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Archive für 18.1.2012

Arktis droht Schicksal des Wilden Westens

Eisschmelze bringt neue Machtverteilung und Ausbeutung der Umwelt

Toronto/Rovaniemi/Hamburg - Der arktische Ozean ist reich an Bodenschätzen und Ressourcen, besitzt kaum ergründete Fischereigebiete und liegt zudem strategisch genau zwischen den Weltmeeren. Da er im Zuge des Klimawandels immer mehr auftaut, möchte die ganze Welt von den Ressourcen profitieren. Die Region droht zum “Wilden Westen” zu verkommen. “Der arktische Rat als Sprachrohr der Anrainer muss sich neu orientieren”, drängt Tony Penikett, früherer Premier im kanadischen Yukon und nunmehr Advisor im Munk-Gordon Arctic Security Program, im Interview mit uns.

Eisschmelze macht sexy

Alles ist anders als zuvor in der Arktis: Die Meereseis-Fläche ist im Sommer kleiner als je zuvor. “Das führt einerseits zu neuen Ölbohrungen in ökologisch sensiblen Zonen wie etwa vor der Küste Grönlands und in Alaska, andererseits wird der Seeweg nördlich von Kanada und Sibirien für die Schifffahrt passierbar und somit hochinteressant”, berichtet Penikett. Der tauende Permafrost macht hingegen der Infrastruktur und Siedlungen zu schaffen. Die arktische Bevölkerung ist jüngst gewachsen, besonders der sibirische Teil, der bereits über vier Mio. Bewohner zählt.

Politische Neuordnung

Politisch formierte sich 1997 mit dem “Arktischen Rat” http://arctic-council.org ein beratendes Gremium für ökologische- und Nachhaltigkeitsfragen, das auch den Inuit-Völkern Mitsprache gab. “Thematisch treten nun Umweltprobleme wie etwa Ölunfälle, die Fischerei und Transportfragen in den Vordergrund, doch auch die Frage, ob der Rat auch über das Sicherheitsthema diskutieren soll. Die Anrainer lehnen dies laut Umfragen ab, doch es geht auch um die Sicherheit der Umwelt, Ernährung und Kultur, sowie darum, ob Beschlüsse bindend sein sollen, wogegen sich die USA wehren”, sagt Paula Kankaanpaa, Direktorin des Arktis-Zentrums der finnischen Universität Lapland http://www.arcticcentre.org , gegenüber der Redaktion.

Eine Neuausrichtung des Rates steht jedoch auch hinsichtlich seiner Mitglieder im Raum. Bisher sind neben den Anrainern Kanada, Dänemark, die skandinavischen Länder, Russland und die USA auch Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Polen, Spanien und Großbritannien vertreten. Letztere als ständige Beobachter - ein Status, den nun auch China, Indien und Brasilien erlangen wollen. Kanadische Experten fordern aktuell bei einer Konferenz in Toronto, dass ihr Land als Ratsvorsitzender 2013 das weitere Schicksal des Rates maßgeblich in die Wege leitet.

Mitsprache- und Umweltfrage

Zwei konträre Haltungen sind in dieser Frage verbreitet, erklärt Penikett. “Kanada und Russland sind grundsätzliche Gegner der Einbindung weiterer nicht-arktischer Staaten, wobei manche Stimmen vor dem Verlust der Mitsprache indigener Anrainervölker im Rat warnen. Befürworter glauben, dass ohne dieser Öffnung die Bedeutung des arktischen Rates schwinden würde, da sich somit wichtige Fragen auf andere Ebene wie etwa die UNO verschieben.” Wesentliches Anliegen von Penikett: Den Erfolg der Inuit-Mitsprache nicht aufzugeben. “Sonst geht die Region denselben Weg wie einst der Wilde Westen.”

Ein Schicksal des Wilden Westens muss jedoch auch aus ökologischer Perspektive verhindert werden, betont die Umweltschutzorganisation Greenpeace http://greenpeace.de . “Die Gefahr einer weiteren Ausbeutung des arktischen Ozeans ohne Umwelt- und Sicherheitsstandards ist hoch, wobei vor allem die Anrainerstaaten zur Verantwortung zu ziehen sind. Wir brauchen keine Aufteilung der Region unter einem exklusiven Kreis, sondern deutlich mehr Schutz als bisher”, fordert die Meeresexpertin Iris Menn auf unsere Anfrage. (Ende)

Frühe Ozeane hatten nur wenig Algen

1,1 Mrd. Jahre alte Gesteinsablagerungen liefern Beweis

Göttingen - Algen gibt es seit über 1,5 Mrd. Jahren auf der Erde. Ihre Verbreitung in den frühen Ozeanen wurde als stark angenommen. Forscher der Universität Göttingen http://www.uni-goettingen.de und der University of Tennessee http://utk.edu haben nun ermittelt, dass die Organismen in ihrer heutigen Form zu Beginn ihrer Existenz wohl nur wenig verbreitet waren. Denn in den sauerstoff- und nährstoffarmen Gewässern der damaligen Zeit waren sie den besser angepassten Bakterien unterlegen.

Bakterien dominierten Ur-Ozean

“Wir hatten Zugriff auf Gesteine, die noch nicht in dieser Hinsicht untersucht wurden. Hieran konnten wir verschiedene wissenschaftlichen Konzepte testen. Zum Beispiel ist strittig, ob moderne Algen in den frühen Ozeanen eine große Rolle gespielt haben. Die von uns untersuchten Gesteine, die vor 1,1 Mrd. Jahren abgelagert wurden, zeigen, dass dies nicht der Fall war”, so Studienleiter Martin Blumenberg gegenüber uns.

Zu diesen Zeiten waren hauptsächlich Bakterienmatten dominant, die am Meeresboden lebten. “Dass Algen noch nicht so wichtig waren, lag daran, dass der Ozean zu der Zeit wohl anders aussah als heute. Nur im oberen Teil gab es Sauerstoff, im Tiefenwasser aber nicht. Solch eine Situation führt zu Nährstoffverlusten im Wasser, die eher von simplen Bakterien als komplexeren Algen kompensiert werden konnte”, meint Blumenberg.

Cyanobakterien: Vorläufer der Alge

Anhand von Gesteinsablagerungen aus dem Taoudeni-Becken in Mauretanien lieferten die Wissenschaftler erstmals eine detaillierte Beschreibung des alten Lebensraums. Sie wiesen etwa die Existenz von Cyanobakterien und sehr einfachen Vorläufern der Algen nach. Die Cyanobakterien sind in der Lage, in den vergleichsweise sauerstoffarmen Gewässern der damaligen Zeit zu überleben.

In tieferen Bereichen der Ozeane konnten diese Lebensformen, wie sie heute in ähnlicher Form auch in Lagunen im Pazifik zu finden sind, nicht existieren. “Die damaligen Organismen waren außerdem erstaunlich produktiv”, erklärt Joachim Reitner, Koordinator des Courant Forschungszentrums Geobiologie der Universität Göttingen. “Durch ihr Wachstum lagerten sich Gesteine ab, die bis zu 30 Prozent aus den organischen Resten dieser Mikroorganismen bestehen.” (Ende)

Costa Concordia: Arge Fehler bei Evakuierung

Kapitän muss außer riskantem Kurs auch zu späte Rettung verantworten

Rostock/Wien - Die Havarie des Kreuzfahrtschiffes “Costa Concordia” ist eine Verkettung gleich mehrerer unglücklicher Umstände und menschlichen Versagens. Doch nicht nur das Auflaufen auf einen Felsen vor der Küste der mittelitalienischen Insel Giglio wird Gegenstand intensiver Untersuchungen sein, sondern auch grobe Missstände der Evakuierung, die Mitschuld am Tod von fünf Passagieren haben dürfte. Zu diesem Schluss kommen Experten für Schiffssicherheit gegenüber pressetext.

Der 114 .000 Bruttoregistriertonnen (BRT) große Luxusliner hielt am Freitagabend aus bisher noch ungeklärten Gründen einen zu engen Kurs mit der Küste und schrammte dabei einen Felsen. Der Rumpf riss auf einer Länge von fast 70 Metern, worauf das Schiff kenterte und derzeit nur noch mit der Backbordseite sowie mit Aufbauten aus dem Wasser ragt. Fast alle der 3.000 Touristen und 1.000 Besatzungsmitglieder wurden gerettet, fünf starben jedoch - teils nach dem Ausbruch von Panik und Selbstrettungsversuchen. 15 Personen werden derzeit noch vermisst.

Katastrophale Rettung

Der Kapitän Francesco Schettino wird sich außer für den haarsträubenden Kurs seines Schiffes auch für die schlechte Evakuierung verantworten müssen, betont Dirk Sedlacek, Leiter des Instituts für Sicherheitstechnik und Schiffssicherheit http://schiffssicherheit.de , im Presse-Interview. “Grundsätzlich gilt bei Schiffsunglücken die Regel, dass die Reisenden und die Besatzung innerhalb von 60 Minuten von Bord gehen müssen. Bei derartigen Schiffsgrößen ist dies schwierig, weshalb man oft versucht, den nächsten Hafen aus eigener Kraft zu erreichen. Der Kapitän hätte gleich wissen müssen, dass dies nicht möglich war, da mehr als zwei wasserdichte Abteilungen überflutet waren.”

Aufgrund der enormen Schiffsgröße bezeichnet es Sedlacek als “nachvollziehbar”, dass an Bord Unruhe und Panik ausbrach. “Schließlich fehlte es auch an Booten und Flößen zur Rettung. Normal können diese 125 Prozent der an Bord befindlichen Menschen aufnehmen, doch sobald ein Schiff mehr als 20 Grad Schlagseite bekommt, kann die Hälfte der Rettungsmittel nicht mehr zu Wasser gelassen werden.”

Druck auf Personal wächst

Grundproblem der heutigen Schiffsbesatzungen ist es, dass sie den Notfall meist nur aus Simulationen kennen. Die Vorbereitung für den Ernstfall ist gut, betont der Schiffsicherheits-Experte. “Mindestens alle fünf Jahre machen die Schiffsoffiziere und Besatzungsmitglieder, die für die Evakuierung verantwortlich sind, zusätzlich zu laufenden Schulungen ein dreitägiges Notfalltraining nach internationalen Vorschriften. Künftig dürfte jedoch noch mehr Druck auf die Qualifizierung und Ausbildung des Personals liegen”, vermutet Sedlacek.

Kreuzfahrten sind sicher

Vertreter der Branche, glauben nicht an einen Buchungseinbruch im boomenden Kreuzfahrt-Geschäft. “Die Kreuzfahrt hat über 90 Mio. Touristen jährlich, und Unfälle gibt es kaum. Sie gehört damit zu den sichersten Reiseformen überhaupt, was es nun stärker zu vermitteln gilt”, urteilt Manfred Jägersberger-Greul, Geschäftsführer von Caravelle Seereisen http://www.caravelle.at , auf Anfrage. Eine “rasche, lückenlose Aufklärung” sei nicht nur im Interesse des Schiffsbetreibers Costa und der Versicherungen, sondern auch der gesamten Branche.

Eine Einschätzung, die auch Hansjörg Kunze, Vice President Marketing & Communication der Aida Cruises http://aida.de , teilt. Aida ist als Tochter der Carnival Corp. die deutsche Schwester der italienischen Costa-Reihe. “Vorerst muss man mit ganzer Kraft vor Ort handeln und die Folgen des Unglücks vor allem für die Reisenden und die Schiffsbesatzung minimieren. An Bord gelten höchste Sicherheitsstandards. Welche Konsequenzen die Branche in die Wege leitet, entscheidet sich erst nach genauer Klärung des Hergangs”, so der Experte gegenüber der Presse.

Kein Unterwassermuseum

Über das weitere Schicksal der Costa Concordia gibt es bisher nur Spekulationen. Versucht wird derzeit, die 2.400 Tonnen Dieselöl im Schiffstank abzupumpen, um eine Umweltkatastrophe zu verhindern. Die Chancen auf die Hebung des Schiffes stehen schlecht. “Es ist mit seinen 291 Metern zu groß, und auch ein Abdichten ist wegen der Größe des Lecks kaum möglich”, so Sedlacek. Gelingt das Stabilisieren nicht, dürfte der Luxusliner auf tiefere Gewässer abrutschen und sinken. “Vielleicht wird man das Wrack zersägen und die Einzelteile bergen, besonders wenn sonst der Schiffsverkehr gestört ist.” (Ende)

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