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Archive für 30.9.2010
Wie sich Vogelschwärme absprechen
30.9.2010 von zaro.
Kollektiv setzt Absichten des Einzelnen außer Kraft
Budapest/Berlin - Wenn sich Bienen, Fische, Ameisen oder Vögel in Schwärmen bewegen, treffen sie ihre Entscheidungen scheinbar völlig einstimmig. Forscher der Ungarischen Akademie der Wissenschaften http://www.mta.hu haben dieses Phänomen nun bei Vogelschwärmen genauer untersucht. Im “New Journal of Physics” berichten sie, dass die Schwärme keine Anführer besitzen, wenn sie auf Nahrungssuche an einem Ort landen, sondern eher einzeln auf Störungen der Umgebung reagieren. Der Schwarm setzt dabei Landeabsichten des Einzelnen völlig außer Kraft.
Nachbarn geben den Ton an
Die Forschergruppe untersuchte das in einem Modell von selbststeuernden Partikeln, die jeweils einen Vogel abbildeten und bestimmte Parameter wie Position oder Geschwindigkeit erhielten. “Bei unserem sehr einfachen Modell neigt jeder Teil eines Schwarmes dazu, den anderen sowohl in räumlicher Hinsicht als auch in ihrem Geisteszustand zu folgen, wenn es um die Entscheidung zum Landen geht. Das sehr allgemeine Prinzip lässt sich gut auf ähnliche Situationen übertragen”, berichtet Studienleiter Tamas Vicsek.
“Schwärme sind dezentrale Systeme, bei denen sich Individuen nach den Nachbarn richten. Jedes Tier hat zwar eigene Absichten, richtet sich dabei jedoch immer ein wenig nach den anderen”, ergänzt Jens Krause vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei http://www.igb-berlin.de im Interview. Krause ist Experte für das Schwarmverhalten bei Fischen und Menschen und konnte kürzlich zeigen, dass bereits zehn koordinierte Menschen in der Lage sind, die Bewegungsrichtung von 190 Menschen unbewusst zu steuern.
Blitzschnelles Gehirn erforderlich
Mehrere Voraussetzungen sind erforderlich, damit Lebewesen ihre Bewegungsabläufe derart im Einklang durchführen können. “Das Gehirn braucht eine extrem schnelle Informationsverarbeitung, um die Geschwindigkeiten und Richtungsvektoren von bis zu sieben Nachbarn gleichzeitig erfassen zu können. Einige Insekten schaffen bis zu 250 Bilder pro Sekunde”, so der Forscher. Bei den Menschen ist hingegen bei weniger als 20 Bildern Schluss, weshalb ihre Synchronisierungen weniger perfekt ausfallen als etwa bei Vögeln.
Doch auch die Größe und das Umgebungsmedium spielt eine Rolle. “Der Schwarm nutzt auch aerodynamische Vorteile, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen. Im Wasser gelingt das selbst kleinen Fischen, in der Luft jedoch nur ab bestimmter Tiergröße. Somit können Gänse im Schwarm Energiesparen, Spatzen hingegen nicht”, erklärt Krause. Schwärme entstehen weiters nur dort, wo kollektives Verhalten Vorteile wie etwa Sicherheit liefert. Denn dank der Schwarmintelligenz gleicht der Schwarm-Durchschnitt stets kleine Fehler des Einzelnen aus.
Selbst Forscher rätseln noch
Bisher steckt die Schwarmforschung noch in Kinderschuhen, verdeutlicht Krause. “Bei Vögeln forscht man bisher erst mit Standbildern, bei Fischen mit kurzen Videosequenzen. Das Verhalten großer Schwärme ist noch jedoch weitgehend unverstanden.” Die Vorteile der Entschlüsselung von Schwärmen reichen weit über deren Faszinationskraft hinaus. Ihre Ergebnisse sind in der Panikforschung unverzichtbar, wie beim Unglück bei der Duisburger Loveparade sichtbar wurde, jedoch auch zum Verständnis vieler sozialer, technischer oder wirtschaftlicher Probleme.
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Experte fordert Lizensierung von Cannabis
30.9.2010 von zaro.
Erneuter Vorstoß für Hanf beim britischen Forscher-Festival
Birmingham/Wien - Gesetzgeber sollten ernstlich darüber nachdenken Cannabis zu lizensieren, fordert Roger Pertwee, einer der prominentesten Drogenexperten Großbritanniens, beim Festival der British Science Association http://www.britishscienceassociation.org in Birmingham. Seiner Ansicht nach ist die Kriminalisierung von Cannabis ineffektiv. Die Regierung beharrt hingegen auf Einhaltung der derzeit geltenden Gesetze und will von einer Änderung nichts wissen.
Pertwee will Cannabis allerdings nicht in Form von Zigaretten freigeben, da dies lungenschädigend sei. Vielmehr sieht der Experte Cannabis-Produzenten aufgefordert, neue Verabreichungsformen anzubieten. Ein weiterer Vorteil einer lizensierten Freigabe sei, dass Cannabis dadurch sicherer wird. Pertwee tituliert eine solche Lösung als “Schadensbegrenzung”. Erst im Vorjahr scheiterte der Vorstoß an einem Veto von David Nutt, dem obersten Drogenbeauftragten der britischen Regierung.
Mediziner: Skeptisch gegenüber völliger Freigabe
“Eine generelle Freigabe von Cannabis würde mehr Schwierigkeiten verursachen als man glaubt”, meint der Mediziner Kurt Blaas, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft “Cannabis als Medizin” http://www.cannabismedizin.at im Interview. Ein ganz wesentlicher Punkt wäre die unbedingte Einhaltung des Jugendschutzes, die eine Abgabe an unter 18-jährige verbietet. Sinnvoll sei jedoch eine Lizensierung des Cannabis. Das bedeutet, dass die Pflanzen kontrolliert angebaut werden müssen, um sicherzustellen, dass sie frei von Pestiziden und Düngemitteln sind und immer die gleiche Qualität haben.
“Eine Hanfpflanze liefert zwischen 40 und 60 verschiedene Cannabinoide. Daher muss auch sichergestellt werden, welche dieser Substanzen abgegeben werden”, erklärt Blaas. “In der Medizin werden derzeit Dronabinol und Cannabidiol angewendet.” Eine weitere Herausforderung ist die Frage der Abgabe. Dass man diese Substanzen einfach im Lebensmittelhandel kaufen kann, hält Blaas für nicht sinnvoll. Nur speziell lizensierte Einrichtungen wie etwa Apotheken sollten damit beauftragt sein, Cannabis zu verkaufen.
Ärger über Verteufelung von Cannabis
“Natürlich ist auch darauf zu achten, dass es bei Konsumenten zu keinen Anhäufungen von Cannabis-Produkten kommt”, argumentiert Blaas. Daher sei eine ärztliche Verschreibung von kleinen Packungsgrößen eine gute Möglichkeit, dies zu unterbinden. “Wir wollen das natürliche Cannabis für die medizinische Anwendung fördern, denn dadurch ergibt sich eine breite Behandlungspalette”, erklärt der Mediziner.
Es sei nicht einzusehen, dass ein wertvolles Arzneimittel, das in medizinisch indizierten Dosen verabreicht, kaum Nebenwirkungen zeigt, immer noch derart verteufelt wird. “Hanf wird von allen Seiten negativ stigmatisiert”, so der Arzt. “Selbst Hanfbauern, die Hanföl, Hanfbier oder Hanfmehl herstellen, sind davon betroffen. Und das obwohl die EU den Hanfanbau finanziell fördert.”
(Ende)
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