Infos

Sie befinden sich aktuell in den ZARO news Blog-Archiven für den folgenden Tag 6.2.2012.

Calendar
Februar 2012
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829  
Kategorien

Archive für 6.2.2012

Trauma kann Leben positiv verändern

Psychologe: Katastrophen ermöglichen neue Perspektiven

Nottingham - Todesfälle, Scheidungen, Krankheiten, Kriege, Terror und Katastrophen lösen bei Betroffenen oft schwere psychische Probleme aus. Doch langfristig können traumatische Ereignisse das Leben auch in positive Richtung steuern. “Vielen Opfern des Schicksals gelingt es, ihre Banden zu Familie oder Freunden zu stärken, sich selbst besser zu kennen, besser an anderen Anteil zu nehmen und neue Perspektiven zu finden”, berichtet der britische Psychologe Stephen Joseph von der Universität Nottingham http://nottingham.ac.uk im Interview.

Was uns nicht umbringt…

In seinem Buch “What doesn’t kill us” fasst Joseph 20 Jahre Erforschung des “posttraumatischen Wachstums” zusammen. Er untersuchte Überlebende eines 1987 versunkenen Fährschiffes, der “MS Herald of Free Enterprise”. Fast alle zeigten Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung, kamen mit ihrem Schicksal kaum zurecht und waren im Job und in ihren Beziehungen stark beeinträchtigt. Bei einer erneuten Untersuchung drei Jahre später bemerkte er jedoch mit Überraschung, dass viele auch Positives berichteten: 46 Prozent bezeichneten ihr Leben nach der Katastrophe als schlechter denn zuvor, fast ebensoviele (43 Prozent) jedoch als besser.

Ähnliches zeigten auch die Überlebenden der New Yorker Terroranschläge von 2001 oder jener von Madrid 2004. “Die meisten Menschen wissen, dass sie ihr Leben nicht so weise, verantwortungsvoll, mitfühlend und reif führen, wie sie könnten. Ein Trauma ist wie ein Weckruf zur Reflexion und erlaubt, neue Perspektiven zu sehen. Viele können nicht mehr dort weitermachen, wo sie zuvor waren - was auch gut sein kann”, erklärt Joseph. Der US-Radfahrer Lance Armstrong schrieb in seiner Autobiografie sogar “Krebs war das beste, was mir je passiert ist”: Nachdem er Hodentumor überlebt hatte, gewann er die Tour de France als bisher Einziger siebenmal in Folge.

Nur negativ ist zu wenig

Auf eigene Faust schafft man es allerdings kaum, durch posttraumatischen Stress zu wachsen. “Wer weinen muss, braucht einen, der daneben sitzt. Wer sprechen muss, einen Zuhörer und wer Hilfe sucht, Hilfeleistende”, so Joseph. Traumaopfern rät er, sich mit anderen auszutauschen. “Oft hilft es zu wissen, dass man mit der schlimmen Erfahrung nicht alleine ist.” Zweitens solle man Trauma als Reise verstehen, die trotz allem auch gut verlaufen kann, weshalb man die Augen auch für das Positive offen halten müsse. Freilich gelingt es vielen Traumatisierte nicht, im Sozialleben und Beruf wieder zu funktionieren. Hier sei es wichtig, ärztliche und psychologische Hilfe zu suchen und anzunehmen.

Der britische Psychologe würdigt es als großen Fortschritt, dass in den vergangenen 30 Jahren das Bewusstsein und Angebot für professionelle Traumabehandlung stark gewachsen ist. Dennoch übt er auch Kritik an der eigenen Zunft, die er als “posttraumatische Industrie” bezeichnet. “Wer nur nach der posttraumatischen Belastungsstörung sucht, hilft damit nicht, sondern schafft damit eher eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ausgewogene Unterstützung muss auch der Möglichkeit Platz geben, dass am Ende des Tunnels Licht ist.”

Leben neu denken

Und für alle, die das Schicksal verschont hat: Fürs Leben lernen kann man auch ohne Tragödie, betont Joseph. “Man braucht kein Trauma als Weckruf, um sein Leben sinnvoller zu gestalten. So wie der Geizhals Ebenezer Scrooge in Dickens ‘A Christmas Carol’ nach dem Besuch nächtlicher Geister die Welt anders wahrnimmt und ein weiches Herz zeigt, kann schon die Vorstellung von Schicksalsschlägen und Verlusten sowie Anteilnahme zu besserer Reflexion verhelfen.” Leicht sei dieser Weg allerdings nicht - denken doch viele bei drohenden Gefahren bloß an den Abschluss einer Versicherung.

Link zum Buch: http://www.whatdoesntkillus.com

Hungerkrise klopft in Westafrika an

Hilfsorganisationen fordern mehr Unterstützung für Prävention

Ouagadougou/Berlin - In Westafrika droht eine Hungerkrise ähnlichen Ausmaßes wie derzeit noch immer weiter östlich am Horn von Afrika. Dürre, Armut und hohe Getreidepreise lassen eine Wiederholung der Nahrungsmittelknappheiten aus den Jahren 2005, 2008 und 2010 in der Region befürchten. Fast sieben Mio. Menschen brauchen dringend Nahrungsmittelhilfe, 1,3 Mio. Kindern droht Unter- oder Mangelernährung. Hilfsorganisationen warnen, dass die betroffenen Länder - vor allem Niger, Mali, Mauretanien, Tschad und Burkina Faso - nicht nur Nothilfe, sondern auch Vorsorge dringend brauchen, um die Krisenanfälligkeit langfristig abzuwenden.

Kein Regen

Mehrere ungünstige Faktoren stehen hinter der Situation. Die wärmeren Meere um Westafrika führen zu häufigeren Trockenperioden und in Folge zu Ernteausfällen. Der Nahrungsbedarf steigt durch die boomende Bevölkerung und die Flüchtlinge aus den umliegenden Krisenregionen Libyen, Elfenbeinküste und Südsudan. Intensive Landnutzung und Rodungen lassen den Boden austrocknen und verstärken die Wüstenbildung. Dazu kommt die Verteuerung des Getreidepreises, der derzeit schon 50 Prozent über dem Vorjahreswert liegt.

“In Burkina Faso ist der Regen 2011 teils ausgefallen, teils hat er zu früh aufgehört. Das hat in manchen Regionen des Landes zu kompletten Ausfällen der Ernte geführt. Für die Mehrheit der Bauern, die allein Getreide anbaut, ist das eine Katastrophe”, berichtet Kristina Rauland-Yambré, in Ougadougou stationierte Regionalkoordinatorin für die Sahel-Zone bei Help http://help-ev.de , in pressetext-Interview. Vor Ort tätige Hilfsorganisationen haben im Dezember 2011 Notprogramme gestartet und verteilen dabei etwa Lebensmittel.

Geldgeber für Prävention nötig

Nachhaltige Hilfe und Vorsorge zur rechten Zeit wären jedoch wesentlich besser, betont die Expertin. “Möglich wären etwa Kampagnen, die die Bevölkerung informieren und gegen Krisen stärken, etwa durch Diversifizierung im Anbau, durch Viehzucht, Gartenbau, Getreidespeicher oder besseres Wassermanagement. Seit längerem versuchen wir, Präventionsprojekte umzusetzen, doch kommt Unterstützung immer erst dann, wenn die Krise schon da ist. Einiges der heutigen Situation wäre erspart geblieben, hätte man mit Vorkehrungen schon bei den ersten Anzeichen 2011 getroffen.”

Verständlich sei es, dass das Gros der Einzelspender nur auf dringende Spendenaufrufe mit drastischen Bildern im Fernsehen reagiere, so die Entwicklungshelferin. “Drastisch sind die Bilder vor Ort jedoch immer, da die Situation eine chronische ist. Projektideen für strukturelle Verbesserungen und Prävention gibt es genug, zur Umsetzung braucht es jedoch vor allem die EU und bilaterale Abkommen mit Ländern. Meist fehlt es jedoch an politischem Druck dazu”, so Rauland-Yambré. Die regionalen Vorbedingung für langfristigen Aufbau seien gut - zumindest politisch ist die Sahelzone stabil.

Schlimmeres verhindern

Auch das Bündnis der Hilfsprogramme “Aktion Deutschland Hilft” http://www.aktion-deutschland-hilft.de weist darauf hin, dass in Westafrika eine Hungersnot schlimmeren Ausmaßes noch verhindert werden kann. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich nationale und internationale Geldgeber besser koordinieren und mehr Augenmerk auf die Vorsorge legen. (Ende)

Stillen schützt vor Asthma

Muttermilch verhilft zu freiem Atmen und größerer Lunge

Bern - Schulkinder, die als Babys gestillt wurden, zeigen bessere Lungenfunktionswerte als jene, die keine Muttermilch erhalten haben. Das berichten Forscher der Universität Bern http://unibe.ch in einer Studie des Schweizerischen Nationalfonds. US-Forscher hatten zuvor behauptet, dass asthmakranke Mütter mit dem Stillen das Asthma-Risiko des Kindes erhöhen. Das konnten die Forscher nun widerlegen. “Stillen kann guten Gewissens empfohlen werden - erst recht für Asthmatikerinnen”, betont Studienleiterin Claudia Kühni im Presse-Interview.

Lunge um 180 Milliliter größer

Die Forscher vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin analysierten umfangreiche Daten von 1.400 englischen Schulkindern. 273 davon waren Kinder einer Mutter mit Asthma. Die Auswertung zeigte, dass das frühe Gestilltwerden alle Kinder freier atmen ließ. Bei Kindern, deren Mütter Asthma hatten, fand sich auch ein positiver Einfluss auf die Lungengrösse, und zwar umso stärker, je länger sie gestillt wurden. Den Hinweis dafür lieferte die Auswertung des Atemzugsvolumens, schreiben die Forscher im “American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine”.

“Im Schnitt haben gestillte Kinder von Mütter mit Asthma im Schulalter um 180 Milliliter mehr Atemvolumen als Nichtgestillte. Zwar ist dieser Unterschied nicht groß, doch würde sich der Anteil von 20 Prozent der ungestillten Kindern mit der schlechtesten Lungenfunktion durch das Stillen auf zehn Prozent verringern”, erklärt Kühni. Dass US-Daten von 2001 und 2007 teils ein negatives Urteil gefällt hatten, dürfte in den Augen der Forscherin außer auf methodische Unterschiede eventuell auch auf andere Asthma-Behandlungsformen zurückzuführen sein.

Asthma-Medizin kein Hindernis

Für die Wirkung von Asthmamedikamenten auf ein gestilltes Kind gibt es bisher noch wenig Studien. Asthma zählt sicher nicht zu den wenigen Krankheiten, bei denen laut offiziellen Empfehlungen auf das Stillen verzichtet werden sollte. “Richtig dosiert haben Asthmamedikamente während Schwangerschaft und Stillzeit sicher keine negativen Auswirkungen auf das Kind haben. Beim Stillen sind die gesundheitlichen Vorteile für Mutter und Kind eindeutig im Vordergrund.”

Ein Rätsel bleibt weiterhin, auf welche Weise Muttermilch die Lunge positiv beeinflusst. Zwar sind enthaltene Abwehrstoffe bekannt, die vor Atemwegsinfekten in den ersten Lebensjahren schützen und die Lungenfunktion stärken. Folgt man den Auswertungen, sind jedoch andere Hauptursachen wahrscheinlich. “Möglich wäre, dass hormonähnliche Substanzen in der Muttermilch die Lunge größer und widerstandsfähiger machen. Oder das Saugen an der Brust stimuliert das Lungenwachstum mechanisch”, vermutet Kühni. (Ende)

Multitasking fördert soziale Störungen

Videochats können Face-to-Face-Kommunikation nicht ersetzen

Stanford - Das dauernde Hin- und Herwechseln zwischen verschiedenen digitalen Gerätschaften und Kommunikationsformen erhöht bei Teenagern die Wahrscheinlichkeit, in späterer Folge soziale Störungen zu entwickeln. Dies gilt zumindest für junge Mädchen im Teenageralter, wie aus einer aktuellen Studie der Universität Stanford http://www.stanford.edu hervorgeht. Demnach erhöht sich mit dem Ausmaß der “Multitasking-Verliebtheit” der Nutzerinnen auch gleichzeitig das Risikopotenzial in Hinblick auf soziale Störungen. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Videochat-Programme wie Apples FaceTime können eine echte Interaktion mit Menschen nicht ersetzen.

“Kinder müssen Emotionen und Mitgefühl lernen, indem sie sehr aufmerksam auf andere Personen achten”, stellt Clifford Nass, Professor für Kommunikation an der Stanford University, gegenüber CNN klar. In diesem Zusammenhang sei es nicht ausreichend, sich auf digitale Kanäle wie Videochats zu verlassen. “Wer die direkte Face-to-Face-Kommunikation meidet, läuft Gefahr, kritische Dinge, die man lernen muss, nicht mitzubekommen”, betont Nass. Ein besonders wichtiger Aspekt hierbei sei etwa der Augenkontakt, der aber keinesfalls nur virtuell, sondern auch real erfolgen muss, so Nass.

Risikofaktor Multitasking

Bei seiner Untersuchung hat der Wissenschaftler und Kommunikationsexperte insgesamt 3.461 US-amerikanische Mädchen im Alter zwischen acht und zwölf Jahren zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. Dabei zeigte sich, dass das Risiko für soziale Störungen bei den jungen weiblichen Nutzern durch besonders häufiges Hin- und Herwechseln zwischen verschiedenen Kommunikationskanälen deutlich erhöht wird. Dies gilt sowohl für Multitasking mit mehreren Endgeräten wie TV, Computer oder Handy als auch für den Wechsel zwischen unterschiedlichen Webdiensten wie Facebook, Twitter oder YouTube.

“Schockierende” Ergebnisse

Die zu Tage geförderten Resultate bezeichnet Nass, der im Laufe seiner bisherigen Karriere bereits für viele namhafte IT-Unternehmen - unter anderem Google und Microsoft - als Berater tätig gewesen ist, als “schockierend” und “beunruhigend”. Obwohl die Studie nur mit Mädchen durchgeführt worden ist, sollen die gefundenen Ergebnisse auch für Jungen Gültigkeit haben. “Die emotionale Entwicklung von jungen Burschen ist schwieriger zu analysieren, weil sie in einem weitaus größeren Ausmaß und über einen längeren Zeitraum variiert”, merkt Nass an.

Für den Professor aus Stanford ist dies nicht die erste Analyse zum Thema Multitasking. Schon vor einigen Jahren sorgte er mit einer Studie für Aufregung, die das übermäßige Hin- und Herwechseln auch bei erwachsenen Usern mit der Entstehung von kognitiven Störungen in Verbindung brachte. (Ende)

|