schleichend und aufgrund des fließenden Übergangs unbemerkt. Äußerer Anlass sind oft Frust oder Schicksalsschläge, auch große Entbehrungen oder materieller Liebesersatz der Eltern im Kindesalter können laut Zimmer-Fiene mitspielen. In ihrem Fall war der Wunsch nach perfektem Outfit eine Form, den Selbstwert nach dem frühen Tod ihres ersten Ehemannes zu steigern. “Irgendwann lobte niemand mehr mein modisches Erscheinen, denn es war Teil meiner Person geworden.” Die eigenen Kinder, die sie stets mit guten und teuren Geschenken bedacht hatte, baten sie, ihnen doch keine Kleidung mehr zu kaufen.
Der bewusste Kaufverzicht wird Betroffenen jedoch unmöglich und auch die Hinderung am Kauf führt zu Entzugserscheinungen. “Man verliert jedes Gefühl für Werte, Besitz und Schulden”, so Zimmer-Fiene. Allgegenwärtig ist jedoch das Schamempfinden. “Waren und Rechnungen werden gut versteckt und damit aus dem Bewusstsein geschaffen. Gegenüber dem Umfeld setzt man ein Lügenkarussell in Gang, um die Ausgaben zu rechtfertigen. Offen darüber zu reden kann man nicht. Mit dem lange aufgebauten guten Ruf wäre schlagartig auch der Job weg, denn die Grauzone von Geld und Sucht macht jeden misstrauisch und niemand hilft dir mehr. Verstöße rund um Geld ahndet die Gesellschaft schlimmer als Mord”, so Zimmer-Fiene.
Überwindung ein langer Weg, aber möglich
Im privaten Bereich führt Kaufsucht zu Schlafstörungen, körperlichen Beschwerden, Depressionen und Existenzängsten bis hin zu Suizidgedanken und zerstört viele Beziehungen und Familien. Grund ist meist der wachsende Schuldenberg. “Verhängnisvoll ist, dass man durch die Kreditkarten-Überziehung auf vielen Konten gleichzeitig schnell mit 30.000 Euro im Minus steht, durch eine kleine Einzahlung aber wieder Geld bekommt.” Irgendwann komme der Moment der Anzeige, des Gerichtsvollziehers oder der Verurteilung. “90 Prozent der Betroffenen werden erst dann wach, wenn sie an die Wand gedrängt werden - etwa wenn der Partner mit dem Verlassen droht”, so Zimmer-Fiene.
So schleichend der Einstieg in die Sucht ist, so mühsam ist jedoch auch der Weg heraus. Das Überschreiten der Verhältnismäßigkeit brachte Zimmer-Fiene die Entlassung, die für sie “einem Wegsperren” glich. Acht Jahre verbrachte sie in einer forensischen Klinik, wo man sie als hoffnungslosen Fall entließ. 2002 gründete sie eine der ersten Selbsthilfegruppen und widmet sich nun der Zusammenarbeit von Kliniken, Therapeuten, Ärzten und Betroffenen. Die Selbsthilfe stecke noch in Kinderschuhen und viele Gruppen hätten nur kurz Bestand. Wichtiger erster Schritt sei stets, das verlorene Selbstwertgefühl wieder zu entwickeln. “Keiner kann von heute auf morgen Kaufsucht loswerden, denn wie wenn man Laufen lernt, fällt man immer wieder und muss neu aufstehen. Die Gruppe kann hier den Rücken stärken.” (Ende)
Geschrieben in Pressebericht, Marketing, PR, Familie, Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »