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Archiv der Kategorie Beziehung

Chromosomen: Männer sterben nicht aus

Für Fruchtbarkeit entscheidende Gene bleiben bestehen

London/Berlin - Ein Forscherteam vom Institut für Genetik, Evolution und Umwelt der University College London http://ucl.ac.uk/gee hat bewiesen, dass das für Fruchtbarkeit verantwortliche Gen bleibt. Jeder Mensch verfügt über 23 Chromosomenpaare, eines davon ist ein Geschlechtschromosom: XY für Männer, XX für Frauen. “Das Y-Chromosom hat sowieso weniger Gene und ist auch fragiler als das X-Chromosom”, sagt Steve Robertson vom Institut für Geschlechterforschung an der Universität Leeds http://bit.ly/KYHB1J gegenüber uns. Fazit: Das Y-Chromosom trägt weniger als 200 Gene, während das X weit über 1.100 Gene verfügt.

Analysen bei Hühnern

Die Forscher untersuchten unter der Leitung der Judith Mank das W-Chromosom weiblicher Hühner. Es ist ähnlich wie das Y-Chromosom männlicher Menschen über Jahrmillionen geschrumpft. Und es ist genauso auf ein Geschlecht beschränkt, wie das Y beim Mann eben nur einen männlichen Nachfahren erzeugt.

Das Gen für die Möglichkeit der Vermehrung der Art blieb dem W-Chromosom erhalten. Die Untersuchung des W-Chromosoms bei Hühnern lässt Rückschlüsse auf das Y-Chromosom zu: “Die Y-Chromosomen sind nicht das genetische Ödland als das sie häufig gesehen werden”, sagt Mank.

Menschliche Rasse gesichert

Die Menschheit kann aufatmen. Das männliche Y-Chromosom bleibt uns in seiner Fortpflanzungsfähigkeit erhalten. Trotz seiner Schwäche überleben zumindest die Gene, die etwa für die Bildung von Spermien wichtig sind.

Selbst wenn sich das Y-Chromosom komplett abbauen würde, würde sich ein neues Paar der Geschlechtschromosomen entwickeln. Zunächst ist der Fortbestand der menschlichen Rasse gesichert. Zumindest in den nächsten Jahrmillionen - wenn nichts dazwischen kommt, so die Forscher. (Ende)

Rote Kleidung: Für Männer Einladung zum Sex

Farbe des T-Shirts genügt zur Betörung des starken Geschlechts

Lorient/Wiesbaden - Rote Kleidung macht Frauen nicht nur attraktiv, sondern signalisiert auch sexuelle Absichten. Experimente von Forschern der Université de Bretagne-Sud http://www.univ-ubs.fr zeigen, dass bereits die Farbe der Kleidung wesentliche sinnliche Botschaften verschlüsselt. “Männer glauben, dass rot gekleidete Frauen am schnellen Sex interessiert sind”, berichten die Wissenschaftler im “Journal of Social Psychology”.

Romantische Absicht

Konkret zeigte man 120 männlichen Studenten 30 Sekunden lang Portraits einer 20-jährigen Frau, deren T-Shirt jeweils anders eingefärbt war. Auf einer Skala galt es zu bewerten, wie attraktiv die Frau auf sie wirkte und ob sie sexuelle Absichten zu erkennen glaubten. Das Ergebnis: Als attraktivste Farbe zeigte sich Rot, gefolgt von Weiß, Blau und Grün. Bei der Sex-Frage führte Rot abermals, weit abgeschlagen lagen Blau, Grün und am Schluss Weiß.

Ursignal der Evolution

“Rot ist ein evolutionäres Ursignal, das sich nicht nur in der Balzfarbe vieler Affen, sondern auch im Lippenstift oder eben in der Kleidung wiederfindet”, betont der Wiesbadener Farbforscher Harald Braem http://www.farbcoaching.de im Presse-Interview. Jegliche Mode, die sich über dieses Grundsignal hinwegzusetzen versuche, sei im Vornhinein zum Scheitern verurteilt.

Die Rot-Forschung offenbarte schon bisher Kurioses über die Kommunikation zwischen den Geschlechtern: Männer rücken näher bei einer nahe sitzenden Frau, wenn sie Rot trägt, sind ihr gegenüber spendabler und nehmen sie öfter mit, wenn sie Auto stoppt. Frauen fahren hingegen eher weiter. Für Intelligenz, Liebenswürdigkeit oder Freundlichkeit ist Rot allerdings kontraproduktiv.

Zuviel Rot geht ins Auge

Doch Rot hat auch eine Kehrseite - gilt sie doch auch als stärkste Warn- und Verbotsfarbe. “Mit einer nur in Rot gekleideten Frau ist keine Kommunikation möglich. Das Date mit ihr wird nicht klappen, denn sie wirkt auf Männer wie eine rote Ampel”, betont Braem. Wirksamer sei die Tango-Variation mit Schwarz - oder das behutsame Signal der roten Rose. (Ende)

Selbstgespräche nützlich für Konzentration

Bessere Ergebnisse beim Wiederfinden und Auswendiglernen

Berlin - Menschen, die mit sich selbst sprechen, wirken zwar seltsam, können sich Sachverhalte jedoch besser merken. Psychologen der Universitäten Wisconsin-Madison http://wisc.edu und Pennsylvania http://www.upenn.edu haben belegt, dass das Reden mit sich selbst gut für das Wiederfinden von Dingen ist. Die Psychologen Gary Lupyan und Daniel Swingley führten dazu eine Reihe von Experimenten durch und beobachteten Menschen, die zu sich selbst murmeln, wenn sie versuchen etwas zu finden.

Auch innerer Dialog hilfreich

Ob man den Dialog laut oder nur innerlich führt, ist unerheblich. “Auch der innere Dialog kann uns unterstützen”, sagt Anja Vehrenkamp, Lehrtrainerin am Institut für angewandte Positive Psychologie in Berlin http://ifapp.de , gegenüber uns. “Wenn es um das Wiederfinden oder auch um das Auswendiglernen geht, macht es sehr viel Sinn, etwas auszusprechen”, so die Fachfrau. Bei Erwachsenen wirkt der Selbstdialog irrational, bei Kindern kann man sehr häufig beobachen, dass sie ihre eigenen Schritte für sich kommentieren.

Das Wiederholen und laute Aussprechen der Begriffe und Schritte hilft bei der Konzentration und beim Lernen, bestätigt Vehrenkamp. Daran können sich auch Erwachsene ein Beispiel nehmen. Die beiden Psychologen haben den Teilnehmern in ihrem ersten Experiment 20 Bilder von verschiedenen Objekten gezeigt. Daraufhin mussten die Probanden nach der Methode von Memory bestimmte Bilder wiederfinden. Menschen, die den Begriff vor sich hin murmelten, fanden das Bild schneller. (Ende)

Sextourismus 2050: Roboter ersetzen Prostitutierte

Zukunftsvision soll Amsterdams Rotlicht-Image retten

Melbourne/Wien - In Rotlichtbezirken der Zukunft gibt es keine Prostituierte mehr: Roboter übernehmen die Dienste, auf die Sextouristen heiß sind. Das behauptet der Management-Professor Ian Yeoman und die Sexologin Michelle Mars von der neuseeländischen Victoria University http://vu.edu.au in der Zeitschrift “Futures”. Bis zu 10.000 Euro würde Kunden künftig der Maschinensex wert sein. Andere Sex-Experten sind allerdings skeptisch.

Sexbots liefern Komplettservice

Die beiden Fachleute skizzieren den imaginären Sexclub “Yub-yum” in Amsterdam des Jahres 2050. Spärlich bekleidete “Sexbots”-Androiden aller Hautfarben und Körperformen liefern den Kunden einen Komplettservice, der von Massage, Lap Dance bis hin zu Geschlechtsverkehr reicht. “Amsterdams Tourismus baut auf Sex und Drogen. Angesichts der Sorge der Stadt, eine Verbannung der Prostituierten könne dem Image abträglich sein, bieten Clubs vom Typ ‘Yub-yum’ die Lösung”, so die Forscher.

Gebaut sind die Sexroboter aus einer viren- und bakterienresistenten Faser, die Überträger von Geschlechtskrankheiten unschädlich machen. “Robotersex ist Safer Sex, frei von den Einschränkungen, Vorsichtsmaßnahmen und Unsicherheiten seines echten Pendants”, schreiben Yeoman und Mars. Zweifel am Erfolg des Konzepts meldet die Sexologin Gerti Senger http://gerti-senger.at . “Wozu fahren Sextouristen nach Amsterdam, wenn sie dasselbe Angebot auch zuhause haben?”, so die Wiener Expertin gegenüber der Presse.

“Sex ist mehr als Technik”

Die Vision eines Sexroboters bezeichnet Senger im technischen Zeitalter als “naheliegend”, zudem gibt es erste Ansätze wie etwa in der einfachsten Form von Vibratoren ja längst. Dennoch werde selbst die ausgeklügeltste Maschine nie ein voller Menschenersatz sein. “Mit einem Androiden erreicht man bestenfalls eine punktuelle, mechanische Befriedigung, nie aber ein Gesamtkunstwerk, zu dem auch Hautkontakt und die Behaglichkeit einer lebendigen Berührung gehören. Sexualität ist mehr als Technik.”

Differenziert sieht Senger auch die Ankündigung der neuseeländischen Kollegen, “Sexbots” würden Kunden von etwaigen Schuldgefühlen gegenüber ihrem Partner befreien, da ja kein Sex mit einer realen Person zustande kommt. “Ein Freier und eine Prostituierte gehen eine fragmentierte Beziehung ein, wenngleich diese auf Berührungsempfinden beruht. Zwar kann man sicher sein, dass mit einem Roboter keine Gefühle ausgetauscht werden. Die Faszination an der Apparatur lässt aber auf eine Struktur der Persönlichkeit schließen, die im täglichen Zusammenleben nicht unbedingt förderlich ist.”

Link zum Originalartikel unter http://bit.ly/w2xhdS (Ende)

Sex erhöht Überlebenschance einer Art

Überwindung schädlicher DNA erst durch Neukombination

Edinburgh/Zürich - Paarungsrituale sind meist enorm kostspielig - für Menschen, jedoch auch für Tiere und Pflanzen. Warum die Natur dennoch bei den meisten Arten diesen beschwerlichen “Umweg” der sexuellen Fortpflanzung setzt, ist bislang noch immer nicht eindeutig geklärt. Einen experimentellen Hinweis für langfristige Vorteile von Sex liefern nun Wissenschaftler der Universität Edinburgh http://ed.ac.uk in der Zeitschrift “Genome Biology and Evolution”. Das Ergebnis soll laut den Studienautoren die Entwicklung von Hochertrags-Getreidesorten unterstützen.

Vorteil gegenüber Klonung

Die britischen Forscher um Penelope R. Haddrill nahmen die sexuelle Reproduktion von Fruchtfliegen (Drosphila melanogaster) unter die Lupe - genauer gesagt, die zufällige Neuverteilung der DNA im Moment der Kombination der Geninformation der beiden Elternteile, bei der das neue Individuum entsteht. Die Ergebnisse verglich man mit der per Gensequenzierung beobachteten Beeinträchtigung von Fliegen, die geklont wurden, wobei sich deren Erbgut nicht neu kombiniert hatte.

Schädliche Elemente der DNA, die eine Krankheit oder andere mögliche negative Einflüsse mit sich bringen könnten, werden binnen weniger Generationen ausgemerzt, so das Ergebnis der Neukombination des Genmaterials durch sexuelle Vermehrung. Die Erklärung der Forscher: Individuen, die gesunde Gene erben, gedeihen meist und geben ihre DNA dann auch an die nächste Generation weiter - während schwächere eher zugrunde gehen. Letzteres war bei der Klon-Variante vermehrt der Fall: Schadhaftes Material sammelte sich hier schnell an und schwächte dadurch die Art langfristig.

Schwächung von Schadmutationen

Schon 2006 haben Forscher in der Fachzeitschrift “Nature” die These einer “negative Epistasis” aufgestellt: Die negative Wirkung mehrerer Mutationen, die durch Gen-Renkombination zusammentreffen, sei schädlicher als die Kombination der Einzeleffekte. Damals analysierte man mit Computermodellen Bedingungen, unter denen sexuelle Vermehrung zur Eliminierung schädlicher Mutationen beitragen. Die sexuelle Fortpflanzung steigert demnach die Widerstandskraft gegenüber den Mutationen im Vergleich zur asexuellen Variante.

“Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Fortschritte in der Theorie und in den Experimenten. Dennoch ist das letzte Wort in der Frage nach dem Ursprung von Sex noch nicht gesprochen”, betont Sebastian Bonhoeffer vom Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich http://www.tb.ethz.ch gegenüber uns. Laut jüngsten Daten sei es allerdings kaum wahrscheinlich, dass die “negative Epistasis” als Erklärungsprinzip bereits ausreiche.

Rettender Zufall

Vielmehr stützen aktuelle Fortschritte des Faches die Begründung, dass der evolutionäre Vorteil von Sex auf dem Zusammenspiel von Selektion und “stochastischen Effekten” beruht. Diese spielen, wie Bonhoeffer darlegt, eine besonders große Rolle in kleinen Populationen. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Effizienz, mit der durch sexuelle Reproduktion schädliche Mutationen aus dem Genom eliminiert werden können.

“Zufällige Veränderungen der Genfrequenz - die so genannte ‘genetischen Drift’ - im Zusammenspiel mit der Selektion führen zu statistischen Assoziationen zwischen schädlichen Mutationen. Diese werden dann durch sexuelle Vermehrung mit Vorteil aufgebrochen. Jüngste Forschungen zeigen, dass dieser Effekt auch in wesentlich groessren Populationen zutrifft als man bisher vermutet hat”, so der Forscher.

Abstract der Studie unter http://gbe.oxfordjournals.org/content/4/3/278.abstract?sid=053974ef-a343-42cb-9f79-48207a61430d

(Ende)

“Vergiss, was du in der Schule gelernt hast!”

“Bildungslücke”-Buch von Thilo Baum nimmt Bildungssystem ins Visier

Berlin - “Vergiss alles, was du in der Schule und in der Uni gelernt hast!” Mit diesem provokanten Satz beginnt das neue Ratgeber-Buch “Die Bildungslücke”, das im Börsenmedien-Verlag http://boersenmedien.de erschienen ist. “Geradezu rituell beschweren sich Arbeitgeber über die mangelnden Qualifikationen junger Menschen”, meint Co-Herausgeber Thilo Baum http://thilo-baum.de im Interview. Bei der Kritik gehe es meist um Defizite in der Alltagskompetenz - aber auch um manches konkrete Handwerk, das heute am Arbeitsplatz zählt.

“Ausbildungsstätten vermitteln Fachwissen. Das bestreitet niemand”, so Baum. “Das Know-How, das allerdings nötig ist, dieses Fachwissen auch tatsächlich und erfolgreich in der Arbeitswelt anzuwenden, das fehlt.” Untersuchungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) http://www.dihk.de belegen diese Ergebnisse. Nur neun Prozent von insgesamt 14.000 Unternehmen sehen keine Mängel bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger. “Wir kennen keinen Arbeitgeber, der über heutige Schulabgänger in Begeisterungsstürme ausbricht.”

Mangel an Soft-Skills

Der Mangel der Schulabgänger liegt bei den Soft Skills. Diesen liegen Kriterien wie Disziplin, Belastbarkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft und Umgangsformen zugrunde. Der DIHK listet als wünschenswerte soziale Kompetenzen Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein, Team-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit auf.

Aber auch bei den Hard Skills unterrichtet die Schule laut Baum am Leben vorbei - und stattdessen unterhalte sich die Bildungsszene vor allem über formale Nebenaspekte. Baum: “Aber solange wir in der Schule nicht lernen, wie man mit Geld umgeht, Prioritäten setzt, Stil entwickelt und sich klar ausdrückt, so lange ist es ja eigentlich auch egal, ob man all diese Dinge im Frontalunterricht versäumt oder im Stuhlkreis.”

Diktatur der Theoretiker

Ein Problem sieht der Autor zahlreicher Bücher vor allem in der “Diktatur der Theoretiker”. “Das Bildungssystem und auch die das klassische Bildungsbürgertum vertretenden Theoretiker sollten die Realität anerkennen und sich eingestehen, dass die wesentlichen Dinge die Schule nicht lehrt, und was sie lehrt, ist großteils irrelevant”, kritisert Baum.

“Damit bereitet die Schule nicht aufs Leben vor, sondern nur auf die nächste Schule, etwa eine Uni, wo die Orientierung am Akademischen weitergeht.” Das Bildungssystem sollte auch nicht länger ignorieren, dass aus Schulabgängern Arbeitnehmer, Selbstständige, Führungskräfte, Manager und Unternehmer werden - nur eine Minderheit verbringe den Rest des Lebens an irgendeinem Uni-Institut oder als Literat.

Schule führt am Ziel vorbei

“Statt sich für die Anforderungen der beruflichen Wirklichkeit zu öffnen und die Lücken des Bildungswesens zu schließen, tut die Bildungsszene so, als würden alle Schulabgänger wissenschaftliche Mitarbeiter an irgendwelchen Unis”, so Baum. “Doch welcher Arbeitgeber beklagt, dass Schulabgängern Detailwissen über die Sonatenhauptsatzform oder über den Zitronensäurezyklus fehlt?” Und wer in einem dieser Themen nicht firm sei, bekomme in der Schule eine schlechte Note - selbst dann, wenn dieses Thema später im konkreten Leben des jeweiligen Menschen keine Rolle spielt.

“Niemand, den wir fragen, ist heute beruflich in einem Bereich tätig, den er oder sie früher als Schüler nicht mochte und widerwillig pauken musste.” Was also lag näher, als “Die Bildungslücke” als Buch zu machen? “Wenn man erfolgreich werden will, egal in welchem Bereich, ist es nicht ratsam, Gelehrte um Rat zu fragen, sondern eher Erfahrene.” Also haben er und sein Co-Herausgeber Martin Laschkolnig 20 Profis interviewt. Gemeinsam füllen sie “Die Bildungslücke” mit Themen wie Selbstwert, Respekt, Konfliktlösung, Verhandeln und auch Führung sowie Geld.

Weitere Informationen: http://facebook.com/diebildungsluecke

(Ende)

Tugend gibt Leichtigkeit im Leben

Psychotherapeut: Bauchgefühl alleine kein guter Ratgeber

Wien - Klugheit, Tapferkeit, Maßhalten und Gerechtigkeit: Die Psychologie entdeckt die antiken Tugenden wieder als mobilisierbare Stärken. Zum Thema macht dies im Mai die Fachtagung “Charakter und Charisma” http://www.rpp2012.org an der Uni Wien. “Man schätzt, dass Gene und Umwelt menschliches Verhalten zu je 40 Prozent vorherbestimmen. Die restlichen 20 Prozent sind freier Wille - den man durch Störungen verlieren, durch Tugenden aber stärken kann”, erklärt Tagungsleiter Raphael Bonelli im Interview.

Gene und Umwelt liefern Basis

Die Frage “Warum bin ich so, wie ich bin?” berührt drei Aspekte, legt der Wiener Psychiater und Psychotherapeut dar. Gewichtige Mitsprache haben die Gene, die Reaktionsmuster auf Reize - die Temperamente - vorherbestimmen. “So wie man auf die Welt kommt, stirbt man auch. Einmal Choleriker, immer Choleriker”, betont Bonelli. Die weiteren Idealtypen sind der Melancholiker, Sanguiniker und Phlegmatiker, wobei die meisten Menschen jedoch Mischformen sind.

Weniger eindeutig feststellbar als die biologische Bestimmtheit ist die vielschichtige Prägung durch die Umwelt wie etwa Familie, Erziehung, Peers, Sprache, Religion und Kultur. Diese Faktoren und das Temperament gemeinsam bilden die Ebene der Persönlichkeit, auf der viele der Störungen - etwa in Folge unverarbeiteter schlimmer Erlebnisse - angesiedelt sind.

Wettstreit im Bett

Doch auch der Charakter als dritte Ebene entscheidet über das menschliche Verhalten. “Nach Immanuel Kant formt man den Charakter, indem man den Willen nicht allein nach spontanen Gefühlen, Trieben, Interessen und Neigungen, sondern auch nach der Vernunft ausrichtet.” Bonelli vergleicht mit den Sinnbildern Bauch, Kopf und Herz. “Das Herz als Wille entscheidet, wem es folgt. Ideal ist, wenn es mit Bauch und Kopf übereinstimmt.”

Oft im Leben fehlt diese Harmonie allerdings, “zum Beispiel, wenn am Morgen der Bauch ‘Weiterschlafen!’ und der Kopf ‘Aufstehen!’ sagt”, veranschaulicht der Experte. Zwar sei der Weg der Vernunft häufig mühsam und ihre Stimme leise, doch könne man durch Training sogar die Gefühle danach ausrichten. “Kann sich der Wille auch gegen spontane Regungen entscheiden, nimmt seine Freiheit zu. Wird so das gewissensmäßig Gute eingeübt, entstehen daraus die Tugenden, die dem Leben Leichtigkeit und Freude verleihen.”

Weg zum Glück

Dieses Menschenbild erfährt seit der Jahrtausendwende durch die sogenannte “positive Psychologie” enormen Auftrieb. Lange hat sich die Therapie auf Defekte konzentriert und dabei verabsäumt, nach Stärken zu fragen. Als solche bezeichnet jedoch der US-Psychologe Martin Seligman im Bestseller “Der Glücksfaktor” die Tugenden. “Seligman rät, diese Stärken auszubauen, um glücklich zu werden. Welche Stärken hier besonders in Frage kommen, muss jeder selbst erkennen. Etwa für Choleriker ist oft das Maßhalten ein Thema, für Sanguiniker eher das Überwinden von Oberflächlichkeit”, sagt Bonelli.

Zu kurz greife hingegen der weit verbreitete Ansatz, bei Entscheidungen im Leben immer zuerst “den Bauch zu befragen”. Das Bauchgefühl sei kein Orakel, sondern ambivalent und könne sich auch zerstörerisch auswirken - erst recht wenn Emotionen wie Neid, Angst oder Hass im Spiel sind, erklärt der Experte. (Ende)

Alleine leben macht depressiv und krank

80 Prozent mehr Stimmungsheber werden eingenommen

Helsinki - Menschen im erwerbsfähigen Alter, die alleine leben, haben ein um bis zu 80 Prozent höheres Risiko an einer Depression zu erkranken als Menschen, die in Familien leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Finnish Institute of Occupational Health http://www.ttl.fi/en . Entscheidend sind die schlechten Wohnverhältnisse für Frauen und die fehlende soziale Unterstützung für Männer. Für die Studie wurde der Einsatz von Antidepressiva bei 3.500 Finnen untersucht.

Lebensumstände wichtig

Beth Murphy von Mind http://mind.org.uk betont, dass Menschen, die alleine leben, eine Möglichkeit haben müssen, über ihre Probleme zu reden. Antidepressiva alleine reichten auf keinen Fall aus. Laut dem Team um Laura Pulkki-Raback hat die Zahl der Menschen in Einpersonenhaushalten in der westlichen Welt in den vergangenen drei Jahrzehnten zugenommen. Einer von drei Menschen lebt in Amerika und auch in Großbritannien allein. An der aktuellen Studie nahmen 1.695 Männer und 1.776 Frauen teil. Sie waren im Schnitt 44,6 Jahre alt.

Die Probanden wurden im Jahr 2000 danach befragt, ob sie alleine oder gemeinsam mit anderen Menschen lebten. Zusätzlich wurden weitere Informationen über ihren Lebensstil aufgenommen. Dazu gehörten soziale Unterstützung, Arbeitsklima, Ausbildung, Einkommen, Beschäftigungsstatus und Wohnbedingungen sowie Rauchgewohnheiten, Alkoholkonsum und sonstige Aktivitäten.

Therapieansätze verbessern

Es zeigte sich bei der Auswertung der Daten, dass Menschen, die alleine lebten, in der Nachbeobachtung zwischen 2000 und 2008 rund 80 Prozent mehr Antidepressiva kauften als jene, die nicht alleine lebten. Pulkki-Raback ist der Ansicht, dass das wirkliche Risiko psychischer Probleme viel höher sein könnte. “Studien dieser Art unterschätzen das Risiko meistens, da Menschen mit dem höchsten Risiko am seltensten bis zum Ende einer Untersuchung mitmachen. Wir können daher also nicht einschätzen, wie verbreitet unbehandelte Depressionen sind.”

Das Leben mit anderen Menschen bietet laut den Forschern emotionale Unterstützung, gibt ein Gefühl der sozialen Integration und hat auch noch weitere Vorteile, die alle gegen psychische Probleme schützen. Das Alleinleben kann mit einem Gefühl der Isolation, fehlender sozialer Integration und fehlendem Vertrauen in Zusammenhang gebracht werden. Diese gelten als Risikofaktoren für die geistige Gesundheit. Laut der in BMC Public Health http://biomedcentral.com/bmcpublichealth veröffentlichten Studie müssen alle beteiligten Faktoren berücksichtigt werden, um Depressionen bei Menschen im erwerbsfähigen Alter besser zu verstehen und damit auch besser behandeln zu können. (Ende)

Arbeitslosigkeit: Kinder leiden mit Eltern

Negative Auswirkungen besonders für Söhne

Leipzig/Melbourne - Arbeitslosigkeit führt oft zu psychischen Krankheiten. Eine aktuelle Studie des Melbourne Institute of Applied Economic and Social Research http://melbourneinstitute.com zeigt nun, dass Erwerbslosigkeit nicht nur Auswirkungen auf die direkt betroffenen Eltern, sondern auch auf ihren Nachwuchs hat. Während Töchter mit dieser Situation besser umgehen können, leidet darunter insbesondere das Wohlbefinden der Söhne.

Psychische Leiden unbehandelt

“Ungefähr 30 Prozent aller Arbeitslosen leiden an psychischen Krankheiten”, sagt die Arbeitspsychologin Gisela Mohr von der Universität Leipzig http://uni-leipzig.de im Interview mit uns. Sie vermutet, dass psychische Erkrankungen bei Erwerbslosen oft gar nicht erkannt werden. “Antriebslosigkeit und Depression überschneiden sich zwar in den Symptomen, nicht aber im Krankheitswert. Es besteht die Gefahr, dass psychische Krankheiten nicht identifiziert werden”, erläutert die Wissenschafterin.

Jobverlust beeinflusst Generationen

Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit, neben dem fehlenden Einkommen vor allem der Verlust des Selbstbewusstseins, treffen aber nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Kinder. Dies unterstreichen auch die Forscher aus Australien, die dazu deutsche Eltern befragt haben. Während Töchter emotional mit ihren Müttern mitleiden, erleben Söhne die Auswirkungen der Erwerbslosigkeit ihrer Väter so, als wären sie selbst ohne Anstellung.

“Die negativen Auswirkungen eines reduzierten Haushaltseinkommens beeinflussen nicht nur das Selbstvertrauen und die sozialen Kontakte der aktuellen, sondern auch der nächsten Generation”, berichtet Studienautor John P. Haisken-DeNew. “Man kann von einem Domino-Effekt in einem familiären Kontext sprechen. Die Folgen von Arbeitslosigkeit sind weitreichender als wir früher dachten.”

Jugendarbeitslosigkeit politische Katastrophe

Die Psychologin Mohr betont, dass man vor allem bei der Erwerbslosigkeit von jungen Leuten ansetzen muss: “Für junge Leute ist der Berufseinstieg eine enorm wichtige Entwicklungsphase. Jugendarbeitslosigkeit ist eine politische Katastrophe.” Einen hohen Erwerbsanteil zu schaffen, müsse eines der obersten Ziele der Politik sein. (Ende)

US-”Generation Ego” lässt Gemeinwohl links liegen

Forschersicht in Hinblick auf deutsche Jugendliche gespalten

San Diego/Berlin - Als “Generation Me” bezeichnet der US-amerikanische Psychologe Jean Twenge von der San Diego State University http://sdsu.edu die heutigen 15- bis 25-Jährigen. In Deutschland bezeichnen Sozialforscher diese als “Generation Ego”. Twenge belegt in seiner Studie, dass sich diese neue Generation junger Amerikaner wenig für Fürsorge oder die Rettung der Umwelt interessiert. “Die Jungen in den 80er- und 90er-Jahren haben sich politisch engagiert und waren eher gemeinschaftsorientiert”, so Twenge. Die aktuellen Daten zeigen jedoch, dass die jüngste Generation viel mehr Wert auf Geld, Image und Ruhm legt.

Keine Philosophie des Lebens

Im Vergleich zu Menschen, die in den 70er-Jahren geboren sind, interessiert sich die heutige Jugend eher dafür, reich zu sein. Im direkten Vergleich stieg dieser Wert von 45 auf 70 Prozent. Die heute 32- bis 42-Jährigen interessierten sich zu 50 Prozent sehr für die aktuelle politische Lage, die “Generation Ego” hingegen zu 35 Prozent. Auch die”Entwicklung einer sinnvollen Philosophie des Lebens” ist von 73 auf 45 Prozent gesunken. Dabei hatten die Forscher bereits die in den 70er-Jahren Geborenen als egoistisch eingestuft.

“Das Egoismus-Label war unberechtigter Weise auf diese Generation angebracht, denn im Vergleich zur heutigen Generation waren sie geradezu selbstlos”, sagt Twenge. In Deutschland würden zwar viele Sozialforscher dem Urteil von Twenge zustimmen. Andere aber nicht: “Wir haben diese Generation als ‘pragmatische Generation’ bezeichnet”, sagt Ulrich Schneekloth, Autor der Shell-Jugendstudie http://shell.de/jugendstudie , der größten Jugenderhebung Deutschlands, gegenüber der Presse.

Ideologie bleibt auf der Strecke

“Man kann diese Generation nicht mit den 68er-Slogans charakterisieren”, erklärt Schneekloth. Demnach sei man nur aufgeklärt oder modern, wenn man politisch links sei. Die junge Generation sei nicht so unsozial, wie viele Sozialwissenschaftler sie bezeichneten. “Sie wollen etwas aus sich machen, sind aber gleichzeitig sozial orientiert. Sie empfinden es als ungerecht, wenn Leute ausgegrenzt werden”, sagt Schneekloth. Die “pragmatische Generation” interessiere sich sehr wohl für die Belange anderer.

“Das Motto ist: Ich muss schauen, wo ich bleibe und dass es um mich herum sozial und gerecht zugeht”, erklärt Schneekloth. Die neue Generation sei zwar unideologisch, folge zwar auch dem Mainstream, was aber nicht heißen würde, dass die jungen Menschen keine soziale Ader hätten. “Generation Ego oder Generation Me ist zu einseitig”, sagt der Shell-Studien-Autor. Die heutige Jugend grenze sich auch nicht so stark von den Eltern ab. “Die müssen sich nicht mehr befreien wie die Generationen vorher”, sagt Schneekloth. Die 15- bis 25-Jährigen würden eher pragmatisch denken, Ideologie hingegen sei total out. (Ende)

E-Mail und Surfen machen wahnsinnig

Falle Internet: Digital-Therapeutin fordert mehr Selbstkontrolle im Web

Wien - Unser Umgang mit digitalen Medien bringt uns um den Verstand und den Arbeitgeber um viel Geld. Mit scharfer Würze erklärt die Autorin Anitra Eggler http://anitra-eggler.com im Buch “E-Mail macht dumm, krank und arm” Verhaltensweisen wie “E-Mail-Wahnsinn” oder “Sinnlos-Surf-Syndrom” den Kampf. Ihre “Blitztherapien” liefert die Kommunikationsexpertin, die sich selbst als “Digital-Therapeutin” bezeichnet, mit einem Augenzwinkern. Im Interview beweist sie, dass die Ratschläge dennoch ebenso ernst gemeint sind wie das behandelte Problem.

Zeitdieb Internet

“30 bis 50 Prozent aller E-Mails sind sinnlos und ein ebensolcher Anteil der Surfzeit am Arbeitsplatz fördert nicht das Ergebnis, sondern stiehlt bloß Zeit. Zudem beträgt die durchschnittliche Verweildauer pro Facebook-Besuch oder auch die Ablenkung durch das Abrufen einer E-Mail im Schnitt 25 Minuten”, skizziert Eggler den Sachverhalt. Wahrgenommen werde dies nicht, denn das Gefühl für verrinnende Zeit sei ebenso wie die Selbstkontrolle im Netz völlig abhanden gekommen.

Entgleiste Nutzung

Als Symptome für bedenkliche E-Mail-Nutzung führt Eggler im Buch etwa an, dass sich private und berufliche Adresse bei vielen zunehmend vermischen. Zu oft kontrolliere die E-Mail wie ein Sklavenhalter den Arbeitsrhythmus und der Drang zum ständigen Nachsehen und Drücken des Empfangen-Knopfes sei oft schon suchtartig. Dazu bekrittelt es die Autorin auch als Unsitte, stets viele als Empfänger in die “CC”-Leiste zu setzen und somit den Verkehr zu erhöhen. Die Folgen: Informationsüberflutung, Konzentrationsverlust und ständige Ablenkung.

Um keinen Deut besser verhalte es sich bei der Suche im Internet. Das einstige “Nur-mal-kurz-im-Internet-Nachsehen” verkomme in der Endphase zum ziellosen, zwanghaften Surfen mit hohem Zeitaufwand, da sich Internetuser viel zu oft von Links zu Seiten verführen lassen, die sie ursprünglich gar nicht finden wollten. Durch das Medien-Multitasking, die Beteiligung an möglichst allen Sozialen Netzwerken und die vielen parallel geöffneten Browser-Tabs sei das Gehirn heillos mit Reizen überflutet. Auswirkungen habe dies auch für das reale Leben - vernichtete Arbeitszeiten etwa oder familiäre Entfremdungen bis hin zu Scheidungen.

Öffnungszeiten für E-Mail nötig

“Schraubt man E-Mail und Surfen um ein Drittel runter, bringt das viel zusätzliche Zeit für produktives Schaffen”, behauptet Eggler. Ähnlich radikal sind ihre konkreten Vorschläge: Den Arbeitstag offline beginnen, fixe E-Mail-Öffnungszeiten definieren und anderen auch mitteilen, E-Mails kurz und im Stil einer Nachrichtenagentur verfassen sowie kritisches Lesen vor dem Absenden. Auch beim Surfen sollte man ein Tageslimit etwa von zwei Stunden festlegen, die Augenbewegungen entschleunigen, die Maus an die kurze Leine nehmen, nur Gewinnbringendes anklicken und Inhalte völlig zu meiden, bei deren Betrachten man nicht ertappt werden möchte.

Die Autorin ist verwegen genug, um neben Selbsttests, Ratschlägen und Erster Hilfe für Betroffene auch Therapiepläne für Unternehmen zu skizzieren und dabei auch einen “Return of Investment” zu versprechen. Alles weitere im grafisch durchgestalteten Buch ist Motivationshilfe - etwa Mantras wie “Das Internet kann man nicht heiraten”, “Ich bin keine Festplatte” oder “Wir betrachten unsere Handys mehr als unsere Kinder” oder Zitate wie “Ich bezweifle, dass jemand mit Internetanschluss an seinem Arbeitsplatz gute Literatur schreiben kann”.

Ausbeuten statt ausgebeutet werden

Solange man die Digitalisierung im positiven Sinn bestmöglich ausbeutet, sei nichts gegen sie einzuwenden, betont Eggler. “Das tun wir aber nicht. Aus Angst, nicht mitreden zu können, beschaffen wir uns stets das neueste iPhone, ohne die Gebrauchsanleitung zu lesen und die Möglichkeiten zu nutzen”, so Eggler. Das maximale Potenzial schlagen diejenigen heraus, die etwa ihren Browser tatsächlich nach eigenen Bedürfnissen konfiguriert oder die Möglichkeiten der erweiterten Google-Suche nutzen und Begriffe oder Medienformate ein- und ausgrenzen. “Ziel ist, nur das zu bekommen, was ich brauche. Die meisten scheitern daran.”

Dass das Internet wichtige Bedürfnisse wie etwa nach Ablenkung und Spaß befriedigt, stellt die Medienexpertin nicht in Abrede, doch gebe es bessere Alternativen. “Es ist weitaus besser, einen Erfolg gemeinsam in der Kaffeeküche mit Prosecco zu feiern als auf Facebook. Wir müssen wieder mehr miteinander reden - in der Fleischwelt, oder zumindest am Telefon.”

Leseprobe (77 Seiten) unter http://bit.ly/nTULTu (Ende)

Onlinegames setzen Ehe aufs Spiel

Ungleichgewicht von Spiel und Beziehung bei drei von vier Spielern

Provo/Wien - Online-Rollenspiele haben bei Verheirateten negative Auswirkungen auf die Zufriedenheit im Eheleben. Die wissenschaftliche Bestätigung für diese These liefern nun Forscher der Brigham Young University http://home.byu.edu in der Zeitschrift “Journal of Leisure Research”. 75 Prozent der Spieler - meist waren es die Ehemänner - wünschen, sie würden weniger Einsatz in ihrer Gilde und mehr in ihrer Ehe zeigen. Der Prozentsatz dürfte laut Forschungsleiterin Michelle Ahlstrom noch höher sein, da viele der angefragten Spieler die Studienteilnahme verweigerten.

Streit um Schlafenszeit

Unter die Lupe nahmen die Forscher 349 Ehepaare, bei denen zumindest ein Partner häufig Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiele (MMORPGs) wie etwa World of Warcraft spielte. Das Durchschnittsalter der Befragten betrug 33 Jahre, die durchschnittliche Ehezeit sieben Jahre. Bei den Paaren mit einem Spieler war der Gamer zu 84 Prozent der Mann, doch auch bei den wenigen untersuchten Zweispieler-Paaren war der maskuline Teil zu 73 Prozent jener, der zeitmäßig häufiger im Spiel unterwegs war.

Die weit verbreitete Auffassung, dass Online-Spiele die Zufriedenheit in der Ehe senken, bestätigte sich. “Dabei geht es jedoch nicht primär um das Ausmaß der Spielzeit, die zur Unzufriedenheit führt, sondern vor allem darum, was das Spiel mit der Beziehung anstellt”, erklärt Ahlstrom. Häufig führt das Spiel laut Studie zu Streitereien, besonders oft ist auch die unterbrochene Schlafens- oder Bettgehzeit das Problem. Die Abstimmung der beiden Ehepartner verschlechterte sich, ebenso reduzierte sich die gemeinsam bei Aktivitäten verbrachte Freizeit oder die Zahl der ernsthaften Gespräche.

Wirtshaus 2.0

“Online-Spiele sind oft ein Problem in der Ehe, könnten in diesem Punkt aber meist gegen andere zeitraubende Aktivitäten wie Golf, Tennis oder Fußball ausgetauscht werden”, glaubt der Wiener Psychiater Hubert Poppe http://www.psychiatrie.co.at im pressetext-Interview. Das typische Grundmuster sei alt. “Früher warfen die Frauen ihren Männern vor: ‘Jetzt bist du schon wieder im Wirtshaus, bei der Sparvereinssitzung, im politischen Zirkel!’ Mit den Online-Spielen gibt es nun eine neue Variante davon, bei der man allerdings zuhause oder im Büro sitzt und damit anwesend und doch abwesend ist, was noch mehr schmerzt.”

Kernproblem sei weiterhin, dass sich ein Partner durch die Aktivität des anderen in der Bedeutung zurückgesetzt fühlt. Dieser wiederum sitzt zwischen zwei Stühlen - seiner Beziehung und der Spiel-Community. “Besonders bei pathologischen Spielern ist die Gilde der Faktor, der ein Einschränken der Zeit am meisten verhindert”, berichtet Poppe. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass im Internet zeitliche Schutzmechanismen wegfallen. “Es gibt keinen Platzwart, der den Schlüssel hat, und keine Öffnungszeiten, an die man sich halten muss. Am Server findet man zur jeder Tages- und Nachtzeit 10.000 Mitspieler.”

Spiel als Flucht

Ansätze wie Chinas Spielsperren sind allerdings keine Lösung, betont der Experte. Einerseits sei das Umgehen immer möglich, andererseits würden sich exzessive Spielphasen später meist ohnehin wieder einpendeln. Dennoch rät der Psychiater, als Schutz der Beziehung nach möglichst vielen Alternativen zu suchen, die Paare gemeinsam machen können. Auch ein gemeinsames Online-Spiel selbst kann sich positiv auswirken, wenn es beide gerne tun, zeigte die US-Studie. Doch auch der kritische Blick auf die Spielmotivation ist angebracht. “In vielen Fällen dürfte das Spiel auch Flucht aus dem Alltag und Rückzug in die Alternativwelt sein”, erklärt Poppe.

“Angst vorm Auslachen” als Krankheitssymptom

Vor allem Jugendliche fürchten sich vor Verspottung und Diskriminierung

Graz - Rund sieben Prozent der Österreicher leiden unter Gelotophobie. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, bei der Betroffene Angst davor haben, ausgelacht zu werden. Vor allem Jugendliche, die sich fürchten, in der Schule von anderen verspottet zu werden, weisen dieses Symptom als Persönlichkeitsmerkmal auf. Dies geht aus einer Studie der Universität Graz http://www.kfunigraz.ac.at hervor.

“Betroffene nehmen die - auch oft neutralen - Gefühlsausdrücke anderer negativ wahr und interpretieren diese falsch”, erklärt Psychologin und Studienleiterin Ilona Papousek im Gespräch mit uns. Zudem fällt es Gelotophobikern selbst schwer, Gefühle nach außen hin zu zeigen. Dies kann jedoch unter anderem zur Ausgrenzung des Betroffenen führen, wodurch dieser wiederum ein noch intensiveres Gefühl der Verspottung wahrnimmt.

Stetiges Schamgefühl

“Häufig gehen die Betroffenen auch selten Ehen oder langfristige Beziehungen ein”, so Papousek gegenüber pressetext. Gelotophobiker können die verschiedenen Arten von Gelächter, wie etwa freundliches, verlegenes oder schadenfrohes und gehässiges Lachen, nicht voneinander unterscheiden und sind davon überzeugt, lächerlich zu wirken. Zudem fanden Psychologen heraus, dass Gelotophobie unabhängig von Geschlecht, Alter, der regionalen sowie der sozialen Herkunft auftritt.

Dem “Nationalen Bildungsbericht 2009″ zufolge geben 19 Prozent der neun- bis zehnjährigen Schulkinder in Österreich sowie elf Prozent der 15 bis 16-jährigen SchülerInnen an, Opfer von verbaler oder psychischer Aggression zu sein. Man kann also davon ausgehen, dass sich in praktisch jeder Klasse zumindest ein Kind befindet, das von anderen verbal oder psychisch schikaniert wird.

Von mehreren sozialen Ängsten begleitet

“Ich glaube nicht, dass es Menschen gibt, die ausschließlich vor dem Lachen Angst haben. Solche Menschen haben ganz sicher auch andere Probleme und andere soziale Ängste”, meint Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie an der Universität Göttingen http://www.uni-goettingen.de . Wie es zur Entstehung der Krankheit kommt, ist noch ungeklärt. Jedoch wurde bereits ein psychologischer Test entwickelt, anhand dessen sich die Furcht vor Verspottung identifizieren und so von anderen Sozialphobien trennen lässt. (Ende)

“Zeit ist Geld”-Denken macht unzufrieden

Glücksforscher: Geld behindert Beziehungen und Glücksstreben

Toronto/Heidelberg - Wer Zeit vorrangig an ihrem finanziellen Wert misst, büßt dadurch an Zufriedenheit ein. Das behaupten kanadische Forscher im “Journal of Experimental Social Psychology”. “Wie wir die Zeit wahrnehmen, bestimmt in hohem Maß das persönliche Wohlbefinden. Menschen, die ständig an Geld denken, empfinden Stress und Ungeduld, sobald sie einmal nichts tun - auch in ihrer Freizeit. Sie können sich kaum mehr über einfache, kleine Dinge freuen”, sagt Studienleiter Sanford DeVoe von der Rotman School of Management in Toronto http://rotman.utoronto.ca .

Stressiges Nichtstun

Einen Hinweis dafür haben die Wissenschaftler in einer Versuchsreihe erbracht. Sie baten Studenten, den künftigen Stundenlohn ihres Traumjobs zu berechnen, während anderen diese Aufgabe erspart blieb. Nur wer sich mit dem Geldwert von Zeit beschäftigt hatte, zeigte im Anschluss weniger Zufriedenheit und konnte in den Testpausen das Nichtstun nicht genießen. Entspannen konnten sich diese Versuchspersonen erst dann, als ihnen die Forscher eine kleine Summe für das Musikhören versprachen.

Geiz, Gier und Verschwendung

“Die Beschäftigung mit Geld kann viele negative Gefühle auslösen, die das Glücksstreben behindern - allen voran Geiz, Gier und Verschwendungssucht”, erklärt der Glücksforscher Erst Fritz-Schubert http://fritz-schubert-institut.de im Interview. Geld belastet Beziehungen: Kommt es ins Spiel, rücken Partner messbar auseinander - für Fritz-Schubert ein Grund, warum man mit Freunden besser keine Geschäfte abschließt. “Reichtum macht nicht immer glücklich”, so der Experte.

Damit schwingt jedoch auch mit, dass Geld manchmal durchaus zufriedener macht. Zutreffen dürfte dies laut Studien einerseits, solange Grundbedürfnisse nicht befriedigt sind, also etwa bei Menschen unter dem Existenzminimum. Ist der Wohlstand bereits gegeben, steigt das Wohlbefinden durch Geld jedoch nicht mehr, zeigt die BIP-Entwicklung ab 1970. “Es kommt sehr darauf an, wie viel Geld man bereits auf dem Konto hat und wie sinnstiftend man es einsetzt”, betont Fritz-Schubert.

Bindung statt Sportwagen

Um nicht in die Zeit-ist-Geld-Falle zu tappen, rät der Experte einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. “Wir beschäftigen uns zunehmend mit dringlichen Dingen, vergessen aber auf das Wichtige und Glücksbringende. Die Technologisierung und Informationsflut etwa geht auf unseren Wunsch nach mehr Effizienz zurück. Wir sparen damit Zeit, nutzen sie aber nicht für Wichtiges, sondern vertreiben sie wieder. Mit ein wenig Überblick kann man dies jedoch durchschauen.”

So zeigte Fritz-Schubert in Persönlichkeitstrainings mit Jugendlichen und Erwachsenen, dass hinter dem Wunsch vieler nach einem Sportwagen andere Ziele stecken. “Fast einhellig wollen junge Burschen damit das schönste Mädchen erobern, den Respekt der Eltern und Nachbarn erkämpfen und Spaß am Fahren mit acht Gängen erleben - also Bindung, Anerkennung und Neugier. Bietet man stattdessen immerwährende Freundschaft, Gelassenheit und Humor, erkennen viele, dass sie ihre Absichten dadurch ohnehin verwirklichen würden, ohne dabei die negativen Begleiterscheinungen von Geld als Ersatzglück in Kauf nehmen zu müssen”, berichtet der Forscher.

PDF-Download der Studie unter http://www.rotman.utoronto.ca/facbios/file/DeVoe%20and%20House,%20JESP.pdf

(Ende)

Stillen schützt vor Asthma

Muttermilch verhilft zu freiem Atmen und größerer Lunge

Bern - Schulkinder, die als Babys gestillt wurden, zeigen bessere Lungenfunktionswerte als jene, die keine Muttermilch erhalten haben. Das berichten Forscher der Universität Bern http://unibe.ch in einer Studie des Schweizerischen Nationalfonds. US-Forscher hatten zuvor behauptet, dass asthmakranke Mütter mit dem Stillen das Asthma-Risiko des Kindes erhöhen. Das konnten die Forscher nun widerlegen. “Stillen kann guten Gewissens empfohlen werden - erst recht für Asthmatikerinnen”, betont Studienleiterin Claudia Kühni im Presse-Interview.

Lunge um 180 Milliliter größer

Die Forscher vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin analysierten umfangreiche Daten von 1.400 englischen Schulkindern. 273 davon waren Kinder einer Mutter mit Asthma. Die Auswertung zeigte, dass das frühe Gestilltwerden alle Kinder freier atmen ließ. Bei Kindern, deren Mütter Asthma hatten, fand sich auch ein positiver Einfluss auf die Lungengrösse, und zwar umso stärker, je länger sie gestillt wurden. Den Hinweis dafür lieferte die Auswertung des Atemzugsvolumens, schreiben die Forscher im “American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine”.

“Im Schnitt haben gestillte Kinder von Mütter mit Asthma im Schulalter um 180 Milliliter mehr Atemvolumen als Nichtgestillte. Zwar ist dieser Unterschied nicht groß, doch würde sich der Anteil von 20 Prozent der ungestillten Kindern mit der schlechtesten Lungenfunktion durch das Stillen auf zehn Prozent verringern”, erklärt Kühni. Dass US-Daten von 2001 und 2007 teils ein negatives Urteil gefällt hatten, dürfte in den Augen der Forscherin außer auf methodische Unterschiede eventuell auch auf andere Asthma-Behandlungsformen zurückzuführen sein.

Asthma-Medizin kein Hindernis

Für die Wirkung von Asthmamedikamenten auf ein gestilltes Kind gibt es bisher noch wenig Studien. Asthma zählt sicher nicht zu den wenigen Krankheiten, bei denen laut offiziellen Empfehlungen auf das Stillen verzichtet werden sollte. “Richtig dosiert haben Asthmamedikamente während Schwangerschaft und Stillzeit sicher keine negativen Auswirkungen auf das Kind haben. Beim Stillen sind die gesundheitlichen Vorteile für Mutter und Kind eindeutig im Vordergrund.”

Ein Rätsel bleibt weiterhin, auf welche Weise Muttermilch die Lunge positiv beeinflusst. Zwar sind enthaltene Abwehrstoffe bekannt, die vor Atemwegsinfekten in den ersten Lebensjahren schützen und die Lungenfunktion stärken. Folgt man den Auswertungen, sind jedoch andere Hauptursachen wahrscheinlich. “Möglich wäre, dass hormonähnliche Substanzen in der Muttermilch die Lunge größer und widerstandsfähiger machen. Oder das Saugen an der Brust stimuliert das Lungenwachstum mechanisch”, vermutet Kühni. (Ende)