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Neue Pille ahmt Östrogen der Frau nach

Geringere Nebenwirkungen auf Leberstoffwechsel erwartet

Wien - Eine Antibabypille, die das für zahlreiche negative Nebenwirkungen verantwortlich gemachte synthetische Östrogen durch eine verträglichere Variante ersetzt, haben Gynäkologen am heutigen Donnerstag in Wien präsentiert. “Zu empfehlen ist das neue Präparat vor allem für Frauen, die bereits mehrere hormonelle Verhütungsmittel probiert haben und aufgrund der Nebenwirkungen nicht damit zufrieden sind”, berichtet der Gynäkologe Christian Matthai.

Günstiger für Stoffwechsel

Der Ovulationshemmer Nomegestrol (Handelsname “Zoely”) basiert auf einer Östrogenkomponente, die in der Molekülstruktur dem im Körper der Frau gebildeten 17 Beta-Estradiol entspricht. Kombiniert damit wird das selektive Gestagen Nomegestrolacetat, das die Halbwertszeit der Pille verlängert und dadurch die Sicherheit erhöht. “Die Bioverfügbarkeit von Estradiol beträgt bei oraler Anwendung nur zehn Prozent jener des Ethinylestradiols, das in der herkömmlichen Antibabypille verwendet wird”, erklärt die Sexualmedizinerin und Gynäkologin Doris Linsberger.

Die Kontraindikationen von Nomegestrol sind dieselben wie jene der herkömmlichen Pille -Thrombosen, Migräne, Diabetes oder ungeklärte Vaginalblutungen gehören etwa dazu. Die Gynäkologen hoffen aber, dass es durch das an den Körper eher angepasste Estradiol seltener zu Nebenwirkungen auf den Leberstoffwechsel kommt und eventuell die Thrombosegefahr gesenkt wird. Diesbezügliche klinische Langzeitdaten fehlen aber bislang noch, zudem können Akne, verminderte Libido, Depression oder Kopfschmerzen weiterhin auftreten.

Temperaturmessung wird präziser

Der Wunsch nach hormonfreien Verhütungsmethoden ist laut den Wiener Experten in den gynäkologischen Praxen weiterhin groß. Dank fortschreitender Technik gibt es jedoch auch bei den früher als “unsicher” bezeichneten Temperaturmethoden Erfolge zu vermelden, wie etwa “Cyclotest 2 plus” http://cyclotest.de , ein Minicomputer mit USB-Anbindung, der aus der Messung der Mundtemperatur im Voraus die unfruchtbare Zyklusphase anzeigt. Bei Nutzung als symptothermale Methode und korrekter Anwendung ist ein Sicherheitsgrad von bis zu 1 auf dem Pearl-Index erreichbar. In der fruchtbaren Phase sind allerdings andere Verhütungsformen oder Verzicht auf Sex nötig.

Einen neuen Ansatz mit ähnlicher Funktion, der sogar bei unregelmäßigen Zyklen, Schichtdienst, Krankheit oder in der Menopause genutzt werden kann, verspricht “OvulaSens” http://ovulasens.com , dessen Zulassung und Markteinführung in den kommenden Monaten bevorsteht. Ein Sensor-Plastikring in der Scheide misst dabei laufend die Körperinnentemperatur und errechnet daraus den Fruchtbarkeitsstatus.

Download der Fotos der Veranstaltung unter http://fotodienst.pressetext.com/album/2986 (Ende)

Chromosomen: Männer sterben nicht aus

Für Fruchtbarkeit entscheidende Gene bleiben bestehen

London/Berlin - Ein Forscherteam vom Institut für Genetik, Evolution und Umwelt der University College London http://ucl.ac.uk/gee hat bewiesen, dass das für Fruchtbarkeit verantwortliche Gen bleibt. Jeder Mensch verfügt über 23 Chromosomenpaare, eines davon ist ein Geschlechtschromosom: XY für Männer, XX für Frauen. “Das Y-Chromosom hat sowieso weniger Gene und ist auch fragiler als das X-Chromosom”, sagt Steve Robertson vom Institut für Geschlechterforschung an der Universität Leeds http://bit.ly/KYHB1J gegenüber uns. Fazit: Das Y-Chromosom trägt weniger als 200 Gene, während das X weit über 1.100 Gene verfügt.

Analysen bei Hühnern

Die Forscher untersuchten unter der Leitung der Judith Mank das W-Chromosom weiblicher Hühner. Es ist ähnlich wie das Y-Chromosom männlicher Menschen über Jahrmillionen geschrumpft. Und es ist genauso auf ein Geschlecht beschränkt, wie das Y beim Mann eben nur einen männlichen Nachfahren erzeugt.

Das Gen für die Möglichkeit der Vermehrung der Art blieb dem W-Chromosom erhalten. Die Untersuchung des W-Chromosoms bei Hühnern lässt Rückschlüsse auf das Y-Chromosom zu: “Die Y-Chromosomen sind nicht das genetische Ödland als das sie häufig gesehen werden”, sagt Mank.

Menschliche Rasse gesichert

Die Menschheit kann aufatmen. Das männliche Y-Chromosom bleibt uns in seiner Fortpflanzungsfähigkeit erhalten. Trotz seiner Schwäche überleben zumindest die Gene, die etwa für die Bildung von Spermien wichtig sind.

Selbst wenn sich das Y-Chromosom komplett abbauen würde, würde sich ein neues Paar der Geschlechtschromosomen entwickeln. Zunächst ist der Fortbestand der menschlichen Rasse gesichert. Zumindest in den nächsten Jahrmillionen - wenn nichts dazwischen kommt, so die Forscher. (Ende)

Erziehung und Freunde fördern Suchtprävention

Experten: Disziplin und Interesse der Eltern wesentlich

München/State College - Der Konsum von Zigaretten, Alkohol und illegalen Drogen beginnt meist bereits in der Jugendzeit. In diesem Lebensalter sowie in den Jahren davor muss Prävention ansetzen, um Sucht frühzeitig aus dem Weg zu gehen. Die Eltern eines Jugendlichen spielen hier eine wichtige Rolle, zeigen US-Forscher in aktuellen Studien, genauso jedoch auch die Freunde und deren Eltern. “Eltern verlieren im Lauf der Adoleszenz an Einfluss, während jener durch Peers zunimmt”, betont Patrick Durner, pädagogischer Leiter der “Stiftung SehnSucht” http://stiftung-sehnsucht.de , im Interview.

Vorbild der Eltern

Genauso wie die Sucht besitzt auch die Prävention drei Ebenen - das Suchtmittel, die Umwelt und die Person selbst. “Sind Drogen teuer, schlecht verfügbar oder nebenwirkungsreich, kann dies Jugendliche abhalten”, sagt Durner. Bei der Umwelt spielen gute Beziehungen zu Gleichaltrigen, Freizeitmöglichkeiten im Wohnumfeld oder die Lernumgebung in der Schule eine Rolle, doch auch schulisch und beruflich attraktive Perspektiven oder gesellschaftliche Ablehnung des Suchtmittels. “Besonders schützend ist zudem, wenn man eine unterstützende, verständnisvolle Familie hat und gute Hilfesysteme existieren”, so der Sozialpädagoge, dessen Stiftung suchtpräventiven Programme für Schulen bietet.

Doch wie sieht Erziehung aus, die Süchten vorbeugend entgegenwirkt? Durner mahnt, dass es vor allem um das Vorbild der Eltern geht. “Verharmlosen sie den eigenen übermäßigen Konsum und fordern gleichzeitig von den Kindern Abstinenz, kann dies ebenso suchtfördernd sein wie mangelnde Struktur sowie Desinteresse am Kind und dem, was es beschäftigt.” Problematisch ist reine Leistungsorientierung bei wenig Bestätigung, während Konsequenz, das Setzen von Grenzen, jedoch auch Wertschätzung und das schrittweise Zugeständnis von mehr Rechten und Freiheiten schützend wirken.

Stress und Frust bewältigen

Viele Weichen der dritten Ebene - der Person selbst - werden schon früh gestellt. Entscheidend ist hier etwa die Erfahrung, dass man mit eigenen Fähigkeiten etwas bewirken kann, Selbstbewusstsein und Selbstwert. Auch Risikokompetenz, konkrete Zukunftsperspektiven und die Anerkennung durch Gleichaltrige und erwachsene Bezugspersonen gehören dazu. “Es geht jedoch genauso um konstruktiven Umgang mit negativen Gefühlen wie Stress und Frust. Deshalb kommt es sehr darauf an, ob etwa der Vater nach einem stressigen Arbeitstag Alternativen zu Bier und Fernseher hat - oder ob eine Familie Gefühle bespricht und Schwierigkeiten konstruktiv löst.”

Auch Freundeseltern haben Einfluss

Freunde und deren Eltern haben bei Jugendlichen allerdings genauso viel Einfluss auf das Suchtverhalten wie die eigene Familie, zeigen Präventionsforscher der Pennsylvania State University http://psu.edu aktuell im “Journal of Studies on Alcohol and Drugs”: Selbst wenn die Eltern konsequent sind und auf Disziplin pochen, steigt das Suchtrisiko, wenn die Eltern der Freunde nicht wissen, wo diese sich gerade aufhalten, ergab eine Untersuchung bei 10.000 Teenagern. “Suchtprävention braucht deshalb ein ganzes Dorf”, schlussfolgert Studienleiter Michael J. Cleveland.

“Wenn der Vater eines Freundes bei Alkohol deutlich großzügiger ist und gleichzeitig besseren Bezug zu den Kids hat, wird ein Jugendlicher unter Umständen sein Konsummuster an diesem ausrichten”, betont Durner. Positiv wirken Eltern der Freunde somit nur dann, wenn sie selbst einen guten Bezug zu ihrem eigenen Kind und dessen Freunden pflegen. “Hat ein Jugendlicher vor einem Erwachsenen Respekt oder bewundert ihn, wird dieser zum Vorbild und kann sich auf das Konsummuster auswirken - positiv oder negativ.” (Ende)

Sex erhöht Überlebenschance einer Art

Überwindung schädlicher DNA erst durch Neukombination

Edinburgh/Zürich - Paarungsrituale sind meist enorm kostspielig - für Menschen, jedoch auch für Tiere und Pflanzen. Warum die Natur dennoch bei den meisten Arten diesen beschwerlichen “Umweg” der sexuellen Fortpflanzung setzt, ist bislang noch immer nicht eindeutig geklärt. Einen experimentellen Hinweis für langfristige Vorteile von Sex liefern nun Wissenschaftler der Universität Edinburgh http://ed.ac.uk in der Zeitschrift “Genome Biology and Evolution”. Das Ergebnis soll laut den Studienautoren die Entwicklung von Hochertrags-Getreidesorten unterstützen.

Vorteil gegenüber Klonung

Die britischen Forscher um Penelope R. Haddrill nahmen die sexuelle Reproduktion von Fruchtfliegen (Drosphila melanogaster) unter die Lupe - genauer gesagt, die zufällige Neuverteilung der DNA im Moment der Kombination der Geninformation der beiden Elternteile, bei der das neue Individuum entsteht. Die Ergebnisse verglich man mit der per Gensequenzierung beobachteten Beeinträchtigung von Fliegen, die geklont wurden, wobei sich deren Erbgut nicht neu kombiniert hatte.

Schädliche Elemente der DNA, die eine Krankheit oder andere mögliche negative Einflüsse mit sich bringen könnten, werden binnen weniger Generationen ausgemerzt, so das Ergebnis der Neukombination des Genmaterials durch sexuelle Vermehrung. Die Erklärung der Forscher: Individuen, die gesunde Gene erben, gedeihen meist und geben ihre DNA dann auch an die nächste Generation weiter - während schwächere eher zugrunde gehen. Letzteres war bei der Klon-Variante vermehrt der Fall: Schadhaftes Material sammelte sich hier schnell an und schwächte dadurch die Art langfristig.

Schwächung von Schadmutationen

Schon 2006 haben Forscher in der Fachzeitschrift “Nature” die These einer “negative Epistasis” aufgestellt: Die negative Wirkung mehrerer Mutationen, die durch Gen-Renkombination zusammentreffen, sei schädlicher als die Kombination der Einzeleffekte. Damals analysierte man mit Computermodellen Bedingungen, unter denen sexuelle Vermehrung zur Eliminierung schädlicher Mutationen beitragen. Die sexuelle Fortpflanzung steigert demnach die Widerstandskraft gegenüber den Mutationen im Vergleich zur asexuellen Variante.

“Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Fortschritte in der Theorie und in den Experimenten. Dennoch ist das letzte Wort in der Frage nach dem Ursprung von Sex noch nicht gesprochen”, betont Sebastian Bonhoeffer vom Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich http://www.tb.ethz.ch gegenüber uns. Laut jüngsten Daten sei es allerdings kaum wahrscheinlich, dass die “negative Epistasis” als Erklärungsprinzip bereits ausreiche.

Rettender Zufall

Vielmehr stützen aktuelle Fortschritte des Faches die Begründung, dass der evolutionäre Vorteil von Sex auf dem Zusammenspiel von Selektion und “stochastischen Effekten” beruht. Diese spielen, wie Bonhoeffer darlegt, eine besonders große Rolle in kleinen Populationen. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Effizienz, mit der durch sexuelle Reproduktion schädliche Mutationen aus dem Genom eliminiert werden können.

“Zufällige Veränderungen der Genfrequenz - die so genannte ‘genetischen Drift’ - im Zusammenspiel mit der Selektion führen zu statistischen Assoziationen zwischen schädlichen Mutationen. Diese werden dann durch sexuelle Vermehrung mit Vorteil aufgebrochen. Jüngste Forschungen zeigen, dass dieser Effekt auch in wesentlich groessren Populationen zutrifft als man bisher vermutet hat”, so der Forscher.

Abstract der Studie unter http://gbe.oxfordjournals.org/content/4/3/278.abstract?sid=053974ef-a343-42cb-9f79-48207a61430d

(Ende)

“Vergiss, was du in der Schule gelernt hast!”

“Bildungslücke”-Buch von Thilo Baum nimmt Bildungssystem ins Visier

Berlin - “Vergiss alles, was du in der Schule und in der Uni gelernt hast!” Mit diesem provokanten Satz beginnt das neue Ratgeber-Buch “Die Bildungslücke”, das im Börsenmedien-Verlag http://boersenmedien.de erschienen ist. “Geradezu rituell beschweren sich Arbeitgeber über die mangelnden Qualifikationen junger Menschen”, meint Co-Herausgeber Thilo Baum http://thilo-baum.de im Interview. Bei der Kritik gehe es meist um Defizite in der Alltagskompetenz - aber auch um manches konkrete Handwerk, das heute am Arbeitsplatz zählt.

“Ausbildungsstätten vermitteln Fachwissen. Das bestreitet niemand”, so Baum. “Das Know-How, das allerdings nötig ist, dieses Fachwissen auch tatsächlich und erfolgreich in der Arbeitswelt anzuwenden, das fehlt.” Untersuchungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) http://www.dihk.de belegen diese Ergebnisse. Nur neun Prozent von insgesamt 14.000 Unternehmen sehen keine Mängel bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger. “Wir kennen keinen Arbeitgeber, der über heutige Schulabgänger in Begeisterungsstürme ausbricht.”

Mangel an Soft-Skills

Der Mangel der Schulabgänger liegt bei den Soft Skills. Diesen liegen Kriterien wie Disziplin, Belastbarkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft und Umgangsformen zugrunde. Der DIHK listet als wünschenswerte soziale Kompetenzen Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein, Team-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit auf.

Aber auch bei den Hard Skills unterrichtet die Schule laut Baum am Leben vorbei - und stattdessen unterhalte sich die Bildungsszene vor allem über formale Nebenaspekte. Baum: “Aber solange wir in der Schule nicht lernen, wie man mit Geld umgeht, Prioritäten setzt, Stil entwickelt und sich klar ausdrückt, so lange ist es ja eigentlich auch egal, ob man all diese Dinge im Frontalunterricht versäumt oder im Stuhlkreis.”

Diktatur der Theoretiker

Ein Problem sieht der Autor zahlreicher Bücher vor allem in der “Diktatur der Theoretiker”. “Das Bildungssystem und auch die das klassische Bildungsbürgertum vertretenden Theoretiker sollten die Realität anerkennen und sich eingestehen, dass die wesentlichen Dinge die Schule nicht lehrt, und was sie lehrt, ist großteils irrelevant”, kritisert Baum.

“Damit bereitet die Schule nicht aufs Leben vor, sondern nur auf die nächste Schule, etwa eine Uni, wo die Orientierung am Akademischen weitergeht.” Das Bildungssystem sollte auch nicht länger ignorieren, dass aus Schulabgängern Arbeitnehmer, Selbstständige, Führungskräfte, Manager und Unternehmer werden - nur eine Minderheit verbringe den Rest des Lebens an irgendeinem Uni-Institut oder als Literat.

Schule führt am Ziel vorbei

“Statt sich für die Anforderungen der beruflichen Wirklichkeit zu öffnen und die Lücken des Bildungswesens zu schließen, tut die Bildungsszene so, als würden alle Schulabgänger wissenschaftliche Mitarbeiter an irgendwelchen Unis”, so Baum. “Doch welcher Arbeitgeber beklagt, dass Schulabgängern Detailwissen über die Sonatenhauptsatzform oder über den Zitronensäurezyklus fehlt?” Und wer in einem dieser Themen nicht firm sei, bekomme in der Schule eine schlechte Note - selbst dann, wenn dieses Thema später im konkreten Leben des jeweiligen Menschen keine Rolle spielt.

“Niemand, den wir fragen, ist heute beruflich in einem Bereich tätig, den er oder sie früher als Schüler nicht mochte und widerwillig pauken musste.” Was also lag näher, als “Die Bildungslücke” als Buch zu machen? “Wenn man erfolgreich werden will, egal in welchem Bereich, ist es nicht ratsam, Gelehrte um Rat zu fragen, sondern eher Erfahrene.” Also haben er und sein Co-Herausgeber Martin Laschkolnig 20 Profis interviewt. Gemeinsam füllen sie “Die Bildungslücke” mit Themen wie Selbstwert, Respekt, Konfliktlösung, Verhandeln und auch Führung sowie Geld.

Weitere Informationen: http://facebook.com/diebildungsluecke

(Ende)

Tugend gibt Leichtigkeit im Leben

Psychotherapeut: Bauchgefühl alleine kein guter Ratgeber

Wien - Klugheit, Tapferkeit, Maßhalten und Gerechtigkeit: Die Psychologie entdeckt die antiken Tugenden wieder als mobilisierbare Stärken. Zum Thema macht dies im Mai die Fachtagung “Charakter und Charisma” http://www.rpp2012.org an der Uni Wien. “Man schätzt, dass Gene und Umwelt menschliches Verhalten zu je 40 Prozent vorherbestimmen. Die restlichen 20 Prozent sind freier Wille - den man durch Störungen verlieren, durch Tugenden aber stärken kann”, erklärt Tagungsleiter Raphael Bonelli im Interview.

Gene und Umwelt liefern Basis

Die Frage “Warum bin ich so, wie ich bin?” berührt drei Aspekte, legt der Wiener Psychiater und Psychotherapeut dar. Gewichtige Mitsprache haben die Gene, die Reaktionsmuster auf Reize - die Temperamente - vorherbestimmen. “So wie man auf die Welt kommt, stirbt man auch. Einmal Choleriker, immer Choleriker”, betont Bonelli. Die weiteren Idealtypen sind der Melancholiker, Sanguiniker und Phlegmatiker, wobei die meisten Menschen jedoch Mischformen sind.

Weniger eindeutig feststellbar als die biologische Bestimmtheit ist die vielschichtige Prägung durch die Umwelt wie etwa Familie, Erziehung, Peers, Sprache, Religion und Kultur. Diese Faktoren und das Temperament gemeinsam bilden die Ebene der Persönlichkeit, auf der viele der Störungen - etwa in Folge unverarbeiteter schlimmer Erlebnisse - angesiedelt sind.

Wettstreit im Bett

Doch auch der Charakter als dritte Ebene entscheidet über das menschliche Verhalten. “Nach Immanuel Kant formt man den Charakter, indem man den Willen nicht allein nach spontanen Gefühlen, Trieben, Interessen und Neigungen, sondern auch nach der Vernunft ausrichtet.” Bonelli vergleicht mit den Sinnbildern Bauch, Kopf und Herz. “Das Herz als Wille entscheidet, wem es folgt. Ideal ist, wenn es mit Bauch und Kopf übereinstimmt.”

Oft im Leben fehlt diese Harmonie allerdings, “zum Beispiel, wenn am Morgen der Bauch ‘Weiterschlafen!’ und der Kopf ‘Aufstehen!’ sagt”, veranschaulicht der Experte. Zwar sei der Weg der Vernunft häufig mühsam und ihre Stimme leise, doch könne man durch Training sogar die Gefühle danach ausrichten. “Kann sich der Wille auch gegen spontane Regungen entscheiden, nimmt seine Freiheit zu. Wird so das gewissensmäßig Gute eingeübt, entstehen daraus die Tugenden, die dem Leben Leichtigkeit und Freude verleihen.”

Weg zum Glück

Dieses Menschenbild erfährt seit der Jahrtausendwende durch die sogenannte “positive Psychologie” enormen Auftrieb. Lange hat sich die Therapie auf Defekte konzentriert und dabei verabsäumt, nach Stärken zu fragen. Als solche bezeichnet jedoch der US-Psychologe Martin Seligman im Bestseller “Der Glücksfaktor” die Tugenden. “Seligman rät, diese Stärken auszubauen, um glücklich zu werden. Welche Stärken hier besonders in Frage kommen, muss jeder selbst erkennen. Etwa für Choleriker ist oft das Maßhalten ein Thema, für Sanguiniker eher das Überwinden von Oberflächlichkeit”, sagt Bonelli.

Zu kurz greife hingegen der weit verbreitete Ansatz, bei Entscheidungen im Leben immer zuerst “den Bauch zu befragen”. Das Bauchgefühl sei kein Orakel, sondern ambivalent und könne sich auch zerstörerisch auswirken - erst recht wenn Emotionen wie Neid, Angst oder Hass im Spiel sind, erklärt der Experte. (Ende)

Alleine leben macht depressiv und krank

80 Prozent mehr Stimmungsheber werden eingenommen

Helsinki - Menschen im erwerbsfähigen Alter, die alleine leben, haben ein um bis zu 80 Prozent höheres Risiko an einer Depression zu erkranken als Menschen, die in Familien leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Finnish Institute of Occupational Health http://www.ttl.fi/en . Entscheidend sind die schlechten Wohnverhältnisse für Frauen und die fehlende soziale Unterstützung für Männer. Für die Studie wurde der Einsatz von Antidepressiva bei 3.500 Finnen untersucht.

Lebensumstände wichtig

Beth Murphy von Mind http://mind.org.uk betont, dass Menschen, die alleine leben, eine Möglichkeit haben müssen, über ihre Probleme zu reden. Antidepressiva alleine reichten auf keinen Fall aus. Laut dem Team um Laura Pulkki-Raback hat die Zahl der Menschen in Einpersonenhaushalten in der westlichen Welt in den vergangenen drei Jahrzehnten zugenommen. Einer von drei Menschen lebt in Amerika und auch in Großbritannien allein. An der aktuellen Studie nahmen 1.695 Männer und 1.776 Frauen teil. Sie waren im Schnitt 44,6 Jahre alt.

Die Probanden wurden im Jahr 2000 danach befragt, ob sie alleine oder gemeinsam mit anderen Menschen lebten. Zusätzlich wurden weitere Informationen über ihren Lebensstil aufgenommen. Dazu gehörten soziale Unterstützung, Arbeitsklima, Ausbildung, Einkommen, Beschäftigungsstatus und Wohnbedingungen sowie Rauchgewohnheiten, Alkoholkonsum und sonstige Aktivitäten.

Therapieansätze verbessern

Es zeigte sich bei der Auswertung der Daten, dass Menschen, die alleine lebten, in der Nachbeobachtung zwischen 2000 und 2008 rund 80 Prozent mehr Antidepressiva kauften als jene, die nicht alleine lebten. Pulkki-Raback ist der Ansicht, dass das wirkliche Risiko psychischer Probleme viel höher sein könnte. “Studien dieser Art unterschätzen das Risiko meistens, da Menschen mit dem höchsten Risiko am seltensten bis zum Ende einer Untersuchung mitmachen. Wir können daher also nicht einschätzen, wie verbreitet unbehandelte Depressionen sind.”

Das Leben mit anderen Menschen bietet laut den Forschern emotionale Unterstützung, gibt ein Gefühl der sozialen Integration und hat auch noch weitere Vorteile, die alle gegen psychische Probleme schützen. Das Alleinleben kann mit einem Gefühl der Isolation, fehlender sozialer Integration und fehlendem Vertrauen in Zusammenhang gebracht werden. Diese gelten als Risikofaktoren für die geistige Gesundheit. Laut der in BMC Public Health http://biomedcentral.com/bmcpublichealth veröffentlichten Studie müssen alle beteiligten Faktoren berücksichtigt werden, um Depressionen bei Menschen im erwerbsfähigen Alter besser zu verstehen und damit auch besser behandeln zu können. (Ende)

Arbeitslosigkeit: Kinder leiden mit Eltern

Negative Auswirkungen besonders für Söhne

Leipzig/Melbourne - Arbeitslosigkeit führt oft zu psychischen Krankheiten. Eine aktuelle Studie des Melbourne Institute of Applied Economic and Social Research http://melbourneinstitute.com zeigt nun, dass Erwerbslosigkeit nicht nur Auswirkungen auf die direkt betroffenen Eltern, sondern auch auf ihren Nachwuchs hat. Während Töchter mit dieser Situation besser umgehen können, leidet darunter insbesondere das Wohlbefinden der Söhne.

Psychische Leiden unbehandelt

“Ungefähr 30 Prozent aller Arbeitslosen leiden an psychischen Krankheiten”, sagt die Arbeitspsychologin Gisela Mohr von der Universität Leipzig http://uni-leipzig.de im Interview mit uns. Sie vermutet, dass psychische Erkrankungen bei Erwerbslosen oft gar nicht erkannt werden. “Antriebslosigkeit und Depression überschneiden sich zwar in den Symptomen, nicht aber im Krankheitswert. Es besteht die Gefahr, dass psychische Krankheiten nicht identifiziert werden”, erläutert die Wissenschafterin.

Jobverlust beeinflusst Generationen

Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit, neben dem fehlenden Einkommen vor allem der Verlust des Selbstbewusstseins, treffen aber nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Kinder. Dies unterstreichen auch die Forscher aus Australien, die dazu deutsche Eltern befragt haben. Während Töchter emotional mit ihren Müttern mitleiden, erleben Söhne die Auswirkungen der Erwerbslosigkeit ihrer Väter so, als wären sie selbst ohne Anstellung.

“Die negativen Auswirkungen eines reduzierten Haushaltseinkommens beeinflussen nicht nur das Selbstvertrauen und die sozialen Kontakte der aktuellen, sondern auch der nächsten Generation”, berichtet Studienautor John P. Haisken-DeNew. “Man kann von einem Domino-Effekt in einem familiären Kontext sprechen. Die Folgen von Arbeitslosigkeit sind weitreichender als wir früher dachten.”

Jugendarbeitslosigkeit politische Katastrophe

Die Psychologin Mohr betont, dass man vor allem bei der Erwerbslosigkeit von jungen Leuten ansetzen muss: “Für junge Leute ist der Berufseinstieg eine enorm wichtige Entwicklungsphase. Jugendarbeitslosigkeit ist eine politische Katastrophe.” Einen hohen Erwerbsanteil zu schaffen, müsse eines der obersten Ziele der Politik sein. (Ende)

Eine Geburt ist und bleibt ein Abenteuer

Hebammen und Mütter erzählen von den intensivsten Momenten

In die Welt gelacht (Goldegg Verlag)

Wien - Babys haben von Anfang an ihren eigenen Willen. In unserer Welt, in der alles planbar erscheint, macht die Ankunft eines neuen Menschen diesen Plänen oft einen Strich durch die Rechnung.

Das letzte Abenteuer

Der Vorbereitungskurs ist absolviert, der Koffer für die Geburtsklinik gepackt: Jetzt heißt es warten, bis sich das ungeborene Wesen entschließt, auf die Welt zu kommen. So gut wie jede Schwangere hat eine Vorstellung davon, wie sie sich ihre Geburt im optimalen Fall wünscht - doch sie bleibt ein unberechenbares und unvorhersehbares Abenteuer. Mit zahllosen Fragen darüber, wie die Geburt ablaufen wird, schwanken werdende Eltern oft zwischen Vorfreude und Ängsten. Auch die Geschichten von schwierigen Geburten, die Schwangeren gerne ungefragt erzählt werden, tragen nicht gerade zur Beruhigung bei. Die Medizinjournalistin Sabine Fisch hat ihn ihrem neuen Buch “In die Welt gelacht - Hebammen und Mütter erzählen vom Abenteuer der Geburt” Geschichten versammelt, die den werdenden Eltern Mut machen und Unsicherheiten nehmen sollen.

Die Kraft der Frauen

Eine Geburt ist ein elementares Ereignis, ein Ausnahmezustand, eine Grenzerfahrung: “Ich wollte ein positives, kraftvolles Buch schreiben”, sagt die Autorin Sabine Fisch. “Es enthält die Wahrheit, die ungeschönte und überwältigende Wahrheit über Geburten, wie sie Mütter und Hebammen erlebt haben.” Die Geschichten erzählen von jenen ereignisvollen Stunden, die das Leben für immer verändern; sie sind aufregend und beruhigend, spannend und gelassen, manchmal ungewöhnlich und verblüffend. Die Frauen, die ihre Geburtserlebnisse schildern, berichten über eine unter der Geburt verspürte nie gekannte Kraft, über Stolz, Glück und Fassungslosigkeit, über Staunen, Liebe und Erschöpfung.

In die Welt gelacht

Sabine Fisch erzählt von Babys, die es sehr eilig haben und jenen, die auf sich warten lassen, von Kindern, die in die Welt gelacht wurden und der buchstäblich “dampfenden” Lebenskraft eines Neugeborenen. Sie schreibt über Mütter, die den Wehenschmerz nicht erkennen, sondern sich “einfach nur komisch” fühlen und Hebammen, die auch in schwierigen Situationen die Nerven bewahren. Gleichzeitig setzt sich die Autorin mit den wichtigen Fragen auseinander, die werdende Mütter und Väter beschäftigen: Was lernt man im Geburtsvorbereitungskurs, was kommt in den Koffer fürs Krankenhaus, wie verläuft eine Geburt und was ist die Aufgabe der Hebamme?

Die Autorin steht für Interviews zur Verfügung.

In die Welt gelacht - Hebammen und Mütter erzählen vom Abenteuer der Geburt
Sabine Fisch
In Kooperation mit dem Rudolfinerhaus Wien
ISBN 978-3-902729-69-9
Hardcover, 216 Seiten
Eur 22,00 [A]/21,40 [D]/28,06 CHF UVP
Neuerscheinung Frühjahr 2012, Goldegg Verlag

Frühchen: Mutters Stimme stärkt Lunge und Herz

Bessere Entwicklung durch Beschallung des Brutkastens

Brigham - Brutkästen können Frühgeborenen zwar sehr erfolgreich das Leben retten, doch mit dem Mutterleib, wo ideale Entwicklung stattfindet, sind sie dennoch nicht vergleichbar. Forschern des Brigham And Women’s Hospital http://brighamandwomens.org zufolge schützen der Herzschlag und die Stimme der Mutter Frühchen vor Problemen von Herz und Lunge.

Herzschlag und Stimme

Frühgeborene sind aufgrund ihrer Unterentwicklung in der Kindheit einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. So entwickeln sie oft Kurzatmigkeit, Asthma und Atemstillstand, jedoch auch ein unregelmäßiger Herzschlag kommt deutlich öfter vor als termingerecht geborenen Babys. Das Risiko steigt noch zusätzlich, wenn die frühe Geburt per Kaiserschnitt durchgeführt wird.

Ziel der Studie war herauszufinden, ob auditive Interventionen für diese Probleme eine Besserung bringen. Man spielte dazu 14 Säuglingen, die zwischen der 26. und 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden, vier mal täglich Tonaufnahmen vom Herzschlag und der Stimme der eigenen Mutter vor. Möglich war dies durch ein speziell entwickeltes Audio-System für den Brutkasten.

Töne als Arznei

Die Ergebnisse waren ein voller Erfolg, berichten die Forscher um Amir Lahav im “The Journal of Maternal-Foetal and Neonatal Medicine”: Atmung und Herzfunktion der kleinen Probanden besserten sich deutlich. “Die mütterlichen Geräusche helfen somit dem frühgeborenen Kind kurzfristig in seiner Entwicklung”, erklärt der Studienleiter. Die langfristigen Folgen werden nun in einer weiteren Studie erforscht. (Ende)

Frühchen: Höheres Gesundheitsrisiko in Kindheit

14.000 Kinder-Daten ausgewertet - Gefahr steigt, je früher die Geburt

Leicester - Babys, die nur wenige Wochen zu früh auf die Welt gekommen sind, haben ein leicht erhöhtes Krankheitsrisiko in der Kindheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universitäten Leicester http://le.ac.uk , Liverpool, Oxford, Warwick und der National Perinatal Epidemiology Unit http://www.npeu.ox.ac.uk . Laut den Forschern wird dadurch die gängige Meinung in Frage gestellt, wonach Kinder, die nach der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, langfristig ähnliche Ergebnisse erzielen wie jene, die zum errechneten Termin geboren wurden.

39. Woche im Fokus

Für die im British Medical Journal http://bmj.com veröffentlichte Studie wurden die Daten von 14.000 Kindern ausgewertet. Sie wurden vor zehn Jahren geboren und bis zu einem Alter von fünf Jahren von den Wissenschaftlern begleitet. Die Forscher untersuchten den Gesundheitszustand inklusive Einweisungen ins Krankenhaus sowie das Auftreten von Krankheiten wie Asthma.

Frühere Studien hatten sich auf Kinder konzentriert, die sehr früh, vor der 32. Schwangerschaftswoche, auf die Welt gekommen waren. Die aktuelle Analyse legt jedoch nahe, dass auch die vielen Kinder, die etwas später geboren wurden, zusätzliche Aufmerksamkeit brauchen. Kinder, die vor der 39. Woche geboren wurden, verfügen bis zum Alter von fünf Jahren über ein leicht erhöhtes Gesundheitsrisiko.

Eltern sollten nicht überreagieren

15 Prozent der Kinder, die termingerecht auf die Welt kamen, leiden an Asthma oder Kurzatmigkeit. Bei jenen, die einige Wochen zu früh geboren wurden, steigt dieser Anteil auf 17 Prozent an. Sie wurden auch etwas häufiger ins Krankenhaus eingewiesen. Rund ein Fünftel der Babys, rund 100.000 pro Jahr, werden zwischen der 37. und 38. Schwangerschaftswoche geboren, berichtet die BBC.

Eltern sollten sich wegen des leicht erhöhten Risikos jedoch keine Sorgen machen. Vielmehr dienen die Studienergebnisse dazu, um das Ausmaß der medizinischen Unterstützung dieser Familien zu hinterfragen. Elaine Boyle von der University of Leicester nach istz nun klar, dass es nicht länger angemessen ist, Kinder in jene aufzuteilen, die zu früh geboren wurden und jene die termingerecht auf die Welt kamen. (Ende)

Onlinegames setzen Ehe aufs Spiel

Ungleichgewicht von Spiel und Beziehung bei drei von vier Spielern

Provo/Wien - Online-Rollenspiele haben bei Verheirateten negative Auswirkungen auf die Zufriedenheit im Eheleben. Die wissenschaftliche Bestätigung für diese These liefern nun Forscher der Brigham Young University http://home.byu.edu in der Zeitschrift “Journal of Leisure Research”. 75 Prozent der Spieler - meist waren es die Ehemänner - wünschen, sie würden weniger Einsatz in ihrer Gilde und mehr in ihrer Ehe zeigen. Der Prozentsatz dürfte laut Forschungsleiterin Michelle Ahlstrom noch höher sein, da viele der angefragten Spieler die Studienteilnahme verweigerten.

Streit um Schlafenszeit

Unter die Lupe nahmen die Forscher 349 Ehepaare, bei denen zumindest ein Partner häufig Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiele (MMORPGs) wie etwa World of Warcraft spielte. Das Durchschnittsalter der Befragten betrug 33 Jahre, die durchschnittliche Ehezeit sieben Jahre. Bei den Paaren mit einem Spieler war der Gamer zu 84 Prozent der Mann, doch auch bei den wenigen untersuchten Zweispieler-Paaren war der maskuline Teil zu 73 Prozent jener, der zeitmäßig häufiger im Spiel unterwegs war.

Die weit verbreitete Auffassung, dass Online-Spiele die Zufriedenheit in der Ehe senken, bestätigte sich. “Dabei geht es jedoch nicht primär um das Ausmaß der Spielzeit, die zur Unzufriedenheit führt, sondern vor allem darum, was das Spiel mit der Beziehung anstellt”, erklärt Ahlstrom. Häufig führt das Spiel laut Studie zu Streitereien, besonders oft ist auch die unterbrochene Schlafens- oder Bettgehzeit das Problem. Die Abstimmung der beiden Ehepartner verschlechterte sich, ebenso reduzierte sich die gemeinsam bei Aktivitäten verbrachte Freizeit oder die Zahl der ernsthaften Gespräche.

Wirtshaus 2.0

“Online-Spiele sind oft ein Problem in der Ehe, könnten in diesem Punkt aber meist gegen andere zeitraubende Aktivitäten wie Golf, Tennis oder Fußball ausgetauscht werden”, glaubt der Wiener Psychiater Hubert Poppe http://www.psychiatrie.co.at im pressetext-Interview. Das typische Grundmuster sei alt. “Früher warfen die Frauen ihren Männern vor: ‘Jetzt bist du schon wieder im Wirtshaus, bei der Sparvereinssitzung, im politischen Zirkel!’ Mit den Online-Spielen gibt es nun eine neue Variante davon, bei der man allerdings zuhause oder im Büro sitzt und damit anwesend und doch abwesend ist, was noch mehr schmerzt.”

Kernproblem sei weiterhin, dass sich ein Partner durch die Aktivität des anderen in der Bedeutung zurückgesetzt fühlt. Dieser wiederum sitzt zwischen zwei Stühlen - seiner Beziehung und der Spiel-Community. “Besonders bei pathologischen Spielern ist die Gilde der Faktor, der ein Einschränken der Zeit am meisten verhindert”, berichtet Poppe. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass im Internet zeitliche Schutzmechanismen wegfallen. “Es gibt keinen Platzwart, der den Schlüssel hat, und keine Öffnungszeiten, an die man sich halten muss. Am Server findet man zur jeder Tages- und Nachtzeit 10.000 Mitspieler.”

Spiel als Flucht

Ansätze wie Chinas Spielsperren sind allerdings keine Lösung, betont der Experte. Einerseits sei das Umgehen immer möglich, andererseits würden sich exzessive Spielphasen später meist ohnehin wieder einpendeln. Dennoch rät der Psychiater, als Schutz der Beziehung nach möglichst vielen Alternativen zu suchen, die Paare gemeinsam machen können. Auch ein gemeinsames Online-Spiel selbst kann sich positiv auswirken, wenn es beide gerne tun, zeigte die US-Studie. Doch auch der kritische Blick auf die Spielmotivation ist angebracht. “In vielen Fällen dürfte das Spiel auch Flucht aus dem Alltag und Rückzug in die Alternativwelt sein”, erklärt Poppe.

“Angst vorm Auslachen” als Krankheitssymptom

Vor allem Jugendliche fürchten sich vor Verspottung und Diskriminierung

Graz - Rund sieben Prozent der Österreicher leiden unter Gelotophobie. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, bei der Betroffene Angst davor haben, ausgelacht zu werden. Vor allem Jugendliche, die sich fürchten, in der Schule von anderen verspottet zu werden, weisen dieses Symptom als Persönlichkeitsmerkmal auf. Dies geht aus einer Studie der Universität Graz http://www.kfunigraz.ac.at hervor.

“Betroffene nehmen die - auch oft neutralen - Gefühlsausdrücke anderer negativ wahr und interpretieren diese falsch”, erklärt Psychologin und Studienleiterin Ilona Papousek im Gespräch mit uns. Zudem fällt es Gelotophobikern selbst schwer, Gefühle nach außen hin zu zeigen. Dies kann jedoch unter anderem zur Ausgrenzung des Betroffenen führen, wodurch dieser wiederum ein noch intensiveres Gefühl der Verspottung wahrnimmt.

Stetiges Schamgefühl

“Häufig gehen die Betroffenen auch selten Ehen oder langfristige Beziehungen ein”, so Papousek gegenüber pressetext. Gelotophobiker können die verschiedenen Arten von Gelächter, wie etwa freundliches, verlegenes oder schadenfrohes und gehässiges Lachen, nicht voneinander unterscheiden und sind davon überzeugt, lächerlich zu wirken. Zudem fanden Psychologen heraus, dass Gelotophobie unabhängig von Geschlecht, Alter, der regionalen sowie der sozialen Herkunft auftritt.

Dem “Nationalen Bildungsbericht 2009″ zufolge geben 19 Prozent der neun- bis zehnjährigen Schulkinder in Österreich sowie elf Prozent der 15 bis 16-jährigen SchülerInnen an, Opfer von verbaler oder psychischer Aggression zu sein. Man kann also davon ausgehen, dass sich in praktisch jeder Klasse zumindest ein Kind befindet, das von anderen verbal oder psychisch schikaniert wird.

Von mehreren sozialen Ängsten begleitet

“Ich glaube nicht, dass es Menschen gibt, die ausschließlich vor dem Lachen Angst haben. Solche Menschen haben ganz sicher auch andere Probleme und andere soziale Ängste”, meint Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie an der Universität Göttingen http://www.uni-goettingen.de . Wie es zur Entstehung der Krankheit kommt, ist noch ungeklärt. Jedoch wurde bereits ein psychologischer Test entwickelt, anhand dessen sich die Furcht vor Verspottung identifizieren und so von anderen Sozialphobien trennen lässt. (Ende)

Stillen schützt vor Asthma

Muttermilch verhilft zu freiem Atmen und größerer Lunge

Bern - Schulkinder, die als Babys gestillt wurden, zeigen bessere Lungenfunktionswerte als jene, die keine Muttermilch erhalten haben. Das berichten Forscher der Universität Bern http://unibe.ch in einer Studie des Schweizerischen Nationalfonds. US-Forscher hatten zuvor behauptet, dass asthmakranke Mütter mit dem Stillen das Asthma-Risiko des Kindes erhöhen. Das konnten die Forscher nun widerlegen. “Stillen kann guten Gewissens empfohlen werden - erst recht für Asthmatikerinnen”, betont Studienleiterin Claudia Kühni im Presse-Interview.

Lunge um 180 Milliliter größer

Die Forscher vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin analysierten umfangreiche Daten von 1.400 englischen Schulkindern. 273 davon waren Kinder einer Mutter mit Asthma. Die Auswertung zeigte, dass das frühe Gestilltwerden alle Kinder freier atmen ließ. Bei Kindern, deren Mütter Asthma hatten, fand sich auch ein positiver Einfluss auf die Lungengrösse, und zwar umso stärker, je länger sie gestillt wurden. Den Hinweis dafür lieferte die Auswertung des Atemzugsvolumens, schreiben die Forscher im “American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine”.

“Im Schnitt haben gestillte Kinder von Mütter mit Asthma im Schulalter um 180 Milliliter mehr Atemvolumen als Nichtgestillte. Zwar ist dieser Unterschied nicht groß, doch würde sich der Anteil von 20 Prozent der ungestillten Kindern mit der schlechtesten Lungenfunktion durch das Stillen auf zehn Prozent verringern”, erklärt Kühni. Dass US-Daten von 2001 und 2007 teils ein negatives Urteil gefällt hatten, dürfte in den Augen der Forscherin außer auf methodische Unterschiede eventuell auch auf andere Asthma-Behandlungsformen zurückzuführen sein.

Asthma-Medizin kein Hindernis

Für die Wirkung von Asthmamedikamenten auf ein gestilltes Kind gibt es bisher noch wenig Studien. Asthma zählt sicher nicht zu den wenigen Krankheiten, bei denen laut offiziellen Empfehlungen auf das Stillen verzichtet werden sollte. “Richtig dosiert haben Asthmamedikamente während Schwangerschaft und Stillzeit sicher keine negativen Auswirkungen auf das Kind haben. Beim Stillen sind die gesundheitlichen Vorteile für Mutter und Kind eindeutig im Vordergrund.”

Ein Rätsel bleibt weiterhin, auf welche Weise Muttermilch die Lunge positiv beeinflusst. Zwar sind enthaltene Abwehrstoffe bekannt, die vor Atemwegsinfekten in den ersten Lebensjahren schützen und die Lungenfunktion stärken. Folgt man den Auswertungen, sind jedoch andere Hauptursachen wahrscheinlich. “Möglich wäre, dass hormonähnliche Substanzen in der Muttermilch die Lunge größer und widerstandsfähiger machen. Oder das Saugen an der Brust stimuliert das Lungenwachstum mechanisch”, vermutet Kühni. (Ende)

Liebevolle Erziehung lässt Gehirn wachsen

Lernzentrum bei feinfühligen Eltern um ein Zehntel größer

St. Louis/Magdeburg - Wer sein Kind mit viel Hingabe umsorgt, fördert damit dessen Hirnreifung. Um ganze zehn Prozent größer ist das Lern- und Gedächtniszentrum im Gehirn bei Schulkindern, deren Mütter in frühen Jahren besonders feinfühligen Umgang gezeigt haben. Das berichten Forscher der Washington University School of Medicine http://medschool.wustl.edu in der Zeitschrift “Proceedings of the National Academy of Sciences”.

Eltern steuern Entwicklung

Untersucht wurden 92 Kinder im Vorschulalter, denen man eine stressauslösende Aufgabe stellte: Sie sollten darauf warten, ein ersehntes Geschenk zu öffnen, wobei sie von einem Elternteil - meist die Mutter - unterstützt wurden. Die Szene wurde gefilmt und von unbeteiligten Experten analysiert. Jahre später, im Grundschulalter, erstellte man Gehirnscans der Kinder. Das Ergebnis: Kinder mit feinfühligen Müttern hatten einen um zehn Prozent größeren Hippocampus als Altersgenossen, deren Mütter wenig auf sie eingegangen waren.

Die Studienautorin Joan L. Luby sieht darin den “ersten Nachweis beim Menschen, dass Mutterliebe die kindliche Gehirnstruktur tatsächlich verändert”. Eine bessere Schulleistung habe man schon zuvor festgestellt. “Auch von Tieren, deren Elternverhalten man ja über längere Zeiträume beobachten kann, kennt man den Zusammenhang”, erklärt der Magdeburger Biologe Jörg Bock http://www.uni-magdeburg.de im Interview. So haben auch Rattenkinder, die von den Müttern besonders lange geleckt wurden, einen größeren Hippocampus.

Lernen und Stressregulierung

Der Hippocampus ist Teil des limbischen Systems des Gehirns, das bei Emotionen und der Lernleistung eine wichtige Rolle spielt. “Bei jedem neuen Dazulernen ist diese Region beteiligt. Ist er vergrößert, dürfte dies die Lernleistung verbessern”, erklärt Bock. Erklärbar sei das Wachstum vor allem dadurch, dass die Zuwendung die Neubildung der Nervenzellen-Synapsen stimuliert. Jedoch auch Stressreaktionen laufen über den Hippocampus und verschlechtern sich, wenn das zentral gelegene Hirnareal beschädigt ist.

Die US-Forscher interpretieren das Ergebnis als Zeichen, wie bedeutend die scheinbar rein intuitive Erziehung durch die Eltern für die menschliche Entwicklung ist. “Günstig wäre, den erzieherischen Fähigkeiten mehr Aufmerksamkeit und Förderung zu geben. Denn die Umsorgung im frühen Alter bestimmt die spätere Entwicklung in sehr, sehr hohem Ausmaß”, schreibt Luby.