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Buch-Neuerscheinung: In jedem von uns steckt ein Mörder

Wir können alle auf der “dunklen Seite” landen

Wien - “Ich könnte ihn umbringen!” Wem ist dieser Satz noch nie im Ärger rausgerutscht? Er ist schnell gesagt - doch was muss passieren, damit wir ihn in die Tat umsetzen?

Faszination Gewalt

Das, wozu Menschen fähig sind, fasziniert uns. Gewaltverbrechen sind spannend, anziehend und abstoßend zugleich. Wir sind froh, dass es uns nicht selbst erwischt hat, und obwohl wir Mitleid mit den Opfern empfinden, wollen wir alles wissen: Wer, was, wann, wo? Welche Waffe wurde verwendet? Wie oft wurde geschossen, wie oft wurde zugestochen, wie lange wurde zugedrückt? Jedes gewalttätige Detail saugen wir in uns auf und hören den Nachbarn zu, die diese furchtbare Tat dem netten jungen Mann nie zugetraut hätten. So etwas kann uns nie passieren, sind wir überzeugt. Wir werden niemals Täter sein, wir werden niemanden umbringen! “Doch, Sie könnten es und ich ebenso”, behauptet Heike Lettner in ihrem neuen Buch “Wenn Menschen töten - Steckt in jedem von uns ein Mörder?”. Wir alle haben genetische, biologische und soziale Anlagen zur Gewalttätigkeit.

Die Gewalt ist männlich

Heike Lettner, Klinische und Gesundheitspsychologin, arbeitet in einer Justizanstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher und beschäftigt sich mit Gefährlichkeitsdiagnostik und psychologischer Diagnostik. Aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß sie, dass es nicht reicht, ein guter Mensch sein zu wollen: “Wir haben gelernt, unsere Aggression im Zaum zu halten. Doch wenn wir uns in Todesangst befinden oder ein uns nahestehender Mensch bedroht ist, können wir alle bis zum Äußersten gehen.” 90 Prozent der Gewalttaten und Morde werden von Männern verübt, deren höherer Testosteronspiegel mit ein Grund für das verstärkte Aggressionspotenzial ist. Aber auch die Vorbildfunktion im Elternhaus, das “Lernen am Modell”, spielt hier eine Rolle.

Der Weg zur Gewalt

Die Lebensgeschichte der meisten Gewalttäter ist von Aggression, Misshandlungen und Vernachlässigung geprägt. Viele Lebensläufe entwickeln sich in Richtung Gewalt, weil zu einem bestimmten Zeitpunkt die “Abzweigung” nicht genommen wurde. Grundsätzlich gibt es in jedem Leben Momente, in denen verschiedene Wege eingeschlagen werden könnten und unterschiedliche Aspekte, die aus einem Kind trotz widriger Umstände einen widerstandsfähigen Erwachsenen werden lassen; beim einen greift ein aufmerksamer Lehrer ein, beim anderen verhindert eine mitfühlende Verwandte Schlimmes. Viel Leid kann verhindert werden, wenn Kinder alternative Strategien zur Problemlösung entwickeln können, um belastende Situation zu überstehen.

Die Autorin steht für Interviews zur Verfügung.

Wenn Menschen töten - Steckt in jedem von uns ein Mörder?
Heike Lettner
ISBN 978-3-902729-55-2
Hardcover, 304 Seiten
Eur 22,00 [A]/21,40 [D]/28,06 CHF UVP
Neuerscheinung Frühjahr 2012, Goldegg Verlag

Presserückfragen, Rezensionsexemplare, Interviewanfragen
Goldegg Verlag GmbH
Mommsengasse 4, 1040 Wien
Mag. Maria Schlager
Tel. +43 1 505 43 76-46 Fax -20
Mobil +43 699 1440 4445
maria.schlager@goldegg-verlag.at
http://www.goldegg-verlag.at

(Ende)

Sex erhöht Überlebenschance einer Art

Überwindung schädlicher DNA erst durch Neukombination

Edinburgh/Zürich - Paarungsrituale sind meist enorm kostspielig - für Menschen, jedoch auch für Tiere und Pflanzen. Warum die Natur dennoch bei den meisten Arten diesen beschwerlichen “Umweg” der sexuellen Fortpflanzung setzt, ist bislang noch immer nicht eindeutig geklärt. Einen experimentellen Hinweis für langfristige Vorteile von Sex liefern nun Wissenschaftler der Universität Edinburgh http://ed.ac.uk in der Zeitschrift “Genome Biology and Evolution”. Das Ergebnis soll laut den Studienautoren die Entwicklung von Hochertrags-Getreidesorten unterstützen.

Vorteil gegenüber Klonung

Die britischen Forscher um Penelope R. Haddrill nahmen die sexuelle Reproduktion von Fruchtfliegen (Drosphila melanogaster) unter die Lupe - genauer gesagt, die zufällige Neuverteilung der DNA im Moment der Kombination der Geninformation der beiden Elternteile, bei der das neue Individuum entsteht. Die Ergebnisse verglich man mit der per Gensequenzierung beobachteten Beeinträchtigung von Fliegen, die geklont wurden, wobei sich deren Erbgut nicht neu kombiniert hatte.

Schädliche Elemente der DNA, die eine Krankheit oder andere mögliche negative Einflüsse mit sich bringen könnten, werden binnen weniger Generationen ausgemerzt, so das Ergebnis der Neukombination des Genmaterials durch sexuelle Vermehrung. Die Erklärung der Forscher: Individuen, die gesunde Gene erben, gedeihen meist und geben ihre DNA dann auch an die nächste Generation weiter - während schwächere eher zugrunde gehen. Letzteres war bei der Klon-Variante vermehrt der Fall: Schadhaftes Material sammelte sich hier schnell an und schwächte dadurch die Art langfristig.

Schwächung von Schadmutationen

Schon 2006 haben Forscher in der Fachzeitschrift “Nature” die These einer “negative Epistasis” aufgestellt: Die negative Wirkung mehrerer Mutationen, die durch Gen-Renkombination zusammentreffen, sei schädlicher als die Kombination der Einzeleffekte. Damals analysierte man mit Computermodellen Bedingungen, unter denen sexuelle Vermehrung zur Eliminierung schädlicher Mutationen beitragen. Die sexuelle Fortpflanzung steigert demnach die Widerstandskraft gegenüber den Mutationen im Vergleich zur asexuellen Variante.

“Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Fortschritte in der Theorie und in den Experimenten. Dennoch ist das letzte Wort in der Frage nach dem Ursprung von Sex noch nicht gesprochen”, betont Sebastian Bonhoeffer vom Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich http://www.tb.ethz.ch gegenüber uns. Laut jüngsten Daten sei es allerdings kaum wahrscheinlich, dass die “negative Epistasis” als Erklärungsprinzip bereits ausreiche.

Rettender Zufall

Vielmehr stützen aktuelle Fortschritte des Faches die Begründung, dass der evolutionäre Vorteil von Sex auf dem Zusammenspiel von Selektion und “stochastischen Effekten” beruht. Diese spielen, wie Bonhoeffer darlegt, eine besonders große Rolle in kleinen Populationen. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Effizienz, mit der durch sexuelle Reproduktion schädliche Mutationen aus dem Genom eliminiert werden können.

“Zufällige Veränderungen der Genfrequenz - die so genannte ‘genetischen Drift’ - im Zusammenspiel mit der Selektion führen zu statistischen Assoziationen zwischen schädlichen Mutationen. Diese werden dann durch sexuelle Vermehrung mit Vorteil aufgebrochen. Jüngste Forschungen zeigen, dass dieser Effekt auch in wesentlich groessren Populationen zutrifft als man bisher vermutet hat”, so der Forscher.

Abstract der Studie unter http://gbe.oxfordjournals.org/content/4/3/278.abstract?sid=053974ef-a343-42cb-9f79-48207a61430d

(Ende)

“Vergiss, was du in der Schule gelernt hast!”

“Bildungslücke”-Buch von Thilo Baum nimmt Bildungssystem ins Visier

Berlin - “Vergiss alles, was du in der Schule und in der Uni gelernt hast!” Mit diesem provokanten Satz beginnt das neue Ratgeber-Buch “Die Bildungslücke”, das im Börsenmedien-Verlag http://boersenmedien.de erschienen ist. “Geradezu rituell beschweren sich Arbeitgeber über die mangelnden Qualifikationen junger Menschen”, meint Co-Herausgeber Thilo Baum http://thilo-baum.de im Interview. Bei der Kritik gehe es meist um Defizite in der Alltagskompetenz - aber auch um manches konkrete Handwerk, das heute am Arbeitsplatz zählt.

“Ausbildungsstätten vermitteln Fachwissen. Das bestreitet niemand”, so Baum. “Das Know-How, das allerdings nötig ist, dieses Fachwissen auch tatsächlich und erfolgreich in der Arbeitswelt anzuwenden, das fehlt.” Untersuchungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) http://www.dihk.de belegen diese Ergebnisse. Nur neun Prozent von insgesamt 14.000 Unternehmen sehen keine Mängel bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger. “Wir kennen keinen Arbeitgeber, der über heutige Schulabgänger in Begeisterungsstürme ausbricht.”

Mangel an Soft-Skills

Der Mangel der Schulabgänger liegt bei den Soft Skills. Diesen liegen Kriterien wie Disziplin, Belastbarkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft und Umgangsformen zugrunde. Der DIHK listet als wünschenswerte soziale Kompetenzen Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein, Team-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit auf.

Aber auch bei den Hard Skills unterrichtet die Schule laut Baum am Leben vorbei - und stattdessen unterhalte sich die Bildungsszene vor allem über formale Nebenaspekte. Baum: “Aber solange wir in der Schule nicht lernen, wie man mit Geld umgeht, Prioritäten setzt, Stil entwickelt und sich klar ausdrückt, so lange ist es ja eigentlich auch egal, ob man all diese Dinge im Frontalunterricht versäumt oder im Stuhlkreis.”

Diktatur der Theoretiker

Ein Problem sieht der Autor zahlreicher Bücher vor allem in der “Diktatur der Theoretiker”. “Das Bildungssystem und auch die das klassische Bildungsbürgertum vertretenden Theoretiker sollten die Realität anerkennen und sich eingestehen, dass die wesentlichen Dinge die Schule nicht lehrt, und was sie lehrt, ist großteils irrelevant”, kritisert Baum.

“Damit bereitet die Schule nicht aufs Leben vor, sondern nur auf die nächste Schule, etwa eine Uni, wo die Orientierung am Akademischen weitergeht.” Das Bildungssystem sollte auch nicht länger ignorieren, dass aus Schulabgängern Arbeitnehmer, Selbstständige, Führungskräfte, Manager und Unternehmer werden - nur eine Minderheit verbringe den Rest des Lebens an irgendeinem Uni-Institut oder als Literat.

Schule führt am Ziel vorbei

“Statt sich für die Anforderungen der beruflichen Wirklichkeit zu öffnen und die Lücken des Bildungswesens zu schließen, tut die Bildungsszene so, als würden alle Schulabgänger wissenschaftliche Mitarbeiter an irgendwelchen Unis”, so Baum. “Doch welcher Arbeitgeber beklagt, dass Schulabgängern Detailwissen über die Sonatenhauptsatzform oder über den Zitronensäurezyklus fehlt?” Und wer in einem dieser Themen nicht firm sei, bekomme in der Schule eine schlechte Note - selbst dann, wenn dieses Thema später im konkreten Leben des jeweiligen Menschen keine Rolle spielt.

“Niemand, den wir fragen, ist heute beruflich in einem Bereich tätig, den er oder sie früher als Schüler nicht mochte und widerwillig pauken musste.” Was also lag näher, als “Die Bildungslücke” als Buch zu machen? “Wenn man erfolgreich werden will, egal in welchem Bereich, ist es nicht ratsam, Gelehrte um Rat zu fragen, sondern eher Erfahrene.” Also haben er und sein Co-Herausgeber Martin Laschkolnig 20 Profis interviewt. Gemeinsam füllen sie “Die Bildungslücke” mit Themen wie Selbstwert, Respekt, Konfliktlösung, Verhandeln und auch Führung sowie Geld.

Weitere Informationen: http://facebook.com/diebildungsluecke

(Ende)

Tugend gibt Leichtigkeit im Leben

Psychotherapeut: Bauchgefühl alleine kein guter Ratgeber

Wien - Klugheit, Tapferkeit, Maßhalten und Gerechtigkeit: Die Psychologie entdeckt die antiken Tugenden wieder als mobilisierbare Stärken. Zum Thema macht dies im Mai die Fachtagung “Charakter und Charisma” http://www.rpp2012.org an der Uni Wien. “Man schätzt, dass Gene und Umwelt menschliches Verhalten zu je 40 Prozent vorherbestimmen. Die restlichen 20 Prozent sind freier Wille - den man durch Störungen verlieren, durch Tugenden aber stärken kann”, erklärt Tagungsleiter Raphael Bonelli im Interview.

Gene und Umwelt liefern Basis

Die Frage “Warum bin ich so, wie ich bin?” berührt drei Aspekte, legt der Wiener Psychiater und Psychotherapeut dar. Gewichtige Mitsprache haben die Gene, die Reaktionsmuster auf Reize - die Temperamente - vorherbestimmen. “So wie man auf die Welt kommt, stirbt man auch. Einmal Choleriker, immer Choleriker”, betont Bonelli. Die weiteren Idealtypen sind der Melancholiker, Sanguiniker und Phlegmatiker, wobei die meisten Menschen jedoch Mischformen sind.

Weniger eindeutig feststellbar als die biologische Bestimmtheit ist die vielschichtige Prägung durch die Umwelt wie etwa Familie, Erziehung, Peers, Sprache, Religion und Kultur. Diese Faktoren und das Temperament gemeinsam bilden die Ebene der Persönlichkeit, auf der viele der Störungen - etwa in Folge unverarbeiteter schlimmer Erlebnisse - angesiedelt sind.

Wettstreit im Bett

Doch auch der Charakter als dritte Ebene entscheidet über das menschliche Verhalten. “Nach Immanuel Kant formt man den Charakter, indem man den Willen nicht allein nach spontanen Gefühlen, Trieben, Interessen und Neigungen, sondern auch nach der Vernunft ausrichtet.” Bonelli vergleicht mit den Sinnbildern Bauch, Kopf und Herz. “Das Herz als Wille entscheidet, wem es folgt. Ideal ist, wenn es mit Bauch und Kopf übereinstimmt.”

Oft im Leben fehlt diese Harmonie allerdings, “zum Beispiel, wenn am Morgen der Bauch ‘Weiterschlafen!’ und der Kopf ‘Aufstehen!’ sagt”, veranschaulicht der Experte. Zwar sei der Weg der Vernunft häufig mühsam und ihre Stimme leise, doch könne man durch Training sogar die Gefühle danach ausrichten. “Kann sich der Wille auch gegen spontane Regungen entscheiden, nimmt seine Freiheit zu. Wird so das gewissensmäßig Gute eingeübt, entstehen daraus die Tugenden, die dem Leben Leichtigkeit und Freude verleihen.”

Weg zum Glück

Dieses Menschenbild erfährt seit der Jahrtausendwende durch die sogenannte “positive Psychologie” enormen Auftrieb. Lange hat sich die Therapie auf Defekte konzentriert und dabei verabsäumt, nach Stärken zu fragen. Als solche bezeichnet jedoch der US-Psychologe Martin Seligman im Bestseller “Der Glücksfaktor” die Tugenden. “Seligman rät, diese Stärken auszubauen, um glücklich zu werden. Welche Stärken hier besonders in Frage kommen, muss jeder selbst erkennen. Etwa für Choleriker ist oft das Maßhalten ein Thema, für Sanguiniker eher das Überwinden von Oberflächlichkeit”, sagt Bonelli.

Zu kurz greife hingegen der weit verbreitete Ansatz, bei Entscheidungen im Leben immer zuerst “den Bauch zu befragen”. Das Bauchgefühl sei kein Orakel, sondern ambivalent und könne sich auch zerstörerisch auswirken - erst recht wenn Emotionen wie Neid, Angst oder Hass im Spiel sind, erklärt der Experte. (Ende)

Soja lindert Hitzewallungen in Wechseljahren

Pflanzenstoff reduziert Beschwerden um ein Viertel

Newark - Frauen, die rund um die Wechseljahre zweimal pro Tag Soja essen, können damit die Häufigkeit und das Ausmaß der Hitzewallungen lindern. Zumindest um ein Viertel geht das typische Menopause-Symptom auf diese Weise zurück, berichten Forscher der University of Delaware http://www.udel.edu in der Fachzeitschrift “Menopause”.

Die Forscher um Melissa Melby werteten 19 Studien bei insgesamt 1.200 Frauen aus, die bisher zur Auswirkung von Soja auf die Wechseljahre durchgeführt wurden. “Kombiniert man alle bisherigen Untersuchungen, zeigt sich ein positiver Effekt”, so das Resümee der Studienleiterin.

Pflanzenstoff ahmt Östrogen nach

Besonders Augenmerk wurde auf die im Soja enthaltenen Pflanzenstoffe Isoflavone gelegt, der eine milde, Östrogen-ähnliche Wirkung entfaltet. In jedem Gramm Sojaprotein von Sojabohnen sowie auch vieler Sojaprodukte sind 3,5 Milligramm dieser Stoffe enthalten. Daneben sind auch Ergänzungsmittel speziell mit dieser Substanz erhältlich.

Frauen, die sechs Wochen oder länger 54 Milligramm davon pro Tag zu sich nahmen, zeigten um 20 Prozent weniger Hitzewallungen und einen Rückgang des Schweregrades um 26 Prozent, so das Ergebnis. Da dies stets im Vergleich zu einem Placebo-Präparat gemessen wurde, dürfte der endgültige Effekt noch darüber liegen.

Geheimnis der Japanerinnen

Bei längerfristigem Verzehr entfalteten die Soja-Isoflavone in den Studien noch eine deutlich stärkere Wirkung. Aufmerksam wurde die Forschung, da Japanerinnen im Wechselalter kaum Hitzewallungen entwickeln: Sojaprodukte begleiten im ostasiatischen Inselstaat schon im Mutterleib und über die gesamte Lebensspanne den Alltag.

“Wenn man mit 50 Jahren nie Soja gegessen hat, ist es noch nicht zu spät. Zwar steigt die Wirkung der Isoflavone mit der Dauer ihrer Einnahme, doch helfen sie auch bei spätem Beginn”, so die Forscher. (Ende)

Alleine leben macht depressiv und krank

80 Prozent mehr Stimmungsheber werden eingenommen

Helsinki - Menschen im erwerbsfähigen Alter, die alleine leben, haben ein um bis zu 80 Prozent höheres Risiko an einer Depression zu erkranken als Menschen, die in Familien leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Finnish Institute of Occupational Health http://www.ttl.fi/en . Entscheidend sind die schlechten Wohnverhältnisse für Frauen und die fehlende soziale Unterstützung für Männer. Für die Studie wurde der Einsatz von Antidepressiva bei 3.500 Finnen untersucht.

Lebensumstände wichtig

Beth Murphy von Mind http://mind.org.uk betont, dass Menschen, die alleine leben, eine Möglichkeit haben müssen, über ihre Probleme zu reden. Antidepressiva alleine reichten auf keinen Fall aus. Laut dem Team um Laura Pulkki-Raback hat die Zahl der Menschen in Einpersonenhaushalten in der westlichen Welt in den vergangenen drei Jahrzehnten zugenommen. Einer von drei Menschen lebt in Amerika und auch in Großbritannien allein. An der aktuellen Studie nahmen 1.695 Männer und 1.776 Frauen teil. Sie waren im Schnitt 44,6 Jahre alt.

Die Probanden wurden im Jahr 2000 danach befragt, ob sie alleine oder gemeinsam mit anderen Menschen lebten. Zusätzlich wurden weitere Informationen über ihren Lebensstil aufgenommen. Dazu gehörten soziale Unterstützung, Arbeitsklima, Ausbildung, Einkommen, Beschäftigungsstatus und Wohnbedingungen sowie Rauchgewohnheiten, Alkoholkonsum und sonstige Aktivitäten.

Therapieansätze verbessern

Es zeigte sich bei der Auswertung der Daten, dass Menschen, die alleine lebten, in der Nachbeobachtung zwischen 2000 und 2008 rund 80 Prozent mehr Antidepressiva kauften als jene, die nicht alleine lebten. Pulkki-Raback ist der Ansicht, dass das wirkliche Risiko psychischer Probleme viel höher sein könnte. “Studien dieser Art unterschätzen das Risiko meistens, da Menschen mit dem höchsten Risiko am seltensten bis zum Ende einer Untersuchung mitmachen. Wir können daher also nicht einschätzen, wie verbreitet unbehandelte Depressionen sind.”

Das Leben mit anderen Menschen bietet laut den Forschern emotionale Unterstützung, gibt ein Gefühl der sozialen Integration und hat auch noch weitere Vorteile, die alle gegen psychische Probleme schützen. Das Alleinleben kann mit einem Gefühl der Isolation, fehlender sozialer Integration und fehlendem Vertrauen in Zusammenhang gebracht werden. Diese gelten als Risikofaktoren für die geistige Gesundheit. Laut der in BMC Public Health http://biomedcentral.com/bmcpublichealth veröffentlichten Studie müssen alle beteiligten Faktoren berücksichtigt werden, um Depressionen bei Menschen im erwerbsfähigen Alter besser zu verstehen und damit auch besser behandeln zu können. (Ende)

Waffenträger sehen alle als Bewaffnete

Umwelt wirkt bei Schussmöglichkeit bedrohlicher

Notre Dame/Wien - Wer einen Revolver in der Hand hält, sieht die Welt anders. Zumindest glaubt er viel eher, dass auch die Menschen der Umgebung Waffen tragen, haben Psychologen der University of Notre Dame http://nd.edu herausgefunden. Wie sie im “Journal of Experimental Psychology: Perception and Performance” betonen, hat dies auch “praktische Folgewirkungen auf Gesetz und die öffentliche Sicherheit”, ohne dabei jedoch explizit zu werden.

Unterschied liegt in der Hand

Die US-Forscher zeigten Versuchspersonen auf einem Computerbildschirm Menschen und baten sie jeweils festzustellen, welche Objekte diese in der Hand hielten. Darunter befanden sich neutrale Gegenstände wie Getränkedosen oder Handys, jedoch teilweise auch Waffen. Bei jedem Durchgang gab es leichte Veränderungen: Mal trugen die dargestellten Figuren Skimasken, mal wurde die Hautfarbe oder die Verhaltensweise gewechselt. Die wichtigste Variation bei den Testpersonen selbst: Abwechselnd hielten sie eine Spielzeugpistole, dann einen Schaumstoffball in der Hand.

In jeder Situation zeigte sich: Hielten die Probanden selbst eine Waffe in der Hand, identifizierten sie die Objekte der anderen weit eher als Waffen. Darüber hinaus gaben sie auch weit öfter bedrohende Signale wie das Ansetzen ihrer Waffe zum Schuss. Alleine das Betrachten einer Waffe löste dieses Verhalten noch nicht aus. “Entscheidender Unterschied ist die Fähigkeit zu handeln. Menschen tun sich schwer, Gedanken über ihre Wahrnehmung und Handlungsmöglichkeiten zu trennen”, sagt Studienleiter James Brockmole.

Überschätzung der Gefahr

Der Psychologe und Soziologe Ralf Risser http://factum.at erklärt den Umstand gegenüber der Presse als “gesteigerte Empathie”. “Wer selbst eine Waffe besitzt, glaubt viel eher, dass auch andere eine haben”, vermutet der Supervisor für Waffengesetz-Sachverständige. Grundsätzlich würden sich eher jene Personen eine Waffe zulegen, die Gefahren vermuten, die andere Menschen nicht sehen. Dass Waffenbesitz manche Menschen paranoid macht, glaubt Risser nicht - “eher ist die Paranoia schon vorher da. Problematisch ist jedoch, dass viele infolge der Gewalt am Bildschirm die Welt weit gefährlicher erleben, als sie tatsächlich ist”.

Waffentragen ist riskant

Das Tragen einer Waffe verändert nicht nur die Wahrnehmung, sondern erhöht auch das Risiko, selbst erschossen zu werden: Wie US-Forscher anhand von 700 Schießereien zeigten, werden Waffenträger 4,5 Mal häufiger erschossen als Unbewaffnete. Die Wissenschaftler führen das nicht nur darauf zurück, dass der Menschentyp der Waffenträger eher geneigt ist, in Schießereien zu geraten: Das Tragen der Waffe könnte auch ein Machtgefühl geben, das schnell zu Überreaktionen verleitet. Als Schutz oder Verteidigung seien Waffen deshalb meist nicht geeignet. (Ende)

Demokratie weltweit auf Rückzug

Trotz Wirtschaftserfolgen immer mehr Repression und Ungleichheit

Gütersloh - Wirtschaftliche Erfolge garantieren keinen sozialen Fortschritt: Obwohl die weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gut bewältigt wurde, geht es den Menschen der weniger entwickelten Welt nicht besser, zeigt die aktuelle globale Erhebung der Bertelsmann Stiftung (BTI) über die Qualität von Demokratie und sozialer Marktwirtschaft in 128 Entwicklungs- und Transformationsländern http://www.bti-project.de . In der Mehrheit der Länder bleiben die sozialen Verhältnisse mangelhaft bis katastrophal und die politischen Rechte eingeschränkt.

Wahlen und Meinungsfreiheit in Gefahr

Regelverstöße, Stimmenkauf, intransparente Wahlkampffinanzierung und Betrugsvorwürfe: Die Rechtsstaatlichkeit und die politische Beteiligung wird immer mehr eingeschränkt und die Gewaltentrennung kommt abhanden, zeigt die Analyse, die auf 7.000 Einzelbewertungen von 250 internationalen Fachexperten beruht. Das trifft besonders auf Südost- und Osteuropa zu, allen voran auf die Ukraine und Ungarn. Die Qualität demokratischer Wahlen verschlechtert sich in 15 der 38 untersuchten Ländern dieser Region, einzig in Serbien ist eine Positiv-Entwicklung zu beobachten.

Immer öfter attackieren Regierungen die Meinungsfreiheit unabhängiger Medien und schüchtern Journalisten ein. Das gilt auch für Lateinamerika als zweite große Problemregion. In Argentinien, Ecuador, Guatemala, Mexiko und Panama gerät die Demokratie immer mehr unter die Räder, während in vielen Ländern des südlichen und östlichen Afrikas Folter und willkürliche Verhaftungen zunehmen.

Falsch gelenkte Investitionen

Die Menschen sind unzufrieden mit der sozioökonomischen Leistung der noch jungen oder defekten Demokratien, so die Erklärung der Bertelsmann-Forscher um Aart De Geus. Wo das Vertrauen abhanden kommt, haben populistische Bewegungen leichtes Spiel, während etwa in Lateinamerika politische Eliten Reformen verhindern und die anhaltenden sozialen Ungleichheiten nicht ausreichend bekämpfen.

Dabei ist die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 moderater ausgefallen als befürchtet. Die meisten Ökonomien erholten sich rasch und wurden gesamtwirtschaftlich stabil. Erfolge und Wachstum werden jedoch nicht oder nur unzureichend in soziale Bereiche investiert: 69 der 128 untersuchten Länder entwickeln sich in den Augen der Experten “mangelhaft bis katastrophal”, was die sozioökonomische Entwicklung betrifft. Nur bei gezielter Sozial- und Wirtschaftspolitik werden Sozialstrukturen dauerhaft gerechter, wie die Armutsbekämpfung in Brasilien und Uruguay oder die Bildungspolitik in Singapur, Südkorea und Taiwan zeigen.

Menschheit “isst” zu viel Wasser

Weltwassertag: Wassersparen muss bei Nahrung ansetzen

Berlin/Wien - Gesunde Ernährung, Verzicht auf wasserintensive Produkte, Meiden von Lebensmittel-Müll und mehr Produktion von Nahrung mit weniger Wasser: Das sind die wichtigsten Maßnahmen des Wassersparens, verkündet die UNO am heutigen Weltwassertag http://unwater.org/worldwaterday . Alternativen zu einem nachhaltigen Umgang mit der wichtigsten Ressource des Planeten gibt es nicht: Der Bedarf an Wasser und Lebensmitteln steigt weiter, und Krisen in wasserarmen Regionen nehmen zu. 900 Mio. Menschen haben schon heute kein sauberes Trinkwasser, 2,5 Mrd. keine ausreichenden Sanitäranlagen.

Gefährlicher Konsum

Lebensmittel und andere Alltagsprodukte sind die größten Wasserverschwender: Für ein Kilo Weizen sind 1.500 Liter Wasser nötig, für Schweinefleisch 6.000 Liter und für Rindfleisch sogar 15.000 Liter. Dass Fleisch derart schlecht abschneidet, geht vor allem auf den hohen Wasseraufwand für Futtermittel und Schlachtung der Tiere sowie die wasserintensiven Reinigungsprozesse in der Lebensmittelindustrie zurück. In Summe nutzt deshalb jeder Deutsche 4.000 Liter pro Tag. Die “We are water”-Foundation http://wearewater.org bringt dies im Slogan “Wir essen mehr Wasser als wir trinken” auf den Punkt.

Welche globalen Folgen daraus entstehen, zeigt der aktuelle UNESCO-Weltwasserbericht: Das geänderte Konsumverhalten steht demnach hinter dem zunehmenden Wasserverbrauch der Menschheit, wobei besonders der Ersatz von Getreide- oder Gemüseprodukten durch Fleisch und Milch ins Gewicht fällt. Die Industriestaaten importieren mehr “virtuelles” Wasser aus anderen Regionen als sie selbst aufbringen. Wenn deshalb etwa Spanien das Grundwasser abhanden kommt, trägt der Konsum von spanischem Gemüse anderswo entscheidend Verantwortung dafür.

Müll vermeiden, Duschköpfe wechseln

Verbreitet ist dieses Wissen noch wenig. Nur jeder Fünfte weiß, dass wasserschonende Produkte den Wasserverbrauch verringern, zeigt eine Forsa-Umfrage des “Zukunftsprojekt Erde” http://zukunftsprojekt-erde.de . Entsprechend werden auch Regenwasser-Toilettespülungen und wassersparende Haushaltsgeräte weit eher als Wasserspar-Maßnahmen genannt. Dass auch die Vermeidung von Lebensmittelabfällen dazu gehört - jeder weggeworfene Apfel etwa spült 70 Liter Wasser in die Tonne - ist noch weniger bekannt. Einem Wasserverbrauch-Gütesiegel stehen allerdings die meisten sehr offen gegenüber.

Deutlich weniger als die vier Kubikmeter - nämlich 127 Liter - lässt jeder Deutsche pro Tag durch die Wasserleitung rinnen, ein Drittel davon für Baden, Duschen und Körperpflege. Auch hier ist Optimierung möglich: Das Öko-Institut http://oeko.de rät zu Brausen mit wassersparendem Duschkopf, die neun statt 15 Liter pro Minute durchlassen, was Wasser und auch Energie zur Erhitzung einspart. Das Haushaltsbudget profitiert davon: Bei 300 Sechs-Minuten-Duschen pro Person und Jahr spart ein Zwei-Personen-Haushalt durch Wasserspar-Duschköpfe je nach Warmwasser-Aufbereitung zwischen 180 bis 350 Euro. (Ende)

Bissensgröße vom Geruch bestimmt

Unbewusste Beeinflussung des Gehirns durch die Nase

Wageningen - Je stärker Nahrung riecht, desto kleiner sind die Bissen, die man davon nimmt. Diese unbewusste Beeinflussung beim Essen haben Forscher vom Forschungsinstitut TI Food and Nutrition in Wageningen http://www.tifn.nl festgestellt. Wie sie in der Open-Access-Zeitschrift “Flavour” berichten, könnte man den Duft von Nahrung gezielt dazu einsetzen, um Portionsgrößen zu reduzieren und somit Menschen beim Abnehmen zu helfen.

Sättigung durch Duft

Die Größe der einzelnen Happen, in denen man Mahlzeiten zu sich nimmt, wird in der Wissenschaft oft mit dem Sättigungsgefühl in Verbindung gebracht: Je kleiner die einzelnen Bissen, desto früher glaubt der Körper, bereits genug zu haben. Die holländischen Forscher wollten nun herausfinden, was genau die Bissgröße beeinflusst. Die Bekanntheit und Beschaffenheit des Essens haben großen Einfluss, zeigte sich: Je größer etwa der Kaufaufwand geschätzt wird, desto kleiner fallen die Bisse aus.

Eine der wichtigsten Sinneswahrnehmungen, die bei dieser Abschätzung hilft, ist der Geruch, zeigten die aktuellen Experimente. Zehn Versuchspersonen aßen dazu einen Vanillecreme-ähnlichen Nachtisch und bestimmten per Knopfdruck selbst, wie groß die einzelnen Portionen am Löffel ausfielen. Gleichzeitig wurden ihre Nasen mit verschiedenen Düften versorgt. Deutlich zeigte sich: Je stärker der Geruch, desto mehr landete auf dem Löffel, und zwar nicht nur unmittelbar nach dem Riechen, sondern bis zur Beendigung des Desserts.

Zehn Prozent Zurückhaltung

Studienleiter Rene A de Wijk sieht dies als einen Hinweis, warum man bei unbekanntem Geruch oder unbeliebter Nahrung weniger zulangt. “Wenn man den Geruch von Nahrung manipuliert, kann man die Nahrungszuführung pro Bissen um fünf bis zehn Prozent verringern. Der Körper glaubt dann, dass er schon früher genug bekommen hat - was bei der Gewichtsabnahme helfen könnte”, so der Experte.

Dass der Geruch jedoch auch zu erhöhter Nahrungsaufnahme verleiten kann, haben unlängst englische Forscher gezeigt. Übergewichtige haben demnach einen deutlich feineren Geruchssinn für Nahrung als Schlanke, was besonders nach dem Essen und bei ausbleibendem Hunger zutrifft. Dieser “Vorsprung” könnte eine Rolle beim Weiteressen spielen, so die Vermutung der Studienautoren

Tägliches Aspirin kann Krebs verhindern

Bei regelmäßiger Einnahme tritt Schutz früher ein als angenommen

Oxford - Eine niedrige Dosis Aspirin täglich kann Krebs verhindern und vielleicht sogar zur Behandlung eingesetzt werden. Drei neue Studien in The Lancet http://thelancet.com liefern weitere Beweise für die Wirkung dieses Medikaments gegen Krebs. Viele Menschen nehmen bereits täglich Aspirin für das Herz ein. Experten wie Peter Johnson von Cancer Research UK http://www.cancerresearchuk.org warnen jedoch, dass es immer noch nicht genug Beweise für die Prävention und Behandlung von Krebs gibt. Auch die Nebenwirkungen seien beachtenswert.

Prävention gegen Herzkrankheiten

Peter Rothwell von der University of Oxford http://ox.ac.uk hatte gemeinsam mit seinem Team bereits Aspirin mit einem geringeren Risiko an bestimmten Krebsarten wie Darmkrebs zu erkranken, in Zusammenhang gebracht. Die früheren Studienergebnisse legten jedoch nahe, dass das Medikament für eine schützende Wirkung rund zehn Jahre lang eingenommen werden muss.

Jetzt gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Schutz bereits viel früher gegeben ist und zwar innerhalb von drei bis fünf Jahren. Diese Annahme basiert auf der Analyse von 51 Studien, an denen mehr als 77.000 Patienten teilgenommen haben. Aspirin scheint zuerst nicht nur das Risiko der Entstehung vieler verschiedener Krebsarten zu verringern, sondern auch die Ausbreitung im Körper zu stoppen.

Die Studien waren darauf ausgerichtet, den Einsatz von Aspirin mit keiner Behandlung zur Prävention von Herzerkrankungen zu vergleichen. Als die Wissenschaftler jedoch verglichen, wie viele der Teilnehmer an Krebs erkrankten und wie viele später an den Folgen ihrer Krankheit starben, wurde ein Zusammenhang mit der Einnahme von Aspirin sichtbar. Die tägliche Einnahme einer geringen Dosis, zwischen 75 und 300 Milligramm, schien nach nur drei Jahren die Anzahl der Krebserkrankungen um eine Viertel zu senken.

Metastasen-Wachstum eingedämmt

Neun von 1.000 Menschen in der Aspirin-Gruppe erkrankten. In der Kontrollgruppe waren es zwölf von 1.000 Menschen. Das Risiko an Krebs zu sterben, verringerte sich in fünf Jahren um 15 Prozent. Bei einer Dosierung über 300 Milligramm trat dieser Effekt bereits früher ein. Wurde das Medikament über einen längeren Zeitraum eingenommen, verringerte sich das Krebsrisiko nach fünf Jahren um 37 Prozent. Aspirin dürfte auch die Wahrscheinlichkeit von Metastasen verringern. Das gilt vor allem für Darmkrebs. In manchen Fällen sank das Risiko um die Hälfte.

Die Wissenschaftler schätzen, dass pro fünf Aspirin-Patienten bei einem die Metastasenbildung verhindert werden kann. Gleichzeitig verringert das Medikament das Risiko von Herzanfällen und Schlaganfällen. Das Risiko schwerer Blutungen stieg jedoch an. Dieses erhöhte Risiko bestand jedoch nur in den ersten Jahren der Einnahme und verringerte sich dann.

Kritiker zeigen auf, dass manche der Dosierungen in der Studie viel höher waren als die 75 Milligramm, die normalerweise in Großbritannien eingenommen werden. Einige sehr groß angelegte Studien aus Amerika wurden ebenfalls nicht berücksichtigt. Die Wissenschaftler räumen beide Punkte in den veröffentlichten Studien ein. (Ende)

Arbeitslosigkeit: Kinder leiden mit Eltern

Negative Auswirkungen besonders für Söhne

Leipzig/Melbourne - Arbeitslosigkeit führt oft zu psychischen Krankheiten. Eine aktuelle Studie des Melbourne Institute of Applied Economic and Social Research http://melbourneinstitute.com zeigt nun, dass Erwerbslosigkeit nicht nur Auswirkungen auf die direkt betroffenen Eltern, sondern auch auf ihren Nachwuchs hat. Während Töchter mit dieser Situation besser umgehen können, leidet darunter insbesondere das Wohlbefinden der Söhne.

Psychische Leiden unbehandelt

“Ungefähr 30 Prozent aller Arbeitslosen leiden an psychischen Krankheiten”, sagt die Arbeitspsychologin Gisela Mohr von der Universität Leipzig http://uni-leipzig.de im Interview mit uns. Sie vermutet, dass psychische Erkrankungen bei Erwerbslosen oft gar nicht erkannt werden. “Antriebslosigkeit und Depression überschneiden sich zwar in den Symptomen, nicht aber im Krankheitswert. Es besteht die Gefahr, dass psychische Krankheiten nicht identifiziert werden”, erläutert die Wissenschafterin.

Jobverlust beeinflusst Generationen

Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit, neben dem fehlenden Einkommen vor allem der Verlust des Selbstbewusstseins, treffen aber nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Kinder. Dies unterstreichen auch die Forscher aus Australien, die dazu deutsche Eltern befragt haben. Während Töchter emotional mit ihren Müttern mitleiden, erleben Söhne die Auswirkungen der Erwerbslosigkeit ihrer Väter so, als wären sie selbst ohne Anstellung.

“Die negativen Auswirkungen eines reduzierten Haushaltseinkommens beeinflussen nicht nur das Selbstvertrauen und die sozialen Kontakte der aktuellen, sondern auch der nächsten Generation”, berichtet Studienautor John P. Haisken-DeNew. “Man kann von einem Domino-Effekt in einem familiären Kontext sprechen. Die Folgen von Arbeitslosigkeit sind weitreichender als wir früher dachten.”

Jugendarbeitslosigkeit politische Katastrophe

Die Psychologin Mohr betont, dass man vor allem bei der Erwerbslosigkeit von jungen Leuten ansetzen muss: “Für junge Leute ist der Berufseinstieg eine enorm wichtige Entwicklungsphase. Jugendarbeitslosigkeit ist eine politische Katastrophe.” Einen hohen Erwerbsanteil zu schaffen, müsse eines der obersten Ziele der Politik sein. (Ende)

Klimawandel: Meeresanstieg um 22 Meter möglich

Klima- und Meeresdaten des Pliozän sagen Zukunft des Planeten voraus

New Jersey/Hannover - Der Meeresspiegel des Planeten dürfte um rund 22 Meter steigen - selbst wenn es der Menschheit gelingt, die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. Diese Prognose, die zwar sicher noch nicht im 21. Jahrhundert, doch im Zeitraum mehrerer Jahrhunderte bis Jahrtausende eintreffen soll, liefern US-amerikanische Geologen um Kenneth G. Miller von der Rutgers University http://rutgers.edu in der Fachzeitschrift “Geology”. Laut ihrer Berechnung steigt das Meer “zu 95 Prozent” zwischen zwölf und 32 Meter.

Sensible Eismassive

Die Forscher untersuchten Bohrkerne aus Gesteinen und Sedimenten aus Neuseeland sowie vom Eniwetok-Atoll, das zu den Marshall-Inseln im Pazifik gehört. Speziell die Zeitspanne vor 2,7 bis 3,2 Mio. Jahre - das späte Pliozän - interessierte sie: Zu diesem Moment dürfte das CO2-Niveau der Atmosphäre zum letzten Mal auf heutigem Niveau gelegen haben, während die Forscher die Globaltemperatur zwei Grad darüber ansiedeln.

Der ermittelte Meeresanstieg für diese Epoche zeigt laut den Wissenschaftlern, dass die großen Eisvorkommen der Erde extrem sensibel auf Temperaturanstieg reagieren. “Das zusätzliche Wasservolumen kommt durch die Wärmeausdehnung des Wassers sowie die Schmelze von Grönland, der westantarktischen Eismasse und Rändern der Ostantarktis zustande. Dieser Anstieg des Meeresspiegels würde 70 Prozent der Weltbevölkerung betreffen”, kommentiert Richard Lane, Programmdirektor für Earth Science bei der National Science Foundation http://www.nsf.gov .

Mehrere Unschärfen

Auf mögliche Unsicherheiten der Erhebung deutet Manfred Mudelsee, CEO des Unternehmens Climate Risk Analysis http://climate-risk-analysis.com . “Zu mehreren Schlüsselkriterien des Pliozäns kann die Wissenschaft noch keine genauen Aussagen machen. Besonders betrifft das den globalen Schnitt der Temperatur sowie den CO2-Gehalt der Atmosphäre. Letzteren kann man zwar durch Eisbohrkerne präzise rekonstruieren, doch sind diese nur bis 800.000 Jahre zurück verfügbar”, so der Geophysiker gegenüber der Presse.

Auch in der Frage, inwiefern der Mensch den Anstieg des Meersspiegels beeinflussen kann, gibt sich der Hannoveraner Experte zurückhaltend. Zwar ist erwiesen, dass der Mensch einen bedeutenden Beitrag zur Globalerwärmung leistet und diese durch entsprechendes Gegenlenken auch verzögert werden kann. In welchem Ausmaß dies zutrifft, ist jedoch weiterhin Gegenstand der weltweiten Klimaforschung. Laut heutigen Klimamodellen wird der Meeresspiegel bis 2100 um 80 Zentimeter bis höchstens einen Meter steigen.

Abstract der Originalstudie: http://bit.ly/GB1KHE

US-”Generation Ego” lässt Gemeinwohl links liegen

Forschersicht in Hinblick auf deutsche Jugendliche gespalten

San Diego/Berlin - Als “Generation Me” bezeichnet der US-amerikanische Psychologe Jean Twenge von der San Diego State University http://sdsu.edu die heutigen 15- bis 25-Jährigen. In Deutschland bezeichnen Sozialforscher diese als “Generation Ego”. Twenge belegt in seiner Studie, dass sich diese neue Generation junger Amerikaner wenig für Fürsorge oder die Rettung der Umwelt interessiert. “Die Jungen in den 80er- und 90er-Jahren haben sich politisch engagiert und waren eher gemeinschaftsorientiert”, so Twenge. Die aktuellen Daten zeigen jedoch, dass die jüngste Generation viel mehr Wert auf Geld, Image und Ruhm legt.

Keine Philosophie des Lebens

Im Vergleich zu Menschen, die in den 70er-Jahren geboren sind, interessiert sich die heutige Jugend eher dafür, reich zu sein. Im direkten Vergleich stieg dieser Wert von 45 auf 70 Prozent. Die heute 32- bis 42-Jährigen interessierten sich zu 50 Prozent sehr für die aktuelle politische Lage, die “Generation Ego” hingegen zu 35 Prozent. Auch die”Entwicklung einer sinnvollen Philosophie des Lebens” ist von 73 auf 45 Prozent gesunken. Dabei hatten die Forscher bereits die in den 70er-Jahren Geborenen als egoistisch eingestuft.

“Das Egoismus-Label war unberechtigter Weise auf diese Generation angebracht, denn im Vergleich zur heutigen Generation waren sie geradezu selbstlos”, sagt Twenge. In Deutschland würden zwar viele Sozialforscher dem Urteil von Twenge zustimmen. Andere aber nicht: “Wir haben diese Generation als ‘pragmatische Generation’ bezeichnet”, sagt Ulrich Schneekloth, Autor der Shell-Jugendstudie http://shell.de/jugendstudie , der größten Jugenderhebung Deutschlands, gegenüber der Presse.

Ideologie bleibt auf der Strecke

“Man kann diese Generation nicht mit den 68er-Slogans charakterisieren”, erklärt Schneekloth. Demnach sei man nur aufgeklärt oder modern, wenn man politisch links sei. Die junge Generation sei nicht so unsozial, wie viele Sozialwissenschaftler sie bezeichneten. “Sie wollen etwas aus sich machen, sind aber gleichzeitig sozial orientiert. Sie empfinden es als ungerecht, wenn Leute ausgegrenzt werden”, sagt Schneekloth. Die “pragmatische Generation” interessiere sich sehr wohl für die Belange anderer.

“Das Motto ist: Ich muss schauen, wo ich bleibe und dass es um mich herum sozial und gerecht zugeht”, erklärt Schneekloth. Die neue Generation sei zwar unideologisch, folge zwar auch dem Mainstream, was aber nicht heißen würde, dass die jungen Menschen keine soziale Ader hätten. “Generation Ego oder Generation Me ist zu einseitig”, sagt der Shell-Studien-Autor. Die heutige Jugend grenze sich auch nicht so stark von den Eltern ab. “Die müssen sich nicht mehr befreien wie die Generationen vorher”, sagt Schneekloth. Die 15- bis 25-Jährigen würden eher pragmatisch denken, Ideologie hingegen sei total out. (Ende)

Erste Joghurts mit Stevia-Süße erhältlich

Danone-Entwickler: “Geschmacksproblem mit Erfolg gelöst”

Wien - Die erste Molkereiprodukt-Serie mit Stevia-Süße hat soeben Danone http://danone.com auf den Markt gebracht. Mit seiner Marke “DanVia” launcht der Lebensmittelkonzern in Österreich mit Vertriebspartner Alpenmilch Salzburg http://milch.com Molken und Joghurts in sieben Geschmackssorten mit dem Süßstoff, den die EU im November zugelassen hat. Robert Kunkel, Entwicklungsingenieur der Danone Forschung Zentraleuropa, erklärt im Interview anlässlich der Produktpräsentation in Wien am heutigen Dienstag die Probleme und Chancen der natürlichen Zucker-Alternative.

Nachgeschmack als Hürde

Stevia wurde in Japan bereits in den 70er-Jahren eingesetzt, in Europa für bestimmte Produkte erstmals 2008 in Frankreich und der Schweiz, ehe im November 2011 die EU-weite Zulassung folgte. Extrakte aus den getrockneten Blättern der Pflanzen sind für die Süßwirkung verantwortlich. Als wichtigste Vorteile kann Stevia vorweisen, dass sie ohne Kalorien auskommt, keinen Karies verursacht und auch für Diabetiker geeignet ist. Ein Nachteil ist der gewöhnungsbedürftige, herb-bittere Nachgeschmack in der Naturform.

“Größte Herausforderung war, den Nachgeschmack und die zu starke Süße von Stevia in den Griff zu bekommen”, verdeutlicht auch der Danone-Entwickler. Stevia süßt 250-Mal stärker als Zucker, weshalb man in der Dosierung äußerst genau vorgehen muss - Stevioglykoside machen weniger als 0,1 Prozent des Joghurts aus. Die EU ist bei den als unbedenklich eingestuften Höchstgrenzen strikt - vier Milligramm Tagesdosis pro Kilogramm Körpergewicht sollte man höchstens verzehren. Kunkel hält diese Menge für großzügig bemessen, mache doch mehr ohnehin kaum Sinn - “aus Geschmacksgründen”.

Ohne Zucker und künstliche Süße

Die Geschmacksfrage wurde mit Erfolg gemeistert, zeigt ein erster Test des Produkts, wenngleich Unterschiede zum gewohnten Zuckergeschmack durchaus auffallen. Statt den üblichen elf bis 14 Prozent Zucker kommen die DanVia-Joghurts mit bloß 3,9 bis 5,0 Prozent aus, was auf den Milch- und Fruchtzucker - als Geschmackssorten sind bisher Erdbeere, Marille, Vanille und Kirsche vertreten - zurückgeht. “Da der aktuelle Zuckerkonsum der Bevölkerung weit über der WHO-Empfehlung liegt, kann Stevia einen wichtigen Beitrag zur Reduktion leisten”, so Petra Burger, Ernährungswissenschafterin bei Danone.

Warten auf das Echo

Mit der Stevia-Produktreihe will Danone in Österreich vorerst “einen zweistelligen Millionenbetrag Umsatz” erreichen, auch ein Export ist denkbar. Einiges spricht dafür, dass die Alpenrepublik Danones Versuchsland für den Anklang des Stevia-Joghurts ist. “Österreich bietet einen überschaubaren Markt mit guten Kapazitäten und Partnern, wodurch das Risiko gering bleibt. Die nächsten Monate entscheiden, ob auch andere Länder das Konzept übernehmen”, betont auch Kunkel.

Vor einem Problem, das alle Stevia-Produkte betrifft, ist auch Danone nicht gefeit: Die aus Paraguay stammende Stevia-Pflanze wächst in Europa nicht und muss importiert werden, zudem ist auch die aufwendige Verarbeitung ein Preistreiber. Die DanVia-Joghurts kommen in Österreich mit einem unverbindlich empfohlenen Packungspreis von 0,89 Euro für 180 Gramm auf den Markt. “Angesichts der hohen Rohstoffkosten wird es schwierig sein, Stevia-Joghurts in Deutschland, wo die Joghurt-Preislatte deutlich niedriger liegt, zu positionieren”, erklärt der Danone-Experte. Abzuwarten bleibt auch, wie sich die Bewerbung eines Joghurts ohne Zucker oder künstliche Ersatzstoffe auf das Image herkömmlicher Joghurts auswirkt. (Ende)