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Archive für 21.7.2010

Glücksbringer bringen wirklich Glück

Placebo-Effekt: Wer an den Erfolg glaubt, hat ihn auch eher

Köln/Wien - Gedanken sind mächtig. Sie können die Leistung eines Menschen wesentlich verbessern, berichten Forscher der Uni Köln http://uni-koeln.de in der Zeitschrift “Psychological Science”. Testpersonen, die bei Erinnerungs- und Geschicklichkeitstests Glücksbringer bei sich trugen, schnitten messbar besser ab als andere, denen man diese zuvor abgenommen hatte. “Menschen entwickeln mit einem Amulett mehr Selbstvertrauen und setzen sich höhere Ziele”, erklärt Studienleiterin Lysann Damisch das Ergebnis.

Glaube versetzt Berge

“Hufeisen und Plüschtiere bringen keinen Lotto-Sechser”, erklärt die Wiener Psychologin Helga Schachinger http://www.helga-schachinger.com im Interview. Sehr wohl können sie jedoch zusätzliche, bereits vorhandene Ressourcen in einem Menschen freisetzen. “Wer für eine schwierige Aufgabe gut vorbereitet ist und sich anstrengt, kann so zusätzlich mental erstarken und sich auf Sieg polen. Das bringt zwar keinen Leistungsruck, doch statistisch sichtbare Steigerungen”, so die Expertin. Viele Fußballer wissen, wovon die Psychologin spricht.

Nicht bei jedem funktioniert der Trick allerdings gleich gut. “Ob ein Glücksbringer wirkt, hängt davon ab, ob man an ihn glaubt oder ihn für Humbug hält”, so Schachinger. Manchen hilft eher der Glaube an sich selbst oder die gedankliche Unterstützung durch den Partner. Die Psychologin vergleicht es mit dem Placebo-Effekt. “Menschen können sich sogar durch ein alkoholfreies Bier betrinken, wenn sie glauben, es enthalte Alkohol. Der Glaube versetzt somit sprichwörtlich Berge.”

“Ich schaffe es selbst!”

Das Ziel dieser Hilfen ist die Selbstwirksamkeit, also die Überzeugung, selbst etwas aus eigener Kraft bewirken zu können. Im Alltag hat sie hohe Bedeutung. “Ist sie etwa bei Schulkindern nicht vorhanden, können Psychologen durch Angstabbau und Entspannung zu mehr Selbstwirksamkeit verhelfen. Auch in der Arbeitswelt ist es bei anspruchsvollen Aufgaben ganz entscheidend zu wissen: Ich bin gut, ich schaffe es und kann das Problem selbst lösen.” Ob man diese Kraftreserven aus einer Beziehung, aus professioneller Begleitung, aus Psychotechniken oder aus dem Aberglauben schöpft, rät Schachinger jedem selbst zu entscheiden.
(Ende)

“HIV ist ein harmloses Virus”

Provokante Aussagen: Ärzte leugnen Aids

Wien - “Die Krankheit Aids ist ein Dogma und hält nur Pharmafirmen, Wissenschaftler, NGOs und Hilfsorganisationen am Leben.” Diese strittige Behauptung liefern Forscher bei einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstag. Anlass ist die internationale AIDS-Konferenz http://www.aids2010.org in Wien, in dessen Vorfeld auch ein Gegenkongress http://www.science-and-aids.org stattfindet. Bei den meisten Medizinern und auch selbst Betroffenen lösen solche Aussagen allerdings Entsetzen und Unverständnis aus.

“HIV ist ein harmloses Virus, das keinesfalls jene Krankheiten verursachen kann, die unter Aids definiert werden”, so der prominenteste Zweifler, der aus Deutschland stammende Krebsforscher Peter Duesberg von der Universität Berkeley. “Auslöser der Erkrankung ist in Europa nicht der HI-Virus, sondern Drogenmissbrauch oder Homosexualität. Die Todesfälle bei Aids sind auf die hochgiftigen Medikamente in der Therapie zurückzuführen.”

Zweifel beeinflusst Leben Betroffener

Scharfe Kritik kommt von Wiltrut Stefanek, selbst von Aids betroffene und Koordinatorin des Netzwerkes Frauen und Aids http://www.frauenundaids.at. “Viele Aidspatienten sind verzweifelt und stoßen auf ihrer Suche nach Heilungsmöglichkeiten auf derartige Ansichten. Manche klammern sich daran und setzen laufende Therapien eigenmächtig ab. Das hat schlimme Folgen. Die Lebensqualität verschlechtert sich drastisch, viele sterben daran - und zwar an einer eingebildeten Krankheit aus Sicht der Aids-Zweifler”, so Stefanek abseits der Veranstaltung auf Presse-Anfrage.

Nachdem Stefanek 1996 erfuhr, dass sie Trägerin des HI-Virus war, lebte sie mehrere Jahre ohne Medikamente. “Es ging mir sehr schlecht, bis ich in die Therapie einwilligte. Ohne ihr wäre ich nicht mehr am Leben.” Mit medizinischer und psychologischer Unterstützung können Menschen auch mit positivem HIV-Test weiter mitten im Leben stehen und die Zügel in der Hand behalten, versichert die Expertin.

“Aids sind viele Krankheiten”

Die Aids-Zweifler wehren sich dagegen. “In Einzelfällen hilft die heutige Therapie, da sie auf zugrunde liegende Probleme wie etwa Pilzerkrankungen wirkt. Die willkürliche Gleichschaltung aller HIV-Träger ist aber nicht angebracht”, so etwa der Kieler Arzt Claus Köhnlein gegenüber pressetext. Die heutige allgemeine Auffassung von Aids ist laut seiner Sichtweise ein Konglomerat vieler unterschiedlicher Krankheiten, denen man durch die eine Diagnose nicht gerecht werde.

Immer wieder kommen die Zweifler auf Afrika zu sprechen, in dem Aids ungleich größere Ausmaße angenommen hat als am restlichen Planeten. Hier sei die Krankheit eher Folge der Armut und werde - sobald das HI-Virus im Spiel sei - mit 29 Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose oder Zervixkarzinom gleichgesetzt. “Die in den 80er- und 90er-Jahren prognostizierte Aids-Epidemie hat weder im Westen noch in Afrika stattgefunden. In Afrika wachsen die Bevölkerungen weiter und in Europa gibt es nur wenige Fälle”, so Duesberg.

Diskussion steckt fest

Die Diskussion ist festgefahren. Die Aids-Zweifler wittern Profitgier der Pharmafirmen und Ärzte als Ursache der wissenschaftlichen Anerkennung von Aids und fordern den Paradigmenwechsel in der Aidsforschung. Stefanek wirft ihnen vor, dass sie sich in erster Linie wichtig machen wollen und stets gleiche Argumente wiederholen. “Kritik und Diskussion ist in der Wissenschaft gut. In diesem Fall hat es jedoch fatale Folgen für die Betroffenen, zumal jemand Behauptungen aufstellt und dabei in keine wirkliche Diskussion eingeht”, so die Expertin der Aids-Selbsthilfe.

China trocknet aus

Grundwasserkrise bedroht Bevölkerung

Peking/Berlin - In China wird das Wasser immer knapper. Drastische Maßnahmen der Wasserwirtschaft sind notwendig, um das Milliardenvolk auch in Zukunft mit Trinkwasser versorgen zu können. Das wurde diese Woche beim diesjährigen internationalen Grundwasser-Forum http://hydro.pku.edu.cn/BIGF2010/ in Peking deutlich.

Boom macht durstig

Jedes Jahr steigt die Grundwasserentnahme Chinas um 2,5 Kubikkilometer. In manchen Regionen sinkt in Folge der Grundwasserspiegel schon seit Jahrzehnten um einen Meter pro Jahr, und teilweise müssen Brunnen hunderte Meter und tiefer gebohrt werden. In zwei Drittel der 660 chinesischen Städte wird laut Regierungsangaben das Wasser bereits knapp. Zudem steigt die Verunreinigung des Wassers durch Schwermetalle und landwirtschaftliche Chemikalien besonders im Süden des Landes ständig.

“Der Boom der Bevölkerung und Wirtschaft macht China immer durstiger”, erklärt Stefan Girod, Geschäftsführer von German Water Partnership e.V. http://germanwaterpartnership.de, gegenüber ZAROnews. Rund 20 Prozent des Wassers benötigt die Industrie, zehn Prozent die Menschen selbst und bis zu 70 Prozent die Landwirtschaft. “Da China immer mehr Lebensmittel zur Eigenversorgung braucht, geht es mittlerweile schon sehr extreme Wege. Landwirtschaftsflächen werden etwa in Afrika aufgekauft, was global gesehen ein Unsinn ist. Für einen Staat mit 1,4 Mrd. Menschen gibt es aber wenig Alternativen”, sagt der Experte.

Größter Kanal der Welt in Planung

Speziell in Nordchina ist das Wasser knapp, während der Süden genug des kühlen Nasses besitzt. “Gibt es auch auf der Welt sehr große Wasserressourcen, sind diese regional sehr ungleich verteilt. Deshalb braucht man für einzelne Regionen spezielle Lösungen”, betont Girod. Das Phänomen gibt es auch in Europa. Deutschland verfügt über sechsmal mehr Wasser als es braucht. “Dennoch ist etwa die Region Spreewald südlich von Berlin viel trockener als man denkt. Der Wasserverbrauch liegt hier deutlich über dem Angebot.”

Eine Lösung erhofft sich China vom Bau eines gigantischen Kanalsystems, das in vierzig Jahren 45 Mrd. Kubikmeter von Süd nach Nord schaffen soll. Derzeit ist man in Planung. “Erst im Frühjahr besuchte eine chinesische Delegation Deutschland, um hier bei den Betreibern Erfahrungen von ähnlichen Systemen einzuholen”, berichtet Girod. Darüber hinaus sind nachhaltige Nutzung und Rückführung in den Kreislauf Gebot der Stunde. “Dezentrale Lösungen sind für ein lange Zeit zentralistisch geprägtes Land eine Herausforderung. Es ist schwierig, den Kurs eines großen Schiffes während der Fahrt zu korrigieren.” (Ende)
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