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Archive für 14.4.2010
Wahrnehmen der Gefühle beruhigt
14.4.2010 von zaro.
Forscher finden einfachen Trick zur Vermeidung von Überreaktionen
Zürich (pte/24.03.2010/13:20) - Eine sehr einfache Methode, mit negativen Gefühlen gut umzugehen, haben Forscher der Universität Zürich http://www.uzh.ch gefunden. In der Fachzeitschrift Neuroimage berichten sie, dass ein achtsames Wahrnehmen der Emotion zum schnellen Abreagieren verhelfen kann. “Die Psychotherapie setzt die Gefühlswahrnehmung schon lange ein. Erst jetzt gelang aber der biologische Nachweis dafür, dass eine rein mentale Achtsamkeits-Intervention Emotionen abklingen lässt”, berichtet Studienleiter Uwe Herwig im Presse-Interview. Nützlich sei dieses Wissen auch für den Alltag.
Vernunft hemmt Emotion
30 Freiwillige wurden von den Forschern mittels Magnetresonanz-Tomografie untersucht. Ihre Aufgabe lautete, sich eigene aktuelle Gefühle zu vergegenwärtigen (”Wie fühle ich mich?”) oder über sich nachzudenken (”Wer bin ich?”). In der Bildgebung zeigte sich eine Aktivierung der Mittellinien-Regionen des Stirnhirns. Besonders interessant war jedoch, dass bewußtes Achten auf die Gefühle die Aktivität der Mandelkern-Region im Gehirn deutlich senkte. Diese Region steuert die emotionale Erregung und ist umso aktiver, je intensiver Erregungen wie etwa Angst empfunden werden.
Dieser Zusammenhang ist für den Psychiater gut erklärbar. “Das Stirnhirn ist bei Vernunft aktiv und kann die Gefühle kontrollieren. Diese Region kann emotionale Areale des Gehirns und somit auch die Mandelkern-Aktivität hemmen.” Somit werde die schnelle emotionale Verarbeitung reguliert und Überreaktion vermieden. “Selbstregulation durch den Einsatz der vorderen Hirnrinde kann als eine Errungenschaft der Evolution angesehen werden”, so Herwig.
Ausschalten nach dem Wecker-Prinzip
Damit sei ein einfacher Trick für den Umgang mit schwierigen Gefühlen gefunden. “Der Ratschlag ist, das Körpergefühl bewusst wahrzunehmen, welches Stress, Ärger oder Angst mit sich bringt. Denn der Körper gibt immer Signale für Gefühle, wie etwa ein Kribbeln im Bauch oder eine Beklemmung in der Brust.” Mache man sich diese Empfindungen klar, könne man sich leichter von ihnen distanzieren - laut Herwig so wie bei einem Wecker, der dann mit dem Klingeln aufhören kann, sobald man ihn wahrnimmt und abstellt. “Ziel ist es, sachlich und besonnen statt emotional zu reagieren.”
Die innere Auseinandersetzung mit Gefühlen durch deren aktives Bewusstmachen kann man trainieren. “Teilweise geschieht das etwa schon in Management-Kursen, wobei Menschen dadurch belastbarer werden wollen. Auch Meditation und Yoga verwenden die Technik.” Erschwert könne dieser Zugang allerdings bei psychischen Erkrankungen wie Depression und schweren Angststörungen sein. “Sind Gefühle zu stark, so kann deren bewusste Wahrnehmung auch zusätzlich belasten. Es empfiehlt sich, die Technik schon in Zeiten innerer Ausgeglichenheit zu üben, um sie bei Bedarf anwenden zu können.” (Ende)
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“Unternehmer sind Dealer für Arbeitssüchtige”
14.4.2010 von zaro.
Workaholism-Gefahr spitzt sich im heutigen Arbeitsalltag zu
Valencia/Bremen - Die Gefahr, zum Workaholic zu werden, steigt in der Arbeitswelt. “Personalführung und Arbeitsplatzgestaltung sind heute darauf ausgerichtet, dass der Einzelne im Job das Letzte aus sich herausholt. Es ist bedenklich, wenn das Selbstbewusstsein eines Menschen nur von der Anerkennung abhängt, die sie durch Arbeit erfahren. Das wird jedoch gefördert”, erklärt Holge Heide, Leiter des Instituts für sozialökonomische Handlungsforschung an der Universität Bremen http://www.seari.uni-bremen.de, im Presse-Interview.
Spezieller Kritikpunkt Heides ist der Trend der “selbstständigen Unselbstständigen”. Unternehmen übertragen Mitarbeitern stets mehr Entscheidungskompetenz und Flexibilität mit dem Ziel, dem maximalen Output dadurch noch näher zu kommen. “Mit dem Erreichen dieses Ziels ist Anerkennung verbunden. Damit nehmen die Situationen zu, in der Menschen ihre Arbeitssucht ausleben können, wobei Unternehmen wie Dealer wirken”, so der Sozialökonom. Arbeitssucht sei dabei, das frühere Leid des Arbeiters an einem monotonen, die Produktivität senkenden Acht-Stunden-Tages zu ersetzen.
Auch wenig Arbeit kann süchtig machen
Forscher um Mario Del Líbano von der spanischen Universität Jaume setzen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Psicotema” die für Arbeitssucht kritische Arbeitszeit mit 50 Stunden an. Derartige quantitative Angaben würden der Problematik jedoch kaum gerecht, warnt Heide. Auch der spanische Vorschlag, übermäßige oder zwanghafte Arbeit als wichtigste Merkmale zu sehen, sei mit Vorsicht zu genießen. “Entscheidend ist die krankhafte Fixierung auf Arbeit. Manche Arbeitssüchtige können vor lauter Stress kaum arbeiten und versuchen ständig, sich von etwas zu erholen, das sie noch nicht getan haben”, so der Experte.
Krankhaft ist für Heide Arbeit dann, wenn sie zum Überlebensmittel geworden ist. “Das Problem ist in erster Linie ein psychisches. Betroffene versuchen oft unbewusst, durch die Arbeit eine sonst ausbleibende Anerkennung zu erhalten. Falls das Ziel nicht erreicht wird, will man zumindest beweisen können, dass man es lange versucht hat, was auch lange Arbeitszeiten bewirken kann.” Um Müdigkeit und Schlafbedürfnis des Körpers zu überwinden, putschen sich Arbeitssüchtige mit ihrer Arbeit auf, die wie eine Droge wirken kann.
Einstellung zur Arbeit überdenken
Die Tatsache, dass Arbeit so hoch angesehen wird, erschwert es Workaholics ungemein, ihr ungesundes Verhältnis zur Arbeit zu erkennen. “Wenn man seine Sucht einsieht, ist es in vielen Fällen schon zu spät. Oft gelingt es erst nach einem Burnout, körperlichen Zusammenbruch oder sogar Herzinfarkt”, so Heide. Zuvor schrecken die meisten davor zurück, sich als arbeitssüchtig zu outen. “Sie fürchten, damit ein lautes Loslachen zu produzieren. Doch auch anonyme Selbsthilfegruppen für Arbeitssüchtige haben nur geringen Zulauf, obwohl das Problem viele betrifft.”
Die Gruppe um Del Líbano beschreibt, dass bestimmte finanzielle oder familiäre Vorbedingungen häufig unter Arbeitssüchtigen anzutreffen sind. Häufig würden Betroffene versuchen, durch Arbeit einen Ausgleich zu schaffen für Angst vor Arbeitsplatzverlust, zunehmenden Wettbewerb oder auch für fehlende persönliche Zuneigung. Ungünstig seien auch zu hohe eigene Erfolgsvorgaben oder die Furcht vor einem dominierenden, fordernden oder bedrohlichem Chef.
Abstract der spanischen Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20100441 (Ende)
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