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Omega-Fettsäuren - Studien kritisch bewerten
Dieser Eintrag stammt von zaro Am 28.5.2010 @ 11:00 In Fachpublikation, Pressebericht, PR, Natur-Bio, Medizin, Allgemein | Keine Kommentare
Nur ausgewählte Studien seriös
Wien/St.Pölten - Anlässlich eines Medien-Seminars erläuterte der Vorsitzende der Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, Prim Univ. Prof. Dr Karl Zwiauer, die spezielle Studien-Situation im Zusammenhang mit der Gabe von Omega-Fettsäuren. Der Großteil der Studien verdient diese Bezeichnung eigentlich gar nicht, da sie den strengen internationalen GCP-Standards nicht im Entferntesten entsprechen. Dadurch sind sie rein spekulativ und ihre Aussagen haben nur geringen bis keinen Wert. Die einzige Ausnahme derzeit ist die Indikation Aufmerksamkeitsstörung.
Welchen wissenschaftlichen Hintergrund gab es, bei Aufmerksamkeitsstörungen langkettige mehrfach ungesättigte Fettsäuren (LC- PUFA) zu geben: Erste Hinweise kamen durch die Tatsache, dass Kinder mit ADHS - abgesehen vom Konzentrationsmangel - Symptome zeigten, die man vom Mangel an essentiellen Fettsäuren kannte wie etwa erhöhten Durst oder schlechte Haut. Also gab man versuchsweise LC-PUFA und das führte über zahlreiche Studien mit Präparaten unterschiedlichster Zusammensetzungen zu jenen Studien, die man aufgrund ihrer gewissenhaften Ausrichtung nach den GCP-Kriterien (randomisiert, doppelt blind, Placebo kontrolliert) heute guten Gewissens zitieren kann.
Zwei mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die Linolsäure und die Alpha-Linolensäure sind für den Menschen essenziell, das heißt, dass sie mit der Nahrung zugeführt werden müssen. PUFA sind in verschiedenen Ölen enthalten, vor allem in Fischöl. PUFA aus Fischöl müssen zusammen mit Antioxidantien wie zum Beispiel Vitamin E eingenommen werden, damit sie stabil bleiben und ihre Wirkung entfalten können. Die Wahrscheinlichkeit einer ungenügenden Versorgung mit PUFA ist am größten bei Menschen, deren Bedarf erhöht ist, zum Beispiel bei Infektionen, chronischen Krankheiten oder in Wachstumsphasen.
Der Hintergrund
60% des Trockengewichtes des Gehirns ist Fett. Die höchsten Konzentrationen von DHA (Docosahexaensäure, 22:6 ω-3) finden sich in Retina, Gehirn und Nervensystem. DHA ist unbedingt notwendig für die Nervenzellmyelinisierung und damit für die Reizweiterleitung.
PUFA insgesamt sind wesentliche Bausteine für die ZNS Entwicklung (Gehirn), Sehentwicklung, als Komponenten in neuronalen Membranen, durch ihre Effekte auf Neurotransmitter, für die Prävention der neuronalen Apoptose (Zelluntergang) sowie durch ihren Einfluss auf das Neuritenwachstum
Im Ideal-Fall sorgt eine Balance zwischen Omega -3 und Omega -6-PUFA für das ideale Funktionieren der davon beeinflussten Systeme (zB. Nervensystem, Immunsystem, Haut u.a.)
Was aber kann diese Balance stören?
* Genetische Stoffwechseldefizite
* Geschlechtsspezifische Unterschiede (Frauen begünstigt)
* Mangel an Magnesium und Zink
* Kompetitive Enzymsysteme - Zufuhr “falscher” Fette (zB. Transfette) vermindert Synthese
* Der lange, wenig effiziente Syntheseweg
Mangelzustände und Imbalancen von PUFA in Entwicklungsphasen haben weitreichende Konsequenzen. Stärkste Konsequenzen: pränatal/postnatal, aber in allen anderen Altersklassen ist ein Mangel an ω-3 Fettsäuren assoziiert mit Verhaltensauffälligkeiten und ADHS
Insgesamt ist eine abnehmende Zufuhr von ω-3 PUFA in der Gesamtbevölkerung in den letzten Jahrzehnten festzustellen.
In den 1980er Jahren wurde der Mangel an essentiellen Fettsäuren bei Kindern mit Entwicklungsstörungen (Dyslexie, Dyspraxie, Autismus, Angststörungen, auffälligem Sozialverhalten, Tic-Störungen, Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen) in Verbindung gebracht.
Es wurden niedrige ω-3 PUFA-Werte sowie ω-6/ω-3 Imbalancen festgestellt und dies war gleichsam der Auftakt zu zahlreichen klinischen Studien
Diese Beobachtungsstudien erbrachten folgende Erkenntnisse:
* ADHS Mangel an ω-3 Fettsäuren (ALA, DHA) und ω-6 Fettsäuren (AA)
* Plasmaspiegel: FS-Versorgung der letzten 24 Stunden
* Phospholipide an Erythrozyten: FS-Versorgung der letzten Monate, korrelieren mit den FS Konzentrationen im Gehirn
1995 wurden bei ADHS-Kindern Zeichen eines PUFA-Mangels identifiziert wie Durst, häufiges Urinieren, trockene Haut, verstärkte Schuppenbildung, trockenes Haar u.a.). Anhand der Erythrozyten wurden an ADHS-Kindern verminderter AA- und DHA-Konzentrationen festgestellt.
1996 brachte eine erste Studie ADHS mit einem Mangel an ω-3 PUFA in Zusammenhang.
ABER - Diese Studien waren allesamt NICHT KAUSAL beweisend!
Warum?
* Studiendesign nur geeignet Hypothesen zu generieren
* Zahlreiche Einflussfaktoren und komplexe chemische Interaktionen
* Umwelteinflüsse
* Möglichkeit genetischer Variationen
Frühe Studien mit isolierter DHA-Supplementierung - also NUR Omega-3 oder NUR Omega-6 zeigten nur minimale positive klinische Effekte oder auch keine Veränderungen.
Wesentlich wurde daher die Kombination von ω-3 plus ω-6-Fettsäuren (Fischöl + Nachtkerzenöl)
Das sind die aktuellen Kombinationsstudien, die den kausalen Zusammenhang und damit den Wert der hoch dosierten interventionellen Gabe beweisen konnten
ω-3 Fettsäuren: EPA, DHA (Fischöl)
ω-6 Fettsäuren: LA, GLA, AA (Nachtkerzenöl)
* Richardson AJ et al. Oxford-Durham Studie - Pediatrics. 2005
* Portwood M. Nutrition and Health. 2006
* “Sure Start-Studie” (Kinder von 18 Monaten bis 3 Jahren)
* Open label studie (Jugendliche von 12 - 15 Jahren)
* Sinn N et al. Journal of Developmental and Behavioral Pediatrics. 2007
* Sinn N. et al. Prostaglandins Leukotrienes Essent. Fatty Acids 2008
* Johnson M et al. Journal of Attention Disorders. 2009
Zusammenfassung des aktuellen Studienstandes:
* LC-PUFA spielen eine zentrale Rolle für das Funktionieren des Nervensystems
* Beobachtungsstudien zeigen einen Mangel/Imbalance von ω-3/ω-6 Fettsäuren bei Kindern mit neurokognitiven Störungen - ADHS, Dyslexie, Dyspraxie, Autismus etc.
* Kontrollierte, randomisierte doppel-blinde Studien zeigen signifikante klinische Verbesserungen durch die Supplementierung mit LC-PUFA (Ende)
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