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Archiv der Kategorie Beziehung
Sexuelle Unlust ist therapierbar
8.3.2010 von zaro.
Experte über die Lust des Wollens und des Nicht-Wollens
Wien/Linz - Wenn sich ein Partner innerhalb einer Beziehung vernachlässigt fühlt, weil es im Bett nicht mehr so läuft wie früher, ist Expertenrat dringend angesagt. Denn die damit verbundenen Missverständnisse können von den beiden Betroffenen meist kaum in Selbsttherapie gelöst werden. “Prinzipiell ist es egal, ob es der Vernachlässigte der Mann oder die Frau ist”, meint der Sexualmediziner Georg Pfau http://www.sexualmedizin-linz.at im Presse-Interview.
Das Vernachlässigen habe auch immer eine emotionale Komponente, so der Mediziner. Denn dies führe zu Selbstzweifel und quälenden Fragen wie “Bin ich nicht mehr schön genug”, “Werde ich nicht mehr geliebt” oder “Ist etwa gar schon ein anderer Partner im Spiel”, meint Pfau. “Dies sind die stereotypen Erklärungsversuche von Männern und Frauen, die meinen, sie bekämen zu wenig Sex.” Man fühlt sich nicht mehr geliebt, und das lasse die Alarmglocken schrillen.
Unzufriedenheit in Beziehung macht unglücklich
“Unzufriedenheit beim Sex führt immer zu Unzufriedenheit in der Beziehung”, erklärt Pfau. Dabei gehe es nicht zu sehr um die Frage nach den Orgasmen, sondern primär danach, vom anderen nicht mehr als Sexualpartner wahrgenommen zu werden. Die Ermahnung des Partners zu mehr oder besserem Sex bewirke in den meisten Fällen Unsicherheit sowie Rückzug und sei daher kontraproduktiv.
“Es ist wichtig, das Problem ernst zu nehmen”, so Pfau. Es gehe nicht darum, einen Schuldigen zu finden, denn Sex ist keine Bringpflicht. “Es ist notwendig, eine Lösung zu finden, mit der beide leben können. “Waren es früher häufig die Männer, die von ihrer Partnerin nicht mehr die erwartbare Zuwendung bekamen, sind es heute mindestens 33 Prozent Frauen, die sich von ihren Partnern sexuell vernachlässigt fühlen”, erklärt Pfau.
Drei Hauptursachen
Die häufigste Ursache für die Unzufriedenheit liegt nach Meinung des Experten in der Psychosomatik. “Einflüsse aus der Zeit vor der Pubertät kommen aus dem Elternhaus, der Schule oder von anderen Bezugspersonen.” Hier stelle sich etwa die Frage, wie Sexualität gelernt und welche Einstellung zur Sexualität vermittelt wurde. “Das Vermeidungsverhalten von Männern mit Versagensangst ist auch ein weiteres häufiges Thema aus der Psychologie, das meist mühsam exploriert werden muss”, erklärt der Mediziner. “Wie jeder weiß, sind Männer kaum bereit, über ihre Defizite freimütig zu reden.”
“Beziehungserfahrungen aus früheren oder der aktuellen Beziehung beeinflussen als soziosexuelle Faktoren die Sexualität eines Pärchens.” Hier stelle sich die Frage, ob es Reibungspunkte innerhalb der Beziehung gibt, ob die Schwiegermutter ein zu großes Wort mitzureden hat oder es andere ungelöste Probleme gibt. “Vor allem Frauen neigen dazu, Partnerschaftsprobleme auch über Sexualität auszutragen. Der Partner wird dann mit sexueller Verweigerung für sein Fehlverhalten bestraft”, so Pfau.
“Natürlich gibt es auch biologische Ursachen für die Verweigerung der Sexualität”, so Pfau. Bei Männern komme primär Testosteronmangel in Frage, der alterungsbedingt jeden Mann mehr oder weniger stark betrifft. “Experten meinen, dass bereits 50 Prozent der 50-jährigen Männer über ein behandlungsbedürftiges Testosterondefizit verfügen.” Bei den Frauen könne hormonelle Verhütung als Lustkiller fungieren.
Genaues Abklären des Problems
“Die Vorgangsweise ist standardisiert. Die Sexualmedizin lebt primär von einer genauen Exploration der Sexualität innerhalb einer Paarbeziehung”, führt der Mediziner aus. “Weil Sex nur paarweise funktioniert, sind auch beide Partner für eine Therapie vonnöten.” Sexualtherapie sei erfolgreich, wenn sich beide Partner darauf einlassen und für sich den richtigen Therapeuten finden.
Die Bedeutung von Beziehung für das Lebensglück und die Bedeutung von Sexualität für das Beziehungsglück könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. “Wenn man der Meinung ist, dass die Beziehung einen nicht mehr glücklich macht, sollte man tätig werden, bevor es zu spät ist”, meint der Experte abschließend. (Ende)
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Vornamen werden immer ungewöhnlicher
5.3.2010 von zaro.
Experten: Wahl der Eltern grenzt an Narzissmus
San Diego/Leipzig/Berlin - Eltern suchen für ihre Kinder immer ungewöhnlichere Vornamen. Dieser Trend betrifft nicht nur Promis, berichten Wissenschaftler der San Diego State University http://www.sdsu.edu im Journal Social Psychological and Personality Science. Sie analysierten 325 Mio. amerikanische Vornamen zwischen 1880 und 2007. Dabei suchten sie, wie groß der Anteil der häufigsten Namen eines Jahres an allen vergebenen Namen war, und korrigierten die Ergebnisse um den Faktor der Migration.
Häufige Namen werden seltener
Noch 1880 lag die Wahrscheinlichkeit, dass Buben einen der zehn häufigsten Namen bekamen, bei 40 Prozent, nun sind es zehn Prozent. Einen “James”, der in den USA 1950 der häufigste Name war, gab es damals - statistisch gesehen - in jeder Schulklasse, heute ist der top-gereihte “Jacob” nur in jeder sechsten Klasse zu finden. Auch bei den Mädchen erhielt jedes zweite 1950 einen Namen aus der Liste der 50 häufigsten, nun ist es nur jedes vierte. Der größte Niedergang der geläufigen Namen sei in den 90ern erfolgt, so die Studienautorin Jean Twenge.
Dieser Tick deutet laut Ansicht der Forscher auf einen Kulturwandel. “War früher die Anpassung an die Allgemeinheit wichtig, achtet man heute darauf, unverwechselbar und herausragend zu sein. Das hat den Vorteil, dass es weniger Vorurteile und mehr Toleranz gegenüber Randgruppen gibt.” Allerdings könne die Situation sehr leicht kippen - und aus dem Individualismus ein Narzissmus werden. “Ob ein Kind mit einem außergewöhnlichen Name später eher narzisstisch wird, muss aber erst erforscht werden”, so Twenge.
Schauspieler und Fremdsprachen liefern Ideen
“Im deutschen Sprachraum geht der Trend in ähnliche Richtung”, bestätigt Lutz Jacob vom Namensservice Leipzig http://www.namenservice.de gegenüber ZAROnews. Soweit es dem Kindeswohl nicht entgegenstehe, erhebe das Standesamt selten Einspruch, da es außer der Vorgabe, dass ein Name im “Internationalen Handbuch der Vornamen” enthalten sein müsse, keine Festlegungen gebe. “Schauspieler und ihre Entscheidungen, wie sie ihre Kinder taufen, haben einen großen Einfluss auf die Namensgebung. Man sollte jedoch bedenken, dass Stars rasch wieder in Vergessenheit versinken, ein Kind seinen Vornamen jedoch ein Leben lang trägt.” (Ende)
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Sexualmedizinische Enzyklopädie geht online
5.3.2010 von zaro.
Unwissenheit mit fundierter Informationsplattform bekämpfen
Wien - “Gibt man in der Internetsuchmaschine Google das Wort Sex ein, erhält man 526 Mio. Suchergebnisse. Doch es ist sehr schwer, Spreu vom Weizen zu trennen”, meint Elia Bragagna, Medizinerin und Gründerin der Internetenzyklopädie http://www.sexmedpedia.at anlässlich des Starts des Portals, heute, Mittwoch. “Die neue Internetenzyklopädie informiere sachlich fundiert, verständlich und umfassend über dieses Thema”, erklärt die Medizinerin.
“Auf zu vielen Webpages finden sich eine Unzahl von Fehl- und Falschinformationen. Von der Verzerrung der Sexualität, wie sie auf vielen Seiten des Webs Platz greift, möchte ich hier gar nicht reden”, so die Medizinerin. “Die Website enthält ausschließlich wissenschaftlich fundierte, abgesicherte und korrekte Informationen zum Thema Sexualität und Gesundheit”, so Bragagna gegenüber der Presse.
Die häufigen Fragen nach Normalität
Wenn das Thema Sex diskutiert wird, stehe häufig sehr viel Unsicherheit im Raum. “Unsicherheiten über Körpernormen, Körperformen, der Frage, was guter Sex bedeutet, was normal oder nicht normal ist und ähnliches mehr”, so Bragagna. Es sei eine große Herausforderung, Antworten auf diese Fragen zu geben.
“Wir werden Mythen über Sexualität hinterfragen so wie den Menschen den Druck nehmen, unter den das sexuelle Erleben heutzutage gesetzt wird”, meint die Medizinerin. Normal sei, was gefällt und nicht, was Medien und selbsternannte “Sexgurus” als “normal” definieren.
Unwissenheit als Hemmschuh
“Für viele Frauen ist der eigene Körper eine Terra incognita”, meint die Gynäkologin Doris Linsberger http://www.gyn-krems.at. Weit verbreitet sei auch noch der “Pflichtsex”, mit dem sich die Frauen nicht nur seelisch, sondern auch körperlich schaden können, weil er oft zu chronischen Genitalinfektionen und schwer therapierbaren Schmerzzuständen führe.
Noch größere Unwissenheit über den Körper herrsche aber bei den Männern, bestätigt der Urologe und Androloge Karl Dorfinger http://www.dorfinger.at . “Es ist sehr wichtig, Männer dazu zu bringen, mehr auf ihren Körper zu achten und etwas dafür zu tun, wenn es Störungen gibt.” Generell sei bei Männern das Bewusstsein für Gesundheit und jenes für Sexualität gering ausgeprägt.
Sex bewegt alle und ängstigt sehr
“Wir leben zwar in scheinbar so aufgeklärten Zeiten, über Sexualität oder gar über Probleme mit ihr zu reden, fällt uns allerdings trotzdem immer noch sehr schwer”, meint der Psychiater und ärztliche Leiter des Anton-Proksch-Instituts http://www.api.or.at, Michael Musalek . Man lerne keine Sprache, mit der man über Sexualität reden könne. “Über Sexualität, gar über sexuelle Probleme mit einem Therapeuten zu reden, erscheint vielen schon eine fast unüberwindliche Hürde. Sie wird zum Mount Everest, wenn es darum geht, mit dem eigenen Partner oder der eigenen Partnerin über die gelebte oder eben nicht gelebte Sexualität und Probleme zu sprechen”, erklärt der Experte.
Ein Webportal wie Sexmedpedia könne als echter Türöffner fungieren, weil es eine extrem niederschwellige Möglichkeit sei, sich über Sexualität, Probleme mit derselben und mögliche Lösungsmöglichkeiten zu informieren. Neben den Artikeln zu einzelnen Themen kommen noch interaktive Angebote wie etwa die online Diskussionsplattform ‘Sex Talk by Elia Bragagna’ hinzu. Im Endausbau soll das Portal auch Blogs und Padcasts enthalten. (Ende)
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K.o.-Tropfen: Nutzung nimmt zu
4.3.2010 von zaro.
Illegale Arzneimittel stammen immer häufiger aus Übersee
Wien - Die Verwendung von sogenannten K.o.-Tropfen (Date-Rape-Drogen), also Medikamenten, die dazu dienen, den Widerstand von Menschen gegen nicht erwünschte sexuelle Aktivitäten drastisch zu senken, nimmt zu. Das geht aus dem Jahresbericht des International Narcotics Control Board (INCB) http://www.incb.org hervor. Die Maßnahmen zur Bekämpfung von Rohypnol, dem bekanntesten Medikament, haben laut dem Internationalen Suchtstoffkontrollrat jedoch Wirkung gezeigt.
Fehlende Erinnerung
Beim sexuellen Missbrauch - den Betroffenen fehlt später häufig jede Erinnerung an das Geschehene - werden zunehmend andere Substanzen eingesetzt, die weniger strengen internationalen Kontrollen unterliegen. Die Behörde fordert nun, dass auch diese Substanzen auf die Liste der Betäubungsmittel aufgenommen und von den Herstellern mit Sicherheitsmerkmalen wie Farben und Aromastoffen versehen werden.
In Großbritannien steht Ketamin seit Januar 2006 auf der Liste der Klasse-C-Medikamente. Gamma-Butyrolacton (GBL) gehörte zu den Substanzen, die erst im vergangenen Jahr ebenfalls auf die Liste gesetzt wurden. Beide Substanzen haben auch legale Anwendungen. Das macht es noch schwerer sie nicht in die Hände von Kriminellen gelangen zu lassen.
Wie der Missbrauch der Medikamente funktioniert, zeigt der Fall eines Londoner Taxifahrers. Dieser wurde im März 2009, schuldig gesprochen, eine Reihe von jungen Frauen betäubt und sexuell belästigt zu haben. Er verabreichte ihnen Getränke, die mit Sedativen versetzt waren. Viele der Opfer konnten sich später nur noch daran erinnern im Taxi eingeschlafen und zu Hause wieder aufgewacht zu sein. Andere hatten Flashbacks und vage Erinnerungen daran, dass der Taxifahrer neben ihnen saß.
Illegale Arzneimittel aus Übersee
Dealer setzen laut dem INCB-Bericht immer häufiger illegale Arzneimittel ein, die in Übersee hergestellt wurden. Es werden auch zunehmend Call-Center errichtet und die Substanzen ohne Verschreibung oder Zulassung über das Telefon oder das Internet verkauft. Indien gilt heute als eines der Zentren dieser Transaktionen. Der Bericht fordert die Regierungen auf, entsprechende Maßnahmen gegen diesen Missbrauch moderner Kommunikationstechnologien zu ergreifen.
Ein “unsichtbares” Problem sei der weit verbreitete Missbrauch von verschreibungspflichtigen Substanzen wie Morphium, Kodein und Methadon. In manchen Ländern werden diese Medikamente von mehr Menschen konsumiert als von jenen, die Heroin, Kokain oder Ecstasy nehmen. Allein in den USA sind davon insgesamt 6,2 Mio. Menschen betroffen. (Ende)
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Über elf Millionen Deutsche in Armut
4.3.2010 von zaro.
Um ein Drittel mehr Betroffene als vor einer Dekade
Berlin - Armut hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland rasant ausgebreitet. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) http://www.diw.de aufzeigt, hat die Zahl der Betroffenen innerhalb von zehn Jahren um rund ein Drittel zugelegt. Etwa 14 Prozent der Bevölkerung oder 11,5 Mio. Menschen lebten 2008 unter der Armutsschwelle. Von dem steigenden Risiko, in die Armut zu rutschen, seien Kinder und junge Erwachsende besonders betroffen.
Laut Definition der Europäischen Kommission gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens seines Landes zur Verfügung hat. Unter den 19- bis 25-Jährigen lebte den DIW-Angaben zufolge vor zwei Jahren beinahe ein Viertel unter der Grenze. Im Gegensatz dazu stelle Altersarmut aktuell ein vergleichsweise geringes Problem dar. Personen am Ende des Berufslebens oder zu Beginn des Ruhestands würden demzufolge ein unterdurchschnittliches Armutsrisiko aufweisen. Das auf Durchschnittsniveau steigende Risiko ab 75 Jahren sei auf einen höheren Anteil von Witwen mit geringem Alterseinkommen zurückzuführen.
Armutsrisiko steigt mit Kinderzahl
46- bis 55-Jährige sind dem DIW nach überwiegend berufstätig, über den Abschluss der Bildungskarriere hinaus und daher wenig armutsgefährdet. Bei jungen Erwachsenen mache sich hingegen die längere Dauer der Ausbildung sowie der höhere Anteil an Hochschulabsolventen bemerkbar. Dadurch verzögere sich der Einstieg ins Berufsleben. Darüber hinaus müssten viele Jobsuchende schlecht bezahlte Praktika oder “prekäre Arbeitsverhältnisse” für den Einstieg in die Berufswelt wählen. Der Trend, das Elternhaus früher zu verlassen, erhöhe das Armutsrisiko zusätzlich.
“Insbesondere Familienhaushalte mit mehr als zwei Kindern sind stärker von Armut betroffen”, sagt Joachim Frick vom DIW. Das Risiko steige mit der Kinderzahl. Bei drei liege es bei 22 Prozent, bei vier und mehr Kindern erreiche es bereits 36 Prozent. Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern weisen mit über 40 Prozent eine “weit überdurchschnittliche Armutsrate auf”. Zwar zeige der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen sowie das Elterngeld Wirkung. Trotzdem bleiben Kinder und Jugendliche einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Finanzielle Unterstützung bekämpfe Symptome, kuriere aber nicht die Ursachen von Armut. (Ende)
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Wirtschaftskrise weckt Wunsch nach Sicherheit und Bindung
3.3.2010 von zaro.
Sex-Expertin: Mehr intime Verbundenheit gesucht
Wien - Einer aktuellen Umfrage von “Women fit for Business” zufolge, ist jeder zweite Österreicher mit seinem Sexualleben unzufrieden. Die Sexualexpertin Gerti Senger http://www.gerti-senger.at sieht einen Mangel an Verbundenheit als eine Mitursache für diesen Umstand. Die aktuelle Wirtschaftskrise wecke den starken Wunsch nach Sicherheit und Bindung.
88 Prozent der Befragten gaben an, dass gemeinsame Werte und liebevoller, harmonischer Umgang in einer Beziehung extrem wichtig sind. Das mache deutlich, dass Sexualität nicht bedeutet, auf Schnäppchenjagd zu gehen. Die Zusammenhänge zwischen Sex, Lebensqualität, Hormone und Sexualität, sexuelle Funktionsstörungen, Verhütung und sexuelle Zufriedenheit sind einige der Themen, die beim 1. Österreichischen Sexualkongress behandelt werden.
Beziehungskultur als zu förderndes Gut
“Es ist wichtig in der heutigen Zeit Beziehungskultur und -kompetenz zu fördern”, so Senger. Studien zufolge leiden 127 Mio. Westeuropäer an Angsterkrankungen. “Die Ängste sind vielfältig und haben sehr oft auch mit Beziehung und Partnerschaft zu tun.” Sexualität liege im Fadenkreuz zwischen Angst und Wunsch.
Das Bedürfnis nach Sicherheit sei jedenfalls größer denn je. “Dabei fällt dem Mikrokosmos der Beziehung große Bedeutung zu”, erklärt Senger. Ein Verlust der Sicherheit bedeute emotionalen Stress. “Unser Gehirn ist nicht in der Lage, emotionalen Stress von körperlichem zu unterscheiden.” Dauernder Stress erhöhe das Risiko zu erkranken.
Große Verantwortung der Sexualität
“Sexualität bedeutet nicht nur koitale Akrobatik”, meint der Gynäkologe Johannes Huber. Sexualität sei nicht gleichbedeutend mit Geschlechtsverkehr. Neben der Möglichkeit der Fortpflanzung, eröffne sie das Geben und Empfangen von Lust sowie die Vertiefung der Liebe und Leidenschaft zu einem Partner.
“Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie groß die Verantwortung für den anderen ist, wenn man miteinander schläft”, betont der Mediziner. Dabei werde eine Kaskade an Hormonen im Gehirn ausgeschüttet - darunter auch das Bindungshormon Oxytocin. “Viele dieser Erkenntnisse der Neurowissenschaften sind relativ neu”, betont Huber.
Unwissenheit und Angst machen lustlos
Wie wichtig Sex ist, werde deutlich, wenn man diesen Suchbegriff bei Google eingibt und als Ergebnis 45 Mio. Websites erhält, so Senger. Das mache auch klar, dass es eine Suche nach Antworten auf viele Fragen gebe. Eine Studie an 8.000 Deutschen habe ergeben, dass das Sterblichkeitsrisiko um 7,5 Prozent sinkt, wenn es einen Menschen gibt, mit dem man sich durch Unterstützung, Bestätigung und Intimität verbunden fühlt.
“Mit dem sexuellen Erleben wird eine Lawine an Emotionen ausgelöst”, unterstreicht auch Senger. Sexualität, eingebettet in Beziehung und Bindung, sei ein wunderbares Geschenk. Das bedeutet aber auch, dass Beziehung ernster zu nehmen sei, als bisher. “Verbundenheit steigert auch die Lust am sexuellen Erleben, reduziert Ängste und damit die Anfälligkeit für sexuelle Probleme.” (Ende)
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Jeder Zweite von Gewalt im Job betroffen
3.3.2010 von zaro.
Befragung: Druck im Arbeitsleben lässt Zwischenfälle steigen
Wien - Gewalt ist im Berufsleben weit verbreitet, doch sind Arbeitnehmer noch wenig für das Thema sensibilisiert. Das zeigt eine Befragung unter 1.800 Beschäftigten aus Verkehrs-, Tourismus- und Gesundheitsberufen, die die Gewerkschaft vida http://www.vida.at heute, Montag, in Wien präsentierte. “Gewalt am Arbeitsplatz hat in den vergangenen Jahren zugenommen und schon jeder Zweite wurde Opfer. Betroffen sind vor allem niedrig Qualifizierte, die sich weniger gut wehren können”, berichtet die stv. vida-Bundesgeschäftsführerin Renate Lehner. Als Ursache dieser Situation vermuten die meisten Befragten steigenden Arbeitsdruck und die Angst um den Arbeitsplatz.
Wenig Sensibilisierung in Betrieben
Zwei von drei Befragten bezeichneten sexuelle Übergriffe in jedem Fall als Gewalt, Herumschreien und Einschüchterungen jeder Zweite. Bei Ausgrenzung, diskriminierenden Bemerkungen sowie Hänseleien und Verspottungen ist der Gedanke an Gewalt hingegen viel seltener. “Falls solche Zwischenfälle nicht als Gewalt angesehen werden, hat man auch keine Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren, denn man würde sich lächerlich machen”, warnt Georg Michenthaler vom Meinungsforschungsinstitut IFES. Allerdings werden selbst 58 Prozent der sexuellen Übergriffe von den Opfern widerstandslos hingenommen.
Wie häufig gewaltsame Zwischenfälle sind, variiert von Branche zu Branche. “Betroffen sind besonders Berufe, die im öffentlichen Raum ein Massenpublikum bedienen und somit hohen Kundenkontakt haben”, erklärt Michenthaler. Drei von vier Verkehrsbediensteten waren schon Opfer von Gewalt, unter anderem von Hänseleien, Bedrohungen durch Kunden und auch von Handgreiflichkeiten. In der Hotelbranche sind hingegen Herumschreien, Einschüchterungen durch Vorgesetzte oder Kollegen sowie Mobbing gang und gäbe. Täter sind in allen Branchen eher die Kunden, manchmal Kollegen, seltener die Vorgesetzten.
Passivität macht Vorgesetzte zu Mittätern
“Sind Vorgesetzte auch nicht die Hauptauslöser, werden sie leicht Komplize der Gewalt, wenn sie diese dulden, nicht erkennen oder nicht präventiv verhindern”, betont vida-Vorsitzender Rudolf Kaske. Ein Beispiel dafür sei die Personalknappheit in kritischen Situationen. “Oft begleiten nur zwei Zugschaffner einen Zug mit Fußballfans. Angesichts dieser eher gewaltbereiten Kundengruppe reicht es nicht, bei Zwischenfällen bloß auf ein Einschreiten der Polizei an der nächsten Haltestelle hoffen zu dürfen.” Ähnlich sei die Situation von Heimhelferinnen, die immer weniger Zeit pro Klient zu Verfügung haben, ergänzt Lehner. “Mehr Aggressionen auf Kundenseite sind vorprogrammiert.”
Gegenüber der Presse rät Kaske den Betrieben, die Mitarbeiter in maßgeschneiderten Schulungen auf Gewaltvermeidung und -umgang zu trainieren. “Man sollte beim Arbeitseinstieg nicht nur die Funktionsweise von Geräten lernen, sondern auch etwa durch Rollenspiele Grundlagen des Konfliktmanagements einüben. So kann Gewalt oft schon im Vorfeld vermieden werden”, so der vida-Vorsitzende. Etliche Betriebsräte würden mit ihren Dienstgebern bereits über derartige Regelungen verhandeln. “Maßnahmen gegen Gewalt am Arbeitsplatz wie etwa die Besserung des Beitriebsklimas kommen Arbeitnehmern und -gebern zugute. Das gilt es zu vermitteln.”
Rütteln am Tabu
An die Politik richtet Kaske den Vorschlag, gewalttätige Übergriffe im Beruf nicht bloß als Verwaltungsdelikte zu behandeln. “Es hätte abschreckende Wirkung und würde das Tabu lockern, wenn eine Gewalttat ein Strafverfahren nach sich zieht”, so der Experte. Wichtiges Ziel der Gewerkschaft ist auch die Enttabuisierung. “Vorfälle sollen nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden, damit sich der Eindruck nicht verfestigt, Gewalt gehöre zum Job.” (Ende)
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Nebenwirkungen von Psychotherapie im Fokus
1.3.2010 von zaro.
Formen von Missbrauch durch Therapeuten erstmals untersucht
Krems - Ein Forscherteam am Department für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie der Donau-Universität Krems http://www.donau-uni.ac.at/psymed untersucht mögliche Schäden durch Psychotherapie in einer umfangreichen Studie. “Dass Psychotherapie höchst wirksam ist und Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme hilft, wurde in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt bewiesen. Doch was eine Wirkung ausübt, kann auch Nebenwirkungen haben”, sagt Anton Leitner, Leiter des Departments für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie an der Donau-Universität Krems.
“Während Nebenwirkungen von Medikamenten genau untersucht und in der Packungsbeilage beschrieben werden, gibt es zu möglichen Schäden durch Psychotherapie noch nicht einmal Definitionen, geschweige denn systematische Forschungen”, so Leitner. Berichte über unterschiedlichste Formen von Missbrauch durch Therapeuten und durch die Therapie hervorgerufene Schäden zeigen jedoch, dass eine fundierte Erforschung von negativen Nebenwirkungen zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie nötig ist”.
Risikofaktoren und Ursachen lokalisieren
Dieses Dunkelfeld möchte Leitner mit seinem Team systematisch aufarbeiten. Teil des Forschungsprojekts ist eine Online-Befragung, zu der alle eingeladen sind, die in Österreich in psychotherapeutischer Behandlung sind oder waren. Um diese im Vorfeld nicht zu beeinflussen, will Leitner gegenüber pressetext keine Aussagen über die bisher gewonnenen Informationen zu Schäden und Missbrauch treffen.
Ziel der Online-Befragung ist es, Risikofaktoren und Ursachen für schädliche Nebenwirkungen von Psychotherapie ausfindig zu machen und eine Anleitung zu geben, wie ungünstige Therapieprozesse vermieden werden können. Auch in die Psychotherapie-Ausbildung sollen die Ergebnisse der Studie integriert werden. Erste Ergebnisse des innovativen Forschungsprojekts werden anlässlich des Symposiums “Kremser Tage” am 4. und 5. Juni 2010 in der Donau-Universität Krems präsentiert.
Dreisäuliges Forschungskonzept
Das Forschungskonzept, das gemeinsam mit einem internationalen Fachbeirat entworfen wurde, ruht auf mehreren Säulen: Zu Beginn in den Jahren 2007 und 2008 wurden anonymisierte Beschwerdebriefe von Patienten analysiert und Gruppendiskussionen mit erfahrenen Psychotherapeuten geführt. Die Ergebnisse dieser Voruntersuchungen bildeten die Grundlage für einen Fragebogen, der an 1.700 Personen versandt wurde, die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes psychotherapeutisch behandelt worden sind.
Mehr als 550 Fragebögen wurden - direkt und anonymisiert - an die Forschungsabteilung des Departments für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie zurückgeschickt. Um jetzt Patienten aus ganz Österreich zu erreichen und mehr Datenmaterial zu besonders relevanten Punkten zu gewinnen, wurde im Anschluss ein Online-Fragebogen entwickelt, den bisher mehr als 1.200 Personen ausgefüllt haben. Bis Ende April ist der Fragebogen noch abrufbar unter http://www.donau-uni.ac.at/psymed/fragebogen. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert rund 15 Minuten. (Ende)
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Sonnenbaden macht Männer scharf
1.3.2010 von zaro.
Vitamin-D hebt Testosteronspiegel deutlich an
Heidelberg/Mannheim - Ein Sonnenbad hat für Männer eine erregende Wirkung. Einer neuen Studie zufolge wird der Testosteronspiegel durch Vitamin-D deutlich angehoben. Der Großteil des Vitamins wird unter Einwirkung von Sonnenlicht in der Haut gebildet, ein geringerer Teil stammt aus der Nahrung. Studienleiter Winfried März vom Synlab Medizinischen Versorgungszentrum Heidelberg http://www.synlab.de hat für seine Publikation im Fachmagazin Clinical Endocrinology rund 2.300 Männer untersucht.
“Jene Männer, die genug Vitamin-D im Blut hatten, zeigten auch höhere Testosteron-Werte als jene mit geringeren Vitamin-D-Werten”, so März im Interview. Niedrige Testosteron-Werte sorgen für verminderte Libido und deutlich weniger Energie. Das Geschlechtshormon spielt bei beiden Geschlechtern eine wichtige Rolle für die Muskelkraft und Knochendichte.
Vitamin-D als Energielieferant
“Unsere Forschungsgruppe hat sich seit einigen Jahren mit dem Vitamin-D und seinen verschiedenen klinischen Wirkungen auf Stoffwechsel und Gefäße beschäftigt”, so März. “Es war sehr interessant festzustellen, dass Männer in Mitteleuropa im jahreszeitlichen Verlauf verschieden hohe Vitamin-D-Werte aufwiesen.”
Die höchsten Werte konnten die Forscher im August messen. In den Wintermonaten sank der Wert und erreichte im März seinen Tiefpunkt. Männer mit mindestens 30 Nanogramm Vitamin-D pro Milliliter Blut hatten höhere Testosteron-Werte als jene, die geringere Vitamin-D-Werte aufwiesen. “Das könnte erklären, warum die Hormone im Frühling verrückt spielen”, so März.
Sonnenlicht als Vitamin-Lieferant
Achtzig Prozent des Vitamin-D wird in der Haut gebildet, rund 20 Prozent können über die Nahrung aufgenommen werden. “Besonders fetter Fisch ist ein guter Vitamin-D-Lieferant”, erklärt der Forscher. Dennoch könne die Nahrung alleine nicht genügend Vitamin D liefern und durch Ernährungsumstellung sei ein Vitamin-D-Mangel nicht auszugleichen. “Das UVB-Licht ist und bleibt der wichtigste Lieferant, wer zu wenig in der Sonne ist, muss Vitamin D zusätzlich einnehmen”, so März.
Nun wollen die Forscher untersuchen, ob Vitamin-D-Präparate den gleichen Effekt auf den Testosteronspiegel haben wie echtes Sonnenlicht. “Dieses Humanexperiment steht noch aus”, erklärt März. Künstliches Sonnenlicht in Solarien kann das fehlende Sonnenlicht im Winter jedenfalls ersetzen. “Die nötige Menge ist nicht einmal besonders hoch. Eine Exposition von 15 bis 20 Minuten reicht dafür aus”, so der Mediziner abschließend. (Ende)
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“Naschkatzen” drohen später Depressionen
1.3.2010 von zaro.
Süßer Geschmack aber von allen Kindern als Belohnung wahrgenommen
Philadelphia - Die meisten Kinder mögen Süßigkeiten. Jene, die sie besonders gerne mögen, könnten depressiv sein oder über ein höheres Risiko eines Alkoholproblems in der Zukunft verfügen. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Monell Chemical Senses Center http://www.monell.org gekommen. Das Team um Julie Mennella schreibt in Addiction http://www.addictionjournal.org, dass bestimmte Kinder sich besonders zu sehr Süßem hingezogen fühlen. Diese Kinder hatten entweder einen nahen Verwandten mit einem Alkoholproblem oder verfügten selbst über Symptome einer Depression.
Es ist jedoch nicht klar, ob diese Vorliebe für sehr Süßes auf echte chemische Unterschiede oder auf die Erziehung zurückzuführen ist. Die Wissenschaftler erklärten, dass ein süßer Geschmack und Alkohol viele der gleichen Arten von Belohnung auslösen. Mennella erläuterte, dass bekannt sei, dass ein süßer Geschmack von allen Kindern als Belohnung wahrgenommen wird und er ihnen ein gutes Gefühl vermittelt. Manche Gruppen von Kindern könnten von intensiver Süße aufgrund ihrer Biologie besonders angezogen sein.
Viele Alkoholiker sind Naschkatzen
Experten gehen davon aus, dass Alkoholiker dazu neigen, Naschkatzen zu sein, berichtet BBC. Dieser Zusammenhang ist jedoch bei Kindern weniger klar. Eine andere US-Studie hat nachgewiesen, dass die größte Vorliebe für sehr süße Getränke bei jenen zu finden war, die Wachstumsschübe durchlebten. An der aktuellen Studie nahmen 300 Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren teil. Die Hälfte hatte ein alkoholabhängiges Familienmitglied.
Die Teilnehmer wurden gebeten, fünf süße auf Wasser basierende Getränke zu kosten, die unterschiedliche Mengen an Zucker enthielten. Die Kinder sollten bewerten, welches Getränk am besten schmeckte und wurden auf Symptome einer Depression hin befragt. Ein Viertel verfügte über Symptome, die laut den Wissenschaftlern auf eine mögliche Depression hinwiesen.
Die Vorliebe für intensive Süße war bei jenen 37 Kindern am größten, bei denen es in der Familie Alkoholiker gab und die von depressiven Symptomen berichteten. Sie bevorzugten das Getränk mit dem höchsten Zuckergehalt, nämlich 24 Prozent. Das entspricht rund 14 Teelöffeln Zucker in einem Glas Wasser und entspricht mehr als dem doppelten Zuckergehalt einer normalen Cola. Dieser Geschmack war um ein Drittel intensiver als jener, der von den anderen Kindern bevorzugt wurde.
Süßigkeiten als Schmerzmittel
In einem nächsten Schritt wurde untersucht, ob die Unterschiede der Kinder in Bezug auf Geschmack eine Auswirkung auf ihre Reaktion auf Schmerz oder Unbehagen hatten. Frühere Studien hatten nahegelegt, dass Süßigkeiten als Schmerzmittel und als Stimmungsaufheller wirken können. Es zeigte sich, dass nicht depressive Kinder ihre Hände länger in sehr kaltem Wasser lassen konnten, wenn sie einen Zuckerschub erhielten. Der zusätzliche Zucker führte bei den depressiven Kindern zu keiner Veränderung des Verhaltens. (Ende)
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Hilfsbereitschaft ist ansteckend
26.2.2010 von zaro.
Altruismus anderer hinterlässt gutes Gefühl und motiviert zum Handeln
Cambridge - Wer zusieht, wie ein Mensch anderen selbstlos hilft, fühlt sich dabei selbst gut und kann sogar zu eigener Hilfeleistung motiviert werden. Das behaupten britische und US-amerikanische Psychologen in der Zeitschrift Psychological Science. “Wir sind oft mit dem Elend anderer konfrontiert und es fasziniert uns, wenn einzelne selbstlos handeln wie etwa die Helfer der Erdbebenopfer in Haiti. Es ist für die Gesellschaft wichtig zu wissen, wie diese Selbstlosigkeit auf einen weiteren Personenkreis ausgeweitet werden kann”, so die Studienleiterin Simone Schnall von der Universität Cambridge http://www.sdp.cam.ac.uk im pressetext-Interview.
Wohltätigkeits-Show führt zu Taten
Die Forscher untersuchten ein im Englischen als “Elevation” bezeichnetes Gefühlsempfinden, das bei der Beobachtung einer moralisch lobenswerten Handlung auftreten kann. “Dabei kommt es zum Beispiel dazu, dass man sehr bewegt und beeindruckt ist - manchmal wird es einem sogar buchstäblich warm ums Herz”, berichtet die britische Psychologin. Speziell interessierte die Forscher, ob das in dieser Situation verspürte Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen, ausreiche um Menschen tatsächlich zur Tat zu motivieren.
Dazu luden die Wissenschaftler Freiwillige zu einem Experiment ein, bei dem sie ihnen einen Fernsehspot zeigten. Das war entweder der Ausschnitt eines Naturfilms, einer Comedy-Serie oder einer Wohltätigkeits-Show. Man ließ die Probanden einen Text über das Gesehene verfassen und fragte abschließend scheinbar zufällig, ob sie noch einen Fragebogen für eine weitere Studie ausfüllen könnten. Es zeigte sich, dass die Studienteilnehmer nach dem Ansehen einer Szene mit erbaulichen Inhalten im Anschluss doppelt so lange vor Ort blieben als jene, die neutrale oder lustige Inhalte gesehen hatten.
Helfer statt Leidende ins Zentrum rücken
“Selbst wenn man nur kurze Zeit ein prosoziales Verhalten anderer Menschen beobachtet, kann dies eigene altruistische Handlungen auslösen”, kommentiert Schnall das Ergebnis. Für den Zusammenhalt der Gesellschaft sei dies eine wichtige Erkenntnis. “Medien stellen gerne Geschichten von Helden und Helfern vor. Das liegt wahrscheinlich daran, dass solche Personen die Menschen faszinieren und eventuell auch selbst zum Helfen inspirieren.”
Grundsätzlich ist auch die Empathie mit Leidenden ein wichtiger Verstärker für Hilfeleistungen. “Allerdings ist es oft schwer, diese Empathie herzustellen, besonders wenn es sich um Menschen handelt, die weit weg sind und mit denen man nicht viel gemeinsam zu haben scheint”, so die Studienleiterin. Spendenaufrufe könnten daher vielleicht sogar dann erfolgreicher sein, wenn sie die eindrucksvollen Handlungen der Helfer statt bloß das Elend der Hilfesuchenden beschreiben. (End
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Überstandener Krebs verschlechtert die Gesundheit
18.2.2010 von zaro.
Mehr Erschöpfung und Infekte über Jahre hinweg
Cleveland/Wien/Berlin - Anlässlich des heutigen Weltkrebstages rücken auch die Menschen in den Vordergrund, die den Kampf gegen Krebs gewonnen haben. Trotz der Heilung bleiben viele von der Erkrankung gezeichnet, berichten US-Forscher von der Case Western Reserve University http://msass.case.edu im Journal of the American Geriatrics Society.
Die Wissenschaftler untersuchten 500 ältere Frauen, von denen die Hälfte einen bösartigen Tumor in Brust, Gebärmutter oder Eierstöcken überlebt hatte, während die anderen nie an Krebs erkrankt waren. Dabei zeigte sich, dass die früheren Krebspatientinnen viel häufiger erschöpft waren und an ihre körperlichen Grenzen gelangten, häufiger den Arzt besuchten und auch mehr Tage pro Jahr bettlägerig waren. “Es wird immer wichtiger, ältere Krebsüberlebende zu untersuchen. Ihre Empfindungen unterscheiden sich dramatisch von denen ihrer Alterskollegen”, betont Studienleiterin Aloen Townsend.
Krankheit und Behandlung belasten
“Etwa die Hälfte der Patienten, die jährlich neu an Krebs erkranken, überleben die folgenden fünf Jahre. Nach dieser Zeitspanne gilt in der Krebsmedizin ein Tumor als geheilt”, erklärt Günther Gastl, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, im Interview. Rückfälle danach seien selten, allerdings entwickle sich bei rund fünf Prozent der Patienten infolge der Strahlen- oder Chemotherapie ein zweite Krebserkrankung. “Daher ist die jährliche Nachkontrolle bei einem Krebsfacharzt über lange Zeit wichtig”, so der Innsbrucker Krebsmediziner.
Krebsüberlebende gehören meist der älteren Bevölkerungsschicht an, liegt das Durchschnittsalter für Neuerkrankungen doch knapp unter 70 Jahren. Je älter der Patient sei, desto deutlicher sind oft die Folgen der überstandenen Krankheit und ihrer Behandlung. Beeinträchtigungen des Nervensystems oder des Geschmackssinns könnten häufig über längere Zeit andauern, zudem sinkt die körperliche und psychische Belastbarkeit. “Aufgrund des geschwächten Immunsystems neigt man auch dazu, bestimmte Infekte eher zu entwickeln”, erklärt Gastl.
Fruchtbarkeit bei Jüngeren in Gefahr
Bei bestimmten Tumoren, die schon im jüngeren Lebensalter auftreten können - etwa in den Hoden oder Eierstöcken - können laut dem Experten auch Fertilitätsstörungen zutage treten. “Besteht diese Gefahr, so werden manchmal Medikamente verabreicht, die die Keimdrüsen vorübergehend auf ’schlafend’ stellen und sie damit schützen. Auf Wunsch können auch Spermazellen oder Eierstockgewebe eingefroren werden, um eine spätere künstliche Befruchtung zu ermöglichen.”
Als wichtig erachtet Gastl, dass der Hausarzt über den Tumor, seine Behandlung und die möglichen Nebenwirkungen Bescheid weiß, damit es nicht zu Fehlbehandlungen kommt. “Vorsicht ist etwa bei Infekten gegeben. Die sonst häufig verschriebenen immunstimulierenden Mittel wie etwa Mistelpräparate können zum Beispiel Reste eines Lymphdrüsenkrebses reaktivieren.” Zu empfehlen sei daher, dass sich Hausärzte auch in der Behandlung ehemaliger Krebspatienten ständig weiterbilden.
Selbsthilfegruppen geben Unterstützung
“Die Tumore mit den höchsten Fünf-Jahres-Überlebensraten sind jene an Hoden, Harnblase, Hodgkin-Lymphome, Kehlkopf, Prostata und der schwarze Hautkrebs, letzterer jedoch nur bei früher Entdeckung”, erklärt Jan Thurner, Sprecher der deutschen Krebshilfe http://www.krebshilfe.de , gegenüber uns. Von der Art der Erkrankung hänge auch die notwendige Nachbetreuung ab. “Für Reha-Maßnahmen und zur Unterstützung für den Anschluss ins Berufs- und Familienleben sind besonders die Selbsthilfegruppen Ansprechpartner”, so Thurner. (Ende)
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Dominante Hand steuert die Wahrnehmung
16.2.2010 von zaro.
Linkshänder beurteilen sogar Persönlichkeitsmerkmale anders
Granada - Ob ein Mensch Rechts- oder Linkshänder ist, beeinflusst in hohem Ausmaß die Wahrnehmung und Interpretation seiner Außenwelt. Zu diesem Schluss kommen englische und spanische Psychologen auf der Online-Plattform Ciencia Cognitiva http://www.cienciacognitiva.org. Rechtshänder verbinden “Rechts” mit Begriffen wie “gut” oder “freundlich”, während Links als negativ eingestuft wird. Bei Linkshändern ist genau das Gegenteil der Fall, konnten die Forscher nun zeigen. Weit verbreitete sprachliche und kulturelle Verwendungen von rechts und links sind für Linkshänder somit widersprüchlich.
“Linkshänder denken oft, sie seien in einer falschen Welt geboren”, erklärt Julio Santiago de Torres von der spanischen Universität Granada http://www.ugr.es gegenüber uns. Viele Alltagsgegenstände wie Scheren, Computertastaturen oder Musikinstrumente seien für Rechtshänder konzipiert, wobei jedoch Linkshänder meist erstaunlich hohe Anpassungsfähigkeit zeigten. Darüber hinaus sind Unterschiede aber auch im Denksystem fest verankert. “Alle Kulturen bevorzugen die rechte Hand. Das zeigt sich in Ausdrücken wie ‘Er ist meine rechte Hand’ oder ‘Er hat zwei linke Hände’”, so der Verhaltenspsychologe.
Hand des Chefs beeinflusst Anstellungschance
Nun gelang den Forschern jedoch der Nachweis, dass Linkshänder links und rechts tendenziell anders bewerten als Rechtshänder. Santiagos Kollege Daniel Casasanto von der Stanford University stellte dazu Rechts- und Linkshändern die Aufgabe, Vorliebe oder Abneigung gegenüber bestimmten Tierarten anzugeben und diese im Plan eines Zoos einzuzeichnen. Die Rechtshänder platzierten beliebte Tiere eher rechts und unbeliebte links, bei Linkshändern war es umgekehrt.
Bei weiteren Versuchen galt es, Objektpaare nach Eigenschaften wie intelligent, ehrlich, attraktiv und glücklich zu beurteilen, zwischen zwei Bewerbern oder zwischen zwei Produkten im Supermarkt zu wählen. Alle Experimente bestätigten, dass Rechts- und Linkshänder tendenziell zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, wenn sie positive und negative Eigenschaften zuordnen sollen, wobei stets die Seite der dominanten Hand bevorzugt wird. Nur 14 Prozent der Teilnehmer vermuteten, dass ihre Wahl von der bevorzugten Hand beeinflusst werde.
Körper steuert auch abstraktes Denken
Bei Rechtshändern könne man laut Santiago davon ausgehen, dass die bessere Bewertung der rechten Seite einerseits auf die kulturell-sprachliche Prägung, andererseits auf ihre Körperwahrnehmung zurückgehe. “Bei Linkshändern fällt der kulturelle Aspekt weg. Die Bevorzugung von links kommt bei ihnen scheinbar alleine dadurch, dass der Körper besseren und schnelleren Zugang zur Umwelt auf der linken Seite hat als auf der rechten.” Es sei daher interessant, welch hohen Einfluss motorische Erfahrungen auf andere, weit abstraktere Dimensionen der Wahrnehmung haben, wie etwa Konzepte über Freundlichkeit, Intelligenz und Ehrlichkeit.
Nachdem die bisherigen Experimente in den USA, in Holland und Spanien die gleichen Ergebnisse gezeigt haben, hoffen die Forscher nun, in Marokko neue Hinweise erhalten. “Die Länder des arabisch-islamischen Kulturkreises bewerten links noch viel stärker negativ als bei uns. Die linke Hand ist hier für die Körperreinigung verantwortlich, die rechte für das Essen”, berichtet Santiago. Dieser Bezug sei auch religiös, stehe die rechte Hand im Islam doch für Gott und die linke für den Teufel. Zudem gibt es die Vorschrift, Moscheen stets zuerst mit dem rechten Fuß zu betreten. Vor religiösen Bezügen sei jedoch auch das Christentum nicht gefeit. “Auch in der Bibel lesen wir, dass sich der Menschensohn zur Rechten des Vaters setzen wird.” (Ende)
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Alle Menschen lachen vor Freude
11.2.2010 von zaro.
Geräuschausdruck besonders bei negativen Grundemotionen universell
London - Alle Menschen verstehen einander, wenn sie Freude, Wut, Angst und Trauer ausdrücken. Das behaupten Neurobiologen vom Londoner University College http://www.ucl.ac.uk in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Science. In Großbritannien und bei den Himba, einem Naturvolk im Norden Namibias, stellten sie fest, dass Hörbeispiele dieser Emotionen auch dann richtig interpretiert werden, wenn diese aus fremden Kulturen stammen.
Die Forscher um Sophie Scott spielten den teilnehmenden Personen beider Kulturen eine kurze Geschichte in ihrer Sprache vor, die auf eine spezielle Emotion abzielten. Da ging es zum Beispiel um die Traurigkeit einer Person, deren naher Verwandter vor kurzem verstorben ist. Am Ende der Geschichte hörten die Probanden zwei Geräusche - etwa ein Lachen und ein Weinen - wobei die englischen Versuchspersonen die Gefühlsausdrücke der Himba hörten und umgekehrt. Schließlich sollten sie sagen, welches Geräusch am besten zur Geschichte passte.
Lachen ist der älteste Emotionsausdruck
Am besten erkannten beide Versuchsgruppen das Lachen wieder und gaben an, es sei Ausdruck von Freude und könne etwa auch entstehen, wenn man gekitzelt wird. “Wir vermuten, dass das Lachen überall mit dem Kitzeln zusammenhängen kann. Es spiegelt Freude am körperlichen Spiel wieder”, so die Autoren. Lachen habe somit tiefe evolutionäre Wurzeln, die vielleicht aus der spielerischen Kommunikation zwischen kleinen Kindern und ihren Müttern stammen. Ersichtlich sei dies auch bei anderen Tieren - etwa bei Primaten wie beim Schimpansen und bei bestimmten Säugetieren.
Doch nicht alle Töne wurden gleich gut erkannt. Während grundlegende negative Emotionen über Kulturen hinweg ähnliche Geräusche verursachen, scheint das bei den meisten positiven nicht der Fall zu sein. Das konnten die Forscher etwa bei den Reaktionen auf Vergnügen oder auf Stolz über Erreichtes beobachten, die nur innerhalb der eigenen Kultur wiedererkannt wurden. Dass diese Emotionen eher gruppen- oder regionsspezifisch sind, erklären die Forscher damit, dass positiver Gefühlsausdruck oft zwischen Mitglieder derselben Gruppe vereinbart werden könnte, um so Zugehörigkeit und sozialen Zusammenhalt zu signalisieren.
Download des Originalartikels unter http://www.pnas.org/content/early/2010/01/11/0908239106.full.pdf+html (Ende)
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Familienprobleme können Kinder dick machen
11.2.2010 von zaro.
Soziologe: “Leben im Überfluss braucht Instanz, die Selbstkontrolle lehrt”
Stuttgart - Starkes Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen geht nur auf den ersten Blick auf zu wenig Bewegung und falsche Ernährung zurück. Die gesellschaftliche Entwicklung trägt viel dazu bei, kommen Sozialwissenschaftlicher der Universität Stuttgart http://www.uni-stuttgart.de/soz/tu zum Schluss. In einer großen qualitativen Befragung versuchten sie, Ursachen des frühen Übergewichts zu erheben. Als einer der Schlüsselfaktor zeigte sich dabei die Situation des familiären Umfeldes.
“Nach dem überstandenen Krieg gab es praktisch kein Übergewicht. Das war keine Folge von mehr Beherrschtheit der Menschen, sondern des Mangels“, erklärt Studienautor Michael Zwick im Interview. In der heutigen Überflussgesellschaft sei energiereiche Nahrung immer verfügbar und die Technisierung des Alltags und der Freizeit erlaube ein Leben ohne große Kraftanstrengung. „Um diese Lebensbedingungen zu bewältigen, braucht man ein Maß Selbstdisziplin, also die Fähigkeit, kompetente Entscheidungen zum Wohle der eigenen Gesundheit zu treffen“, so Zwick.
Keiner will erziehen
Die Vermittlung dieser Kompetenzen ist eigentlich Aufgabe der Familie, die diese Funktion jedoch oft nur unzureichend erfüllen kann. „Die Familie schafft es nicht, da sie selbst immer mehr abbröckelt. In den Großstädten wird heute fast jede zweite Ehe geschieden und immer mehr Kinder wachsen mit nur einem Elternteil auf. Doch auch in vollständigen Familien sind die Eltern berufsbedingt häufig abwesend.“ Die gemeinsame Zeit von Eltern und Kindern schrumpfe unentwegt und somit auch die Chance der Eltern, die Entwicklung des Kindes anzuleiten und zu kontrollieren. „Kinder sind sich, wenn es um Ernährung und Freizeitgestaltung geht, oft selbst überlassen und sie erfahren nicht, wie man gesund lebt und entsprechende Regeln anwendet.“
Dieser Funktionsverlust stehe im Zusammenhang mit der Bildung der Eltern. „Weniger Gebildete erlauben den Kindern am ehesten uneingeschränkten Zugang zu Spielkonsole oder Fernsehen, während die Kinder hoch gebildeter Eltern erheblich geringeren Medienkonsum aufweisen und mehr auf gesundheitsverträgliche Einkäufe achten“, erklärt Zwick. Gefährdete Familien seien sich kaum der Problematik, zudem würden sie Kampagnen nicht erreichen. Als Alternative würde sich zwar die Schule anbieten, doch hätten Interviews mit Lehrern im Rahmen der Studie gezeigt, dass diese es ablehnen, neben dem Bildungs- auch den Erziehungsauftrag zu übernehmen.
Schlankwerden braucht Hilfe des Umfeldes
Mediziner resignieren immer wieder angesichts des Booms übergewichtiger Kinder - in Deutschland sind heute etwa vier Prozent dieser Altersgruppe fettleibig und weitere acht Prozent übergewichtig. In den Interviews mit wieder schlank gewordenen Jugendlichen zeigten sich allerdings bestimmte Erfolgschancen der Selbsthilfegruppen. „Betroffene können dabei wichtige Kompetenzen erlernen und sich gegenseitig motivieren, wenn es um gute Ernährung oder sportliche Aktivitäten geht.“ Was in aller Regel fehlt, ist die Ausrichtung spezieller Gruppen für Kinder und Jugendliche sowie die Kostenübernahme durch Krankenkassen.
Entscheidend für dauerhaftes Abnehmen sei die soziale Unterstützung durch Änderungen im Lebensstil in der Familie, das dieser hohes Problembewusstsein abfordere. „Kommt man nach einer erfolgreichen Hungerkur nach Hause und sitzt am Tisch Eltern gegenüber, die weiterhin Schweinshaxen essen und Bier trinken, ist der Jojo-Effekt vorprogrammiert“, so Zwick. Der Spielraum für neues Essverhalten sei allerdings gering, weil tief sitzende Gewohnheiten oft nur schwer korrigiert werden können. Die betroffenen Kinder sind zudem erheblichem sozialen Stress ausgesetzt. „Dicke Jugendliche erleben zumeist massiven Leidensdruck. Zum einen deshalb, weil sie wegen ihrer Ästhetik vergleichsweise geringe Chancen beim anderen Geschlecht haben, zum anderen, weil sie ständigen Spott erleben.“
Politik kann am meisten verändern
Als optimalen Weg für eine Besserung bezeichnet der Stuttgarter Soziologe Änderungen der Rahmenbedingungen. „Würde man die Steuerbegünstigung für Zucker, Öle und Fette aufheben, die Bewerbung besonders energiehaltiger Nahrung verbieten oder deren Ampel-Kennzeichnung durchsetzen, würde das vor allem die Produzenten zum Umdenken bewegen.“ Da der Staat Hausrecht in Schulen habe, sei es kein Problem, mehr auf gesündere Ernährung im Pausenverkauf zu achten. „Doch auch die Stadtplanung sollte sich darauf konzentrieren, die Wohngebiete auf Bewegung, Sport und Fitness einzurichten. Seit Jahrzehnten orientiert man sich vorwiegend an der Verkehrs- und Autofreundlichkeit“, so der Studienleiter. (Ende)
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