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Archiv der Kategorie Pressebericht

Kleiner Atomkrieg kostet eine Mrd. Hungertote

Abkühlung würde Knappheiten und steigende Preise auslösen

Luzern/Berlin - Selbst ein kleiner, lokal begrenzter Atomkrieg könnte über einer Mrd. Todesopfer fordern: So stark ist die zu erwartende Schädigung des globalen Klimas, der Ökosysteme und in Folge der landwirtschaftlichen Produktion. Das zeigt eine Studie der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) http://ippnw.org . Die vom Schweizer Außenamt finanzierte Forschung wurde am gestrigen Mittwoch beim Weltgipfel der Friedensnobelpreisträger in Chicago vorgestellt und erscheint im Fachblatt “Climate Change”.

Folgen für Klima und Mensch

Bereits ein lokal begrenzter Atomkrieg mit beschränktem Atomwaffenarsenal sorgt dafür, dass es infolge des hochgewirbelten Rauches und Staubes in der Stratosphäre weltweit kälter wird und auch die Niederschläge zurückgehen. “Nachdem die Klimaeffekte bereits bekannt waren, wollten wir nun die Auswirkungen auf den Menschen erheben”, erklärt Xanthe Hall, Atomwaffenexpertin bei IPPNW Deutschland http://ippnw.de , im Interview. Das Ergebnis: Zehn Jahre lang würde die Mais- und Reisproduktion um durchschnittlich zehn Prozent sinken, wobei die schlimmsten Auswirkungen mit bis zu 30 Prozent Ernterückgängen in den ersten fünf Jahren zu erwarten wären.

Die Folgen dieses Szenarios reichen jedoch noch weiter: Angesichts der steigenden Lebensmittelpreise würden hunderte Mio. Menschen jeglichen Zugang zu Nahrung verlieren, und auch bei aufrechten Agrarmärkten wären binnen zehn Jahren 215 Mio. Menschen unterernährt. Panik und Hamsterkäufe infolge der Ertragsminderung würden zu weiteren Verknappungen führen, die am meisten Leidtragenden wären jedoch die schon heute 925 Mio. chronisch Unterernährten: Eine zehnprozentige Reduktion ihrer heutigen Zufuhr von durchschnittlich 1.750 Kalorien bedeutet für sie Lebensgefahr.

Gefahr auch ohne nuklearen Winter

Die Analyse ist nicht aus der Luft gegriffen: Pakistan und Indien haben soeben innerhalb einer Woche zwei atomwaffenfähige Langstreckenraketen mit 5.000 Kilometer Reichweite getestet. Das Wettrüsten stellt die im Vorjahr neu aufgenommenen Friedensgespräche vor eine Probe. Zankapfel sind nach wie vor die Gebietsansprüche auf die Kaschmir-Region, die die Erzrivalen schon 2002 an den Rande eines Atomkriegs gebracht haben. “Die Studie ging vom Abwurf von 100 Atomwaffen der Größe der Hiroshima-Bombe aus. Diese Größenordnung wäre im Kaschmir-Konflikt, jedoch auch im Nahen Osten denkbar”, so Hall.

Deutlich wurde, dass es keinen von den großen Atommächten ausgelösten “Nuklearen Winter” benötigt, um die gesamte Menschheit zu schädigen. “Die Atomwaffenstaaten dürfen sich nicht mehr auf ihre Atomwaffen verlassen. Sie müssen so schnell wie möglich eine Nuklearwaffenkonvention aushandeln, die diese Waffen vollständig ächtet”, so die dringende Botschaft der Studienautoren. Darüber hinaus sei weitere Forschung nötig, um die Verluste in der Mais- und Reisproduktion zu bestätigen und die Folge der Ernteausfälle auf die Kalorieneinnahme und den Spurenelementen-Mangel genauer zu erforschen.

pdf-Download der Studie unter http://bit.ly/IbauXq (Ende)

Selbstgespräche nützlich für Konzentration

Bessere Ergebnisse beim Wiederfinden und Auswendiglernen

Berlin - Menschen, die mit sich selbst sprechen, wirken zwar seltsam, können sich Sachverhalte jedoch besser merken. Psychologen der Universitäten Wisconsin-Madison http://wisc.edu und Pennsylvania http://www.upenn.edu haben belegt, dass das Reden mit sich selbst gut für das Wiederfinden von Dingen ist. Die Psychologen Gary Lupyan und Daniel Swingley führten dazu eine Reihe von Experimenten durch und beobachteten Menschen, die zu sich selbst murmeln, wenn sie versuchen etwas zu finden.

Auch innerer Dialog hilfreich

Ob man den Dialog laut oder nur innerlich führt, ist unerheblich. “Auch der innere Dialog kann uns unterstützen”, sagt Anja Vehrenkamp, Lehrtrainerin am Institut für angewandte Positive Psychologie in Berlin http://ifapp.de , gegenüber uns. “Wenn es um das Wiederfinden oder auch um das Auswendiglernen geht, macht es sehr viel Sinn, etwas auszusprechen”, so die Fachfrau. Bei Erwachsenen wirkt der Selbstdialog irrational, bei Kindern kann man sehr häufig beobachen, dass sie ihre eigenen Schritte für sich kommentieren.

Das Wiederholen und laute Aussprechen der Begriffe und Schritte hilft bei der Konzentration und beim Lernen, bestätigt Vehrenkamp. Daran können sich auch Erwachsene ein Beispiel nehmen. Die beiden Psychologen haben den Teilnehmern in ihrem ersten Experiment 20 Bilder von verschiedenen Objekten gezeigt. Daraufhin mussten die Probanden nach der Methode von Memory bestimmte Bilder wiederfinden. Menschen, die den Begriff vor sich hin murmelten, fanden das Bild schneller. (Ende)

Umgang mit Tod macht lebenslustig

Bewusstsein über eigenes Ende fördert Menschlichkeit

Wien - Beschäftigung mit dem Tod deprimiert nicht, sondern macht glücklicher und sozialer. Zu diesem Schluss kommt Kenneth Vail von der University of Missouri http://missouri.edu . Mit seinem Team hat er Studien gesammelt, die bestätigen, dass sich die Auseinandersetzung mit dem Tod positiv auf das Leben auswirkt.

Tod bringt Toleranz und Pazifismus

Die Analyse der aktuellen Literatur zum Thema zeigt, dass sogar die unbewusste Beschäftigung mit der Endlichkeit förderlich für den Umgang mit den Problemen des Lebens sein kann. So ist ein Spaziergang über den Friedhof nicht etwa gruselig oder betrüblich, sondern fördert sogar die körperliche Gesundheit. Zudem sind Menschen, die sich mit dem Tod beschäftigen - ob bewusst oder unbewusst - sozialer zu Mitmenschen.

“Andere Feldversuche und Laborexperimente haben diese und ähnliche Befunde repliziert. Das Bewusstsein des Todes erhöht die Toleranz, die Mitmenschlichkeit, die Empathie und sogar den Pazifismus”, sagt Vail. Wenn sich Menschen an ihre Endlichkeit erinnern, entscheiden sie sich auch für eine gesündere Ernährung, rauchen weniger und treiben mehr Sport.

Mehr Bejahung des Lebens

Jörg Bauer, Sprecher von Aspetos http://aspetos.at , ein von Bestattern finanziertes soziales Netzwerk, kann die Ergebnisse aus eigener Erfahrung bestätigen. “Leute, die sich intensiv mit dem Thema befassen, sind lebensbejahender”, sagt Bauer gegenüber der Presse. Alltägliche Probleme verlören an Relevanz. “Würden 100 Prozent der Menschheit ihre Endlichkeit erfassen, gebe es Weltfrieden. Wenn sich die Menschen bewusst machen, dass das Leben endlich ist, wird niemand jemandem weh tun wollen.”

Nur laufe unser Wirtschaftssystem nicht auf der Basis von Mitmenschlichkeit. “Das Bewusstsein über das eigenen Ende wäre schlecht für die Wirtschaft in ihrer jetzigen Form. Aber diese Wirtschaft ist schlecht für den Menschen - was wir brauchen, ist eine gesunde Wirtschaft”, so das Credo Bauers. (Ende)

Limettensaft mit Sonne desinfiziert Wasser

Aufbereitungszeit sinkt von sechs Stunden auf 30 Minuten

Baltimore/Zürich - PET-Flaschen werden in Gebieten ohne sauberem Trinkwasser oft zu Lebensrettern: Befüllt man sie mit Wasser und legt sie in die Sonne, macht deren UV-Licht einen Großteil der Keime unschädlich und somit das Wasser trinkbar. Dieser als “SODIS” (Solar Desinfection) http://sodis.ch bezeichnete Ansatz ist in vielen Ländern verbreitet. US-Forscher haben nun eine kleine, aber entscheidende Verbesserung entdeckt: Durch bloße Zugabe von Limettensaft wird die Desinfektionszeit deutlich reduziert - von etwa sechs Stunden auf 30 Minuten.

Schneller dank Spritzer

30 Milliliter Limettensaft sind für zwei Liter Wasser nötig - also eine Limette pro Plastikflasche, berichtet Kellogg Schwab von der Johns Hopkins School of Medicine http://hopkinsmedicine.org . Mit diesem Limo-Spritzer vor der Sonnenbestrahlung tötet man sowohl E. coli-Darmkeime als auch Bakteriophagen binnen einer halben Stunde ab, nur beim murinen Norovirus gelingt dies nicht. Diese Ergebnisse aus Labortests wurde im Fachblatt “American Journal of Tropical Medicine and Hygiene” wissenschaftlich publiziert.

Bisher gibt es mehrere Ansätze, um die sechsstündige Desinfektionszeit - bei Bewölkung erhöht sie sich auf zwei Tage - zu verkürzen. “Bisher durchliefen die Beigabe von Kupfer, Titandioxid und auch Limettensaft bereits Tests, haben sich aber noch nicht durchgesetzt. Einfachheit und Verfügbarkeit müssen oberstes Prinzip bleiben”, erklärt Fabian Suter, der beim “Erfinder” von SODIS, dem ETH-Wasserforschungsinstitut Eawag http://eawag.ch , für Schulprojekte zuständig ist, im Presse-Interview.

Endnutzer entscheidet

Forciert wird deshalb eher eine nicht-chemikalische Beschleunigung. “Etwa fünf Prozent schneller geht es, wenn man die Plastikflasche auf reflektierende Unterlagen wie etwa Wellblech legt”, betont Suter. Darüber hinaus testet die EAWAG derzeit den Einsatz von SODIS-Beuteln, die mit den Vorteilen einer größeren Oberfläche, besserer Durchlässigkeit für UV-Licht sowie günstigerer Transportmöglichkeiten etwa in Erdbebenregionen gegenüber der Plastikflasche punkten.

Vor Ort durchsetzen kann sich nur, was für den Endnutzer passt, weshalb die Einrichtungen, die das SODIS-Prinzip übernommen haben - die UNICEF, das Rote Kreuz, die WHO und zahlreiche Regierungen sind darunter - stets auch Alternativen anbieten und vorzeigen. Jede Methode hat Vor- und Nachteile, erklärt Suter. “SODIS ist günstig und liefert guten Geschmack, für die Aufbereitung größerer Mengen ist aber Chlor erforderlich. Keramik- und Membranfilter sind gut wirksam, aber vergleichsweise teurer. Sonst bleibt noch das Aufkochen.”

Abstract des Originalartikels unter: http://www.ajtmh.org/content/86/4/566.abstract (Ende)

Autoabgase weit tödlicher als Verkehrsunfälle

Mediziner: Elektromobilität in Städten “extrem sinnvoll”

Cambridge/Basel - Mindestens doppelt so viele Menschen sterben jährlich aufgrund von Luftverschmutzung aus dem Verkehr wie durch Verkehrsunfälle. Das berichten US-Forscher vom Massachusetts Institute of Technology http://web.mit.edu in der Zeitschrift “Environmental Science and Technology”. Laut ihren Schätzungen sterben pro Jahr mindestens 5.000 Engländer rund zehn Jahre vor ihrer natürlichen Lebenserwartung in Folge von Abgasen aus Autos, 2.000 durch Flugzeugabgase. Die Zahl von 1.850 jährlichen Straßentoten im Inselreich liegt deutlich darunter.

Risiko steigt mit Partikeldichte

Bisherige Hochrechnungen aus der Schweiz, Österreich und Frankreich zeigen dieselben Ergebnisse, bestätigt der Sozial- und Präventivmediziner Nino Künzli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut http://swisstph.ch gegenüber pressetext. Verkehrsabgase betreffen nicht nur die Lunge, sondern führen auch zu systemischen Wirkungen und Entzündungsreaktionen in Gefäßen bis hin zur veränderten Blutzusammensetzung. Neueste Ergebnisse bringen ultrafeine Partikel sogar mit der Hirnentwicklung und Diabetes in Zusammenhang.

Ein weiteren Hinweis liefern Forscher der Harvard School of Medicine http://hms.harvard.edu in der Zeitschrift “Plos One”: Wer langfristig Verkehrsabgasen ausgesetzt ist, hat in späteren Lebensjahren ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krankheiten: Für jede zehn Mikrogramm Verschmutzungspartikel pro Kubikmeter Luft steigt das Risiko einer späteren Spitalsaufnahme wegen Diabetes um sechs Prozent, aufgrund von Lungenentzündung um vier Prozent, aufgrund von Herzleiden um drei Prozent, so die Studienautoren um Joel Schwartz.

Fortschritt durch Katalysator

Doch es gilt auch das Umgekehrte, wie Künzli gegenüber pressetext betont: In Ländern, die Katalysatoren und Feinstaubfilter verpflichtend eingeführt haben, stellten sich in der Folge auch gesundheitliche Fortschritte ein. So verlangsamt eine verbesserte Luftqualität etwa die Alterung der Lungenfunktion, wie auch in der irischen Hauptstadt Dublin ein Verbot für Kohleheizungen schlagartig die Mortalität sinken ließ. Da die meisten Folgeerkrankungen jedoch nicht akut sind, zeigen sich Verbesserungen der Luftqualität in der Regel erst längerfristig in der Gesundheit.

Trotz einzelnen Verbesserungen bleibt der Verkehr eine der wichtigsten Quellen für Luftverschmutzungen, besonders da die Ausstöße dort freigesetzt werden, wo die Menschen leben. Allein schon aus gesundheitlicher Perspektive sind deshalb Autos ohne Verbrennungsmotor in dicht besiedelten Stadtgebieten “extrem sinnvoll”, betont Künzli. (Ende)

Sextourismus 2050: Roboter ersetzen Prostitutierte

Zukunftsvision soll Amsterdams Rotlicht-Image retten

Melbourne/Wien - In Rotlichtbezirken der Zukunft gibt es keine Prostituierte mehr: Roboter übernehmen die Dienste, auf die Sextouristen heiß sind. Das behauptet der Management-Professor Ian Yeoman und die Sexologin Michelle Mars von der neuseeländischen Victoria University http://vu.edu.au in der Zeitschrift “Futures”. Bis zu 10.000 Euro würde Kunden künftig der Maschinensex wert sein. Andere Sex-Experten sind allerdings skeptisch.

Sexbots liefern Komplettservice

Die beiden Fachleute skizzieren den imaginären Sexclub “Yub-yum” in Amsterdam des Jahres 2050. Spärlich bekleidete “Sexbots”-Androiden aller Hautfarben und Körperformen liefern den Kunden einen Komplettservice, der von Massage, Lap Dance bis hin zu Geschlechtsverkehr reicht. “Amsterdams Tourismus baut auf Sex und Drogen. Angesichts der Sorge der Stadt, eine Verbannung der Prostituierten könne dem Image abträglich sein, bieten Clubs vom Typ ‘Yub-yum’ die Lösung”, so die Forscher.

Gebaut sind die Sexroboter aus einer viren- und bakterienresistenten Faser, die Überträger von Geschlechtskrankheiten unschädlich machen. “Robotersex ist Safer Sex, frei von den Einschränkungen, Vorsichtsmaßnahmen und Unsicherheiten seines echten Pendants”, schreiben Yeoman und Mars. Zweifel am Erfolg des Konzepts meldet die Sexologin Gerti Senger http://gerti-senger.at . “Wozu fahren Sextouristen nach Amsterdam, wenn sie dasselbe Angebot auch zuhause haben?”, so die Wiener Expertin gegenüber der Presse.

“Sex ist mehr als Technik”

Die Vision eines Sexroboters bezeichnet Senger im technischen Zeitalter als “naheliegend”, zudem gibt es erste Ansätze wie etwa in der einfachsten Form von Vibratoren ja längst. Dennoch werde selbst die ausgeklügeltste Maschine nie ein voller Menschenersatz sein. “Mit einem Androiden erreicht man bestenfalls eine punktuelle, mechanische Befriedigung, nie aber ein Gesamtkunstwerk, zu dem auch Hautkontakt und die Behaglichkeit einer lebendigen Berührung gehören. Sexualität ist mehr als Technik.”

Differenziert sieht Senger auch die Ankündigung der neuseeländischen Kollegen, “Sexbots” würden Kunden von etwaigen Schuldgefühlen gegenüber ihrem Partner befreien, da ja kein Sex mit einer realen Person zustande kommt. “Ein Freier und eine Prostituierte gehen eine fragmentierte Beziehung ein, wenngleich diese auf Berührungsempfinden beruht. Zwar kann man sicher sein, dass mit einem Roboter keine Gefühle ausgetauscht werden. Die Faszination an der Apparatur lässt aber auf eine Struktur der Persönlichkeit schließen, die im täglichen Zusammenleben nicht unbedingt förderlich ist.”

Link zum Originalartikel unter http://bit.ly/w2xhdS (Ende)

Gute Laune kann zu schlechter Wahl führen

Fehlendes Abwarten bei Entscheidung zwischen vielen Angeboten

Basel - Positive Stimmung kann in machen Situationen die Entscheidungsfähigkeit trüben. Das berichten Psychologen der Universität Basel http://www.unibas.ch in der Zeitschrift “Psychology and Aging”. “Gute Stimmung hat erheblichen Einfluss darauf, ob eine Entscheidung gut oder schlecht getroffen wird. Geht es um eine Wahl, für man sich intensiv mit Informationen zu verschiedenen Angeboten auseinandersetzen muss, wirkt sich gute Laune negativ aus”, erklärt Studienleiterin Bettina von Helversen gegenüber pressetext.

Miese Stimmung am Parkplatz vorteilhaft

Die Forscher untersuchten einen speziellen Typ von Entscheidungen - sogenannte “sequenzielle” Entscheidungen, bei denen man nacheinander verschiedene Angebote bekommt, die man annehmen oder endgültig ablehnen muss. Wie gut diese Wahl getroffen wird, hängt eng damit zusammen, wie viele Angebot man vor dem Entscheid begutachtet. Die optimale Suche darf nicht zu kurz dauern, wäre dann doch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man später ein besseres Angebot bekommt, jedoch auch nicht übermäßig lange, da man dann womöglich das beste Angebot bereits abgelehnt hat.

“Beispiele aus dem Alltag für derartige Situationen sind die Parkplatzsuche, die Partnerwahl, die Wahl des eigenen Jobs oder neuer Mitarbeiter sowie auch der Immobilienkauf”, erklärt von Helversen. In ihrer Studie wollte die Forscherin mit ihrem Team ursprünglich Entscheidungsmuster von älteren und jüngeren Erwachsenen vergleichen. Jeder Proband erhielt 40 Preisangebote zu 60 verschiedenen Produkten und sollte bei jedem Angebot entscheiden, ob man das Produkt um diesen Preis kaufen wolle. Entschied man sich für ein Weitersuchen, verfiel das Angebot.

Frühere Entscheidung mit rosa Brille

Als sich zeigte, dass die älteren Studienteilnehmer die Angebote früher annahmen und somit mehr für die gebotenen Produkte bezahlten als die Jüngeren, ging man der Ursache näher auf den Grund. “Eindeutig hing dieser Unterschied nicht mit verschiedenen kognitiven Fähigkeiten zusammen, sondern mit der Stimmung”, berichtet die Psychologin. Je positiver die Probanden gestimmt waren, desto früher entschieden sie sich. Eine zweite Studie nur unter jungen Erwachsenen bestätigte dieses Ergebnis.

Nicht immer hat eine negative Stimmungslage schlechte Auswirkungen auf die Entscheidung, gibt von Helversen zu bedenken. “Wenn Kreativität oder ein holistisches Gesamtbild gefordert ist, treffen Menschen mit guter Laune die bessere Wahl”, sagt von Helversen. Um dem Gute-Laune-Effekt bei sequenziellen Entscheidungen nicht auf den Leim zu gehen, dürfte es allerdings bereits genügen, sich seiner bewusst zu sein. “Die Wirkung lässt nach, wenn man um diesen Zusammenhang weiß. Zudem ist es ratsam, bei wichtigen Entscheidungen immer eine Nacht drüberzuschlafen.” (Ende)

Buch-Neuerscheinung: In jedem von uns steckt ein Mörder

Wir können alle auf der “dunklen Seite” landen

Wien - “Ich könnte ihn umbringen!” Wem ist dieser Satz noch nie im Ärger rausgerutscht? Er ist schnell gesagt - doch was muss passieren, damit wir ihn in die Tat umsetzen?

Faszination Gewalt

Das, wozu Menschen fähig sind, fasziniert uns. Gewaltverbrechen sind spannend, anziehend und abstoßend zugleich. Wir sind froh, dass es uns nicht selbst erwischt hat, und obwohl wir Mitleid mit den Opfern empfinden, wollen wir alles wissen: Wer, was, wann, wo? Welche Waffe wurde verwendet? Wie oft wurde geschossen, wie oft wurde zugestochen, wie lange wurde zugedrückt? Jedes gewalttätige Detail saugen wir in uns auf und hören den Nachbarn zu, die diese furchtbare Tat dem netten jungen Mann nie zugetraut hätten. So etwas kann uns nie passieren, sind wir überzeugt. Wir werden niemals Täter sein, wir werden niemanden umbringen! “Doch, Sie könnten es und ich ebenso”, behauptet Heike Lettner in ihrem neuen Buch “Wenn Menschen töten - Steckt in jedem von uns ein Mörder?”. Wir alle haben genetische, biologische und soziale Anlagen zur Gewalttätigkeit.

Die Gewalt ist männlich

Heike Lettner, Klinische und Gesundheitspsychologin, arbeitet in einer Justizanstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher und beschäftigt sich mit Gefährlichkeitsdiagnostik und psychologischer Diagnostik. Aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß sie, dass es nicht reicht, ein guter Mensch sein zu wollen: “Wir haben gelernt, unsere Aggression im Zaum zu halten. Doch wenn wir uns in Todesangst befinden oder ein uns nahestehender Mensch bedroht ist, können wir alle bis zum Äußersten gehen.” 90 Prozent der Gewalttaten und Morde werden von Männern verübt, deren höherer Testosteronspiegel mit ein Grund für das verstärkte Aggressionspotenzial ist. Aber auch die Vorbildfunktion im Elternhaus, das “Lernen am Modell”, spielt hier eine Rolle.

Der Weg zur Gewalt

Die Lebensgeschichte der meisten Gewalttäter ist von Aggression, Misshandlungen und Vernachlässigung geprägt. Viele Lebensläufe entwickeln sich in Richtung Gewalt, weil zu einem bestimmten Zeitpunkt die “Abzweigung” nicht genommen wurde. Grundsätzlich gibt es in jedem Leben Momente, in denen verschiedene Wege eingeschlagen werden könnten und unterschiedliche Aspekte, die aus einem Kind trotz widriger Umstände einen widerstandsfähigen Erwachsenen werden lassen; beim einen greift ein aufmerksamer Lehrer ein, beim anderen verhindert eine mitfühlende Verwandte Schlimmes. Viel Leid kann verhindert werden, wenn Kinder alternative Strategien zur Problemlösung entwickeln können, um belastende Situation zu überstehen.

Die Autorin steht für Interviews zur Verfügung.

Wenn Menschen töten - Steckt in jedem von uns ein Mörder?
Heike Lettner
ISBN 978-3-902729-55-2
Hardcover, 304 Seiten
Eur 22,00 [A]/21,40 [D]/28,06 CHF UVP
Neuerscheinung Frühjahr 2012, Goldegg Verlag

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(Ende)

Malaria: Resistenz gefährdet Bekämpfung

Bislang keine Alternative zu Standardbehandlung mit Artemisin

Mae Sot - Wissenschaftler der Shoklo Malaria Research Unit http://shoklo-unit.com/About/Intro.htm haben neue Beweise dafür gefunden, dass sich die Resistenz bei Malaria-Medikamenten verstärkt, die derzeit als erste Wahl gelten. Sie haben resistente Stämme des Malariaparasiten an der Grenze zwischen Thailand und Burma bestätigt und das rund 800 Kilometer entfernt von früheren Nachweisen. Laut Forscher Francois Nosten bedeutet die Zunahme der Resistenz, dass die Anstrengungen zur Ausrottung dieser Krankheit ernsthaft gefährdet sind. Details der Studie wurden in The Lancet http://thelancet.com veröffentlicht.

Ausrottung in Gefahr

Seit vielen Jahren werden die effektivsten Medikamente gegen Malaria aus Artemisia annua, einer chinesischen Pflanze, gewonnen. Sie ist auch unter dem Namen “Einjähriger Beifuß” bekannt. 2009 wiesen Wissenschaftler nach, dass die tödlichsten Malariaparasiten in Teilen von Westkambodscha immer resistenter gegen diese Medikamente wurden. Neue Daten bestätigen, dass diese Plasmodium-falciparum-Parasiten Patienten mehr als 800 Kilometer entfernt an der Grenze zwischen Thailand und Burma infizieren und die Resistenz ständig zunimmt.

Die Wissenschaftler maßen jetzt die Zeit, die Artemisia-Medikamente brauchen, um die Parasiten aus dem Blut von mehr als 3.000 Patienten zu entfernen. Es zeigte sich, dass das Medikament in den neun Jahren zwischen 2001 und 2010 weniger wirksam geworden und die Anzahl der Patienten mit einer Resistenz auf 20 Prozent angestiegen ist. Laut Nosten ist die Entwicklung Besorgnis erregend. “Die Ausrottung der Krankheit ist dadurch auf jeden Fall gefährdet und es kann auch zu einem erneuten Auftreten von Malaria in vielen Regionen kommen.”

Medikamente wirkungslos

Mitautor Standwell Nkhoma vom Texas Biomedical Research Institute http://txbiomed.org erklärte, dass die Ausbreitung von resistenten Malariaparasiten in Südostasien und ein Übergreifen auf die Länder südlich der Sahara, wo die meisten Menschen an Malaria sterben, zu einer Gesundheitskatastrophe mit Millionen Toten führen könnte. Es könne jedoch noch nicht gesagt werden, ob sich die Resistenz verändert hat, weil Moskitos mit resistenten Parasiten sich bis zur Grenze nach Burma ausgebreitet haben. Auch offen ist, ob es zum spontanen Auftreten in der regionalen Bevölkerung gekommen ist. Nun steht das Schreckgespenst von nicht behandelbaren Malariaerkrankungen vor der Tür.

Laut Nosten könnte sich die Resistenz weiter ausbreiten und irgendwann Afrika erreichen. Tritt sie in diesen Regionen jedoch neu auf, so bedeutet dass, das Artemisin der gültige Standard zur Behandlung von Malaria ist und die Ausbreitung möglich ist. “Wenn wir das Artemisinin verlieren, stehen keine neuen Medikamente zur Verfügung, um es zu ersetzen. Wir könnten wieder in die Zeiten vor 15 Jahren zurückfallen, als eine Behandlung aufgrund des Fehlens wirksamer Medikamente sehr schwer war.”

2010 mehr als 655.000 Opfer

In einer in Science http://sciencemag.org veröffentlichten Studie hat das Team um Tim Anderson vom Texas Biomedical Research Institute eine Region des Genoms des Malariaparasiten identifiziert, die mit der Resistenz gegen Artemisin in Zusammenhang steht. Anderson nach ist die Kartierung der geografischen Ausbreitung zwar sehr schwierig, sie bringe jedoch Vorteile. “Wenn wir die genetischen Faktoren der Resistenz gegen Artimisin identifizieren, dann ließen sich Resistenzen schneller bestätigen.” Eine weitere Ausbreitung wäre somit eingedämmt. Laut dem World Malaria Report 2011 http://bit.ly/IazacK sind 2010 rund 655.000 Menschen an Malaria gestorben - also mehr als ein Mensch pro Minute. Die meisten Todesopfer waren kleine Kinder und schwangere Frauen. (Ende)

Demokratie weltweit auf Rückzug

Trotz Wirtschaftserfolgen immer mehr Repression und Ungleichheit

Gütersloh - Wirtschaftliche Erfolge garantieren keinen sozialen Fortschritt: Obwohl die weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gut bewältigt wurde, geht es den Menschen der weniger entwickelten Welt nicht besser, zeigt die aktuelle globale Erhebung der Bertelsmann Stiftung (BTI) über die Qualität von Demokratie und sozialer Marktwirtschaft in 128 Entwicklungs- und Transformationsländern http://www.bti-project.de . In der Mehrheit der Länder bleiben die sozialen Verhältnisse mangelhaft bis katastrophal und die politischen Rechte eingeschränkt.

Wahlen und Meinungsfreiheit in Gefahr

Regelverstöße, Stimmenkauf, intransparente Wahlkampffinanzierung und Betrugsvorwürfe: Die Rechtsstaatlichkeit und die politische Beteiligung wird immer mehr eingeschränkt und die Gewaltentrennung kommt abhanden, zeigt die Analyse, die auf 7.000 Einzelbewertungen von 250 internationalen Fachexperten beruht. Das trifft besonders auf Südost- und Osteuropa zu, allen voran auf die Ukraine und Ungarn. Die Qualität demokratischer Wahlen verschlechtert sich in 15 der 38 untersuchten Ländern dieser Region, einzig in Serbien ist eine Positiv-Entwicklung zu beobachten.

Immer öfter attackieren Regierungen die Meinungsfreiheit unabhängiger Medien und schüchtern Journalisten ein. Das gilt auch für Lateinamerika als zweite große Problemregion. In Argentinien, Ecuador, Guatemala, Mexiko und Panama gerät die Demokratie immer mehr unter die Räder, während in vielen Ländern des südlichen und östlichen Afrikas Folter und willkürliche Verhaftungen zunehmen.

Falsch gelenkte Investitionen

Die Menschen sind unzufrieden mit der sozioökonomischen Leistung der noch jungen oder defekten Demokratien, so die Erklärung der Bertelsmann-Forscher um Aart De Geus. Wo das Vertrauen abhanden kommt, haben populistische Bewegungen leichtes Spiel, während etwa in Lateinamerika politische Eliten Reformen verhindern und die anhaltenden sozialen Ungleichheiten nicht ausreichend bekämpfen.

Dabei ist die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 moderater ausgefallen als befürchtet. Die meisten Ökonomien erholten sich rasch und wurden gesamtwirtschaftlich stabil. Erfolge und Wachstum werden jedoch nicht oder nur unzureichend in soziale Bereiche investiert: 69 der 128 untersuchten Länder entwickeln sich in den Augen der Experten “mangelhaft bis katastrophal”, was die sozioökonomische Entwicklung betrifft. Nur bei gezielter Sozial- und Wirtschaftspolitik werden Sozialstrukturen dauerhaft gerechter, wie die Armutsbekämpfung in Brasilien und Uruguay oder die Bildungspolitik in Singapur, Südkorea und Taiwan zeigen.

Menschheit “isst” zu viel Wasser

Weltwassertag: Wassersparen muss bei Nahrung ansetzen

Berlin/Wien - Gesunde Ernährung, Verzicht auf wasserintensive Produkte, Meiden von Lebensmittel-Müll und mehr Produktion von Nahrung mit weniger Wasser: Das sind die wichtigsten Maßnahmen des Wassersparens, verkündet die UNO am heutigen Weltwassertag http://unwater.org/worldwaterday . Alternativen zu einem nachhaltigen Umgang mit der wichtigsten Ressource des Planeten gibt es nicht: Der Bedarf an Wasser und Lebensmitteln steigt weiter, und Krisen in wasserarmen Regionen nehmen zu. 900 Mio. Menschen haben schon heute kein sauberes Trinkwasser, 2,5 Mrd. keine ausreichenden Sanitäranlagen.

Gefährlicher Konsum

Lebensmittel und andere Alltagsprodukte sind die größten Wasserverschwender: Für ein Kilo Weizen sind 1.500 Liter Wasser nötig, für Schweinefleisch 6.000 Liter und für Rindfleisch sogar 15.000 Liter. Dass Fleisch derart schlecht abschneidet, geht vor allem auf den hohen Wasseraufwand für Futtermittel und Schlachtung der Tiere sowie die wasserintensiven Reinigungsprozesse in der Lebensmittelindustrie zurück. In Summe nutzt deshalb jeder Deutsche 4.000 Liter pro Tag. Die “We are water”-Foundation http://wearewater.org bringt dies im Slogan “Wir essen mehr Wasser als wir trinken” auf den Punkt.

Welche globalen Folgen daraus entstehen, zeigt der aktuelle UNESCO-Weltwasserbericht: Das geänderte Konsumverhalten steht demnach hinter dem zunehmenden Wasserverbrauch der Menschheit, wobei besonders der Ersatz von Getreide- oder Gemüseprodukten durch Fleisch und Milch ins Gewicht fällt. Die Industriestaaten importieren mehr “virtuelles” Wasser aus anderen Regionen als sie selbst aufbringen. Wenn deshalb etwa Spanien das Grundwasser abhanden kommt, trägt der Konsum von spanischem Gemüse anderswo entscheidend Verantwortung dafür.

Müll vermeiden, Duschköpfe wechseln

Verbreitet ist dieses Wissen noch wenig. Nur jeder Fünfte weiß, dass wasserschonende Produkte den Wasserverbrauch verringern, zeigt eine Forsa-Umfrage des “Zukunftsprojekt Erde” http://zukunftsprojekt-erde.de . Entsprechend werden auch Regenwasser-Toilettespülungen und wassersparende Haushaltsgeräte weit eher als Wasserspar-Maßnahmen genannt. Dass auch die Vermeidung von Lebensmittelabfällen dazu gehört - jeder weggeworfene Apfel etwa spült 70 Liter Wasser in die Tonne - ist noch weniger bekannt. Einem Wasserverbrauch-Gütesiegel stehen allerdings die meisten sehr offen gegenüber.

Deutlich weniger als die vier Kubikmeter - nämlich 127 Liter - lässt jeder Deutsche pro Tag durch die Wasserleitung rinnen, ein Drittel davon für Baden, Duschen und Körperpflege. Auch hier ist Optimierung möglich: Das Öko-Institut http://oeko.de rät zu Brausen mit wassersparendem Duschkopf, die neun statt 15 Liter pro Minute durchlassen, was Wasser und auch Energie zur Erhitzung einspart. Das Haushaltsbudget profitiert davon: Bei 300 Sechs-Minuten-Duschen pro Person und Jahr spart ein Zwei-Personen-Haushalt durch Wasserspar-Duschköpfe je nach Warmwasser-Aufbereitung zwischen 180 bis 350 Euro. (Ende)

Erste Joghurts mit Stevia-Süße erhältlich

Danone-Entwickler: “Geschmacksproblem mit Erfolg gelöst”

Wien - Die erste Molkereiprodukt-Serie mit Stevia-Süße hat soeben Danone http://danone.com auf den Markt gebracht. Mit seiner Marke “DanVia” launcht der Lebensmittelkonzern in Österreich mit Vertriebspartner Alpenmilch Salzburg http://milch.com Molken und Joghurts in sieben Geschmackssorten mit dem Süßstoff, den die EU im November zugelassen hat. Robert Kunkel, Entwicklungsingenieur der Danone Forschung Zentraleuropa, erklärt im Interview anlässlich der Produktpräsentation in Wien am heutigen Dienstag die Probleme und Chancen der natürlichen Zucker-Alternative.

Nachgeschmack als Hürde

Stevia wurde in Japan bereits in den 70er-Jahren eingesetzt, in Europa für bestimmte Produkte erstmals 2008 in Frankreich und der Schweiz, ehe im November 2011 die EU-weite Zulassung folgte. Extrakte aus den getrockneten Blättern der Pflanzen sind für die Süßwirkung verantwortlich. Als wichtigste Vorteile kann Stevia vorweisen, dass sie ohne Kalorien auskommt, keinen Karies verursacht und auch für Diabetiker geeignet ist. Ein Nachteil ist der gewöhnungsbedürftige, herb-bittere Nachgeschmack in der Naturform.

“Größte Herausforderung war, den Nachgeschmack und die zu starke Süße von Stevia in den Griff zu bekommen”, verdeutlicht auch der Danone-Entwickler. Stevia süßt 250-Mal stärker als Zucker, weshalb man in der Dosierung äußerst genau vorgehen muss - Stevioglykoside machen weniger als 0,1 Prozent des Joghurts aus. Die EU ist bei den als unbedenklich eingestuften Höchstgrenzen strikt - vier Milligramm Tagesdosis pro Kilogramm Körpergewicht sollte man höchstens verzehren. Kunkel hält diese Menge für großzügig bemessen, mache doch mehr ohnehin kaum Sinn - “aus Geschmacksgründen”.

Ohne Zucker und künstliche Süße

Die Geschmacksfrage wurde mit Erfolg gemeistert, zeigt ein erster Test des Produkts, wenngleich Unterschiede zum gewohnten Zuckergeschmack durchaus auffallen. Statt den üblichen elf bis 14 Prozent Zucker kommen die DanVia-Joghurts mit bloß 3,9 bis 5,0 Prozent aus, was auf den Milch- und Fruchtzucker - als Geschmackssorten sind bisher Erdbeere, Marille, Vanille und Kirsche vertreten - zurückgeht. “Da der aktuelle Zuckerkonsum der Bevölkerung weit über der WHO-Empfehlung liegt, kann Stevia einen wichtigen Beitrag zur Reduktion leisten”, so Petra Burger, Ernährungswissenschafterin bei Danone.

Warten auf das Echo

Mit der Stevia-Produktreihe will Danone in Österreich vorerst “einen zweistelligen Millionenbetrag Umsatz” erreichen, auch ein Export ist denkbar. Einiges spricht dafür, dass die Alpenrepublik Danones Versuchsland für den Anklang des Stevia-Joghurts ist. “Österreich bietet einen überschaubaren Markt mit guten Kapazitäten und Partnern, wodurch das Risiko gering bleibt. Die nächsten Monate entscheiden, ob auch andere Länder das Konzept übernehmen”, betont auch Kunkel.

Vor einem Problem, das alle Stevia-Produkte betrifft, ist auch Danone nicht gefeit: Die aus Paraguay stammende Stevia-Pflanze wächst in Europa nicht und muss importiert werden, zudem ist auch die aufwendige Verarbeitung ein Preistreiber. Die DanVia-Joghurts kommen in Österreich mit einem unverbindlich empfohlenen Packungspreis von 0,89 Euro für 180 Gramm auf den Markt. “Angesichts der hohen Rohstoffkosten wird es schwierig sein, Stevia-Joghurts in Deutschland, wo die Joghurt-Preislatte deutlich niedriger liegt, zu positionieren”, erklärt der Danone-Experte. Abzuwarten bleibt auch, wie sich die Bewerbung eines Joghurts ohne Zucker oder künstliche Ersatzstoffe auf das Image herkömmlicher Joghurts auswirkt. (Ende)

IG Ressource Wasser: Zukunft des Wassers ungewiss

Internationaler Tag des Wassers am 22.3. rückt das Thema ins Zentrum

Wels/Oberösterreich - Der verantwortungsvolle Umgang mit den Wasservorräten der Erde ist Kernthema des von der UN Water 1998 eingeführten World Water Day - Weltwassertag -, der heuer am 22. März 2012 zum Thema Wasser- und Nahrungssicherheit - Water& Food Security - stattfindet. Die Feierlichkeiten zum Weltwassertag konzentrieren sich dieses Jahr auf die französische Gastgeberstadt des Weltwasserforums, Marseille. Hier wird die UNESCO ihren vierten Weltwasserbericht vorstellen, der mit Spannung erwartet wird.

Die IG Ressource Wasser nimmt den Weltwassertag jedes Jahr zum Anlass, auf den bewussten Umgang mit Wasser und Regenwasser aufmerksam zu machen. Erstmals hat die Interessensgemeinschaft eine hochkarätige Expertenrunde zum Kamingespräch in das Science Center Welios gebeten.

Unter dem Motto “Steht uns das Wasser bald bis zum Hals?” diskutierten über die Zukunft des Wassers Kurt Schütter und DI Thomas Fleischanderl8 (beide IG Ressource Wasser), DI Gernot Brandweiner (VÖB), DI Markus Kumpfmüller (Landschaftsplaner), DI Karl Grimm (Landschaftsarchitekt), Thomas Muggenhumer von Muggenhumer Energiesysteme und Mag. Alexander Tauchmann (Geotechnik).

In dem einstündigen Gespräch widmen sich die Experten den Fragen zu den Themen Versickerung und Retention von Regenwasser sowie der Versiegelung von Flächen. Wie also kommt der Regen in den Boden, wenn immer mehr Flächen versiegelt werden? Mehr über das Thema Versickerung und das Video zum Kamingespräch auf http://www.igrw.at .

Ausgangslage

In Österreich beträgt die Zunahme der versiegelten Flächen seit dem Jahr 1995 rund 40 Prozent. Derzeit sind 16 Prozent des Dauersiedlungsraumes österreichweit versiegelt oder bildlich dargestellt verschwinden rund 20 Fußballfelder tagtäglich unter Beton-, Asphalt- oder Ziegelflächen.

Sobald kein Regenwasser, Schnee oder Hagel mehr in den Boden eindringen kann, fließen große Wassermassen mehr oder weniger vollständig oberirdisch ab. Starke Regenfälle sind immer wieder Auslöser für die Überlastung von Abwassersystemen, die den heftigen Wasserspitzen kaum standhalten können.

Dezentrale Versickerung

Im privaten Bereich kann jeder seinen Beitrag dazu leisten, Niederschlagswasser unmittelbar auf seinem eigenen Grundstück zu versickern. Ziel ist dabei, das Wasser dort, wo es auf die Erde trifft, wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zuzuführen. Aktive Regenwassernutzung (für jene Verwendungsbereiche bei denen Trinkwasser nicht erforderlich ist, wie Toilettenspülung oder Gartenbewässerung) im öffentlichen wie privaten Bereich trägt wesentlich dazu bei, Wasserabflüsse aus Siedlungsgebieten nachhaltig zu reduzieren.

Zur Verfügung stehen verschiedene Versickerungssysteme wie Sickertunnel, Sickerboxen oder Sickerschächte aus Beton, die die Anforderungen nach einem ökologisch sinnvollen Umgang mit Regenwasser ermöglichen.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Der nachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser erfordert neben der Erhaltung und Schaffung von guter Wasserqualität einen ebenso bewussten Umgang mit Niederschlagswasser. Ziel muss sein, die Flächenversiegelung auf ein Mindestmaß zu beschränken, die Regenwassernutzung und Regenwasserversickerung zu forcieren, um die oberflächig abfließenden Wassermengen zu reduzieren und den vorhandenen Grundwasserhaushalt so gering wie nur möglich zu beeinträchtigen.

Regenwassernutzung ist aus ökologischer und ökonomischer Sicht eine sinnvolle Ressourcennutzung, die den Wasserhaushalt langfristig für Mensch und Natur in Einklang belässt. Anlagentechnik und Produkte zur Regenwassernutzung sind mittlerweile so ausgereift, dass für alle Ansprüche und jeden möglichen Anwendungsbereich geeignete Komponenten zur Verfügung stehen. Die Langversion des Textes, mehr über das Thema Versickerung und das Video zum Kamingespräch auf http://www.igrw.at .

Illegaler Organhandel beutet Ärmste aus

Bangladesch: Mittellose verkaufen Nieren für wenig Geld

Michigan/Frankfurt - Illegale Organverkäufe sind weltweit stark am zunehmen. Speziell in Entwicklungsländern kommt es immer häufiger vor, dass ärmere Menschen ein Organ - Niere, Leber oder sogar Teile der Hornhaut - aus Geldnöten an Empfänger in Industrieländer verkaufen. Wie dies in der Praxis abläuft, hat der Anthropologe Monir Moniruzzaman von der Michigan State University http://www.msu.edu untersucht - und soeben in einem Bericht veröffentlicht.

Bestechung zugunsten der Reichen

Moniruzzaman ermittelte ein Jahr lang verdeckt im illegalen Organhandel-Markt von Bangladesch. Er interviewte dabei unter anderem 33 Menschen, die ihre Niere auf dem Schwarzmarkt für Dumpingpreise verkauft haben. Häufig bekamen diese Menschen, die ihre Organe aus dringender Geldnot verscherbeln, nicht die Summe, auf die sie sich mit dem Käufer geeinigt hatten.

Ärzte, Krankenhäuser, Beamte oder Pharmaunternehmen verschliessen ihre Augen und werden in der Regel von Organ-Maklern bestochen. Über derartige Mittelmänner gelangen die Körperteile von Bangladesch in die USA, in den Nahen Osten oder nach Europa, auch Deutschland und Österreich sind unter den Empfängerländern. “Das ist eine schwere Form der Ausbeutung verarmter Menschen, deren Körperorgane auf dem Markt zu Waren geworden sind - nur um das Leben der wenigen Reichen zu verlängern”, ärgert sich Moniruzzaman.

Delikt in Europa

In Deutschland wurde nie ein Fall von Organhandel bekannt, heißt es bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation http://dso.de . “Der Organhandel ist nach dem Transplantationsgesetz in Deutschland unter Strafe gestellt”, sagt Christine Gehringer, Sprecherin der Stiftung, auf pressetext-Anfrage.

Suche per Zeitungsannonce

Die Organ-Makler ködern ihre Opfer durch Anzeigen in der Zeitung, dokumentierte Moniruzzaman durch 1.200 derartige Anzeigen. Den Verarmten wird teils für eine gespendete Niere ein Visum für die USA in Aussicht gestellt. Doch auch den Geldversprechen gelingt es oft, Verzweifelte zu locken: Nieren werden in Bangladesch um 1.400 Dollar gehandelt. 78 Prozent der Bevölkerung verfügen über weniger als zwei Dollar pro Tag. (Ende)

Immer mehr Migräne bei Kindern

Expertin: “Problem wird völlig übersehen”

Wien - Migräne und chronischer Kopfschmerz sind bei Kindern und Jugendlichen auf dem Vormarsch: Hatten in den 70er-Jahren nur 14 Prozent von ihnen Kopfschmerz-Erfahrung, sind es heute 60 bis 80 Prozent. Die Politik ignoriert das Thema völlig und es gibt kaum Behandlungszentren, warnen Experten. “Kopfschmerz sieht man nur als Symptom, das durch Behandlung der grundlegenden Ursache ohnehin verschwindet. Das trifft auf akuten, nicht aber auf chronischen Kopfschmerz zu”, betont Çiçek Wöber-Bingöl, Leiterin des pädiatrischen Komitees der internationalen Kopfschmerz-Gesellschaft http://ihs-headache.org , am 16. Internationalen Wiener Schmerzsymposium.

Gefahr aus dem Eistee

Meist tritt Kopfschmerz bei Kindern gemeinsam mit Infekten auf, zunehmend jedoch auch als Migräne, an der drei bis fünf Prozent der Unter-Zwölfjährigen leiden, in der Pubertät bei Knaben sieben und bei Mädchen zwölf Prozent. Zu den Auslösern zählen zu wenig oder zu viel Schlaf, fehlendes Trinken, das Auslassen von Mahlzeiten, Schulstress, Ängste und Familienprobleme. “Vermutlich stehen Stress, Scheidungen und prekäre materielle Verhältnisse wesentlich hinter diesem Anstieg”, schätzt Wöber-Bingöl, die zugleich an der Wiener Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie die Kopfschmerzambulanz leitet.

Einige der gängigen Annahmen über Kopfschmerz-Verursacher sind schlichtweg falsch, so die Neurologin gegenüber pressetext. “Bei manchen Kindern tritt Spannungskopfschmerz immer dann auf, wenn sie zuvor Süßigkeiten oder Obstsalat verzehrt haben. Der Auslöser des Kopfwehs ist hier wohl die Unverträglichkeit bestimmter Inhaltsstoffe, nicht etwa der Heißhunger. Auch der oft überbordende Konsum von Eistee spielt eine Rolle. Die Eltern übersehen, dass die Kinder darin viel Teein konsumieren, das wie Koffein wirkt.” Teils stecken hinter Kopfweh jedoch auch nicht erkannte Seh-, Lese- oder Lernstörungen.

Lebensstil überprüfen

Um solche Verursacher auszuschließen, muss der Arzt in der Anamnese sehr präzise vorgehen - “nicht nach Routineplan, sondern altersadaptiert und unter Berücksichtigung der Sorgen und Ängste der Eltern”, wie Wöber-Bingöl betont. Kindliche Migräne ist oft von Erbrechen, Bauchschmerzen oder Schwindel begleitet. Warnsignale bei Kleinkindern sind, wenn sie nicht mehr spielen, sich zurückziehen und hinlegen, zudem auch wiederholte Blässe oder Weinerlichkeit. Ist eine bildgebende Abklärung nötig, rät die Expertin zur MRT - aus Gründen des Strahlenschutzes, der Ergebnis-Genauigkeit und da die Eltern dabei sein können.

Die Migränetherapie muss bei der Aufklärung der Kinder und ihrer Eltern ansetzen, um typische Auslöser im Alltag zu vermeiden und den Lebensstil anzupassen. Wichtig sind hier etwa die Einschränkung von Teein und Koffein, regelmäßiges Trinken und Mahlzeiten, Verzicht auf Elektronik eine halbe Stunde vor dem Bettgehen, genügend Lernpausen und Abbau von Stressmomenten. “Ein Kind braucht morgens vom Aufstehen bis zum Verlassen der Wohnung 40 Minuten. Sind es immer nur 15 Minuten, ist der Effekt ähnlich wie wenn man ein Auto ständig von null auf 200 km/h beschleunigt”, sagt Wöber-Bingöl.

Besser ohne Medikamente

Bei Anzeichen einer Migräneattacke sollten Kinder von Reizen abgeschirmt werden und sich in ruhiger, abgedunkelter Umgebung hinlegen. Medikamente wirken im Grundschulalter aufgrund der kurzen Dauer der Attacken überhaupt nicht, viel besser sei Entspannen und Ablenken “Allein dadurch gelinge es bei drei von vier Kindern mit mehr als drei Kopfschmerzattacken pro Woche, die Häufigkeit auf eine Attacke in zwei Monaten zu reduzieren. Es ist wichtig, das Problem in der Kindheit und Jugend zu erkennen und Betroffene vorzubereiten, etwa was den richtigen Umgang mit Medikamenten betrifft. Sonst nehmen sie den Kopfschmerz ins Erwachsenenalter mit”, betont die Wiener Kopfschmerz-Spezialistin. (Ende)