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Archive für 5.1.2012
Mobbing ist ein Gruppenphänomen
5.1.2012 von zaro.
Wahrnehmung gründet nicht auf Einschätzung einzelner Personen
Mannheim - Mobbing ist ein Gruppenphänomen. Das ergab eine Studie von Organisationspsychologen der Freien Universität Berlin http://fu-berlin.de . Die Psychologen Jens Eisermann und Elisabetta De Costanzo konnten belegen, dass die Wahrnehmung von Mobbing nicht allein auf der subjektiven Einschätzung einzelner Personen beruht. Im Arbeitsleben tritt es in betroffenen Abteilungen objektivierbar gehäuft auf. “Man ist teilweise früher davon ausgegangen, dass Mobbing eine subjektive Empfindung ist - heute gibt es Definitionen und Kriterien für Mobbing”, sagt Ingrid Sälzler, die schon seit Jahren als Therapeutin Mobbingopfer berät, gegenüber der Presse.
Gruppe sucht Sündenbock
Eine Gruppe suche häufig einen Sündenbock. “Das ist ein Schutzmechanismus für die anderen. Dadurch werden tatsächliche Konflikte überlagert”, sagt Sälzler. Wo starke Mobbingstrukturen vorliegen, sucht sich die Gruppe immer neue Mobbingopfer. Viele Mitarbeiter haben Angst sich einzumischen, sie könnten das nächste Opfer sein. Wenn die Vorgesetzten hinschauen würden und für ein gutes Arbeitsklima sorgen würden, sei auch für Mobbing kein Werkzeug mehr.
“Mobbing gedeiht dort nicht, wo gute Führungsstrukturen vorliegen”, sagt die Therapeutin. Auch die Forscher in Berlin haben den Führungsstil des Vorgesetzen als wichtiges Element bei der Entstehung von Mobbing identifiziert. So trete das Phänomen seltener in Abteilungen auf, in denen sich die Führungskräfte gesprächsbereit zeigten. Auch wenn Mitarbeiter bei relevanten Mitspracherecht haben, ist kein Platz für Mobbing. In diesen Abteilungen sei zudem die allgemeine Arbeitszufriedenheit höher.
Zwölf Mio. Menschen betroffen
In Europa sind nach Schätzungen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz etwa zwölf Mio. Menschen von Mobbing betroffen. Trotz seines Ausmaßes wird Mobbing in der wissenschaftlichen Literatur bisher noch nicht eindeutig definiert. Probleme ergeben sich auch in der betrieblichen und juristischen Praxis, wenn Mobbing als solches erkannt und dabei beispielsweise die Glaubwürdigkeit Betroffener beurteilt werden muss. (Ende)
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Affen wissen, wer wie viel weiß
5.1.2012 von zaro.
Schimpansen erkennen den Informationsstand von Artgenossen
München - Frei lebende Schimpansen warnen unwissende Gruppenmitglieder vor Gefahren. Weniger informationsfreudig sind die Affen, wenn die Artgenossen schon alarmiert sind. Forscher am Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig http://www.evolbio.mpg.de und der University of St. Andrews in Großbritannien http://www.st-andrews.ac.uk haben Schimpansen in Uganda beobachtet und dabei herausgefunden, dass diese erkennen, wer über welches Wissen verfügt. “In Gruppen lebende Tierarten verfügen über solche Informationsmechanismen, weil die Gruppe eine Leistung für das Leben des Einzelnen bringt - da hat die Natur etwas Hervorragendes herausgebracht”, sagt Christina Beck, Wissenschaftlerin vom MPI, gegenüber der Presse.
Informationen mit anderen teilen
Viele Tiere stoßen in Gegenwart von Raubtieren oder anderen Gefahren Alarmrufe aus. Dies geschieht häufiger bei Anwesenheit von verwandten oder befreundeten Tieren. Bisher gab es jedoch keine Belege dafür, dass Schimpansen dabei auch den Wissensstand anderer Gruppenmitglieder berücksichtigen. Die Forscher konnten beobachten: Die Schimpansen gaben Alarmrufe zur Warnung vor einer Giftschlange häufiger in Gegenwart von unwissenden als in Gegenwart von bereits informierten Gruppenmitgliedern. Neue Informationen mit anderen zu teilen, ist ein wichtiger Schritt auf dem evolutiven Weg zur Sprache, den der gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse vermutlich bereits vor sechs Mio. Jahren beschritten hat.
Die Fähigkeit zu verstehen, was ein Anderer weiß oder glaubt, besitzt vermutlich nur der Mensch. Verschiedene Studien über das Wissen um das Bewusstsein anderer, fanden bislang jedoch nur mit Zootieren statt. Die Wissenschaftler kamen zu kontroversen Ergebnissen. Meist war dabei unklar, ob Schimpansen die Aufgabe nicht lösen konnten oder diese nicht verstanden - ein Problem, das bei frei lebenden Schimpansen in ihrem natürlichen Umfeld nicht besteht. Catherine Crockford, Roman Wittig und Kollegen beobachten deshalb frei lebende Schimpansen im Budongo Wald in Uganda. Sie konfrontierten die Tiere mit Attrappen gefährlicher Giftschlangen, zwei Gabunvipern und einer Nashornviper. “Diese gut getarnten Schlangen liegen oft wochenlang am selben Fleck. Es lohnt sich also, wenn der Schimpanse, der sie entdeckt, seine Gruppenmitglieder vor der Gefahr warnt”, sagt Crockford, die an der University of St. Andrews forscht.
33 verschiedene Schimpansen untersucht
Die Forscher beobachteten das Verhalten von 33 verschiedenen Schimpansen, die jeweils eines von drei Schlangenmodellen gesehen hatten. Alarmrufe wurden häufiger ausgestoßen, wenn der Rufer sich in der Gesellschaft von Affen befand, die frühere Warnrufe nicht gehört haben konnten. “Schimpansen scheinen den Wissensstand anderer zu berücksichtigen und stoßen freiwillig einen Warnruf aus, um die anderen über eine Gefahr zu informieren, von der sie nichts wissen”, sagt Wittig, der am MPI für evolutionäre Anthropologie und der University of St. Andrews arbeitet. “Schimpansen verstehen offenbar, dass sie etwas wissen, was ihr Gegenüber nicht weiß. Sie verstehen ebenfalls, dass sie den anderen informieren können, indem sie eine ganz bestimmte Lautäußerung von sich geben”, so Wittig weiter. (Ende)
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Chara: Alge des Jahres 2012
5.1.2012 von zaro.
Armleuchteralge ist ein bedrohter Pionier mit Hang zur Dominanz
Greifswald - Die Armleuchteralgen der Gattung Chara sind die Algen des Jahres 2012. Sie wurden von den Forschern der Sektion Phykologie der Deutschen Botanischen Gesellschaft http://deutsche-botanische-gesellschaft.de gewählt, weil ihre Vertreter sehr verschiedene Strategien verfolgen. Manche erobern als Pionierpflanze neue Gewässer. Andere haben zwar hohe Standortansprüche, wenn sie sich aber ansiedeln, haben sie das Potenzial, das ganze Ökosystem zu prägen, wie die Algenforscherin Irmgard Blindow von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald http://www.uni-greifswald.de gegenüber der Presse erklärt. “Dort wo die Armleuchteralgen stark vorkommen, kann man von einer guten Wasserqualität ausgehen”, sagt Blindow.
Auf der Roten Liste
Mit der Entscheidung für die Chara-Gattung wurde eine Art gewürdigt, von der 20 heimische Arten auf der Roten Liste der gefährdeten Organismen stehen. Die heimischen der weltweit etwa 300 vorkommenden Chara-Arten leben meist im Süßwasser. Man findet sie auch in kalkreichen und nährstoffarmen Seen, einige behaupten sich auch im Brackwasser bei Salzgehalten zwischen Süßwasser und Meer. Viele Arten besiedeln als erste neu entstandene Kleingewässer. Anderen Arten der Gattung fällt das oft schwerer. “Auch wenn eine Renaturierungsmaßnahme augenscheinlich geglückt ist, heißt das noch lange nicht, dass sich Chara erfolgreich wieder ansiedelt - selbst wenn bekannt ist, dass sie vorher dort lebte”, sagt Ökologin Blindow.
“Aber wenn sie wieder auftauchen, haben manche Armleuchteralgen, wie beispielsweise die Hornblättrige Armleuchteralge, Chara tomentosa, das Zeug, das ganze System zu dominieren”, erklärt die Algenforscherin. Diese Armleuchteralgen überwuchern den Gewässerboden wie eine dichte Wiese. In diesen Algenmatten wachsen Jungfische schnell heran. Vielen Vögeln dienen die Algen oder die in ihnen lebenden Kleintiere als Nahrung. Chara bietet vielen Jungtieren Schutz vor Übergriffen und Lauerjägern wie dem Hecht Verstecke. Biologen bezeichnen sie daher als Schlüsselorganismus des Ökosystems.
Robuste Sporen
Dass Armleuchteralgen neue Gewässer erobern können, haben sie den Vögeln zu verdanken. Chara und andere Armleuchteralgen bilden extrem robuste Sporen, denen weder Austrocknen noch Einfrieren etwas anhaben können. Die Sporen überstehen auch die Passage durch einen Gänse- oder Entendarm. So werden sie von den Vögeln in andere Gewässer getragen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich mancherorts die Wasserqualität durch den Bau von Kläranlagen verbessert. Dadurch haben sich die Chara-Bestände erholt. Die Struppige Armleuchteralge (Chara horrida), die nach 1980 in Deutschland als ausgestorben galt, hat Blindow etwa gemeinsam mit ihren Kollegen nun wieder vor der Ostseeinsel Hiddensee im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft aufgespürt. (Ende)
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