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Archiv der Kategorie Fachpublikation
Raubbau am Planeten Erde spitzt sich zu
16.5.2012 von zaro.
WWF-Studie: EU-Lebensstil verschlingt 2,66 Mal zu viel Ressourcen
Raumstation ISS - Fehlende Nachhaltigkeit in Produktion und Konsum lassen unseren Planeten immer mehr erkranken: Anderthalb Jahre braucht die Erde derzeit, um die in einem Jahr vom Menschen genutzten Ressourcen wieder neu zu schaffen. Blickt man allein auf die Industrieländer, fällt der Vergleich jedoch noch weit schlechter aus: Würden alle so leben wie die EU, wären sogar 2,66 Erden pro Jahr nötig. Das geht aus dem “Living Planet Report” hervor, den die Umweltschutzorganisation WWF http://wwf.panda.org am heutigen Montag veröffentlicht hat.
Hauptschuldige: Öl, Kohle und Waldverlust
Der alle zwei Jahre erhobene Index stellt den ökologischen Fußabdruck der Länder mit den verfügbaren Ressourcen - der “Biokapazität” - gegenüber. Nachhaltiger Konsum würde nur das verbrauchen, was die Erde bieten kann, nämlich zwölf Mrd. Hektar (ha) pro Jahr oder 1,8 ha pro Mensch. Derzeit verbraucht die Menschheit jedoch 18 Mrd. globale Hektar oder 2,7 ha pro Person, also das 1,52-Fache. Österreich (5,29 ha), die Schweiz (5,01 ha) und Deutschland (4,57 ha) liegen noch deutlich über diesem Durchschnitt, während sich Länder mit mittlerem Einkommen mit 1,92 ha, bei niedrigem Einkommen sogar mit 1,14 ha Verbrauch begnügen.
Hauptverursacher dieses enormen Raubbaus sind mit einem Anteil von 55 Prozent die Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen wie Öl und Kohle. Dahinter rangiert mit 20 Prozent der Waldverlust durch Umwandlung von Wald in Weide- und Ackerland, der jährlich mit 130.000 Quadratkilometern - der gemeinsamen Fläche Österreichs und der Schweiz - voranschreitet. Gibt es künftig keinen strengeren Waldschutz, gehen bis 2050 weitere 2,3 Mio. Quadratkilometer Waldfläche verloren, rechnet der WWF vor. Doch auch die Überfischung wirkt sich empfindlich aus - heute fischt man fünfmal mehr als 1970.
Erde gerät unter Druck
Gemeinsam mit anderen Ursachen wie Umweltverschmutzung, Zerstören der Lebensräume oder Bioinvasoren hat der Klimawandel vor allem zum Artenverlust geführt: In den vergangenen 40 Jahren verschwanden 30 Prozent aller Arten des Planeten - in den Tropen 60 Prozent und an tropischen Flüssen sogar 75 Prozent - oder gingen zumindest empfindlich zurück. Die Spezies Mensch bekommt den Wandel unter anderem durch Wasserknappheit zu spüren: 500 Mio. leiden unter negativen Auswirkungen von Flussregulierungen, 900 Mio. fehlt sauberes Trinkwasser und 2,7 Mrd. haben keinen Zugang zu Sanitäranlagen.
Totale Umgestaltung nötig
Für die Zukunft liefert der WWF ein düsteres Bild: “Rechnete man 2006 noch damit, dass wir erst 2050 zwei Planeten brauchen werden, so dürfte dieser Zustand schon 2030 erreicht werden. 2050 sind drei Planeten nötig”, erklärt Franko Petri, Sprecher des WWF Österreich http://wwf.de , im Interview. Zwar entwickeln sich viele Industrienationen dank Umweltmaßnahmen positiv, doch trügt der Schein. “Dies geht nur darauf zurück, dass hier die Abholzung schon vor 1970 geschah und man sich heute Naturschutz leisten kann. Dazu kommt, dass der Konsumstil der Industrienationen vor allem Entwicklungsländer ausbeutet.”
Trotz dieser dramatischen Lage sei es zu schaffen, 2050 neun Mrd. Menschen mit Nahrung, Energie und Wasser zu versorgen, doch müssten dafür die Lebensweise und Wirtschaft komplett umgestellt werden. “Produktion und Konsum müssen als Ganzes gesehen werden. Wir brauchen eine Transformation, die Wachstum und Ressourcen entkoppelt - also in Richtung mehr Dienstleistung, nachhaltigerem Konsum und mehr erneuerbaren Energien”, sagt Petri. Fließen die natürlichen Ressourcen nicht in die Rechnungen des internationalen Finanzsystems ein, sei ein Jahrhundert der Umweltkatastrophen unvermeidbar. Ende
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Unbewusstes Wissen wirkt bewusst
14.5.2012 von zaro.
Auch unbewusste Erfahrungen leiten unsere Entscheidungen
Bern - Unsere Entscheidungen werden auch von unbewussten Gedanken beeinflusst. Das haben der Berner Psychologe Thomas Reber und sein Team an der Universität Bern http://unibe.ch herausgefunden. Die unbewussten Abläufe laufen demnach ohne unser Wissen im Bewusstsein ab. Bisher wurden in der Psychologie bewusste und unbewusste Entscheidungen unterschiedlich eingeschätzt. “Eine neuere Theorie würde nicht mehr unterscheiden zwischen bewussten und unbewussten Gedächnissystemen”, sagt Reber gegenüber uns.
Hippokampus speichert Unbewusstes
Die Forscher des Centers for Learning, Memory and Cognition http://www.cclm.unibe.ch konnten zeigen, dass unbewusst erlebte Situationen auch unbewusst analysiert, miteinander verglichen und abgespeichert werden. Das unbewusst erworbene Wissen kann sogar in bewusst erlebten Situationen wieder hervorgeholt werden. Unbewusstes Wissen beeinflusst unser Entscheidungsverhalten ebenso wie bewusstes Wissen.
Das bewusste Gedächtnissystem, der Hippokampus, ermöglicht komplexes Lernen und Erinnern. Die Wissenschaftler machten ein Gedächtnis-Experiment mit Versuchspersonen. Den Probanden wurden verschiedene Situationen dargestellt: “Wir sehen unseren jungen Nachbarn in einem neuen Sportwagen vorbeirauschen. Später sehen wir einen uns unbekannten älteren Herrn am Steuer desselben Sportwagens sitzen”, lautet etwa eine Beschreibung innerhalb des Experiments.
Gängige Gedächtnistheorien erweiterbar
Die Versuchspersonen verbinden im Gedächtnis diese beiden Situationen - das passiert bewusst. Deswegen reagieren die Probanden nicht überrascht, wenn der “Nachbar” später neben dem älteren Herrn im Kino sitzt. In dieser Weise wirken bewusst erinnerte Situationen auf unser bewusstes Verhalten. Nun kann das Ganze auch unbewusst ablaufen - aber dennoch unser bewusstes Verhalten beeinflussen. Dafür zeigten die Experten den Versuchspersonen die Situation “Nachbar im neuen Sportwagen” und “Nachbar mit älterem Herren” nur unterschwellig.
Das Bild wird den Versuchspersonen nur in einigen Tausendstel einer Sekunde gezeigt. Dadurch konnten die Probanden die Situationen nur unbewusst erfassen. Die Situation “Nachbar mit älterem Herren im Kino” wurde hingegen normal lange gezeigt. Diese Situtation verlangte von den Versuchspersonen eine bewusste Entscheidung. Die Situation wurde bewusst und unbewusst gleich beurteilt. “Diese Ergebnisse erweitern gängige Gedächtnistheorien und relativieren die Bedeutung des Bewusstseins beim Lernen”, meint Reber. (Ende)
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Erziehung und Freunde fördern Suchtprävention
14.5.2012 von zaro.
Experten: Disziplin und Interesse der Eltern wesentlich
München/State College - Der Konsum von Zigaretten, Alkohol und illegalen Drogen beginnt meist bereits in der Jugendzeit. In diesem Lebensalter sowie in den Jahren davor muss Prävention ansetzen, um Sucht frühzeitig aus dem Weg zu gehen. Die Eltern eines Jugendlichen spielen hier eine wichtige Rolle, zeigen US-Forscher in aktuellen Studien, genauso jedoch auch die Freunde und deren Eltern. “Eltern verlieren im Lauf der Adoleszenz an Einfluss, während jener durch Peers zunimmt”, betont Patrick Durner, pädagogischer Leiter der “Stiftung SehnSucht” http://stiftung-sehnsucht.de , im Interview.
Vorbild der Eltern
Genauso wie die Sucht besitzt auch die Prävention drei Ebenen - das Suchtmittel, die Umwelt und die Person selbst. “Sind Drogen teuer, schlecht verfügbar oder nebenwirkungsreich, kann dies Jugendliche abhalten”, sagt Durner. Bei der Umwelt spielen gute Beziehungen zu Gleichaltrigen, Freizeitmöglichkeiten im Wohnumfeld oder die Lernumgebung in der Schule eine Rolle, doch auch schulisch und beruflich attraktive Perspektiven oder gesellschaftliche Ablehnung des Suchtmittels. “Besonders schützend ist zudem, wenn man eine unterstützende, verständnisvolle Familie hat und gute Hilfesysteme existieren”, so der Sozialpädagoge, dessen Stiftung suchtpräventiven Programme für Schulen bietet.
Doch wie sieht Erziehung aus, die Süchten vorbeugend entgegenwirkt? Durner mahnt, dass es vor allem um das Vorbild der Eltern geht. “Verharmlosen sie den eigenen übermäßigen Konsum und fordern gleichzeitig von den Kindern Abstinenz, kann dies ebenso suchtfördernd sein wie mangelnde Struktur sowie Desinteresse am Kind und dem, was es beschäftigt.” Problematisch ist reine Leistungsorientierung bei wenig Bestätigung, während Konsequenz, das Setzen von Grenzen, jedoch auch Wertschätzung und das schrittweise Zugeständnis von mehr Rechten und Freiheiten schützend wirken.
Stress und Frust bewältigen
Viele Weichen der dritten Ebene - der Person selbst - werden schon früh gestellt. Entscheidend ist hier etwa die Erfahrung, dass man mit eigenen Fähigkeiten etwas bewirken kann, Selbstbewusstsein und Selbstwert. Auch Risikokompetenz, konkrete Zukunftsperspektiven und die Anerkennung durch Gleichaltrige und erwachsene Bezugspersonen gehören dazu. “Es geht jedoch genauso um konstruktiven Umgang mit negativen Gefühlen wie Stress und Frust. Deshalb kommt es sehr darauf an, ob etwa der Vater nach einem stressigen Arbeitstag Alternativen zu Bier und Fernseher hat - oder ob eine Familie Gefühle bespricht und Schwierigkeiten konstruktiv löst.”
Auch Freundeseltern haben Einfluss
Freunde und deren Eltern haben bei Jugendlichen allerdings genauso viel Einfluss auf das Suchtverhalten wie die eigene Familie, zeigen Präventionsforscher der Pennsylvania State University http://psu.edu aktuell im “Journal of Studies on Alcohol and Drugs”: Selbst wenn die Eltern konsequent sind und auf Disziplin pochen, steigt das Suchtrisiko, wenn die Eltern der Freunde nicht wissen, wo diese sich gerade aufhalten, ergab eine Untersuchung bei 10.000 Teenagern. “Suchtprävention braucht deshalb ein ganzes Dorf”, schlussfolgert Studienleiter Michael J. Cleveland.
“Wenn der Vater eines Freundes bei Alkohol deutlich großzügiger ist und gleichzeitig besseren Bezug zu den Kids hat, wird ein Jugendlicher unter Umständen sein Konsummuster an diesem ausrichten”, betont Durner. Positiv wirken Eltern der Freunde somit nur dann, wenn sie selbst einen guten Bezug zu ihrem eigenen Kind und dessen Freunden pflegen. “Hat ein Jugendlicher vor einem Erwachsenen Respekt oder bewundert ihn, wird dieser zum Vorbild und kann sich auf das Konsummuster auswirken - positiv oder negativ.” (Ende)
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Rote Kleidung: Für Männer Einladung zum Sex
26.4.2012 von zaro.
Farbe des T-Shirts genügt zur Betörung des starken Geschlechts
Lorient/Wiesbaden - Rote Kleidung macht Frauen nicht nur attraktiv, sondern signalisiert auch sexuelle Absichten. Experimente von Forschern der Université de Bretagne-Sud http://www.univ-ubs.fr zeigen, dass bereits die Farbe der Kleidung wesentliche sinnliche Botschaften verschlüsselt. “Männer glauben, dass rot gekleidete Frauen am schnellen Sex interessiert sind”, berichten die Wissenschaftler im “Journal of Social Psychology”.
Romantische Absicht
Konkret zeigte man 120 männlichen Studenten 30 Sekunden lang Portraits einer 20-jährigen Frau, deren T-Shirt jeweils anders eingefärbt war. Auf einer Skala galt es zu bewerten, wie attraktiv die Frau auf sie wirkte und ob sie sexuelle Absichten zu erkennen glaubten. Das Ergebnis: Als attraktivste Farbe zeigte sich Rot, gefolgt von Weiß, Blau und Grün. Bei der Sex-Frage führte Rot abermals, weit abgeschlagen lagen Blau, Grün und am Schluss Weiß.
Ursignal der Evolution
“Rot ist ein evolutionäres Ursignal, das sich nicht nur in der Balzfarbe vieler Affen, sondern auch im Lippenstift oder eben in der Kleidung wiederfindet”, betont der Wiesbadener Farbforscher Harald Braem http://www.farbcoaching.de im Presse-Interview. Jegliche Mode, die sich über dieses Grundsignal hinwegzusetzen versuche, sei im Vornhinein zum Scheitern verurteilt.
Die Rot-Forschung offenbarte schon bisher Kurioses über die Kommunikation zwischen den Geschlechtern: Männer rücken näher bei einer nahe sitzenden Frau, wenn sie Rot trägt, sind ihr gegenüber spendabler und nehmen sie öfter mit, wenn sie Auto stoppt. Frauen fahren hingegen eher weiter. Für Intelligenz, Liebenswürdigkeit oder Freundlichkeit ist Rot allerdings kontraproduktiv.
Zuviel Rot geht ins Auge
Doch Rot hat auch eine Kehrseite - gilt sie doch auch als stärkste Warn- und Verbotsfarbe. “Mit einer nur in Rot gekleideten Frau ist keine Kommunikation möglich. Das Date mit ihr wird nicht klappen, denn sie wirkt auf Männer wie eine rote Ampel”, betont Braem. Wirksamer sei die Tango-Variation mit Schwarz - oder das behutsame Signal der roten Rose. (Ende)
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Männer nähern sich Lebenserwartung von Frauen
24.4.2012 von zaro.
Prognose: 2030 sterben beide Geschlechter im Schnitt mit 87 Jahren
London - Der Unterschied der Lebenserwartung zwischen Frauen und Männern wird geringer. Männer könnten diesen Unterschied laut einem Berater des Office for National Statistics http://ons.gov.uk aufgeholt haben. Laut Les Mayhew von der Cass Business School http://cass.city.ac.uk war der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern Anfang der 1970er-Jahre mit rund 5,7 Jahren am größten.
Sechs Jahre mehr
Die Lebenserwartung steigt allgemein an. Der größte Anstieg ist jedoch bei Männern zu beobachten. Ein Großteil dieser Veränderung wird darauf zurückgeführt, dass die Anzahl der Raucher zurückgeht. Mayhew analysierte in England und Wales Daten zur Lebenserwartung. Der Statistiker berechnete, wie groß die Lebenserwartung von 30-Jährigen ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Männer bei der Lebenserwartung jahrzehntelang im Rückstand lagen und jetzt näher an die Werte der Frauen heranrücken.
Bleibt dieser Trend bestehen, könnten beide Geschlechter 2030 eine durchschnittliche Lebenserwartung von 87 Jahren aufweisen. Laut dem Wissenschaftler hat sich die Lebenserwartung in den vergangenen 20 Jahren mit 30 Jahren um rund sechs Jahre erhöht. Steigt sie in den kommenden 20 Jahren genauso an, dann wird die Lebenserwartung von Männern und Frauen gleich werden, so seine Prognose.
Weniger Raucher
Ein Grund für die Entwicklung könnte sein, dass Männer heute gesünder leben. Deutlich weniger Männer rauchen. Nach den 20er-Jahren rauchten immer mehr Männer. Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung rauchten rund 80 Prozent der Männer. Dass inzwischen weniger Frauen rauchen, dürfte die allgemeine Lebenserwartung erhöhen. Ein anderer Faktor dürften sicherere Arbeitsplätze sein. Millionen Männer arbeiteten früher unter gefährlichen Bedingungen zum Beispiel im Kohleabbau. Hinzu kommt das bessere Gesundheitssystem.
Frauen begannen später zu rauchen als Männer. Lungenkrebs nimmt bei Frauen allerdings immer noch zu, bei Männern geht er bereits zurück. Ein Junge und ein Mädchen, die am gleichen Tag geboren sind, werden trotzdem noch nicht die gleiche Lebenserwartung haben. Die Studie konzentrierte sich auf Personen, die bereits 30 Jahre alt waren. Jungen sterben eher als Mädchen. Sie üben auch eher gefährliche Sportarten aus oder sind an tödlichen Unfällen beteiligt. Das bedeutet, dass die Lebenserwartung der Frauen noch weiter höher bleiben könnte.
Lebensführung relevant
David Leon von der London School of Hygiene and Tropical Medicine http://www.lshtm.ac.uk betont, dass in fast allen Ländern der Welt die Lebenserwartung der Frauen höher liegt. In einigen Ländern verringere sich der Abstand aber. Bei Ländern mit einer geringen Lebenserwartung wie denen südlich der Sahara, zeigte sich zwischen den Geschlechtern nur wenig Unterschied. Das ist auf das Vorkommen von Infektionskrankheiten zurückzuführen, die keinen Unterschied zwischen dem Geschlecht machen. In Europa ist der Lebenswandel entscheidend. (Ende)
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Insekten lösen künftiges Ernährungsproblem
24.4.2012 von zaro.
Schonung von Ressourcen und mehr Unabhängigkeit von Tierhaltung
Bonn - Angesichts der Bevölkerungsexplosion könnte der Menschheit bald nichts anderes übrig bleiben, als auch auf das Eiweiß von Insekten als Nahrungsmittel zurückzugreifen. “Es ist nicht schlimm, sich von Insekten zu ernähren”, betont Mathias Becker vom Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn http://ipe.uni-bonn.de gegenüber der Presse.
Nahrhaftes Essen
Ressourcensparend wäre der Verzehr von den Krabblern allemal. Forscher weisen schon lange darauf hin, dass die Ernährung auf Insekten ausgeweitet werden sollte, würde man sich dadurch doch weniger abhängig machen von der Tierhaltung. Nach Schätzungen der Cornell University http://cornell.edu könnten 800 Mio. Menschen mit Getreide ernährt werden, das wir derzeit an unser Vieh verfüttern.
Ein weiteres Problem der aktuellen Ernährungsweise des Menschen: Etwa ein Drittel der Ackerfläche wird nur für den Anbau von Tierfutter genutzt. Zudem machen Forscher die Massentierhaltung auch für einen erheblichen Teil der Treibhausemissionen verantwortlich. Dazu kommt der Energieaufwand auf dem Weg des geschlachteten Viehs bis in den Supermarkt. 100 Gramm Rindfleisch enthalten etwa 29 Gramm Protein und 21 Gramm Fett. Eine Heuschrecke hingegen enthält bei 100 Gramm 20 Gramm Proteine und sechs Gramm Fett.
Käfer als Schnuller
Was in vielen Kulturen normal ist, lässt andere erschaudern. Becker hat etwa in Westafrika beobachtet, dass eine Mutter ihr Baby beruhigt hat, indem sie dem Kleinkind eine Käferlarve in den Mund gesteckt hat. Das Baby hat an der Käferlarve genuckelt wie an einem Schnuller. Becker hat Termiten und andere Insekten auch selbst probiert. “Ich finde, die schmecken nach dem Öl, in dem sie gebacken wurden”, berichtet er. Weder in Westafrika noch in Thailand sei dies ein Armenessen, sondern allgemein akzeptiert. (Ende)
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Autoabgase weit tödlicher als Verkehrsunfälle
19.4.2012 von zaro.
Mediziner: Elektromobilität in Städten “extrem sinnvoll”
Cambridge/Basel - Mindestens doppelt so viele Menschen sterben jährlich aufgrund von Luftverschmutzung aus dem Verkehr wie durch Verkehrsunfälle. Das berichten US-Forscher vom Massachusetts Institute of Technology http://web.mit.edu in der Zeitschrift “Environmental Science and Technology”. Laut ihren Schätzungen sterben pro Jahr mindestens 5.000 Engländer rund zehn Jahre vor ihrer natürlichen Lebenserwartung in Folge von Abgasen aus Autos, 2.000 durch Flugzeugabgase. Die Zahl von 1.850 jährlichen Straßentoten im Inselreich liegt deutlich darunter.
Risiko steigt mit Partikeldichte
Bisherige Hochrechnungen aus der Schweiz, Österreich und Frankreich zeigen dieselben Ergebnisse, bestätigt der Sozial- und Präventivmediziner Nino Künzli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut http://swisstph.ch gegenüber pressetext. Verkehrsabgase betreffen nicht nur die Lunge, sondern führen auch zu systemischen Wirkungen und Entzündungsreaktionen in Gefäßen bis hin zur veränderten Blutzusammensetzung. Neueste Ergebnisse bringen ultrafeine Partikel sogar mit der Hirnentwicklung und Diabetes in Zusammenhang.
Ein weiteren Hinweis liefern Forscher der Harvard School of Medicine http://hms.harvard.edu in der Zeitschrift “Plos One”: Wer langfristig Verkehrsabgasen ausgesetzt ist, hat in späteren Lebensjahren ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krankheiten: Für jede zehn Mikrogramm Verschmutzungspartikel pro Kubikmeter Luft steigt das Risiko einer späteren Spitalsaufnahme wegen Diabetes um sechs Prozent, aufgrund von Lungenentzündung um vier Prozent, aufgrund von Herzleiden um drei Prozent, so die Studienautoren um Joel Schwartz.
Fortschritt durch Katalysator
Doch es gilt auch das Umgekehrte, wie Künzli gegenüber pressetext betont: In Ländern, die Katalysatoren und Feinstaubfilter verpflichtend eingeführt haben, stellten sich in der Folge auch gesundheitliche Fortschritte ein. So verlangsamt eine verbesserte Luftqualität etwa die Alterung der Lungenfunktion, wie auch in der irischen Hauptstadt Dublin ein Verbot für Kohleheizungen schlagartig die Mortalität sinken ließ. Da die meisten Folgeerkrankungen jedoch nicht akut sind, zeigen sich Verbesserungen der Luftqualität in der Regel erst längerfristig in der Gesundheit.
Trotz einzelnen Verbesserungen bleibt der Verkehr eine der wichtigsten Quellen für Luftverschmutzungen, besonders da die Ausstöße dort freigesetzt werden, wo die Menschen leben. Allein schon aus gesundheitlicher Perspektive sind deshalb Autos ohne Verbrennungsmotor in dicht besiedelten Stadtgebieten “extrem sinnvoll”, betont Künzli. (Ende)
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Gute Laune kann zu schlechter Wahl führen
16.4.2012 von zaro.
Fehlendes Abwarten bei Entscheidung zwischen vielen Angeboten
Basel - Positive Stimmung kann in machen Situationen die Entscheidungsfähigkeit trüben. Das berichten Psychologen der Universität Basel http://www.unibas.ch in der Zeitschrift “Psychology and Aging”. “Gute Stimmung hat erheblichen Einfluss darauf, ob eine Entscheidung gut oder schlecht getroffen wird. Geht es um eine Wahl, für man sich intensiv mit Informationen zu verschiedenen Angeboten auseinandersetzen muss, wirkt sich gute Laune negativ aus”, erklärt Studienleiterin Bettina von Helversen gegenüber pressetext.
Miese Stimmung am Parkplatz vorteilhaft
Die Forscher untersuchten einen speziellen Typ von Entscheidungen - sogenannte “sequenzielle” Entscheidungen, bei denen man nacheinander verschiedene Angebote bekommt, die man annehmen oder endgültig ablehnen muss. Wie gut diese Wahl getroffen wird, hängt eng damit zusammen, wie viele Angebot man vor dem Entscheid begutachtet. Die optimale Suche darf nicht zu kurz dauern, wäre dann doch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man später ein besseres Angebot bekommt, jedoch auch nicht übermäßig lange, da man dann womöglich das beste Angebot bereits abgelehnt hat.
“Beispiele aus dem Alltag für derartige Situationen sind die Parkplatzsuche, die Partnerwahl, die Wahl des eigenen Jobs oder neuer Mitarbeiter sowie auch der Immobilienkauf”, erklärt von Helversen. In ihrer Studie wollte die Forscherin mit ihrem Team ursprünglich Entscheidungsmuster von älteren und jüngeren Erwachsenen vergleichen. Jeder Proband erhielt 40 Preisangebote zu 60 verschiedenen Produkten und sollte bei jedem Angebot entscheiden, ob man das Produkt um diesen Preis kaufen wolle. Entschied man sich für ein Weitersuchen, verfiel das Angebot.
Frühere Entscheidung mit rosa Brille
Als sich zeigte, dass die älteren Studienteilnehmer die Angebote früher annahmen und somit mehr für die gebotenen Produkte bezahlten als die Jüngeren, ging man der Ursache näher auf den Grund. “Eindeutig hing dieser Unterschied nicht mit verschiedenen kognitiven Fähigkeiten zusammen, sondern mit der Stimmung”, berichtet die Psychologin. Je positiver die Probanden gestimmt waren, desto früher entschieden sie sich. Eine zweite Studie nur unter jungen Erwachsenen bestätigte dieses Ergebnis.
Nicht immer hat eine negative Stimmungslage schlechte Auswirkungen auf die Entscheidung, gibt von Helversen zu bedenken. “Wenn Kreativität oder ein holistisches Gesamtbild gefordert ist, treffen Menschen mit guter Laune die bessere Wahl”, sagt von Helversen. Um dem Gute-Laune-Effekt bei sequenziellen Entscheidungen nicht auf den Leim zu gehen, dürfte es allerdings bereits genügen, sich seiner bewusst zu sein. “Die Wirkung lässt nach, wenn man um diesen Zusammenhang weiß. Zudem ist es ratsam, bei wichtigen Entscheidungen immer eine Nacht drüberzuschlafen.” (Ende)
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Sex erhöht Überlebenschance einer Art
16.4.2012 von zaro.
Überwindung schädlicher DNA erst durch Neukombination
Edinburgh/Zürich - Paarungsrituale sind meist enorm kostspielig - für Menschen, jedoch auch für Tiere und Pflanzen. Warum die Natur dennoch bei den meisten Arten diesen beschwerlichen “Umweg” der sexuellen Fortpflanzung setzt, ist bislang noch immer nicht eindeutig geklärt. Einen experimentellen Hinweis für langfristige Vorteile von Sex liefern nun Wissenschaftler der Universität Edinburgh http://ed.ac.uk in der Zeitschrift “Genome Biology and Evolution”. Das Ergebnis soll laut den Studienautoren die Entwicklung von Hochertrags-Getreidesorten unterstützen.
Vorteil gegenüber Klonung
Die britischen Forscher um Penelope R. Haddrill nahmen die sexuelle Reproduktion von Fruchtfliegen (Drosphila melanogaster) unter die Lupe - genauer gesagt, die zufällige Neuverteilung der DNA im Moment der Kombination der Geninformation der beiden Elternteile, bei der das neue Individuum entsteht. Die Ergebnisse verglich man mit der per Gensequenzierung beobachteten Beeinträchtigung von Fliegen, die geklont wurden, wobei sich deren Erbgut nicht neu kombiniert hatte.
Schädliche Elemente der DNA, die eine Krankheit oder andere mögliche negative Einflüsse mit sich bringen könnten, werden binnen weniger Generationen ausgemerzt, so das Ergebnis der Neukombination des Genmaterials durch sexuelle Vermehrung. Die Erklärung der Forscher: Individuen, die gesunde Gene erben, gedeihen meist und geben ihre DNA dann auch an die nächste Generation weiter - während schwächere eher zugrunde gehen. Letzteres war bei der Klon-Variante vermehrt der Fall: Schadhaftes Material sammelte sich hier schnell an und schwächte dadurch die Art langfristig.
Schwächung von Schadmutationen
Schon 2006 haben Forscher in der Fachzeitschrift “Nature” die These einer “negative Epistasis” aufgestellt: Die negative Wirkung mehrerer Mutationen, die durch Gen-Renkombination zusammentreffen, sei schädlicher als die Kombination der Einzeleffekte. Damals analysierte man mit Computermodellen Bedingungen, unter denen sexuelle Vermehrung zur Eliminierung schädlicher Mutationen beitragen. Die sexuelle Fortpflanzung steigert demnach die Widerstandskraft gegenüber den Mutationen im Vergleich zur asexuellen Variante.
“Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Fortschritte in der Theorie und in den Experimenten. Dennoch ist das letzte Wort in der Frage nach dem Ursprung von Sex noch nicht gesprochen”, betont Sebastian Bonhoeffer vom Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich http://www.tb.ethz.ch gegenüber uns. Laut jüngsten Daten sei es allerdings kaum wahrscheinlich, dass die “negative Epistasis” als Erklärungsprinzip bereits ausreiche.
Rettender Zufall
Vielmehr stützen aktuelle Fortschritte des Faches die Begründung, dass der evolutionäre Vorteil von Sex auf dem Zusammenspiel von Selektion und “stochastischen Effekten” beruht. Diese spielen, wie Bonhoeffer darlegt, eine besonders große Rolle in kleinen Populationen. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Effizienz, mit der durch sexuelle Reproduktion schädliche Mutationen aus dem Genom eliminiert werden können.
“Zufällige Veränderungen der Genfrequenz - die so genannte ‘genetischen Drift’ - im Zusammenspiel mit der Selektion führen zu statistischen Assoziationen zwischen schädlichen Mutationen. Diese werden dann durch sexuelle Vermehrung mit Vorteil aufgebrochen. Jüngste Forschungen zeigen, dass dieser Effekt auch in wesentlich groessren Populationen zutrifft als man bisher vermutet hat”, so der Forscher.
Abstract der Studie unter http://gbe.oxfordjournals.org/content/4/3/278.abstract?sid=053974ef-a343-42cb-9f79-48207a61430d
(Ende)
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“Vergiss, was du in der Schule gelernt hast!”
12.4.2012 von zaro.
“Bildungslücke”-Buch von Thilo Baum nimmt Bildungssystem ins Visier
Berlin - “Vergiss alles, was du in der Schule und in der Uni gelernt hast!” Mit diesem provokanten Satz beginnt das neue Ratgeber-Buch “Die Bildungslücke”, das im Börsenmedien-Verlag http://boersenmedien.de erschienen ist. “Geradezu rituell beschweren sich Arbeitgeber über die mangelnden Qualifikationen junger Menschen”, meint Co-Herausgeber Thilo Baum http://thilo-baum.de im Interview. Bei der Kritik gehe es meist um Defizite in der Alltagskompetenz - aber auch um manches konkrete Handwerk, das heute am Arbeitsplatz zählt.
“Ausbildungsstätten vermitteln Fachwissen. Das bestreitet niemand”, so Baum. “Das Know-How, das allerdings nötig ist, dieses Fachwissen auch tatsächlich und erfolgreich in der Arbeitswelt anzuwenden, das fehlt.” Untersuchungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) http://www.dihk.de belegen diese Ergebnisse. Nur neun Prozent von insgesamt 14.000 Unternehmen sehen keine Mängel bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger. “Wir kennen keinen Arbeitgeber, der über heutige Schulabgänger in Begeisterungsstürme ausbricht.”
Mangel an Soft-Skills
Der Mangel der Schulabgänger liegt bei den Soft Skills. Diesen liegen Kriterien wie Disziplin, Belastbarkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft und Umgangsformen zugrunde. Der DIHK listet als wünschenswerte soziale Kompetenzen Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein, Team-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit auf.
Aber auch bei den Hard Skills unterrichtet die Schule laut Baum am Leben vorbei - und stattdessen unterhalte sich die Bildungsszene vor allem über formale Nebenaspekte. Baum: “Aber solange wir in der Schule nicht lernen, wie man mit Geld umgeht, Prioritäten setzt, Stil entwickelt und sich klar ausdrückt, so lange ist es ja eigentlich auch egal, ob man all diese Dinge im Frontalunterricht versäumt oder im Stuhlkreis.”
Diktatur der Theoretiker
Ein Problem sieht der Autor zahlreicher Bücher vor allem in der “Diktatur der Theoretiker”. “Das Bildungssystem und auch die das klassische Bildungsbürgertum vertretenden Theoretiker sollten die Realität anerkennen und sich eingestehen, dass die wesentlichen Dinge die Schule nicht lehrt, und was sie lehrt, ist großteils irrelevant”, kritisert Baum.
“Damit bereitet die Schule nicht aufs Leben vor, sondern nur auf die nächste Schule, etwa eine Uni, wo die Orientierung am Akademischen weitergeht.” Das Bildungssystem sollte auch nicht länger ignorieren, dass aus Schulabgängern Arbeitnehmer, Selbstständige, Führungskräfte, Manager und Unternehmer werden - nur eine Minderheit verbringe den Rest des Lebens an irgendeinem Uni-Institut oder als Literat.
Schule führt am Ziel vorbei
“Statt sich für die Anforderungen der beruflichen Wirklichkeit zu öffnen und die Lücken des Bildungswesens zu schließen, tut die Bildungsszene so, als würden alle Schulabgänger wissenschaftliche Mitarbeiter an irgendwelchen Unis”, so Baum. “Doch welcher Arbeitgeber beklagt, dass Schulabgängern Detailwissen über die Sonatenhauptsatzform oder über den Zitronensäurezyklus fehlt?” Und wer in einem dieser Themen nicht firm sei, bekomme in der Schule eine schlechte Note - selbst dann, wenn dieses Thema später im konkreten Leben des jeweiligen Menschen keine Rolle spielt.
“Niemand, den wir fragen, ist heute beruflich in einem Bereich tätig, den er oder sie früher als Schüler nicht mochte und widerwillig pauken musste.” Was also lag näher, als “Die Bildungslücke” als Buch zu machen? “Wenn man erfolgreich werden will, egal in welchem Bereich, ist es nicht ratsam, Gelehrte um Rat zu fragen, sondern eher Erfahrene.” Also haben er und sein Co-Herausgeber Martin Laschkolnig 20 Profis interviewt. Gemeinsam füllen sie “Die Bildungslücke” mit Themen wie Selbstwert, Respekt, Konfliktlösung, Verhandeln und auch Führung sowie Geld.
Weitere Informationen: http://facebook.com/diebildungsluecke
(Ende)
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Tugend gibt Leichtigkeit im Leben
12.4.2012 von zaro.
Psychotherapeut: Bauchgefühl alleine kein guter Ratgeber
Wien - Klugheit, Tapferkeit, Maßhalten und Gerechtigkeit: Die Psychologie entdeckt die antiken Tugenden wieder als mobilisierbare Stärken. Zum Thema macht dies im Mai die Fachtagung “Charakter und Charisma” http://www.rpp2012.org an der Uni Wien. “Man schätzt, dass Gene und Umwelt menschliches Verhalten zu je 40 Prozent vorherbestimmen. Die restlichen 20 Prozent sind freier Wille - den man durch Störungen verlieren, durch Tugenden aber stärken kann”, erklärt Tagungsleiter Raphael Bonelli im Interview.
Gene und Umwelt liefern Basis
Die Frage “Warum bin ich so, wie ich bin?” berührt drei Aspekte, legt der Wiener Psychiater und Psychotherapeut dar. Gewichtige Mitsprache haben die Gene, die Reaktionsmuster auf Reize - die Temperamente - vorherbestimmen. “So wie man auf die Welt kommt, stirbt man auch. Einmal Choleriker, immer Choleriker”, betont Bonelli. Die weiteren Idealtypen sind der Melancholiker, Sanguiniker und Phlegmatiker, wobei die meisten Menschen jedoch Mischformen sind.
Weniger eindeutig feststellbar als die biologische Bestimmtheit ist die vielschichtige Prägung durch die Umwelt wie etwa Familie, Erziehung, Peers, Sprache, Religion und Kultur. Diese Faktoren und das Temperament gemeinsam bilden die Ebene der Persönlichkeit, auf der viele der Störungen - etwa in Folge unverarbeiteter schlimmer Erlebnisse - angesiedelt sind.
Wettstreit im Bett
Doch auch der Charakter als dritte Ebene entscheidet über das menschliche Verhalten. “Nach Immanuel Kant formt man den Charakter, indem man den Willen nicht allein nach spontanen Gefühlen, Trieben, Interessen und Neigungen, sondern auch nach der Vernunft ausrichtet.” Bonelli vergleicht mit den Sinnbildern Bauch, Kopf und Herz. “Das Herz als Wille entscheidet, wem es folgt. Ideal ist, wenn es mit Bauch und Kopf übereinstimmt.”
Oft im Leben fehlt diese Harmonie allerdings, “zum Beispiel, wenn am Morgen der Bauch ‘Weiterschlafen!’ und der Kopf ‘Aufstehen!’ sagt”, veranschaulicht der Experte. Zwar sei der Weg der Vernunft häufig mühsam und ihre Stimme leise, doch könne man durch Training sogar die Gefühle danach ausrichten. “Kann sich der Wille auch gegen spontane Regungen entscheiden, nimmt seine Freiheit zu. Wird so das gewissensmäßig Gute eingeübt, entstehen daraus die Tugenden, die dem Leben Leichtigkeit und Freude verleihen.”
Weg zum Glück
Dieses Menschenbild erfährt seit der Jahrtausendwende durch die sogenannte “positive Psychologie” enormen Auftrieb. Lange hat sich die Therapie auf Defekte konzentriert und dabei verabsäumt, nach Stärken zu fragen. Als solche bezeichnet jedoch der US-Psychologe Martin Seligman im Bestseller “Der Glücksfaktor” die Tugenden. “Seligman rät, diese Stärken auszubauen, um glücklich zu werden. Welche Stärken hier besonders in Frage kommen, muss jeder selbst erkennen. Etwa für Choleriker ist oft das Maßhalten ein Thema, für Sanguiniker eher das Überwinden von Oberflächlichkeit”, sagt Bonelli.
Zu kurz greife hingegen der weit verbreitete Ansatz, bei Entscheidungen im Leben immer zuerst “den Bauch zu befragen”. Das Bauchgefühl sei kein Orakel, sondern ambivalent und könne sich auch zerstörerisch auswirken - erst recht wenn Emotionen wie Neid, Angst oder Hass im Spiel sind, erklärt der Experte. (Ende)
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Malaria: Resistenz gefährdet Bekämpfung
12.4.2012 von zaro.
Bislang keine Alternative zu Standardbehandlung mit Artemisin
Mae Sot - Wissenschaftler der Shoklo Malaria Research Unit http://shoklo-unit.com/About/Intro.htm haben neue Beweise dafür gefunden, dass sich die Resistenz bei Malaria-Medikamenten verstärkt, die derzeit als erste Wahl gelten. Sie haben resistente Stämme des Malariaparasiten an der Grenze zwischen Thailand und Burma bestätigt und das rund 800 Kilometer entfernt von früheren Nachweisen. Laut Forscher Francois Nosten bedeutet die Zunahme der Resistenz, dass die Anstrengungen zur Ausrottung dieser Krankheit ernsthaft gefährdet sind. Details der Studie wurden in The Lancet http://thelancet.com veröffentlicht.
Ausrottung in Gefahr
Seit vielen Jahren werden die effektivsten Medikamente gegen Malaria aus Artemisia annua, einer chinesischen Pflanze, gewonnen. Sie ist auch unter dem Namen “Einjähriger Beifuß” bekannt. 2009 wiesen Wissenschaftler nach, dass die tödlichsten Malariaparasiten in Teilen von Westkambodscha immer resistenter gegen diese Medikamente wurden. Neue Daten bestätigen, dass diese Plasmodium-falciparum-Parasiten Patienten mehr als 800 Kilometer entfernt an der Grenze zwischen Thailand und Burma infizieren und die Resistenz ständig zunimmt.
Die Wissenschaftler maßen jetzt die Zeit, die Artemisia-Medikamente brauchen, um die Parasiten aus dem Blut von mehr als 3.000 Patienten zu entfernen. Es zeigte sich, dass das Medikament in den neun Jahren zwischen 2001 und 2010 weniger wirksam geworden und die Anzahl der Patienten mit einer Resistenz auf 20 Prozent angestiegen ist. Laut Nosten ist die Entwicklung Besorgnis erregend. “Die Ausrottung der Krankheit ist dadurch auf jeden Fall gefährdet und es kann auch zu einem erneuten Auftreten von Malaria in vielen Regionen kommen.”
Medikamente wirkungslos
Mitautor Standwell Nkhoma vom Texas Biomedical Research Institute http://txbiomed.org erklärte, dass die Ausbreitung von resistenten Malariaparasiten in Südostasien und ein Übergreifen auf die Länder südlich der Sahara, wo die meisten Menschen an Malaria sterben, zu einer Gesundheitskatastrophe mit Millionen Toten führen könnte. Es könne jedoch noch nicht gesagt werden, ob sich die Resistenz verändert hat, weil Moskitos mit resistenten Parasiten sich bis zur Grenze nach Burma ausgebreitet haben. Auch offen ist, ob es zum spontanen Auftreten in der regionalen Bevölkerung gekommen ist. Nun steht das Schreckgespenst von nicht behandelbaren Malariaerkrankungen vor der Tür.
Laut Nosten könnte sich die Resistenz weiter ausbreiten und irgendwann Afrika erreichen. Tritt sie in diesen Regionen jedoch neu auf, so bedeutet dass, das Artemisin der gültige Standard zur Behandlung von Malaria ist und die Ausbreitung möglich ist. “Wenn wir das Artemisinin verlieren, stehen keine neuen Medikamente zur Verfügung, um es zu ersetzen. Wir könnten wieder in die Zeiten vor 15 Jahren zurückfallen, als eine Behandlung aufgrund des Fehlens wirksamer Medikamente sehr schwer war.”
2010 mehr als 655.000 Opfer
In einer in Science http://sciencemag.org veröffentlichten Studie hat das Team um Tim Anderson vom Texas Biomedical Research Institute eine Region des Genoms des Malariaparasiten identifiziert, die mit der Resistenz gegen Artemisin in Zusammenhang steht. Anderson nach ist die Kartierung der geografischen Ausbreitung zwar sehr schwierig, sie bringe jedoch Vorteile. “Wenn wir die genetischen Faktoren der Resistenz gegen Artimisin identifizieren, dann ließen sich Resistenzen schneller bestätigen.” Eine weitere Ausbreitung wäre somit eingedämmt. Laut dem World Malaria Report 2011 http://bit.ly/IazacK sind 2010 rund 655.000 Menschen an Malaria gestorben - also mehr als ein Mensch pro Minute. Die meisten Todesopfer waren kleine Kinder und schwangere Frauen. (Ende)
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Soja lindert Hitzewallungen in Wechseljahren
12.4.2012 von zaro.
Pflanzenstoff reduziert Beschwerden um ein Viertel
Newark - Frauen, die rund um die Wechseljahre zweimal pro Tag Soja essen, können damit die Häufigkeit und das Ausmaß der Hitzewallungen lindern. Zumindest um ein Viertel geht das typische Menopause-Symptom auf diese Weise zurück, berichten Forscher der University of Delaware http://www.udel.edu in der Fachzeitschrift “Menopause”.
Die Forscher um Melissa Melby werteten 19 Studien bei insgesamt 1.200 Frauen aus, die bisher zur Auswirkung von Soja auf die Wechseljahre durchgeführt wurden. “Kombiniert man alle bisherigen Untersuchungen, zeigt sich ein positiver Effekt”, so das Resümee der Studienleiterin.
Pflanzenstoff ahmt Östrogen nach
Besonders Augenmerk wurde auf die im Soja enthaltenen Pflanzenstoffe Isoflavone gelegt, der eine milde, Östrogen-ähnliche Wirkung entfaltet. In jedem Gramm Sojaprotein von Sojabohnen sowie auch vieler Sojaprodukte sind 3,5 Milligramm dieser Stoffe enthalten. Daneben sind auch Ergänzungsmittel speziell mit dieser Substanz erhältlich.
Frauen, die sechs Wochen oder länger 54 Milligramm davon pro Tag zu sich nahmen, zeigten um 20 Prozent weniger Hitzewallungen und einen Rückgang des Schweregrades um 26 Prozent, so das Ergebnis. Da dies stets im Vergleich zu einem Placebo-Präparat gemessen wurde, dürfte der endgültige Effekt noch darüber liegen.
Geheimnis der Japanerinnen
Bei längerfristigem Verzehr entfalteten die Soja-Isoflavone in den Studien noch eine deutlich stärkere Wirkung. Aufmerksam wurde die Forschung, da Japanerinnen im Wechselalter kaum Hitzewallungen entwickeln: Sojaprodukte begleiten im ostasiatischen Inselstaat schon im Mutterleib und über die gesamte Lebensspanne den Alltag.
“Wenn man mit 50 Jahren nie Soja gegessen hat, ist es noch nicht zu spät. Zwar steigt die Wirkung der Isoflavone mit der Dauer ihrer Einnahme, doch helfen sie auch bei spätem Beginn”, so die Forscher. (Ende)
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Alleine leben macht depressiv und krank
23.3.2012 von zaro.
80 Prozent mehr Stimmungsheber werden eingenommen
Helsinki - Menschen im erwerbsfähigen Alter, die alleine leben, haben ein um bis zu 80 Prozent höheres Risiko an einer Depression zu erkranken als Menschen, die in Familien leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Finnish Institute of Occupational Health http://www.ttl.fi/en . Entscheidend sind die schlechten Wohnverhältnisse für Frauen und die fehlende soziale Unterstützung für Männer. Für die Studie wurde der Einsatz von Antidepressiva bei 3.500 Finnen untersucht.
Lebensumstände wichtig
Beth Murphy von Mind http://mind.org.uk betont, dass Menschen, die alleine leben, eine Möglichkeit haben müssen, über ihre Probleme zu reden. Antidepressiva alleine reichten auf keinen Fall aus. Laut dem Team um Laura Pulkki-Raback hat die Zahl der Menschen in Einpersonenhaushalten in der westlichen Welt in den vergangenen drei Jahrzehnten zugenommen. Einer von drei Menschen lebt in Amerika und auch in Großbritannien allein. An der aktuellen Studie nahmen 1.695 Männer und 1.776 Frauen teil. Sie waren im Schnitt 44,6 Jahre alt.
Die Probanden wurden im Jahr 2000 danach befragt, ob sie alleine oder gemeinsam mit anderen Menschen lebten. Zusätzlich wurden weitere Informationen über ihren Lebensstil aufgenommen. Dazu gehörten soziale Unterstützung, Arbeitsklima, Ausbildung, Einkommen, Beschäftigungsstatus und Wohnbedingungen sowie Rauchgewohnheiten, Alkoholkonsum und sonstige Aktivitäten.
Therapieansätze verbessern
Es zeigte sich bei der Auswertung der Daten, dass Menschen, die alleine lebten, in der Nachbeobachtung zwischen 2000 und 2008 rund 80 Prozent mehr Antidepressiva kauften als jene, die nicht alleine lebten. Pulkki-Raback ist der Ansicht, dass das wirkliche Risiko psychischer Probleme viel höher sein könnte. “Studien dieser Art unterschätzen das Risiko meistens, da Menschen mit dem höchsten Risiko am seltensten bis zum Ende einer Untersuchung mitmachen. Wir können daher also nicht einschätzen, wie verbreitet unbehandelte Depressionen sind.”
Das Leben mit anderen Menschen bietet laut den Forschern emotionale Unterstützung, gibt ein Gefühl der sozialen Integration und hat auch noch weitere Vorteile, die alle gegen psychische Probleme schützen. Das Alleinleben kann mit einem Gefühl der Isolation, fehlender sozialer Integration und fehlendem Vertrauen in Zusammenhang gebracht werden. Diese gelten als Risikofaktoren für die geistige Gesundheit. Laut der in BMC Public Health http://biomedcentral.com/bmcpublichealth veröffentlichten Studie müssen alle beteiligten Faktoren berücksichtigt werden, um Depressionen bei Menschen im erwerbsfähigen Alter besser zu verstehen und damit auch besser behandeln zu können. (Ende)
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Waffenträger sehen alle als Bewaffnete
23.3.2012 von zaro.
Umwelt wirkt bei Schussmöglichkeit bedrohlicher
Notre Dame/Wien - Wer einen Revolver in der Hand hält, sieht die Welt anders. Zumindest glaubt er viel eher, dass auch die Menschen der Umgebung Waffen tragen, haben Psychologen der University of Notre Dame http://nd.edu herausgefunden. Wie sie im “Journal of Experimental Psychology: Perception and Performance” betonen, hat dies auch “praktische Folgewirkungen auf Gesetz und die öffentliche Sicherheit”, ohne dabei jedoch explizit zu werden.
Unterschied liegt in der Hand
Die US-Forscher zeigten Versuchspersonen auf einem Computerbildschirm Menschen und baten sie jeweils festzustellen, welche Objekte diese in der Hand hielten. Darunter befanden sich neutrale Gegenstände wie Getränkedosen oder Handys, jedoch teilweise auch Waffen. Bei jedem Durchgang gab es leichte Veränderungen: Mal trugen die dargestellten Figuren Skimasken, mal wurde die Hautfarbe oder die Verhaltensweise gewechselt. Die wichtigste Variation bei den Testpersonen selbst: Abwechselnd hielten sie eine Spielzeugpistole, dann einen Schaumstoffball in der Hand.
In jeder Situation zeigte sich: Hielten die Probanden selbst eine Waffe in der Hand, identifizierten sie die Objekte der anderen weit eher als Waffen. Darüber hinaus gaben sie auch weit öfter bedrohende Signale wie das Ansetzen ihrer Waffe zum Schuss. Alleine das Betrachten einer Waffe löste dieses Verhalten noch nicht aus. “Entscheidender Unterschied ist die Fähigkeit zu handeln. Menschen tun sich schwer, Gedanken über ihre Wahrnehmung und Handlungsmöglichkeiten zu trennen”, sagt Studienleiter James Brockmole.
Überschätzung der Gefahr
Der Psychologe und Soziologe Ralf Risser http://factum.at erklärt den Umstand gegenüber der Presse als “gesteigerte Empathie”. “Wer selbst eine Waffe besitzt, glaubt viel eher, dass auch andere eine haben”, vermutet der Supervisor für Waffengesetz-Sachverständige. Grundsätzlich würden sich eher jene Personen eine Waffe zulegen, die Gefahren vermuten, die andere Menschen nicht sehen. Dass Waffenbesitz manche Menschen paranoid macht, glaubt Risser nicht - “eher ist die Paranoia schon vorher da. Problematisch ist jedoch, dass viele infolge der Gewalt am Bildschirm die Welt weit gefährlicher erleben, als sie tatsächlich ist”.
Waffentragen ist riskant
Das Tragen einer Waffe verändert nicht nur die Wahrnehmung, sondern erhöht auch das Risiko, selbst erschossen zu werden: Wie US-Forscher anhand von 700 Schießereien zeigten, werden Waffenträger 4,5 Mal häufiger erschossen als Unbewaffnete. Die Wissenschaftler führen das nicht nur darauf zurück, dass der Menschentyp der Waffenträger eher geneigt ist, in Schießereien zu geraten: Das Tragen der Waffe könnte auch ein Machtgefühl geben, das schnell zu Überreaktionen verleitet. Als Schutz oder Verteidigung seien Waffen deshalb meist nicht geeignet. (Ende)
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