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Archive für 4.3.2010

USA: Mehr Schlaganfälle bei Jüngeren

Durchschnittsalter der Patienten sinkt um drei Jahre

San Antonio/Wien - Wenn auch Schlaganfall als Akuterscheinung im Alter gilt, steigt - zumindest in den USA - die Zahl derer, die schon im jüngeren Lebensalter von der folgenschweren Gehirnerkrankung betroffen sind. Forscher haben auf der Jahreskonferenz der US-Schlaganfallmediziner http://www.strokeassociation.org in San Antonio eine Studie präsentiert, demzufolge die US-Bürger unter 45 Jahren seit den 90er Jahren immer häufiger an Schlaganfall leiden.

Das Durchschnittsalter, in dem Menschen einen Schlaganfall erleiden, ist demnach zwischen 1993 und 2005 von 71 auf 68 Jahre gesunken. Bereits 7,3 Prozent der Schlaganfall-Patienten seien 2005 aus der Altersgruppe von 20 bis 45 Jahren gekommen, 1993 seien es nur 4,5 Prozent gewesen. “Diese zahlen rufen Angst und Bedenken hervor”, so Studienautor Brett M. Kissela von der University of Cincinnati. Als Ursachen dieser Entwicklung vermutet er die Zunahme von Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht. “Die Last einer Folgebehinderung ist für jüngere Patienten größer, da sie noch eine längere Lebenszeit vor sich haben”, so der US-Mediziner.

Prävention hat versagt

Als “Alarmsignal” sieht auch der Neurologe Wilfrid Lang, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfall-Forschung ÖGSF http://www.schlaganfall-info.at, die Ergebnisse. “Liegt das Durchschnittsalter für Schlaganfall in den Schwellenländern bei etwa 55 Jahren, ist es in den industrialisierten Ländern dank Prävention und Therapien zuletzt stets angestiegen und liegt in Europa bei rund 75 Jahren. Zeigt sich in den USA eine sinkende Tendenz, so bedeutet das, dass präventive Maßnahmen nicht greifen.” Die Zahl sage somit einiges über das Gesundheitssystem der USA aus, so der Experte gegenüber pressetext.

In Krankenhäusern behandelte Schlaganfälle werden in Österreich und Teilen Deutschlands per Register verfasst. Wissenschaftliche Aussagen dieser Art können auf diese Weise jedoch nicht gemacht werden, betont Lang. “Dazu braucht es epidemiologische Daten. Europa bezieht diese aus dem Bezirk Oxfordshire in England, wo es so eine Erfassung eines definierten Kollektivs gibt. Schlaganfälle werden dort zwar in allen Altersgruppen seltener, in Summe werden sie jedoch häufiger, da die Lebenserwartung steigt. Allerdings wird die Gruppe unter 45 Jahren aufgrund des seltenen Vorkommens gar nicht erfasst”, so Lang.

Bereits Kinder sind betroffen

Schlaganfälle können allerdings sogar bei Kindern auftreten. Rebecca Ichord vom Kinderspital Philadelphia präsentierte in San Antonio ihre Untersuchung von 90 ischämischen Herzkrankheiten bei Kindern im Schuleintrittsalter, bei denen zwölf einen wiederkehrenden Schlaganfall innerhalb von sechs Jahren hatten. Bei jedem zweiten dieser Fälle war der Erstinfarkt zuvor gar nicht entdeckt worden, weshalb man auch nicht entsprechend behandelt hatte. “Die Entdeckung eines Schlaganfalls ist bei Kindern schwieriger. Symptome sind bei ihnen weniger stark ausgeprägt, die Untersuchung ist komplizierter und die Patienten sind weniger gut in der Lage, die Symptome zu beschreiben”, betont die Medizinerin.

“Bei Kinder sind die Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfall anders als bei Erwachsenen. Auslöser können Infektionen, Gerinnungsstörungen oder angeborene Herzfehler sein”, erklärt Lang. Das weltweit größte Register für Schlaganfälle im Kindesalter gibt es in der Schweiz http://www.neuropaediatrie.ch/snpsr/index.html. Bloß fünf von 100.000 Kinder sind pro Jahr betroffen, die Erholung nach dem Akutgeschehen verläuft in der Regel schneller als bei Erwachsenen. Allerdings können lang anhaltende Probleme vor allem im kognitiven Bereich auftreten. (Ende)

K.o.-Tropfen: Nutzung nimmt zu

Illegale Arzneimittel stammen immer häufiger aus Übersee

Wien - Die Verwendung von sogenannten K.o.-Tropfen (Date-Rape-Drogen), also Medikamenten, die dazu dienen, den Widerstand von Menschen gegen nicht erwünschte sexuelle Aktivitäten drastisch zu senken, nimmt zu. Das geht aus dem Jahresbericht des International Narcotics Control Board (INCB) http://www.incb.org hervor. Die Maßnahmen zur Bekämpfung von Rohypnol, dem bekanntesten Medikament, haben laut dem Internationalen Suchtstoffkontrollrat jedoch Wirkung gezeigt.

Fehlende Erinnerung

Beim sexuellen Missbrauch - den Betroffenen fehlt später häufig jede Erinnerung an das Geschehene - werden zunehmend andere Substanzen eingesetzt, die weniger strengen internationalen Kontrollen unterliegen. Die Behörde fordert nun, dass auch diese Substanzen auf die Liste der Betäubungsmittel aufgenommen und von den Herstellern mit Sicherheitsmerkmalen wie Farben und Aromastoffen versehen werden.

In Großbritannien steht Ketamin seit Januar 2006 auf der Liste der Klasse-C-Medikamente. Gamma-Butyrolacton (GBL) gehörte zu den Substanzen, die erst im vergangenen Jahr ebenfalls auf die Liste gesetzt wurden. Beide Substanzen haben auch legale Anwendungen. Das macht es noch schwerer sie nicht in die Hände von Kriminellen gelangen zu lassen.

Wie der Missbrauch der Medikamente funktioniert, zeigt der Fall eines Londoner Taxifahrers. Dieser wurde im März 2009, schuldig gesprochen, eine Reihe von jungen Frauen betäubt und sexuell belästigt zu haben. Er verabreichte ihnen Getränke, die mit Sedativen versetzt waren. Viele der Opfer konnten sich später nur noch daran erinnern im Taxi eingeschlafen und zu Hause wieder aufgewacht zu sein. Andere hatten Flashbacks und vage Erinnerungen daran, dass der Taxifahrer neben ihnen saß.

Illegale Arzneimittel aus Übersee

Dealer setzen laut dem INCB-Bericht immer häufiger illegale Arzneimittel ein, die in Übersee hergestellt wurden. Es werden auch zunehmend Call-Center errichtet und die Substanzen ohne Verschreibung oder Zulassung über das Telefon oder das Internet verkauft. Indien gilt heute als eines der Zentren dieser Transaktionen. Der Bericht fordert die Regierungen auf, entsprechende Maßnahmen gegen diesen Missbrauch moderner Kommunikationstechnologien zu ergreifen.

Ein “unsichtbares” Problem sei der weit verbreitete Missbrauch von verschreibungspflichtigen Substanzen wie Morphium, Kodein und Methadon. In manchen Ländern werden diese Medikamente von mehr Menschen konsumiert als von jenen, die Heroin, Kokain oder Ecstasy nehmen. Allein in den USA sind davon insgesamt 6,2 Mio. Menschen betroffen. (Ende)

Benzinpreise: Freitag ist Abzock-Tag

Preisstrategien der Mineralölkonzerne in der Kritik

München - Das Hochsetzen der Benzinpreise gegen Ende der Woche ist eine beabsichtigte Strategie vieler Mineralölkonzerne. Dies ist das Resultat der heute, Donnerstag, vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) http://www.adac.de vorgestellten Branchenerhebung. Die Experten kommen dabei zu dem Ergebnis, dass der Benzinpreis an Freitagen im Schnitt um 3,5 Prozent höher ausfällt als an Montagen. Der Verkehrsclub kritisiert hierbei das offensichtliche Streben nach Renditen, die sich in wirtschaftlich guten Zeiten womöglich nur schwer erreichen ließen.

Offensichtliche Preispolitik

“Dass die Mineralölkonzerne die Preise vor allem immer freitags anheben, ist offenkundig zu beobachten. Obwohl es nicht verboten ist, in einer Marktwirtschaft Gewinne einzufahren, hat diese Preispolitik im Jahresvergleich dreiste Züge”, kritisiert ADAC-Sprecher Andreas Hölzel im Gespräch mit pressetext. Dem Experten nach werden Autofahrer künftig die Regel nutzen und die Konzerne gerade in teuren Spritzeiten unter Druck setzen. Österreich hat bereits seit dem Sommer 2009 reagiert. Die Tankstellen dürfen alle Preise nur einmal pro Tag anheben.

Der Vergleich sämtlicher Tages-Durchschnittspreise des vergangenen Jahres hat gezeigt, dass der Preis für Superbenzin an Freitagen bei durchschnittlich 1,285 Euro und für Diesel bei 1,09 Euro lag. Beide Werte waren damit 3,5 Cent höher als am jeweiligen Montag. Kritisiert wird seitens des ADAC vor allem das “ausgeprägte Gewinnstreben” der Konzerne, die das hohe Verkehrsaufkommen vor dem Wochenende durch “kräftige Preisaufschläge” nutzen würden. “Nicht nur am Freitag, sondern immer öfter auch am Mittwoch wird abkassiert”, sagt Hölzel.

Seit 2006 steigende Spritpreise

Angelehnt an die Analyse lässt sich außerdem festhalten, dass die Preisspanne zwischen dem günstigsten und dem teuersten Wochentag gegenüber den Vorjahren weiter zugenommen hat. Dieser Umstand drückt sich vor allem darin aus, dass die Differenz 2006 und 2007 noch rund zwei Cent betragen hatte, 2008 jedoch bereits bei 3,2 Cent für Benzin und 3,1 Cent für Diesel lag. Die Daten für 2009 zeigen einen Trend der Preissteigerungen an deutschen Tankstellen.

Den Freitag zum Tanken zu meiden, zahlt sich den Berechnungen nach langfristig aus, da das Sparpotenzial beachtlich ist. Denn bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern sowie einem Durchschnittsverbrauch von acht Litern hätte ein Autofahrer laut ADAC im Vorjahr 42 Euro sparen können, sofern er statt Freitag ausschließlich montags getankt hätte. “Autofahrer sollten tanken, wenn es gerade günstig ist - auch wenn der Tank noch nicht komplett leer ist”, rät Hölzel gegenüber pressetext. Günstige Gelegenheiten sollten konsequent genutzt werden. (Ende)

Falkland-Konflikt bricht erneut auf

Vermutete Ölvorkommen im Südatlantik sorgen für Spannungen

London/Buenos Aires - Größere Mengen Erdöl vermuten Geologen in der Nähe der südatlantischen Falkland Inseln. Doch die Ausbeutung des Öls des immer noch britischen Archipels stößt den Argentiniern, die die Inseln für sich beanspruchen, auf, wie BBC berichtet. In diesem Jahr soll mit den ersten Bohrungen begonnen werden. Die argentinische Regierung hat daraufhin jeder Ölfirma, die an den Probebohrungen teilnimmt, eine weitere Zusammenarbeit in Argentinien versagt.

In der Vorwoche wurde ein Schiff mit Ausrüstung für das Vorhaben in Argentinien festgehalten. Eine Bohrinsel von den schottischen Highlands ist indessen auf dem Weg zu den Falkland Inseln und soll kommende Woche mit den Bohrungen beginnen, berichtet das Unternehmen Desire Petroleum http://www.desireplc.co.uk.

Krieg von 1982 nicht vergessen

Nach dem Falkland-Krieg, der 1982 nach der argentinischen Invasion auf die Inseln mehr als 900 Todesopfer auf beiden Seiten gefordert hat, hat sich die Frage nach eventuellen Ölabbaurechten nicht gelöst. Das Säbelrasseln über die angeblichen Bodenschätze ist demnach nur eine weitere Episode des immer noch schwelenden Konflikts.

Diese Woche hat die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez ein Dekret unterzeichnet, wonach sämtliche Schiffe, die zwischen Argentinien und den Malwinen - wie die Inseln in Argentinien genannt werden - um vorherige Erlaubnis bitten müssen. Kabinettschef Anibal Fernandez sieht in dem Erlass nicht nur die Verteidigung der argentinischen Souveränität, sondern auch aller Ressourcen in der Region.

Disput um Hoheitsgewässer

Betroffen davon sind allerdings nicht nur die Falkland-Inseln, sondern auch der Schiffsverkehr zu den anderen Britischen Territorien Süd-Georgien und den Süd-Sandwich-Inseln. Argentinien bezeichnet die Inseln als illegal von Großbritannien besetzt. Im Notfall wollen die Argentinier die Vereinten Nationen anrufen - wie sie dies schon im Vorjahr getan hatten.

“Die Kontrolle der argentinischen Hoheitsgewässer ist eine Angelegenheit Argentiniens. Sie betrifft die Falkland Inseln nicht”, argumentierte des britische Außenministerium. Zudem setzte man in London auf versöhnliche Töne. “Argentinien und Großbritannien sind wichtige Partner in einer engen und produktiven Zusammenarbeit.” Man habe der argentinischen Regierung angeboten zusammenzuarbeiten. Zurückhaltend äußerte sich auch Phyllis Rendell, die für Bodenschätze zuständige Direktorin der lokalen Regierung auf den Falkland-Inseln http://www.falklands.gov.fk : “Wir dürfen nicht vergessen, dass noch niemand Öl gefunden hat.” (Ende)

Tutanchamun soll an Malaria gestorben sein

Forscher weisen Parasiten-Spuren im Blut des Kindkönigs nach

Kairo - Neueste Forschungsergebnisse könnten die Verschwörungstheorien um eine Ermordung des ägyptischen Kindkönigs Tutanchamun widerlegen. Demnach soll dieser an Malaria gestorben sein, nachdem sein Körper bereits durch eine seltene Knochenkrankheit verkrüppelt worden war. Zwei Jahre lang hatte ein Forscherteam um den Chef-Archäologen Zahi Hawass http://www.drhawass.com die mumifizierten Überreste des 19 Jahre alten Pharaos untersucht, um ausreichend Blut- und DNA-Proben zu gewinnen. Nun konnten die Wissenschaftler Spuren des Malaria-Parasiten in seinem Blut nachweisen, wie es im Journal of the American Medical Association http://jama.ama-assn.org heißt.

Seit Howard Carter im Jahr 1922 das Grab im Tal der Könige entdeckte, haben Wissenschaftler gerätselt warum der Kindkönig so jung gestorben ist. Manche gehen davon aus, dass er nach einem Sturz von seinem Streitwagen gestorben ist, andere vermuten ein Verbrechen. Da er so jung starb und keine Nachkommen hinterließ, wurde auch angenommen, dass er an einer erblichen Krankheit gelitten haben könnte. In Frage käme zum Beispiel das Marfan-Syndrom. Hawass lehnt diese Theorien ab.

Klumpfuß und Wirbelsäulenkrümmung

Er untersuchte die Überreste des Königs und zehn weiterer Familienmitglieder. Zwei der Mumien wurden jetzt als Tutanchamuns Großmutter und - sehr wahrscheinlich - als sein Vater identifiziert. Es gebe keine überzeugenden Beweise dafür, dass der König oder einer seiner Vorfahren am Marfan-Syndrom gelitten habe. Die weiblichen Formen seien viel mehr ein Ablenkungsmanöver und spiegelten die Mode der Zeit wider. Bestätigt wurde jedoch, dass Tutanchamun an einer ererbten Krankheit gelitten haben könnte, einer seltenen den Fuß befallenden Knochenkrankheit, nämlich dem Morbus Köhler 2. Dazu komme noch ein Klumpfuß und eine Krümmung der Wirbelsäule.

Obwohl das keine endgültigen Erkenntnisse sind, würden sie erklären, warum sich unter den Besitztümern des Königs Stäbe und Stöcke befanden, die als Gehhilfen eingesetzt worden sein könnten. Kurz vor seinem Tod hat sich der König auch das Bein gebrochen, die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das ein wichtiger Hinweis sein könnte. Der Knochen heilte nicht richtig und begann abzusterben. Das hätte den jungen König schwach und anfällig für Infektionen gemacht. Denkbar also, dass ein Malaria-Anfall das Schicksal Tutanchamuns besiegelt hat.

Ältester genetischer Beweis für Malaria

Die im Blut nachgewiesenen Spuren des Malaria-Parasiten dürften der älteste genetische Beweis für Malaria überhaupt sein. Die Wissenschaftler nehmen an, dass die Samen, Früchte und Blätter, die in der Grabstelle gefunden worden sind, möglicherweise medizinischen Zwecken dienten und damit diese Theorie unterstützen. Bob Connolly von der University of Liverpool http://www.liv.ac.uk hat den König selbst untersucht. Er meint laut BBC, dass die Forscher unglaubliches Glück gehabt hätten, ausreichend DNA für die aktuelle Studie zu extrahieren.

Der König sei keine gut erhaltene Mumie, sondern viel mehr ein verschmortes Wrack. Er halte es für möglich, dass der König an Malaria gestorben sei, bezweifle es aber persönlich. Das Vorhandensein des Parasiten im Blut bedeute nicht unbedingt, dass der König an Malaria litt oder daran gestorben ist. Er könnte auch gar keine Symptome gehabt haben. Connolly geht davon aus, dass Tutanchamun durch den Sturz vom Streitwagen gestorben ist. Sein Brustkorb war eingedrückt und seine Rippen gebrochen. (Ende)

Über elf Millionen Deutsche in Armut

Um ein Drittel mehr Betroffene als vor einer Dekade

Berlin - Armut hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland rasant ausgebreitet. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) http://www.diw.de aufzeigt, hat die Zahl der Betroffenen innerhalb von zehn Jahren um rund ein Drittel zugelegt. Etwa 14 Prozent der Bevölkerung oder 11,5 Mio. Menschen lebten 2008 unter der Armutsschwelle. Von dem steigenden Risiko, in die Armut zu rutschen, seien Kinder und junge Erwachsende besonders betroffen.

Laut Definition der Europäischen Kommission gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens seines Landes zur Verfügung hat. Unter den 19- bis 25-Jährigen lebte den DIW-Angaben zufolge vor zwei Jahren beinahe ein Viertel unter der Grenze. Im Gegensatz dazu stelle Altersarmut aktuell ein vergleichsweise geringes Problem dar. Personen am Ende des Berufslebens oder zu Beginn des Ruhestands würden demzufolge ein unterdurchschnittliches Armutsrisiko aufweisen. Das auf Durchschnittsniveau steigende Risiko ab 75 Jahren sei auf einen höheren Anteil von Witwen mit geringem Alterseinkommen zurückzuführen.

Armutsrisiko steigt mit Kinderzahl

46- bis 55-Jährige sind dem DIW nach überwiegend berufstätig, über den Abschluss der Bildungskarriere hinaus und daher wenig armutsgefährdet. Bei jungen Erwachsenen mache sich hingegen die längere Dauer der Ausbildung sowie der höhere Anteil an Hochschulabsolventen bemerkbar. Dadurch verzögere sich der Einstieg ins Berufsleben. Darüber hinaus müssten viele Jobsuchende schlecht bezahlte Praktika oder “prekäre Arbeitsverhältnisse” für den Einstieg in die Berufswelt wählen. Der Trend, das Elternhaus früher zu verlassen, erhöhe das Armutsrisiko zusätzlich.

“Insbesondere Familienhaushalte mit mehr als zwei Kindern sind stärker von Armut betroffen”, sagt Joachim Frick vom DIW. Das Risiko steige mit der Kinderzahl. Bei drei liege es bei 22 Prozent, bei vier und mehr Kindern erreiche es bereits 36 Prozent. Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern weisen mit über 40 Prozent eine “weit überdurchschnittliche Armutsrate auf”. Zwar zeige der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen sowie das Elterngeld Wirkung. Trotzdem bleiben Kinder und Jugendliche einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Finanzielle Unterstützung bekämpfe Symptome, kuriere aber nicht die Ursachen von Armut. (Ende)

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